zu den Meldungen aus der Landwirtschaft

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Rohana
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Re: zu den Meldungen aus der Landwirtschaft

#71

Beitrag von Rohana » So 21. Apr 2019, 17:53

Sonne hat geschrieben:
ina maka hat geschrieben: Von den Landwirten ernährt sich niemand, die arbeiten mit und am Land, das uns die Nahrung gibt.
Schon gut, Ina. Ich ernähre mich auch nicht von einem Landwirt. Schließlich bin ich kein Kannibale.
Puh, da hab ich aber Glück dass Landwirte hier nicht auch noch aufgefuttert werden :eek: was das Selbstversorgen angeht: Sicher sind die meisten, die sich überhaupt die Finger dafür dreckig machen wollen und können, in der Lage Kohl, Salat, Wurzelgemüse und ähnliches anzubauen. Bei kalorienreiche(re)n Grundnahrungsmitteln wie Getreide und Hülsenfrüchten wirds da schon komplizierter, Ausnahme ist die Kartoffel.

Doris: Danke für den Link :)
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)

viktualia

Re: zu den Meldungen aus der Landwirtschaft

#72

Beitrag von viktualia » So 21. Apr 2019, 18:05

Das Problem dürfte sein, dass das Artensterben weitergeht und niemand wirklich weiß, was man dagegen tun kann.
Erst Kanibalismus, dann keinen Sex mehr, Ina, was ist los?
Fortpflanzung ist ein einfaches und weit verbreitetes Mittel gegen sterben. Nicht das eigene, da kommt man nicht drumrum, aber Arten wird es immer geben. Und immer wieder andere, das ist natürlich. Andere Umstände, andere Arten.

Und natürlich wäre es bescheuert, mit Pril zu spritzen, nicht mal Bier wär auf Dauer geeignet.
Ziel sollte schon bleiben, dass die Kulturpflanze es überlebt und um diese schnöde Wahrheit herum hat die Spezialisierung statt gefunden.
Wir hier wissen, dass ein bisschen Bier geht und ein ganz kleines bisschen Pril vielleicht auch noch.
Also eine Pflanze nicht umbringt - und es doch tut, wenn es halt viel Bier oder Pril statt Glyph´war.
Aber da sind wir ja auch schon "spezialisiert", oder?

Und wenn ich das richtig verstehe, geht es hier (in der Gesellschaft, irgendwie) um den Unterschied zwischen dem "Spezialisten Landwirt" und dem, ja, "Killerbauer" - dem Handlanger der ungenannt bleibenden Industrie (mit ihren Werbestrategien, die die Kompensationsgelüste der Verbraucher kitzeln...)
Also so seh ich es und darum beteilige ich mich am "Meinungsbildungsprozess".
Wir brauchen diese "Ressource des Spezialistentums"; dem "Killerbauern" fehlt nur ein besserer "Arbeitsauftrag".
Eben weil wir in einem Land leben, wo keiner verhungern muss, kann man Landwirte nicht zwingen "unwirtschaftlich" zu arbeiten.
Aber man kann an dieser Schraube drehen.
Und wir drehen mit.

Vor ner Weile wollt ich ja selber noch nicht glauben, das es Bauernbashing gibt.
Aber für mein Leseverständnis ist es inzwischen fast überall.
Insofern ist das für mich ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz, die Bauern in Schutz zu nehmen. Den Berufsstand.
Die Menschen sind menschlich, wie sollte es anders sein. :fypig:

Wir brauchen "Bodenschutz",
nicht "Bio oder Konvi" in Variationen, denk ich.

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Sonne
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Re: zu den Meldungen aus der Landwirtschaft

#73

Beitrag von Sonne » So 21. Apr 2019, 18:10

Rohana, ich würde niemals an dir knabbern. :herz:

Und wenn ich auch so drüber nachdenke...vielleicht wärst du mir auch ein bisschen zu... :hmm: ... zäh. :mrgreen: :haha:

:duckundweg:


Öhm... :knudddel:
Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte; und siehe da, es war sehr gut. 1. Mose 1, 31

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Re: zu den Meldungen aus der Landwirtschaft

