Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Benutzer 4754 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#1141

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

Sämtliches konservierte Futter entspricht nicht der natürlichen Ernährung einer Kuh.
Egal ob das Heu, Graskops oder Silagen sind.

Die bakterielle Vergärung von Frischfutter zu Silage baut schnell verfügbare Zucker in (hauptsächlich) Milchsäure ab,
das Futter wird dadurch praktisch "vorverdaut", was der Verfügbarkeit von Nährstoffen absolut keinen Abbruch tut.

Im Gegensatz zum oft so geliebten Heu,
der Trocknungsvorgang ist absolut wiedernatürlich.

Beides ermöglicht es aber wiederkäuergerechtes Futter zu lagern,
wobei bei der Silagebereitung weniger Ernteverluste auftreten, der Nährstoffgehalt höher ist und das Wetterrisiko deutlich geringer.
Zudem lässt sich Silage leichter lagern als Heu.

Der Energielieferant Nummer eins, der Mais, lässt sich eigentlich nur als Silage verfüttern
Abgesehen von etwas Körnermais im Kraftfutter.
ein bisschen "wir Bauern wollen ja, dass sich unsere Tiere wohl fühlen und tun alles dafür - das müsst ihr uns natürlich nicht extra bezahlen[...]"
Ja sicher und zum Arsch abputzen kommen wir auch noch vorbei.
Kostenlos sogar.
Ach was, pro putzen bekommst du sogar noch 5€ oben drauf!
Rati
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#1142

Beitrag von Rati »

ina maka hat geschrieben:...ein bisschen "wir Bauern wollen ja, dass sich unsere Tiere wohl fühlen und tun alles dafür - das müsst ihr uns natürlich nicht extra bezahlen, weil anders bringen wirs gar nicht übers Herz..."
:hmm: ehrlich Ina, meinst du das wirklich so?
Nutztieren ein ethisch zumutbares Leben zu ermöglichen ist nun mal um ein vielfache teurer als sie in massenhaft in Gitterbodenfleischfabriken zu quetschen.
Nur mal so als Vergleich, falls dir tatsächlich das Verständniss dafür fehlt (ich bin mir da grad nicht so sicher), was meinst du wohl was billiger ist, Flüchtlinge in Italien in Massencamps mit Zelten in Müll und Dreck wegzusperren oder ihnen egal wo in Europa, angemessene Zimmer samt guter Nahrung, Waschmöglichkeiten und Kleidung zu gewähren (was immer noch weniger Kosten verursacht als die Geopolitik danach auszurichten das sie nicht mehr flüchten müssen). ?

Grüße Rati
Was ist ist! Was nicht ist ist möglich!"
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Benutzer 72 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#1143

Beitrag von Benutzer 72 gelöscht »

Rati, ich versteh grad nicht, was du meinst.
Ich finde es einfach seltsam, dass "die Verbraucher" unverschämt sein sollten, wenn sie verlangen, dass die Nutztiere gut behandlt werden...
Als ob das etwas wäre, wo "der Verbraucher" selber etwas davon hat.
Eine ganz andere Sache ist, wenn "der Verbraucher" einfach im Irrtum ist und nicht weiß, was Tierwohl bedeutet.
Aber da wäre dann die Argumentation doch niemals "zahl mir was dafür!" sondern "hey, nein, das braucht die Kuh ja gar nicht"
Ersteres ist ja auch irgendwie "Verbrauchertäuschung" ... :pft:

Ölkanne hat mir sehr sinnvoll geantwortet, zum Beispiel.
Statt zu sagen "zahl mir was dafür, dass ich Heu füttere", hat er versucht mir zu erklären, warum Silo gar nicht schlecht ist.

Obwohl ich noch immer meine Zweifel habe und mir jetzt gerade ein sehr starkes "Pro-Weide-Argument" kommt.... :)

Aber das ist eine sinnvolle Kommunikation, finde ich.
viktualia

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#1144

Beitrag von viktualia »

Ina, ich steh auch grad auf dem Schlauch - natürlich ist es unverschämt, wenn Verbraucher wollen, dass es Tieren, die sie essen werden, besser gehen soll, als ihnen selber....
Während ihre Meerschweine auf Fleece gehalten werden, damit sie keine Streu brauchen, die 3 mal wöchentlich gewaschen wird, ohne Rücksicht auf die Umwelt; von der Fütterung sowohl der Wutzen als auch der Schulkinder will ich gar nicht anfangen.
Bei ihren Chefs kriegen sie den Mund nicht auf, bei der Wahl zementieren sie die Verhältnisse ein -
und wenn ein Bauer ausspricht, dass seine Ressourcen fürs Schweinewohl nicht reichen, nach der Entwicklung der letzten Jahrzehnte,
ist der Bauer der Böse???
Und wenn diese armen, armen Schweine (die echten jetzt) schon einiges an "objektiven Wohlfühlfaktoren" bekommen, soll sich der Bauer die vom Ertrag, der seiner Familie zusteht, bzw. dem Erhalt dieser Qualität dienen soll, abzwacken? Wie soll das gehen?
viktualia

