Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3011

Ungelesener Beitrag von emil17 »

Entscheidet Euch doch mal ob ihr Marktwirtschaft wollt oder nicht.
Wenn du Martktwirtschaft willst musst du das erzeugen was sich rechnet. Wenn du das nicht kannst, geht es dir genau gleich wie Tante Emma ihrem Laden nachdem daneben ein Aldi kam. Hat das jemanden interessiert, und hat Tante Emma vom Staat viel Geld bekommen, bloss weil Tante Emma nett war und weil es eigentlich nützlich für die Gesellschaft ist, einen Laden in jedem Dorf zu haben?

Wenn du deine 24'000 t B-Weizen nicht kostendeckend los wirst, dann musst du etwas anderes machen, oder es ganz lassen.

Oder ihr habt keine Marktwirtschaft, dann werdet ihr von einem Auftraggeber bezahlt, und dann musst du machen was der will, wie jeder andere Auftragnehmer auch.

Aber "ich kann nur das und das und ich muss dafür mindestens diesen Preis haben, sonst gehe ich ein, also ist mir so und soviel dafür zu bezahlen" das geht in der Marktwirtschaft nicht.
Kommt hinzu, dass die Landwirtschaft vom Staat eh schon privilegiert wird, etwa mit steuerbegünstigtem Diesel. Den hätten Tiefbaufirmen und Transportgewerbe auch gerne, denn auch dort geht ohne Treibstoff nichts und auch die wissen, was Konkurrenz ist. Wichtig für die Gesellschaft sind diese Gewerbe zweifellos auch.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3012

Ungelesener Beitrag von Manfred »

Oelkanne hat geschrieben: Fr 15. Okt 2021, 18:33 ... bis man die BZA angeschaut hat.
Ich übersetze mal vorsorglich BZA = Betriebszweigauswertung.

Was bringt die schönste und theoretisch sinnvollste Frucht, wenn die finanzielle Seite nicht stimmt.
Solange die Kritiker der Landwirtschaft nicht zu einer ganzheitlichen Herangehensweise wechseln, werden sie in der Gesamtschau fast immer mehr Schaden als Nutzen anrichten.
Was hilft der aus der Ferne schönste ha Blühfläche der Natur, wenn in Südamerika dafür ein ha artenreicher Regenwald gerodet und dabei evtl. mehrere Arten ausgerottet werden und der Boden der Blühfläche ausschaut wie ein schlecht bewirtschaftetes Maisfeld...
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3013

Ungelesener Beitrag von Manfred »

emil17 hat geschrieben: Fr 15. Okt 2021, 20:36 etwa mit steuerbegünstigtem Diesel. Den hätten Tiefbaufirmen und Transportgewerbe auch gerne, denn auch dort geht ohne Treibstoff nichts und auch die wissen, was Konkurrenz ist. Wichtig für die Gesellschaft sind diese Gewerbe zweifellos auch.
Den Aufschrei möchte ich hören, wenn die Tiefbaufirmen plötzlich mit chinesischen Baufirmen mit steuerfrei mitgebrachtem Diesel und nach chinesischem Tarif bezahlten Arbeitnehmern konkurrieren müssten...

Die Tiefbauer wechseln dann evtl. auch in den "Naturschutz", wo sie für Naturzerstörung vom warmen Büro aus fürstlich entlohnt werden.
Hat schon mal jemand die CO2-Bilanz eines NABU-Büros berechnet?
Vermutlich heizen die auch alle brav mit feinstaubfreiem Scheitholz oder sind so gut gedämmt, dass sie gar keine Heizung benötigen?
Und wenn man dann ihre Bahnfahrten auch noch mit den tatsächlichen Werten statt mit theoretisch voll besetzten Zügen nachrechnet?
Wenn das mal kein böses Ende nimmt...
penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3014

Ungelesener Beitrag von penelope »

Oelkanne hat geschrieben: Fr 15. Okt 2021, 17:19

Nach wollen fragt kaum einer, es geht ums können.
Nicht um das Können im Sinne von Lernen und Üben sondern um das finanzielle können.
Die von dir und Emil geforderten alternativen Vertriebswege sind für über 95% schlicht nicht machbar
Ich meinte mit "nichts ändern wollen" auch gar nicht nur den Umstieg auf eine andere Form der Landwirtschaft, sondern auch beispielsweise denn Umstieg in einen anderen Beruf. Klar, ist auch nicht einfach, aber wenn einerseits Landwirtschaft in Deutschland immer als das ultimativ Schlimmste hingestellt wird, dann muss die Überlegungen, in eine andere Branche zu wechseln, doch naheliegend sein.

