Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#991

Beitrag von Manfred »

@viktualia:
Das mit der Phantasie bezog sich auf deine im letzten Beitrag erneut aufgestellte Behauptung, die Tiere würden an diesen Erkrankungen bzw. daraus resultierenden Blutvergiftungen etc. sterben.
Ansonsten bleibt mir nur erneut deine offenbar herausragenden tiermedizinischen Fähigkeiten zu bewundern.
Abgesehen von fehlerfreien Diagnosen gesellen sich dazu auch noch die Fähigkeiten, Verletzungen und Erkrankungen im letzten Trächtigkeitsdrittel auszuschließen und Herdentiere folgenlos zu isolieren.
Benutzer 72 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#992

Beitrag von Benutzer 72 gelöscht »

emil17 hat geschrieben:Ich lese interessiert mit:
viktualia hat geschrieben:Hand- und Fussknochen sind dummerweise genau die Strukturen, die uns am meisten von Tieren unterscheiden, das mal so am Rande...
Ich hätte da ganz naiv und hoffnungsvoll das Gehirn genannt.
ich auch: "auch!"

- und die Wirbelsäule.... (von wegen aufrechter Gang).
Aber zwischen Menschenfuß und Schweinefuß gibt es wohl wirklich offensichtlich sehr große Unterschiede, hm? :hmm:

Emil, magst du mal wikipedia ausbessern? ;)
Die Phalanx distalis zeigt aufgrund der unterschiedlichen Fußung bei den vierfüßigen Säugetieren deutlichere Unterschiede zum Menschen.
egal: ein Tier, das oben genannte Krankheiten hat, wenn es stirbt oder getötet wird (egal wie!!), hat zu Lebzeiten leiden müssen und das sollte nicht sein.
nicht weil ich es besser weiß oder besser machen könnte, sondern weil Tiere leiden können, sich aber kaum zu wehren vermögen!!
egal jetzt, womit ich mein Geld verdiene!

und ja: ich traue mir die Diagnose "Tier musste zu Lebzeiten leiden" zu
bei z.B.
chronische eitrige Gelenkentzündungen, [....]
tiefgehendes Panaritium, -Nagelbettentzündung; [....]
chronische Entzündungen infolge Verletzung/Abriss von Afterklauen,
[....]
tiefgehende Bissverletzungen an Schwanz oder Ohren mit chronischer Entzündung .....
Wieso so viel chronisch?
Und, nur aus Interesse: wieso darf man diese Tier enicht mehr verzehren?
viktualia

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#993

Beitrag von viktualia »

Emil, ja, klar, das Hirn macht den Hauptunterschied aus, auch im Gebrauch von Händen, Füssen und Hufen.
Mit den "Strukturen" hab ich mich insofern ungenau ausgedrückt, als dass die Knochenanzahl gleich ist. (Sehr faszinierend, das.)
Ja, von innen sehen sie sich ähnlicher als von aussen, Hände, Klauen und Füsse.
Sie werden aber sehr unterschiedlich gebraucht, insofern sind sie dann halt eben doch grundlegend verschieden.
Sprich, den "Mittelfussknochen", den Manfred gebrochen hatte, haben Kühe und Schweine viiiel weiter oben, die laufen ja auf Zehen und Fingerspitzen.

Manfred, nochmal, jede größere Entzündung, die nicht behandelt wird und sich ausbreiten kann, führt über eine Blutvergiftung zum Tod.
(Deswegen sind ABs ja so ein "Segen", noch.)
Du hast einen Artikel verlinkt, auf den ich mich beziehe; ich finde den Unterschied, ob die nun an der Krankheit oder wegen der Krankheit sterben jetzt nicht so wirklich groß. Sie würden dran sterben, desshalb werden sie getötet. Und es werden Krankheitsstadien genannt, die nicht unmittelbar nach einer Verletzung, sondern ganz klar Tage bis Wochen danach auftreten (Panaritium, TIEFE Nagelbettentzündung.)
Manfred, soll ich jetzt im Umkehrschluss annehmen, bei dir im Stall würden sich die (schwangeren) Kühe die Bauchdecke einrammen?
Das ist jetzt nicht dein Ernst.
Verflixt nochmal, deswegen reg ich mich doch so auf, WEIL da Krankheiten genannt werden, die einfach zu identifizieren sind.
Zank nicht mit mir, frag deinen Tierarzt.
(Nach den oben genannten KH, ob DU die sehen kannst. Vor, während oder nach der Schwangerschaft eines deiner Tiere.
Die Narben im After vielleicht ausgenommen... Die Antwort ist mit Sicherheit "Ja".)
Kampfwunden sieht man; Entzündungen haben "dolor, calor, rubor, tumor", das ist bei Verstauchungen nicht.
Bissverletzungen würden bei dir auftreten UND weder behandelt noch verhütet werden? Hallo?
"Isolation" mit Sichtkontakt ist ebenfalls eine Managementfrage.