#74

Beitrag von Teetrinkerin » So 21. Apr 2019, 22:10

@Viktualia,
ich kann dir wirklich das Buch "Das große Insektensterben" von Segerer und Rosenkranz empfehlen. Dann würdest du sicher keine solchen Aussagen mehr bringen. Denn die Lage ist mehr als besorgniserregend.
Das Buch wurde übrigens von einem der führenden Insektenforscher geschrieben.

viktualia

Re: zu den Meldungen aus der Landwirtschaft

#75

Beitrag von viktualia » Mo 22. Apr 2019, 08:13

Dann würdest du sicher keine solchen Aussagen mehr bringen.
Teetrinkerin, was für ne Aussage genau meinst du?
Du hast die Ironie bemerkt und meinst, ich würde das Problem nicht ernst nehmen, oder wie?

Wenn es hier um "die Wahrheit" geht, ist mir wichtig, nicht nur Insekten, sondern auch Menschen als schützenswert zu erachten, das mal zuerst.

Dann nutzt es auch keinem Insekt oder anderem Wesen, wenn man elementare Dinge wie die Forpflanzungsfähigkeit aus der Rechnung raus lässt, auch wenn es bei meinem "Argument" eher darum ging, den Bezug "Lebensraum" zu bestimmten Arten wieder auf den Tisch zu bringen, der versank nämlich grad im Schwurbelnebel.

Du kannst versichert sein, dass überall, wo ich öfter bin, ne Menge Futter und Lebensraum für Insekten und anderes Kleingetier entsteht.

Aber auf der anderen Seite bin ich nicht gewillt, die manipulative Angstmacherei und Naturentfremdung, diese geistlose Spaltung mitzumachen. Aus gutem Grund. (Damit meine ich nicht (nur) Ina, damit meine ich die Tendenz in unserer Gesellschaft, das Problem entweder zu ignorieren, oder emotional zu reagieren.)

"Sterblichkeit" ist nicht das Problem, die geänderten Umstände haben zu geänderten Zuständen geführt
und wenn man nicht da ansetzt, sondern nur an der Angst-Schraube dreht, wird das nicht besser.
Wenn "Quantität" mit "Qualität" gleichgesetzt wird, geb ich halt nen entspechenden Kommentar ab.

Es gibt ne Menge Maßnahmen, die auch bekannt sind, die helfen könnten, also ist die Aussage, man könne gegen "DAS" Artensterben nix machen, so nicht korrekt. Man kann was machen, man müsste es nur tun.

Und es könnte leichter getan werden, wenn es nicht erst irgendwie darum ginge, die "Landwirte" dazu zu zwingen, es auf eigene Kosten zun tun.
Das ist mein Punkt und dazu stehe ich.

Es ist die ewig gleiche Argumentationsschleife:
auch der Verbraucher ist in der Pflicht mit den elenden Kiesgärten und der Müllmentalität;
die Industrie mit ihren Wegwerfprodukten und "effektiven" Produktionswegen;
die Gemeinden/Verwaltungen mit Beleuchtungsanlagen, Förderungen, Flächenversiegelungen;
die Medien, die lieber Stimmung machen als informieren;
die Schulen, die auf Leistung trimmen statt Bezug herzustellen.
"Politik" halt.

Es ist ein gesellschaftliches Problem, kein rein Landwirtschaftliches.

Und: das, was die Tiere selber tun können, das tun sie ja.
Sie vermehren sich, egal, ob es für sie ein Morgen gibt oder nicht.
Wenn Menschen, die für dieses "Morgen" sorgen wollen, diesen Punkt nicht sehen (können oder wollen?), muss man doch was sagen!

Benutzer 72 gelöscht

Re: zu den Meldungen aus der Landwirtschaft

#76

Beitrag von Benutzer 72 gelöscht » Di 23. Apr 2019, 14:15

viktualia hat geschrieben:Erst Kanibalismus, dann keinen Sex mehr, Ina, was ist los?
naaa - Kanibalismus - was ist denn das?
Wir sind doch alle gleich, also bin ich Kanibale, wenn ich Salat esse; der leidet genauso wie mein Nachbar, wenn ich .... (ironisch gemeint!)
Und :lol: keinen Sex mehr - wo hab ich dafür plädiert??
Nur bringt es nix, wenn der Nachwuchs gleich wieder wegstirbt - das ist doch das Problem beim "Insektensterben", oder?