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#1145

Beitrag von viktualia »

Ina, möchtest du so was ausdrücken wie "die Wertschöpfungskette stimmt so nicht"?
Und dass es nicht in Ordung ist, das nur an den äußersten Enden nachzubessern,
nämlich bei Urproduzent und Verbraucher - und der Rest, bleibt, wie es ist?
Da täte ich doch glatt zustimmen.....
Rati
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#1146

Beitrag von Rati »

ina maka hat geschrieben:Rati, ich versteh grad nicht, was du meinst.
Ich finde es einfach seltsam, dass "die Verbraucher" unverschämt sein sollten, wenn sie verlangen, dass die Nutztiere gut behandlt werden...
Als ob das etwas wäre, wo "der Verbraucher" selber etwas davon hat.
Eine ganz andere Sache ist, wenn "der Verbraucher" einfach im Irrtum ist und nicht weiß, was Tierwohl bedeutet.
Aber da wäre dann die Argumentation doch niemals "zahl mir was dafür!" sondern "hey, nein, das braucht die Kuh ja gar nicht".
??? was soll die Kuh nicht brauchen...?? Sorry, ich verstehe nur Bahnhof.

Ina, vielleicht ist dir das nicht bewust, aber bei der Nutztierhaltung zur Lebensmittelproduktion ging es noch nie wirklich um das Wohlergehen der Tiere sondern immer nur um möglichst effektive Nahrungsmittelerzeugung.
Unverschämt vom Verbraucher war und ist es meiner Meinung nach das möglichst viel Produkt für möglichst wenig Geld verlangt wurde und wird.
Diese Dumpingpreistreiberrei ist doch die Ursache für die Intensivhaltung unter übelsten Bedingungen gewesen.
Und wenn es nicht ein paar Tierschutzorganisationen und andere Aktivisten gegeben hätte die auf die Sauerreien aufmerksam gemacht hätten würde heute noch die Masse der Menschen nicht einmal ein schlechtes Gewissen haben wenn sie ihr Billigfleisch in Massen reinschaufeln.
ina maka hat geschrieben:....Aber da wäre dann die Argumentation doch niemals "zahl mir was dafür!" sondern "hey, nein, das braucht die Kuh ja gar nicht".
so also was meinst du nun damit? Bist DU der Meinung das die Kuh das nicht braucht?

Grüße Rati
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Benutzer 72 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#1147

Beitrag von Benutzer 72 gelöscht »

puhhh... ist offensichtlich schwierig, einander bei dem Thema wirklich zu verstehen :aeh:

Ich bezieh mich eigentlich vor allem auf das Ausgangspostung, das hat mich getriggert, weil so einseitig:
Rohana hat geschrieben:Spiegelartikel über Lidl und Tierwohllabel: http://www.spiegel.de/wirtschaft/servic ... 11287.html

Allerdings zeigen die vergangenen zwei Monate seit Einführung der Kennzeichnung laut Lidl: Je tierfreundlicher und somit teurer ein Produkt, desto weniger wird es nachgefragt. Das sagte Jan Bock, Einkaufschef von Lidl Deutschland, der "Süddeutschen Zeitung". Dieser Trend widerspreche Umfragewerten, wonach 90 Prozent der Verbraucher sich bereit erklärten, mehr Geld für Fleisch aus tierfreundlicherer Produktion auszugeben. "Die Moral endet oft am Geldbeutel, das ist nach unserer Erfahrung so", sagte Bock.
:kaffee:
genauso gilt: die Landwirte sind nicht bereit, Umsatzeinbußen in Kauf zu nehmen, um dem Tierwohl entgegenzukommen!

nicht alle "Verbraucher" sind Millionäre und es ist leichter, aus der Landwirtschaft auszusteigen als dort einzusteigen (außer man hats "richtige" Glück in der Liebe :roll:
Das meine ich eigentlich und das ist kein "Bauernbashing", das ist nur ein bisschen Fairness. :im:
(ich kenne ehemalige Straßenmusikanten, die es nie geschafft haben, in einem anderen Beruf Fuß zu fassen, aus "Liebe zum Beruf" - auch das haben die Bauern nicht für sich allein gepachtet)

@Rati, ja, natürlich: es ist billiger, "Flüchtlinge in Italien in Massencamps mit Zelten in Müll und Dreck wegzusperren" als ihnen, "egal wo in Europa, angemessene Zimmer samt guter Nahrung, Waschmöglichkeiten und Kleidung zu gewähren"
Die Frage ist ja wohl, wer soll das bezahlen?
Nur der, der darauf aufmerksam macht und verlangt, dass Flüchtlinge ordentlich behandelt werden oder alle?