Und hör bitte auf, mir meine Qualifikation abzusprechen. Ich hab ein paar Jahre "Motorisch funktionell" gearbeitet, so heisst das bei Ergos. Natürlich kann ich nicht mit einem Röntgengerät umgehen, aber ich weis, woran ich (und dann der Doc) eine akute Entzündung, eine Verstauchung, einen Biss oder eine Hernie erkennen. Na ja, eine Rektumsfriktion ist mir (bewusst) nicht untergekommen, aber meine Patienten haben auch selten mit so mittelalterlichen Zuständen zu tun....
Und sie dürfen ungehemmt ABs schlucken.

Das ist echt auf ner Ebene, als würd ich dir unterstellen, du könnest Weidelgras nicht von nem Sauergras unterscheiden.
Weil du ja nicht Biologie studiert hättest....
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#994

Beitrag von Manfred »

viktualia hat geschrieben:finde den Unterschied, ob die nun an der Krankheit oder wegen der Krankheit sterben jetzt nicht so wirklich groß.
:roll:
Einzig und alleine darum geht doch die ganze Studie und Debatte.

Sie würden dran sterben, desshalb werden sie getötet.
Glaube ich nicht. Ich habe z.B. bei Wildschweinen schon extrem schwere Unfall- und Schussverletzungen gesehen, die sicher mit umfangreichen Entzündungen verbunden waren und trotzdem ausgeheilt sind.
Es geht hier nicht darum, ob sie daran gestorben wären oder nicht. Es geht darum, ob ihnen durch frühere Tötung Leid erspart wird.
Schwein1.jpg
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Schwein2.jpg
Schwein2.jpg (120.68 KiB) 1674 mal betrachtet
viktualia

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#995

Beitrag von viktualia »

Ina, Emil hat da schon recht, Hände/Füsse/Klauen/Hufe haben das gleiche Grundgerüst https://de.wikipedia.org/wiki/Homologie_(Biologie) Funktional sind die Strukturen unterschiedlich, "strukturell", im Sinne von Anzahl/"Reihenfolge" der Knochen, sehr ähnlich.
(Emil denkt ingenieurisch, ich ergomässig, langsam gewöhn ich mich dran. Ausserdem hat er einfach wirklich manchmal recht.)
Wieso so viel chronisch?
Ganz böse gedacht: weil man bis vor kurzem da mit ABs reingehen konnte und durfte, die Ställe noch genau so "groß" sind wie vorher und das "Management" beläuft sich auf abwarten.....
Und, nur aus Interesse: wieso darf man diese Tier enicht mehr verzehren?
nach Verletzung ja, nach Entzündung nein. Management. Die machen ja keine Hausschlachtung, also ist der Aufwand, ein einzelnes Tier direkt nach einer Verletzung zu schlachten fast so groß, wie es "anständig" zu versorgen.
viktualia

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#996

Beitrag von viktualia »

Manfred, was soll das? Ein Wildschwein lebt im Wald und kann sich da mit jeder Menge natürlicher Wirkstoffe versorgen, natürlich hat das bessere Chancen. Das ist ja auch nicht mit ner Horde Artgenossen zusammen gepfercht, die auf Masse gefüttert werden, bei akuter Reizdeprivation.
(Jetzt lass mich nicht aufzählen, was die Wildsau an Pilzen, Rinden und Pflanzen mit Entzündungshemmern suchen muss. Die findet genug. Auch ohne Diagnostik.)

Ich habe mehrmals betont, dass bei diesen Tieren (aus dem Artikel) ein Überleben bei prompter Behandlung völlig normal wäre.
(Hernien teilweise ausgenommen...).
Und DESSHALB ein Gnadentod besser wäre: wenn eine Behandlung aus Zeit- oder anderen Managementgründen nicht möglich ist.
Denn ohne AB, ich wiederhole mich, verlaufen solche Entzündungen tödlich.
Wundversorgung kostet halt Aufwand, das ist das Problem.

Ich bin halt kein Bauer, der ohne ABs plötzlich viel früher schlachten, schlimmer, "entsorgen" müsste;
ich bin Ich und weis noch, warum sie mal ein Segen hätten werden können.

Wenn keine Möglichkeit da ist, die Krankheiten zu versorgen, muss man die Konsequenzen tragen, das ist das Problem.

Da tuen sich (ohne ABs?) "plötzlich" Abgründe auf, oh Wunder.
Management?


Was willst du mit den Bildern sagen?
Manfred

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#997

Beitrag von Manfred »

viktualia hat geschrieben:Manfred, was soll das?
Ich habe versucht, dir die Realität der Tierhaltung näher zu bringen,
und bin gescheitert.

Du kommst mir vor, wie die jungen Amtsveterinärinnen aus der Stadt, die als Kind mal einen Hamster hatten und durch ihr Studium und ein paar Praktika dazu qualifiziert sind, zu Betriebskontrollen raus zu fahren und einem Schäfer mit 1000 Tieren und 30 Jahren Berufserfahrung die Zwangstötung seiner 3 humpelnden Tiere anzuordnen, von denen er aus langjähriger Erfahrung weiß, dass sie mit 80% Wahrscheinlichkeit in 2 Wochen wieder fit wären, was ihm im übrigen auch die erfahrenen Tiermediziner vom Schafgesundheitsdienst bestätigen.