JA!! Auch der Mensch hat ein Recht auf "Artenschutz", schöne Idee....

:) :)
Rohana hat geschrieben:was das Selbstversorgen angeht: Sicher sind die meisten, die sich überhaupt die Finger dafür dreckig machen wollen und können, in der Lage Kohl, Salat, Wurzelgemüse und ähnliches anzubauen. Bei kalorienreiche(re)n Grundnahrungsmitteln wie Getreide und Hülsenfrüchten wirds da schon komplizierter, Ausnahme ist die Kartoffel.
Das stimmt nicht ganz - mit Nüssen, Nackthafer, Roggen, Röstmais, Bohnen, Erbsen und Kartoffel könnten wir uns schon kalorienreich ernähren. Sooo ein Geheimnis ist das auch nicht. Nacktgerste probier ich nächstes Jahr.
Sonntagsbrötchen aus Auszugs-Weizenmehl gäbe es halt nimmer.
Also ich weiß nicht: ernährt ihr euch wirklich fast alle von Weizen?

Ich habe das mit unserer "Nahrungsmittelproduktion" eigentlich nur erwähnt, weil ich betonen wollte, dass ich ungefähr eine Ahnung hab, was für Aufwand die Nahrungsmittelerzeugung ist und welche Mittel man zwingend dafür braucht.
nicht weil ich meine, wir könnten uns von unserem Grundstück ganz autark ernähren.... :hmm:

Und Ich weiß auch, dass die wenigsten "Spielplatzfreunde" und deren Eltern sich die Finger schmutzig machen wollen (ob sie´s könnten, wenn sie müssten??).
Auf jeden Fall ist der Aufwand, wilde Tiere zu jagen oder zu fischen (unsere Fische haben wir zwar gekauft und eingesetzt, aber danach waren sie eigentlich "wilde Tiere"), viel geringer als ein Tier großzuziehen und zu mästen.
Und!! Der Aufwand überhaupt an Fleisch zu kommen (in "kalorientechnisch relevanten" Mengen) ist um einiges größer als der bei Pflanzen.
Gar keine Tiere ist aber auch nicht praktisch ....
Und :flag: wir haben sehr viele Insekten und andere Wildtiere, die von und teilweise auf unserm Grundstück leben....
Eigentlich haben wir es damals ja gekauft, weil ich das "wilde Leben" dort erhalten wollte und auch davon naschen (als Mensch teilhaben).
Ich gehe halt naiverweise davon aus, dass jeder, der "die Landwirte" bittet, mehr auf Naturschutz zu achten, dass genauso auch selber tut - nein???

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Re: zu den Meldungen aus der Landwirtschaft

#77

Beitrag von Teetrinkerin » Di 23. Apr 2019, 15:57

@Viktualia,
ich habe deine Ironie tatsächlich nicht verstanden.

Ich habe ja auch schon mehrmals betont, dass wir ALLE was tun müssen und zwar JETZT! Es bringt uns nichts, groß zu lamentieren, mal einen Vortrag zu besuchen, um zu wissen, was Sache ist oder eine Petition zu unterschreiben. Wir müssen was TUN - und zwar ganz schnell.

Um nochmals Werbung für das Buch zu machen: Ich lese gerade "Das große Insektensterben" von Segerer und Rosenkranz. Dieses Buch kann ich jedem nur wärmstens empfehlen. Aber es ist geht wirklich an die Nieren - ich lese es im Moment in Häppchen. Mehr bekomme ich nicht verdaut.

Um mal ein ein paar kurze Sätze bzw. Stichworte aus dem Buch zu zitieren:
Bei einer groß angelegten Analyse der planetaren Belastungsgrenzen kommen Forscher zu dem Schluss, dass der Verlust an genetischer Vieflalt und die Belastung die Umwelt durch Überdüngung diese Grenzen mit Abstand am stärksten überschreiten [z.B. ist die Überdüngung der Weltmeere sowohl auf die Landwirtschaft, als auch auf unsere moderne Kanalisation zurückzuführen, wie ich kürzlich bei einem auf youtube gesehenen Vortrages eines Profoessors gesehen habe].

