Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2851

Beitrag von emil17 »

Die Direktzahlungen mögen früher als das eingeführt worden sein, was du beschreibst, im heutigen Selbstverständnis sind sie an Gegenleistungen gekoppelt.
Sonst wäre nicht einzusehen, warum Bauer XY sowas bekommt, Tante Emma für ihren Dorfladen aber nicht.
Eine weitere Erklärung damals (es war kalter Krieg): Sicherung der Grundnahrungsmittelproduktion im Kriegsfall. Das ist heute so nicht mehr so aktuell, zum Glück.
Ich bin nicht der einzige, der das anders sieht, denn auch das Landwirtschaftsministerium sieht das so:
Die Landwirtschaft in Deutschland und der EU unterliegt zahlreichen Auflagen des Verbraucher-, Tier-, Umwelt- und Klimaschutzes, die in anderen Regionen der Welt nicht gelten. Die Einhaltung dieser Qualitätsstandards sowie weitere Leistungen wie die Erhaltung der Kulturlandschaft werden indes nicht über den Markt entgolten. Als Ausgleich unterstützen die Länder, der Bund und eben die EU die Landwirtschaft. Für öffentliche Leistungen, die dem Gemeinwohl dienen, müsse es auch öffentliches Geld geben, heißt es aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium.
Quelle
Also genau das was ich behaupte. Geld gibts für Leistung. Das ist auch in Ordnung so.
Allerdings definiert die Öffentlichkeit, und nicht die Subventionsbezüger alleine, was Gemeinwohl ist, denn sie bezahlt das ja auch. Das ist einem Wertewandel unterworfen und soll dauernd diskutiert werden. Also eben nicht so:
Rohana hat geschrieben:wir haben Leute die meinen uns reinreden zu müssen, obwohl sie unsere Produkte (angeblich) eh nicht kaufen wollen
Weiter im zitierten Artikel:
Rund 70 Prozent der Subventionen werden pro Hektar verteilt, ohne weitreichende Auflagen. Das bedeutet, wer viel Land bewirtschaftet, bekommt viel Geld. "Während ein Bauernhof mit 50 Hektar jährlich etwa 14 000 Euro erhält, kann ein Großbetrieb von 5000 Hektar mit etwa 1,4 Millionen Euro Flächenprämien auf dem Konto rechnen", erklärt Christian Rehmer, Leiter des Bereichs Agrarpolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). 20 Prozent der Betriebe in der EU erhalten auf diese Weise 80 Prozent der Gelder. Die Folge des Ungleichgewichts: Immer mehr kleine Betriebe geben auf, große wachsen.
Soviel zum Hofsterben: Warum Subventionen nicht einfach deckeln: Wer einen 5000-ha Betrieb nicht kostendeckend führen kann, muss wohl Nachhilfestunden in Sachen Betriebsführung nehmen.
Nicht allen leuchtet das ein: Warum wird diese Branche derart gefördert, fragten sich viele angesichts der Bauernproteste. Würden nicht andere Berufsgruppen, zum Beispiel in der Pflege, nicht auch schwere, für die Allgemeinheit wichtige Arbeit leisten - ohne vom Staat unterstützt zu werden? Müssten sich andere Branchen nicht auch an EU-Auflagen halten, ohne dafür Ausgleichszahlungen zu erhalten?
Ebenfalls meine Argumentation: Wieviel Geld kriege ich als Autofahrer vom Staat dafür, dass ich Auto fahre und mich an die Regeln halte?
Nein, das ist ein böder Vergleich, und genau deshalb will ich die Tatsache, dass sich auch Landwirte an geltendes Gesetz halten müssen, nicht als Auflage verstanden wissen, sondern als Selbstverständlichkeit. Wie der VW-Konzern bewiesen hat, kann man auch Autos billiger machen, wenn diese blöden Abgasvorschriften nicht wären.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2852

Beitrag von Rohana »

Wer meint dass Autos essentiell wären, zumal noch zu utopischen Auflagen, dem ist eh nicht mehr zu helfen. In diesem Sinne bin ich mal raus hier.
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2853

Beitrag von Manfred »

Zumindest nur extrem eingeschränkt, währen die ausländische Konkurrenz so ziemlich alles darf oder einfach ignoriert und trotzdem liefern kann.

Emil würde die Bauern halt gerne mundtot machen, weil sie ständig an seinen Dogmen rütteln. Die Meinungsfreiheit hat man gefälligst mit abzuliefern, wenn man aus unternehmerischer Notwendigkeit Entscheidungen trifft, die nicht der persönlichen Meinung entsprechen.
Und das Gleichnis von der fütternden Hand derart zu pervertieren, kann auch nur ihm einfallen. Er kommt gar nicht mehr darauf, darüber nachzudenken, wer hier wen füttert, im wörtlichen Sinn.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2854

Beitrag von emil17 »

