Überlegungen zu Zusammenarbeit und Gemeinschaften zur SV

Was halt nirgendwo passt
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Rohana
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Re: Überlegungen zu Zusammenarbeit und Gemeinschaften zur SV

#21

Beitrag von Rohana »

emil17 hat geschrieben: Di 30. Mär 2021, 09:14 @ rohana: Die Projektverantwortung kann auch problematisch sein, nämlich bei Dingen die keiner will aber die man trotzdem tun sollte, wie Klo putzen oder Stall saubermachen - da ist dann der alte spiessige Putzplan und die Einkaufsliste gar nicht so schlecht.
Das ist aber doch grade was ich sage: Laut Putzplan ist Person X verantwortlich - so kann sich keiner drücken bzw. nicht alle sagen "aber ich dachte Z macht das heute..." und da die Zuständigkeit rotiert, kann sich keiner beschweren dass es irgendwas "immer" machen müsste. In anderen Bereichen ist das nur bedingt brauchbar, aber für solche Tätigkeiten perfekt. :daumen:

Alternativ hilft irgendwas solange nicht machen bis jemand anderes genervt ist und es dann macht, z.B. die Küche wischen. Das passiert z.B. in meiner "WG", und es ist NICHT die Art von Zustand die ich mir wünsche. Die Alternative dazu wäre halt ALLES selber zu machen und das geht nunmal nicht.
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Dyrsian
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Re: Überlegungen zu Zusammenarbeit und Gemeinschaften zur SV

#22

Beitrag von Dyrsian »

Viele langfristig erfolgreiche Gemeinschaften funktionieren eben auch, weil es eine übergeordnete Wertvorstellung gibt der sich alle bedingungslos unterordnen. Das beste Beispiel ist Religion, die Hippiegeschichte ist nicht ganz so dicht, aber ähnlich. Wenn ich von vorneherein weiß, es gibt hier kein Eigentum, es wird gekifft und mit der Monogamie nehmen wir es auch nicht so genau, dann werde ich mich da nicht einmieten wenn ich eher bürgerlich unterwegs bin. Bei den religiösen Gemeinschaften gibt es dann oft Anführer, die eine Art "letzte Entscheidung" fällen können, was Prozesse vereinfacht und beschleunigt. Je enger das Regelkorsett, desto weniger Zwist gibt es meist, aber desto weniger Freiheit eben auch.
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emil17
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Re: Überlegungen zu Zusammenarbeit und Gemeinschaften zur SV

#23

Beitrag von emil17 »

Das bedeutet aber, dass sich hauptsächlich innerlich schwache Personen um die selbsternannten Gurus scharen. Es verhindert Selbstreflektion - die grösste Sünde wider jede Autorität, weshalb Sekten Abtrünnige ausschliessen und die Kirche Ketzer verbrannt hat, ohne je auch nur dran zu denken, dass diese Leute nicht ganz unrecht haben könnten und dass es vor der eigenen Tür einiges zu wischen gäbe.
Die Anführer, die kraft ihrer Autorität letzte Entscheidungen fällen, die tun Prozesse nicht vereinfachen und beschleunigen, die tun sie verhindern. Autorität (wir machen es so, weil X es so will) hat nur gegenüber ganz unvernünftigen Leuten und in Notlagen eine Berechtigung.

Freiheit bedeutet eben auch Pflichten gegenüber anderen haben, vor jedem Essen kommt ein Einkaufen/Rüsten/Kochen/Tisch decken und nach jedem Essen kommt ein Abwasch. Regeln der Gemeinschaft sollen deshalb nicht Freiheiten beschneiden, sondern sie für alle optimieren.

Die allseits gefürchteten Gruppendiskussionen (es wurde zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem, und mir geht es jetzt schlecht, weil ich mir jetzt überlegen muss, für welchen Tag ich mich in die Putzliste eintragen soll) lassen sich mit etwas Selbstdisziplin erträglich halten - je nach dem wer mitmacht ...
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penelope
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Re: Überlegungen zu Zusammenarbeit und Gemeinschaften zur SV

#24

Beitrag von penelope »

Na ja, bei religiösen Gemeinschaften mit einem Anführer als letzte Insatz bin ich aber skeptisch.

Die ganzen Skandale und die katholische Kirche in den letzten Jahren lassen nicht unbedingt drauf schließen, dass das "best practise" ist. Es gibt auch eine ganz tolle Doku (Wild Wild Country) über die Bhagwan-Sekte, die wirklich sehr sehenswert ist. Auf der einen Seite ist es irre, was die in wie kurzer Zeit erschaffen haben, aber auf der anderen Seite wird auch sehr klar, das nicht wirklich beständig sein kann, wenn es von nur einem "Oberen" abhängig ist.

Klar gibt es Prozesse, wo es keine Zeit zum Diskutieren gibt und es einfach nicht anders geht, als das irgend jemand das Kommando hat. Ich bin früher öfters gesegelt. Da muss es einfach eine Person geben, die ansagt, wir fahren die Wende genau jetzt - und alle anderen wissen dann, was sie zu machen haben. Aber das ist ja deswegen nicht gleich auf das ganze Leben übertragbar. Gerade Themen im Bereich Gärtner und Selbstversorung sind ja oft eben genau nicht besonders schnell. Was man jetzt im April aussäht, kann man sich ja den ganzen Winter lang überlegen. Ich kann verstehen, dass man keine Lust hat, das lang und breit mit anderen Leuten zu diskutieren - aber die Zeit dafür wäre da ;)
Eule
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Re: Überlegungen zu Zusammenarbeit und Gemeinschaften zur SV