Schon im Jahr 2005 erschien mit dem Millennium Ecosystem Assessment ein ufassender Zustandsbericht über die globalen Ökosysteme. [...] Die wichtigsten allgemeinen und direkt wirkenden Triebkräfte [für das globale Massensterben] werden genannt:
1) veränderte Landnutzung
2) Klimawandel
3) invasive Arten
4) Raubbau an natürlichen Ressourcen
5) Umweltverschmutzung

Es [die Triebkräfte] sind (1) Auswirkungen der intensiven, industriellen Landwirtschaft und (2) des allgemeinen Flächenverbrauchs ("Flächenfraß"). Darüber herrscht unter (unabhängigen) Biowissenschaftlern längst weitgehender Konsens.
Das sind nicht meine Worte, sondern Aussagen aus einem Buch eines der führenden Insektenforschers. Landwirtschaft wird dort halt auch mit als einer der großen Faktoren genannt. Wir können das jetzt nach wie vor ständig versuchen kleinzureden und Leute, die darauf hinweisen, Bauernbashing vorzuwerfen. Oder wir können auch mal die Ursachen endlich beim Namen nennen. Es ist halt nunmal so, dass die Landwirtschaft mit über 51% den größten Anteil an der Gesamtfläche hat (ohne Wälder). Da können Kleingärtner noch so viel auf Ökologie, verhaltene Düngung und Artenvielfalt achten, wenn es auf der Fläche nicht umgesetzt wird, dann wird alles Bemühen halt dennoch schwierig. Das heißt allerdings nicht, dass der Häuslebesitzer nun einen Freibrief erhält. Ganz und gar nicht. JEDER MUSS was TUN! Und das immer mehr Flächen verbaut werden, sehe ich auch als sehr besorgniserregend.

Ich versuche, nach und nach unseren Garten ökologisch zu gestalten. Das geht nicht von heute auf morgen, aber ich es wird. Wir haben keinen Rasen, sondern eine Wiese, mit sehr vielen (Un-)Kräutern, wo ich bei entsprechendem Wetter ein emsiges Treiben von Insekten sehen kann. Wir haben durch viele Holzstapel Nistmöglichkeiten für Insekten und Vögel, Unterschlupfmöglichkeiten für Igel und Kleintiere. Wir werden demnächst einen Totholzhaufen, als auch einen Steinhaufen anlegen. Wir pflanzen Stück für Stück eine Wildobsthecke, haben aber schon einige große Bäume auf dem Gelände (früher war das eine kleine Wiese am Bauernhof, jetzt unser Garten, wo wir seit gut zwei Jahren wohnen), Wild- und Blühstauden sollen auch noch mehr folgen. Ich bewirtschafte meinen Garten ökologisch, verzichte auf Pestizide und synthetische Düngemittel. Ich baue in meinem Garten nur samenfestes Gemüse an und vermehre auch ganz viele Sorten. Ich engagiere mich in einem Umweltverband, leite hier auch einen Arbeitskreis, der das ökologische Gärtnern zum Thema hat. Wir bieten Vorträge und Exkursionen an, wir veranstalten jährlich ein großes Saatgut-Festival, wir informieren, wir tauschen, wir versuchen, jeder für sich, seinen Garten ein Stückchen besser zu machen. Ich scheue mich auch nicht, beim Bürgermeister diese schrecklichen Steingärten anzusprechen und ob es die Möglichkeiten gibt, in zukünftigen Neubaugebieten ein Verbot auszusprechen (wie es schon in manchen Städten der Fall ist), wogegen aber sich unser BM noch sperrt (leider).

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Re: zu den Meldungen aus der Landwirtschaft

#78

Beitrag von Rohana » Di 23. Apr 2019, 16:20

Man kann ja noch so viel über die Landwirtschaft lamentieren, bloss wie will man verloren gegangene (Infra)Strukturen ersetzen? Die echten Probleme packt die Politik nicht an und der Bürger erst recht nicht, weil's schlichtweg TEUER ist.
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)

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Re: zu den Meldungen aus der Landwirtschaft

#79

Beitrag von Teetrinkerin » Di 23. Apr 2019, 16:53

Teuer hin oder her, da geht es ganz schlicht um unsere Zukunft auf diesem Planeten - den einzigen, den wir haben. Wir werden nicht drum rum kommen, etwas zu tun, wenn wir unser Überleben hier sichern wollen. Das ist die schlichte Wahrheit - ohne ein funktionierendes Ökosystem ist unser Überleben als Mensch in Gefahr.

