Sonne hat geschrieben:
Aber wer ist der 'normale Konsument der Stadt'
Doch auch nur ein Mensch, und zwar in der großen Menge, dass man genau diese Menschen gewinnen müsste, um eine wirklich nachhaltige Änderung herbeizuführen.
Hast du schon vergessen, wie populär die "Geiz ist geil" Werbung der Billigverramscher war und noch ist? "Ich bin doch nicht blöd" - oder eben doch?
Sonne hat geschrieben:Es stellt sich ja schon die Frage, ob die relativ im Verhältnis kleine Menge an Permakulturisten, an Selbstversorgern und Ökobauern und dgl auf Dauer wirklich umfassend global etwas ändert.
Ja, unbedingt! Alles hat mal klein angefangen. Wenn es sich durchsetzt, wird es vom Handel und der Politik absorbiert und die Pioniere gehen vergessen.
Ein typisches Beispiel ist der Personal Computer, der von Spinnern und Bastlern erfunden wurde.
Schau mal, wie sich die Parteiprogramme der politischen Parteien im Lauf der Zeit ändern, die für traditionelle Werte einstehen wollen.
Im Handel findest du alles, was Umsatz macht. Braucht das Produkt eine Philosophie, um den Preis zu rechtfertigen, bekommt der Konsument die ebenfalls mitgeliefert. Das kann ehrlich sein (viele Kleinhändler), aber auch nur aufgesetzt, wie im Falle der "umweltbewussten" Outdoor-Touristik, die ihre Weihnachtsflugreisen nach den letzen unberührten Paradiesen nun eben auf Umweltpapier anbietet und ein paar Cent pro Buchung für Entwicklungsprojekte ausgeben will.
Umweltfreundliche Autos schützen die Umwelt in der Werbung mehr als das gute altmodische Fahrrad.
Und so weiter.
Ist die nachgefragte Warenmenge gross genug, haben plötzlich auch die Billiganbieter Biosalat und die Baumärkte Ökolabelholz im Sortiment, weil sie "schon immer" für die Umwelt waren.
Das hilft auch dem Konsumenten, denn wenn ich im viel zu grossen Auto Wäscheklammern aus Holz mit Nachhaltigkeits-Zertifikat nach Hause fahre, geht es der Umwelt und mir doch gleich viel besser.
Die Kunst ist, so früh auf fahrende Züge aufzuspringen, dass man im Erfolgsfall behaupten kann, man sei Teil der Lokomotive gewesen, ohne aber zuviel Aufwand in unrentable Dinge zu investieren.
Sonne hat geschrieben:Stimmt schon...es gibt eine gewisse Bewegung und sie wird zumindest momentan größer und es wird manchmal vielleicht auch viel still und bescheiden getan.
Alles Konstruktive ist still und bescheiden. Bäume machen Lärm, wenn sie umfallen, nicht wenn sie wachsen.
Sonne hat geschrieben:Aber trotzdem wäre es der 'normale Konsument', der, auf den es ankommt, weil eindeutig in Überzahl.
Das geht andersrum, "normal" ist im Sinne des Wortes das Übliche. Würde Öko normal, würde sich niemand mehr darüber unterhalten und andere Themen wären in den Medien.
Das andere Modell, wonach die Obrigkeit entscheidet, was der Konsument zu wollen hat, ist noch viel schlechter.
Dabei gälte es zuerst mal an der Wortwahl zu arbeiten: "Alternative Landwirtschaft" sollte "normale, also konventionelle Landwirtschaft" heissen, denn es ist eigentlich nicht normal, gegen die Prozesse und Lebewesen zu arbeiten, die unser Essen wachsen lassen.
Sonne hat geschrieben:Ihn müsste man erreichen, mit nachhaltigen Programmen, Aufklärung, Tips und 'How-To-Do'.
Das wollen alle, deshalb sind Medien und Briefkästen voll mit Werbung und Lebensberatung und Botschaften.
Es mangelt nicht an Propheten!
Deshalb muss man vorleben, was man von den anderen fordert und deshalb funktioniert das "Der Konsument ist schuld" nicht.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.