Ich fordere doch auch an keiner Stelle irgendwelche Betriebswege von irgendwem. Ich freu mich einfach nur immer, wenn ich von Leuten höre, die eine gute und ungewöhnliche Idee hatten und mutig genug waren, die auch umzusetzten und damit Erfolg haben. Ob nun in der Landwirtschaft oder in irgendeiner anderen Branche. Für mich ist es immer inspirierenden, ich hocke hier ja auch noch in meinem Job und hoffe, dass mich irgendwann nochmal möglichst gleichzeitig eine gute Idee und genügend Mut überkommen ;) Für andere scheinen solche Beispiele ganz große Trigger zu sein.
Benutzer 4754 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3015

Ungelesener Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

emil17 hat geschrieben: Fr 15. Okt 2021, 20:36 Entscheidet Euch doch mal ob ihr Marktwirtschaft wollt oder nicht.
Wenn du Martktwirtschaft willst musst du das erzeugen was sich rechnet.
Das tun wir. Un dann kommst du und schipfst was für böse Bauern wir doch sind.
Wir leben von unserem Strukturellen Vorteil:
große, einheitliche Schläge, kaum Hindernisse und dadurch gut mechnisierbar.
Wir haben ein Schlagdurchschnitt von 80 Hektar. ohne Rohana zu nahe treten zu wollen aber ich glaube das ist ihr ganzer Betrieb :ua:
Genau das beschimpfst du aber als Agrarindustrie.
Zur Marktwirtschaft:
ja die wäre schön.
Weltmarktbedingungen und dann können wir auch zu Weltmarktpreisen produzieren.
Es herrschen keine Weltmarktbedingungen und zum Ausgleich bekommen wir Agrarausgleichszahlungen.

Die Tiefbaufirma hat keine Konkurrenz aus aller Welt, deshalb braucht sie auch kein Ausgleich. Sie produzeirt zu lokalen Preisen und nicht zu Weltmarktpreisen.
emil17 hat geschrieben: Fr 15. Okt 2021, 20:36 Wenn du deine 24'000 t B-Weizen nicht kostendeckend los wirst, dann musst du etwas anderes machen, oder es ganz lassen.
was schlägt euer Hochwürden denn als alternative vor?
Es lassen: da kommt der böse Strukturwandel...
emil17 hat geschrieben: Fr 15. Okt 2021, 20:36 Aber "ich kann nur das und das und ich muss dafür mindestens diesen Preis haben, sonst gehe ich ein, also ist mir so und soviel dafür zu bezahlen" das geht in der Marktwirtschaft nicht.
Wir haben keine Marktwirtschaft im Sektor der Urproduktion.
Benutzer 4754 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3016

Ungelesener Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

penelope hat geschrieben: Fr 15. Okt 2021, 20:59
Oelkanne hat geschrieben: Fr 15. Okt 2021, 17:19

Nach wollen fragt kaum einer, es geht ums können.
Nicht um das Können im Sinne von Lernen und Üben sondern um das finanzielle können.
Die von dir und Emil geforderten alternativen Vertriebswege sind für über 95% schlicht nicht machbar
Ich meinte mit "nichts ändern wollen" auch gar nicht nur den Umstieg auf eine andere Form der Landwirtschaft, sondern auch beispielsweise denn Umstieg in einen anderen Beruf. Klar, ist auch nicht einfach, aber wenn einerseits Landwirtschaft in Deutschland immer als das ultimativ Schlimmste hingestellt wird, dann muss die Überlegungen, in eine andere Branche zu wechseln, doch naheliegend sein.
sicher dass kan jeder tun.