#25

Beitrag von Eule »

penelope hat geschrieben: Do 1. Apr 2021, 10:33 Na ja, bei religiösen Gemeinschaften mit einem Anführer als letzte Insatz bin ich aber skeptisch.
ich sehe da keinerlei prinzipiellen Unterschied zu autoritären, politischen Systemen, und darum ist "skeptisch" nicht exakt das Wort, das ich wählen würde, um meie Meinung dazu zu beschreiben :pfeif:

Was WGs und andere Lebensgemeinschaften betrifft, hängt deren Ge- oder Misslingen meiner Ansicht nach davon ab, mit welchen Vorerfahrungen die Teilnehmer/Mitglieder dort hin kommen: Jemand aus einer kinderreichen Familie hat sicher deutlich weniger Anpassungsprobleme als Jemand, der sich immer nur um seine eigenen Bedürfnisse kümmern musste und die Ansicht vertritt: wenn Jeder an sich selbst denkt, ist an Alle gedacht.
Ob da eine WG o.ä. die Sozialisations-Arbeit leisten kann, die das Elternhaus nicht erbracht hat, weiß ich nicht, habe aber Zweifel, so lange die Option "Ausstieg" jederzeit gegeben ist :im:
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emil17
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Re: Überlegungen zu Zusammenarbeit und Gemeinschaften zur SV

#26

Beitrag von emil17 »

Eule hat geschrieben: Do 1. Apr 2021, 11:44 Ob da eine WG o.ä. die Sozialisations-Arbeit leisten kann, die das Elternhaus nicht erbracht hat, weiß ich nicht, habe aber Zweifel, so lange die Option "Ausstieg" jederzeit gegeben ist :im:
Oh doch, und zwar lernt man in der WG so banale Sachen wie die, dass man Klopapier kaufen kann und dass man es tun sollte, bevor es alle ist.
Zuhause lernt man das nicht, weil wir Eltern dafür sorgen, dass immer alles da ist.

Die Option Ausstieg ist wichtig: Weswegen Diktaturen genauso wie Sekten ihre Bürger einsperren, weil sie nicht wollen, dass die mit den Füssen wählen.
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Rohana
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Re: Überlegungen zu Zusammenarbeit und Gemeinschaften zur SV

#27

Beitrag von Rohana »

emil17 hat geschrieben: Do 1. Apr 2021, 13:08 Oh doch, und zwar lernt man in der WG so banale Sachen wie die, dass man Klopapier kaufen kann und dass man es tun sollte, bevor es alle ist.
Zuhause lernt man das nicht, weil wir Eltern dafür sorgen, dass immer alles da ist.
Das lernt man sowieso sobald man auszieht, egal wohin :pfeif:
Eule hat geschrieben: Do 1. Apr 2021, 11:44 Was WGs und andere Lebensgemeinschaften betrifft, hängt deren Ge- oder Misslingen meiner Ansicht nach davon ab, mit welchen Vorerfahrungen die Teilnehmer/Mitglieder dort hin kommen
Erfahrung ist sicher hilfreich, aber nicht das einzige Kriterium. Vor allem ist es tatsächlich so, in letzter Instanz MUSS man sich selbst um die eigenen Bedürfnisse kümmern! Sonst gehen die nämlich unter. Das heisst nicht dass man sich nicht anpassen könnte ;) Klare Regeln halte ich für das A und O, da weiss jede/r worauf er/sie/es sich einlässt, bzw. kann davon Abstand nehmen wenn es doch nicht passt.
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Re: Überlegungen zu Zusammenarbeit und Gemeinschaften zur SV

#28

Beitrag von penelope »

Ich glaub nicht, dass es so sehr drauf ankommt, ob jemand Geschwister hat oder nicht. Es gibt auch genügend Eltern, die es schaffen, zwei oder drei Prinzesschen gleichzeitig groß zu ziehen. ;)

Eine frühere Mitbewohnerin von mir hat mir einmal, als ich mal wieder Abends nach meinem damaligen Praktikum wieder die Mülltonne an die Straße gebacht habe (war ein etwas abgelegener Hof mit sehr langer Auffahrt zur Straße) offenbart, dass sie drüber nachgedacht hat, dass sie das doch auch mal machen könnt. Oh - dachte ich. Der Gedanke kommt spät, aber er kommt. Allerdings, so folgte dann die Erläuterung, können sie sich halt einfach nicht merken, wann die Müllabfuhr kommt. Ihr Papa hätte auch schon immer gesagt, sein kleines Verenchen (sie hieß Verena und war damals so etwa Mitte 20) sei halt Abseits von Raum und Zeit.
Noch Fragen? :platt:
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emil17
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Re: Überlegungen zu Zusammenarbeit und Gemeinschaften zur SV

#29

Beitrag von emil17 »

Dazu kommt mir etwas in den Sinn:
Gemäss einer Umfrage in Gemeinschaftwohnungen, wer gefühlt wie oft lästige Pflichten übernimmt, wird jede volle Mülltonne im Schnitt mehr als zwei Mal hinuntergetragen, weil offenbar die meisten davon überzeugt sind, sie täten solche Sachen häufiger als andere.
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Oli
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Re: Überlegungen zu Zusammenarbeit und Gemeinschaften zur SV

#30

Beitrag von Oli »

Das Gute ist ja auch, dass durch diejenigen, die etwas 'verstrahlter' sind, die anderen ihren Märtyrerkomplex bedienen können. Ob eine WG insofern therapeutisch wirkt oder verstärkend wäre eine Überlegung wert, auch in Hinblick auf die eigene WG-Tauglichkeit. :mrgreen:
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