Ich habe Kinder, ich mache mir sehr große Sorgen. Und das Buch, das ich in meinem vorigen Beitrag empfohlen habe, spricht die Gefahr, in der wir uns befinden, sehr deutlich aus. Wir müssen was tun. Wir werden auch unser Konsumverhalten ändern müssen. Die Wegwerfgesellschaft hat keine Zukunft mehr, wir müssen bewusster und viel, viel sparsamer konsumieren. Wir sind alle in der Pflicht, jeder einzelne.

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Re: zu den Meldungen aus der Landwirtschaft

#80

Beitrag von emil17 » Di 23. Apr 2019, 16:55

Zum Thema Bauernbashing:
Die Bauern sagen ja, dass sie nur in so grossem Umfang umweltbelastend produzieren, weil sie müssen, weil der Konsument es so will.
Wollen tut er es nicht, weil man ihn gefragt hat und er seinen Willen so geäussert hat, sondern weil er kauft, was so erzeugt worden ist.
Gleichzeitig lehnt z.B. jetzt der Schweizerische Bauernverband die Trinkwasserinitiativen ab (die das Nitratproblem angehen wollen), weil "zu weitgehend".
Ob das Kaufverhalten von Otto Normalverbraucher als freie Meinungsäusserung zur Produktionsweise aufgefasst werden kann, wage ich zu hinterfragen.
Produkte werden von der Mehrheit gekauft, bis sie durch bessere verdrängt oder bis sie verboten werden, oder bis sie aus der Mode fallen. Zudem steht das, was für umweltbewusste Produktewahl massgeblich ist, gar nicht auf der Verpackung.

Was "die Bauern" wirklich wollen, ist schwer zu wissen.
Es sind halt nicht alle gleich, so wie auch nicht alle Radfahrer, Touristen, Italiener oder Jugendliche gleich sind, und man weiss nie, wem man Unrecht tut, wenn man von "den Bauern" redet. Auch das haben die Bauern mit den Kleingärtnern und den Konsumenten gemeinsam.
Da sind die nackten Zahlen schon hilfreich, wie sie im oben zitierten Bericht genannt werden. Wenn allerdings das Nennen von Zahlen von den Kreisen, die dabei schlecht wegkommen, schon als bashing aufgefasst wird, dann läuft das auf Diskussionsverweigerung hinaus.

Für Glyphosat (auch so ein Reizthema, Quelle Wikipedia und dort die Datenherkunft) sieht das dann für D etwa so aus:
Kleingärtner 50 - 90 t (absurd viel ...)
Die Bahn: etwa 70 t zur Behandlung von Bahnböschungen und -trassen. Problematisch, weil meist kein biologisch aktiver Boden darunter ist.
Landwirtschaft: etwa 5500 t
Andere: ich schätze weniger als 100 t
Wenn man also "verzerrt" berichtet und das Glyphosatproblem hauptsächlich der Landwirtschaft anlastet, hat man also immerhin 97% der Gesamtmenge erfasst.
Schweiz knapp 300 t. D ist 8.5 mal so gross wie CH, verbraucht aber knapp 20mal soviel Glyphosat, Die Schweizer Bauern werden oft von denen der EU beneidet obwohl sie viel weniger Glyphosat dürfen ...

Dagegen wäre ich gegen ein Verbot von Schottergärten - nicht weil ich die erträglich oder gar sinnvoll finde. Die Dinger (ich sage nicht gern Garten dazu) sind auch nicht schlimmer als der neue Parkplatz vor dem neuen Supermarkt.
Ein Verbot ist politisch bedenklich!
In seinem Garten soll jeder können, wie es ihm gefällt, wenn er nicht die Umwelt damit schädigt oder andere belästigt. Meine Blümchen gefallen vielleicht auch nicht jedem, und wer dem Ort, den er freiwillig zum Leben gewählt hat, so etwas antut, stellt sich selber eine Visitenkarte aus.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.

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