Ich habe kein Problem damit, dass ihr eine eigene Meinung habt. Das scheint andersrum nicht so gut zu funktionieren.
Manfred hat geschrieben: Di 14. Jul 2020, 14:36 während die ausländische Konkurrenz so ziemlich alles darf oder einfach ignoriert und trotzdem liefern kann.
Ich habe wiederholt gesagt, dass ich das nicht in Ordnung finde.
Manfred hat geschrieben: Di 14. Jul 2020, 14:36Die Meinungsfreiheit hat man gefälligst mit abzuliefern, wenn man aus unternehmerischer Notwendigkeit Entscheidungen trifft, die nicht der persönlichen Meinung entsprechen.
Der Standardsatz, der immer kommt, wenn irgendwas schiefläuft. Das ist dann wohl unternehmerische Verantwortung gewesen. Der Volksmund sagt dazu: "Für Geld mach' ich alles"

... und nachdem meine offenbar unbequeme Frage immer noch nicht beantwortet ist, wie denn das mit den Industriearbeitern wäre, wenn man nicht mehr exportieren dürfte, weil man nicht mehr importieren will, solltest du mit dem Vorwurf der Dogmatik mir gegenüber etwas zurückhaltender sein.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2855

Beitrag von Manfred »

Der Industrie-Frage weichst du doch noch immer aus, nicht ich:
Also nochmal: Wieso funktioniert es in der Schweiz, die einen deutlich höheren Industrie-Export pro Person hat als D, einen konsequenten Außenschutz für die Landwirtschaft aufrecht zu erhalten, während das in D nicht funktionieren soll?

Und ein zweites nochmal: Was haben die unternehmerischen Entscheidungen einer Person mit ihrer Meinungsfreiheit zu tun?

In unserer Familie gibt es keinen bekannten Stammbaum des Familienzweigs, der hier auf der Hofstelle gelebt hat.
Ich weiß nur, dass mein Urgroßvater hier Wagner war und bereits eine Landwirtschaft betrieben hat, ein einer Zeit, als man sich darum geprügelt hat, wer welchen Straßengraben für seine Ziege oder seine Karnickel mähen darf.
Meinem Großvater wurde im Krieg ein Ellbogen zerschossen und er musste sein Leben lang eine Scheine tragen, um den versteiften Arm zu stabilisieren. Trotzdem hat er über sein 90igstes Lebensjahr hinaus gearbeitet, um der Familie den Hof zu erhalten.
Mein Vater hat sich fast sein ganzes Arbeitsleben lang jeden Tag stundenlang von seinem kriegstraumatisierten Vater, dem er nie etwas recht machen konnte, anschreien lassen und ist trotzdem morgens um halb 5 aufgestanden, um den Stall zu machen, zur Arbeit zu gehen und abends oft bis spät in die Nacht weiter zu arbeiten, während die Mutter 5 Kinder großgezogen, nacheinander über viele Jahre 4 Senioren gepflegt und noch auf dem Hof mitgearbeitet hat.
Klar kann ich jetzt den Stecker ziehen, weil ein paar von meinen Steuergeldern finanzierte, kurzsichtige Oberschlaue meinen, sie müssten die "Umwelt" und die "bäuerliche Landwirtschaft" retten und dabei alles noch viel schlimmer machen, die artenreichsten Biotope der Erde vernichten und den Boden in die Hände von ein paar Großinvestoren treiben.
Aber so bin ich nicht geprägt. Also werden dieser Hof und seine Biodiversität mit etwas Glück auch Emil und Konsorten überleben.
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emil17
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2856

Beitrag von emil17 »

Manfred hat geschrieben: Di 14. Jul 2020, 22:12 Der Industrie-Frage weichst du doch noch immer aus, nicht ich:
Also nochmal: Wieso funktioniert es in der Schweiz, die einen deutlich höheren Industrie-Export pro Person hat als D, einen konsequenten Außenschutz für die Landwirtschaft aufrecht zu erhalten, während das in D nicht funktionieren soll?
Weil wir es uns leisten wollen. Das hat mit höherer Akzeptanz zu tun, und damit, dass mehr Fläche Naturgefahren unterworfen ist (Gebirge). Da ist es für Grossbetriebe weniger attraktiv. Es liegt auch ein wenig daran, dass unsere Bauern nicht mit Traktoren nach Bern ziehen, um dort auf stark zu machen.
Manfred hat geschrieben: Di 14. Jul 2020, 22:12 Und ein zweites nochmal: Was haben die unternehmerischen Entscheidungen einer Person mit ihrer Meinungsfreiheit zu tun?
Das ist eine Gewissenssache, Wasser predigen und selber Wein trinken können eben nicht alle. Wer die Frage überhaupt stellt, wird vermutlich das Problem nie begreifen.
Manfred hat geschrieben: Di 14. Jul 2020, 22:12 Aber so bin ich nicht geprägt. Also werden dieser Hof und seine Biodiversität mit etwas Glück auch Emil und Konsorten überleben.
ja, ja
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
penelope
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2857

Beitrag von penelope »