Aber heult dann bitte nicht rum wenn es keine kleinen Betriebe mit "bäuerlicher Landwirtschaft" (was ist das eigentlich) mehr gibt
sondern Aktiengesellschaften mit deutlich fünfstelligen Hektarzahlen, 10.000 Rindern, 25.000 Schweinen oder 700.000 Hühnern.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3018

Ungelesener Beitrag von Manfred »

Oelkanne hat geschrieben: Fr 15. Okt 2021, 21:01 Wir haben ein Schlagdurchschnitt von 80 Hektar. ohne Rohana zu nahe treten zu wollen aber ich glaube das ist ihr ganzer Betrieb :ua:
Meiner passt da fast 2 x rein und ist von diversen öffentlichen Wegen, Hecken, Gehölzen, Gewässern, anderen Flächen zerschnitten.
Aber international sind 80 ha halt immer noch poplig kleine Flächen und mit den max. 3 m Transportbreite auf unseren Straßen ist man auch stark behindert.

In Australien und Brasilien arbeiten inzwischen Maschinen mit über 50 m Arbeitsbreite.
Da sind bei 10 km/h 50 ha in einer Stunde durch.
Das aktuell größte mir bekannte Agarunternehmen bewirtschaftet eine Fläche 5 x so groß wie die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche der Schweiz.

Und bei uns formen sich massive Proteste gegen die böse Massentierhaltung, wenn ein Biobauer einen Stall für 200 Mastschweine bauen will, um etwas zu diversifizieren.
penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3019

Ungelesener Beitrag von penelope »

Oelkanne hat geschrieben: Fr 15. Okt 2021, 21:01 Weltmarktbedingungen und dann können wir auch zu Weltmarktpreisen produzieren.
Du bist doch angestellt in einem größeren Betrieb, oder?
Möchtest du denn den durchschnittlichen Lohn und den durchschnittlichen Lebensstandard eines Arbeiters in der Landwirtschaft, so global betrachtet?
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#3020

Ungelesener Beitrag von emil17 »

Oelkanne hat geschrieben: Fr 15. Okt 2021, 21:01 Das tun wir. Un dann kommst du und schipfst was für böse Bauern wir doch sind.
Ich schimpfe nicht, ich stelle bloss fest. Immer wenn man von aussen etwas feststellt, was in der Landwirtschaft schlecht läuft oder besser laufen könnte, dann hat man etwas gegen die Bauern, sprich ihr könnt keine Kritik vertragen.
Oelkanne hat geschrieben: Fr 15. Okt 2021, 21:01 Zur Marktwirtschaft:
ja die wäre schön.
Weltmarktbedingungen und dann können wir auch zu Weltmarktpreisen produzieren.
Es herrschen keine Weltmarktbedingungen und zum Ausgleich bekommen wir Agrarausgleichszahlungen.
Schön, dann machen wir mal: Produktpreise und Löhne ohne Aussenschutz, keine Ausgleichszahlungen, kein Agrardiesel, alles was rein industrielle Tierproduktion ist, kommt in die Industriegebiete. Auflagen im Umweltbereich genau wie für alle anderen Betriebe auch. Selbstverständlich keine Privilegien mehr wie Schutz der Bodenpreise vor Spekulation.
Oelkanne hat geschrieben:Es lassen: da kommt der böse Strukturwandel...
Das erste was passieren würde: Ein sehr viel rascheres Eingehen von Betrieben.
Du sagst es, aber der andere Bauer hier im Forum findet genau das schlimm und eine Folge der Überregulierung.
Oelkanne hat geschrieben: Fr 15. Okt 2021, 21:01Die Tiefbaufirma hat keine Konkurrenz aus aller Welt, deshalb braucht sie auch kein Ausgleich. Sie produzeirt zu lokalen Preisen und nicht zu Weltmarktpreisen.
Das stimmt für den lokalen Abwassergraben, aber nicht für Grossaufträge wie neue Bahnstrecken, Schnellstrassen und dergleichen.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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