Nur das meinte ich - die Kosten gehören gerecht geteilt. Und da fehlt sicherlich auch die Transparenz.
Wer die nicht will, hat was zu verbergen... ;) :flag:
Rati hat geschrieben:
ina maka hat geschrieben:Aber da wäre dann die Argumentation doch niemals "zahl mir was dafür!" sondern "hey, nein, das braucht die Kuh ja gar nicht".
??? was soll die Kuh nicht brauchen...?? Sorry, ich verstehe nur Bahnhof.
ich meine einerseits das Argument, die Forderungen seien überzogen, den Tieren gehe es ohnehin gut und andrerseist, soll der Verbraucher für ein "extra gestreicheltes Schwein" einen Aufpreis zahlen (die Formulierung stammt hier aus dem Faden).
Da wäre es wohl fairer vom Landwirt den "dummen Verbraucher/Tierschützer" aufzuklären, dass Schweine keine extra-Streicheleinheiten brauchen, statt einfach einen Aufpreis dafür zu verlangen.
Rati hat geschrieben:Vielleicht ist dir das nicht bewust, aber bei der Nutztierhaltung zur Lebensmittelproduktion ging es noch nie wirklich um das Wohlergehen der Tiere sondern immer nur um möglichst effektive Nahrungsmittelerzeugung.


Das finde ich nicht in Ordnung, egal, ob es immer so war oder nicht. Denn Tiere sind leidensfähige Lebewesen.
Rati hat geschrieben:Unverschämt vom Verbraucher war und ist es meiner Meinung nach das möglichst viel Produkt für möglichst wenig Geld verlangt wurde und wird.
Diese Dumpingpreistreiberrei ist doch die Ursache für die Intensivhaltung unter übelsten Bedingungen gewesen.
nicht schon wieder so einseitig!
nicht nur die "Gier" der Verbraucher ist daran schuld, auch die "Gier" der Nutztierhalter, so viel wie geht aus dem "Material" herauszuholen...
eigentlich genau das:
viktualia hat geschrieben:Ina, möchtest du so was ausdrücken wie "die Wertschöpfungskette stimmt so nicht"?
Und dass es nicht in Ordung ist, das nur an den äußersten Enden nachzubessern,
nämlich bei Urproduzent und Verbraucher - und der Rest, bleibt, wie es ist?
Unser ganzes Wirtschaftssystem stimmt nicht wird aber sicher bald besser werden..... :holy:

(hoffmer halt)
Rati
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#1148

Beitrag von Rati »

ina maka hat geschrieben:puhhh... ist offensichtlich schwierig, einander bei dem Thema wirklich zu verstehen :aeh: :
ja, wie so oft bei so vielschichtigen Themen. :) (geht am besten am Lagerfeuer ;) )
ina maka hat geschrieben:Ich bezieh mich eigentlich vor allem auf das Ausgangspostung, das hat mich getriggert, weil so einseitig:
Spiegelartikel über Lidl und Tierwohllabel hat geschrieben: ..Je tierfreundlicher und somit teurer ein Produkt, desto weniger wird es nachgefragt. Das sagte Jan Bock, Einkaufschef von Lidl Deutschland, der "Süddeutschen Zeitung". Dieser Trend widerspreche Umfragewerten, wonach 90 Prozent der Verbraucher sich bereit erklärten, mehr Geld für Fleisch aus tierfreundlicherer Produktion auszugeben. "Die Moral endet oft am Geldbeutel, das ist nach unserer Erfahrung so", sagte Bock.
...
genauso gilt: die Landwirte sind nicht bereit, Umsatzeinbußen in Kauf zu nehmen, um dem Tierwohl entgegenzukommen!..
und genau das denke ich nicht Ina, denn:
ina maka hat geschrieben:Die Frage ist ja wohl, wer soll das bezahlen?
Nur der, der darauf aufmerksam macht und verlangt, dass Tiere (Bezug von Rati angepasst) Flüchtlinge ordentlich behandelt werden oder alle?...
Du kannst dir sicher sein, das ein Landwirt der auf Tierwohlbedingungen umstellt nicht nur gewaltig Kredit bei ner Bank aufnehmen, sondern auch Gewinneinbußen in Kauf nehmen muß weil auch die laufenden Kosten /Tier natürlich höher sind als bei Intensivindustriemast. Dazu kommt die ständige Unsicherheit ob den der Verbraucher noch gewillt ist den gerechtfertigten Preis für die Mehrarbeit zu bezahlen.

ina maka hat geschrieben:Unser ganzes Wirtschaftssystem stimmt nicht wird aber sicher bald besser werden..... :holy:..
oh ha! definiere "bald" ;)

Grüße Rati
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Benutzer 72 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#1149

Beitrag von Benutzer 72 gelöscht »

Rati hat geschrieben:oh ha! definiere "bald" ;)
:daumen:
:hmm:
nach dem "Weltuntergang"??? :aeh:
Rati
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#1150

Beitrag von Rati »

:lol: na, ich hoffe mal so lange dauert es dann doch nicht. :mrgreen:

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