Natürlich gibt es Missstände in der Tierhaltung.
Aber vieles, was als Missstand verkauft wird, ist bei näherer Betrachtung keiner, sondern unterliegt einem weiten Ermessensspielraum mit verschiedensten Einflussfaktoren.
Es ist einfach völlig realitätsfern zu glauben, in der Nutztierhaltung dürfe es keine Krankheit und keine Verletzungen geben und wenn doch, sei zumindest eine intensivmedizinische Betreuung wie beim Menschen angemessen.
Und trotzdem wird diese Ansicht jeden Tag propagiert.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#998

Beitrag von Rohana »

Ich habe mehrmals betont, dass bei diesen Tieren (aus dem Artikel) ein Überleben bei prompter Behandlung völlig normal wäre.
Woher willste denn das wissen? :aeug:
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
viktualia

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#999

Beitrag von viktualia »

Mensch Manfred, gar nix haste. Und ich auch nicht, so gesehen. Du hast nix beschrieben, und ich hab nur behauptet, diese Krankheiten wären eben nicht unbedingt tödlich. Lass die Schafe leben, wenn einer da ist, der sie versorgt, ist ja alles in Butter.
Das ist doch eben mein Punkt: es handelt sich nicht um tödliche, sondern um arbeitsintensive "Krankheiten". (Rsp. Platzintensive.)
Du sagst, es gehe um Verringerung von Leid durch Töten; ich sage, es geht um Leid, dass durch Management verhütet werden kann.
Wenn man dieses Management nicht aufbringen kann, ist Töten gnädiger.
Wenn man es aufbringt, sind die Chancen auf Heilung ziemlich gut. (Rektumsfriktion und manche Hernien ausgenommen...)

Rohana, lies dir meine "Übersetzung" nochmal durch, an Bissen oder Nagelbettentzündung muss man/Tier nicht sterben;
(bis auf die Narben im Po, wo immer die nu herkommen), das weis eigentlich jeder mit minimalen medizinischen Kenntnissen.

Manfred, ich bin die letzte, die auf "intensivmedizinische Betreuung" steht (desshalb klammer ich die Hernien ja auch aus...),
aber Sachen, die jeder Schäfer mit Betaisodonna hinkriegt, gehören nicht in diese Statistik, jedenfals nicht, wenn es um "Verhütung von Leid" gehen soll. Wenn es um Tötung geht, ja. Denn alle diese Verletzungen (und es sind Verletzungen, keine ursächlichen Krankheiten, grummel), führen unbehandelt über eine Entzündung zu Blutvergiftung zu Leiden und Tod.
Schon immer, bis auf eine kurze Interimszeit mit Antibiotika. Da konnte man was lässiger mit den "Sachen" umgehen.
Jetzt sind wir wieder an einem Punkt, wo es nicht um oral zu verabreichende Medikamente, sondern um lokale Behandlung geht, und die hat den von dir erwähnten "weiten Ermessensspielraum mit verschiedensten Einflussfaktoren": unwillige Tiere, Zeitaufwand, Platzaufwand, Gewichtsverlust, Geldverlust. Was ist denn nun dein Punkt? Behandeln, also Geldverlust - oder töten und Leid ersparen?
Ich hab nicht mal fürs behandeln plädiert, fänd ich quatsch, bei gleichen Haltungsbedingungen.
Ich finde diesen Punkt, dass es erst Verletzungen und dann Krankheiten sind, bzw. dass die "Krankheiten" aus der Statistik mal behandelbar waren, wichtiger, als so´n moralo Ding über den richtigen Bolzenschuss. (Im Sinne von: das ist ja wohl keine Frage, dass der sitzen sollte.)
Es geht darum, ob ihnen durch frühere Tötung Leid erspart wird.
Ja, ganz sicher. Alle diese beschriebenen Verletzungen verursachen unbehandelt Siechtum und Leid.
Und fast genauso sicher ist es, dass sie behandelbar sind. Frag deinen Tierarzt (nach Entzündungen...)
("Erkenne ich eine Bisswunde am Ohr?" Hey...)

"Wie teuer ist das tägliche einpinseln mit einem Wirkstoff, der für Schlachttiere zugelassen ist?"
Nicht nur das Medikament, auch der jeweilige Arbeitsaufwand.
Ja, es ist eine schwere Frage, ob sich einpinseln oder töten mehr lohnt.
Da sind wir uns wahrscheinlich einig.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#1000

Beitrag von Rohana »

Ähm... die, bei denen die Behandlung funktioniert hat, die liegen halt nicht in der Kadavertonne. Die "Hinweise" auf mögliche "Leiden" sagen leider gar nix über versuchte Therapien - oder hab ich das nur nicht gefunden? :ohm:
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
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