Woher kommt das Gefühl, man müsse sich vor der Konkurrenz aus dem Ausland schützen? Deutschland ist der größte Agrarexporteur in Europa. Ein Drittel der landwirtschaftlichen Produktion geht ins Ausland. Das meiste bleibt zwar in der EU, die Exporte in Entwicklungsländer sich jedoch sehr ktitisch zu sehen, da sie der ansässigen Landwirtschaft schaden. Muss sich nicht eher das Ausland vor uns schützen?
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Till
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2858

Beitrag von Till »

Manfred hat geschrieben: Di 14. Jul 2020, 22:12 Der Industrie-Frage weichst du doch noch immer aus, nicht ich:
Also nochmal: Wieso funktioniert es in der Schweiz, die einen deutlich höheren Industrie-Export pro Person hat als D, einen konsequenten Außenschutz für die Landwirtschaft aufrecht zu erhalten, während das in D nicht funktionieren soll?
Kurz gefasst: Das ist eine von vielen Folgen der Wiedervereinigung.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2859

Beitrag von Manfred »

penelope hat geschrieben: Mi 15. Jul 2020, 10:03 Woher kommt das Gefühl, man müsse sich vor der Konkurrenz aus dem Ausland schützen? Deutschland ist der größte Agrarexporteur in Europa. Ein Drittel der landwirtschaftlichen Produktion geht ins Ausland. Das meiste bleibt zwar in der EU, die Exporte in Entwicklungsländer sich jedoch sehr ktitisch zu sehen, da sie der ansässigen Landwirtschaft schaden. Muss sich nicht eher das Ausland vor uns schützen?
Wir sind aber gleichzeitig der größte Agrar- und Lebensmittelimporteur in der EU.
Das hat hauptsächlich 3 Gründe:
1) Arbeitskostenintensive Prozesse wurden wegen der hohen Lohnkosten in andere EU-Länder oder sogar bis nach Nordafrika verlagert. Unsere Produkte werden dort hin gekarrt, verarbeitet und dann zurück geholt.
2) Teile unserer Landwirtschaft haben sich auf eine technisch weitgehend automatisierte tierischer Veredelung spezialisiert. Das Futter dafür wird über die Rheinhäfen importiert und das erzeugte Fleisch und die Milch dann wieder exportiert. Selbst in der tierischen Erzeugung hat sich die Produktion aufgespalten. Da die Ferkelproduktion und die Brüterei wegen der in D ständig wachsenden Auflagen hier nicht mehr wirtschaftlich konkurrenzfähig sind, importieren wir Ferkel und Küken und liefern dafür Fleisch zurück.
3) D hat die schlagkräftigsten und am besten organisierten Schlachthöfe in Europa. Die sind so effizient, dass das Fleisch nach der Schlachtung zeitweise weniger kostet als vorher im Lebendeinkauf, weil die Schlachtkosten aus den Erlösen der Nebenerzeugnisse bezahlt werden. Deshalb werden viele Tiere aus den Nachbarländern zur Schlachtung nach D gefahren, der daraus resultierende Fleischexport aber D zugerechnet.

Und bei den immer wieder kritisierten Exporten in Entwicklungsländern haben wir das gleiche Dilemma wie hier:
Die Verbraucher dort willen auch lieber billig einkaufen oder sind sogar zum Überleben darauf angewiesen.
Diese Länder können sogar großteils gemäß den Handelsverträgen Lebensmittelimporte aus der EU und den USA besteuern, tun das aber nicht, weil ihren Regierungen billige Lebensmittel wichtiger sind als die heimische Erzeugung, so wie bei uns halt auch.
Und es ist die gleiche Marktlage wie bei Waffenexporten: Wenn wir es nicht tun, liefern andere.
Und noch ein Und: Es handelt sich bei diesem Exporten zum größten Teil um Material, das hierzulange nicht nachgefragt wird. Unsere Verbraucher möchten eine Unmenge an Hänchenfilets. Die afrikanischen Verbraucher freuen sich über das Restfleisch an den Karkassen.
Da wäre halt mal eine Grundsatzdebatte in der Bevölkerung bei uns notwendig, mit einer anschließenden Volksabstimmung, ob solche Exporte zulässig sein sollen oder nicht.
Wenn nicht, würde das bisher exportiere Material vermutlich in Separatoren wandern und die Separatorenmassen ersetzen, die die Lebensmittelindustrie bisher aus Asien importiert. Dann liefern halt die ihr Zeug nach Afrika und bei uns werden die Chicken-Nuggets 3 Cent teurer.
Wirklich etwas an der Situation ändern könnten nur die Importländer selbst.
Des sinnvollste, was wir m.E. als Deutschland tun können, ist uns bei internationalen Abkommen dafür einzusetzen, dass sie das weiter oder wieder selbst entscheiden können.
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#2860

Beitrag von Manfred »

emil17 hat geschrieben: Mi 15. Jul 2020, 09:14 Das ist eine Gewissenssache
Wo genau siehst du denn mein Gewissensproblem?
Du hast nie danach gefragt, welche Programme ich warum in Anspruch nehme und welche nicht und was die Alterativen wären,
wirfst also wie gewohnt einfach irgendwelche Behauptungen in den Raum und bleibst jeden Beleg schuldig.
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