Glyphosat-Diskussion

Steinbock
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Re: Glyphosat-Diskussion

#911

Beitrag von Steinbock »

Rohana hat geschrieben:Steinbock, du nimmst amerikanische Verhältnisse her und möchtest die auf die deutsche Landwirtschaft übertragen? Funktioniert nicht. Dosis, Gift und so.
Ach so. Wie kommt es dann aber, dass wir praktisch alle Glyphosat im Urin haben? Schüttet da etwa jemand heimlich Glyphosat in unser Trinkwasser?
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emil17
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Re: Glyphosat-Diskussion

#912

Beitrag von emil17 »

Steinbock hat geschrieben: Ach so. Wie kommt es dann aber, dass wir praktisch alle Glyphosat im Urin haben? Schüttet da etwa jemand heimlich Glyphosat in unser Trinkwasser?
Nun, das ist leicht zu verstehen: Das Zeug wird jährlich auf etwa 30 - 40% der Ackerfläche ausgebracht (wenn wiki recht hat), das sind für Deutschland dann etwa 4.5 Millionen Hektar. Es ist also allgegenwärtig.
Weil die Menge einer Substanz, die abgebaut oder verdünnt wird, prinzipiell mit der Zeit exponentiell abnimmt, wird ihre Konzentration nie Null. Mit den heute zur Verfgung stehenden sehr empfindlichen Analysegeräten ist Glyphosat denn auch überall nachweisbar.
Eine Aussage der Präsenz einer Substanz sagt ohne die Konzentration deshalb nur aus, dass ein genügend empfindlicher Nachweis verwendet wurde. Deswegen steht in Analyseberichten auch nicht "nicht vorhanden", sondern "unter der Nachweisgrenze".
Dass die Wirkung chemischer Substanzen per Zufall entdeckt werden, weil es Abfallprodukte ganz anderer Forschungszweige sind, ist übrigens nicht so selten (wie Centauri erwähnt): andere Beispiele sind Penicillin oder der Klebstoff für die PostIt-Etiketten oder Teflon.

Ich möchte klarstellen, dass ich kein Befürworter der Breitbandanwendung solcher "lanwirtschaftlicher Produktionshilfsstoffe" bin, wie sie gerne verharmlosend genannt werden. Nur sollte man keinen Skandal aus Tatsachen machen, die in der chemischen Analytik ganz normal sind und nicht die Problematik dieser Substanzen ausmachen.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Wildmohn

Re: Glyphosat-Diskussion

#913

Beitrag von Wildmohn »

Man kann die Sache drehen und wenden, aber das Prinzip bleibt bestehen: Nämlich eine industrielle Landwirtschaft, die großen Schaden anrichtet und größtenteils Zerstörung und Krankheiten verursacht. Das sollte man beim "klein-klein analysieren" nicht aus den Augen verlieren.
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emil17
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Re: Glyphosat-Diskussion

#914

Beitrag von emil17 »

Wildmohn hat geschrieben:Man kann die Sache drehen und wenden, aber das Prinzip bleibt bestehen: Nämlich eine industrielle Landwirtschaft, die großen Schaden anrichtet und größtenteils Zerstörung und Krankheiten verursacht. Das sollte man beim "klein-klein analysieren" nicht aus den Augen verlieren.
Wenn du das so ganzheitlich beurteilst. sollstest du aber auch folgendes erwähnen: DIese industrielle Landwirtschaft schafft es immerhin, 230 Einwohner pro Quadratkilometer so zu ernähren, dass die Lebenserwartung der Bevölkerung so hoch ist wie nie zuvor in der Geschichte, und dass die Lebensmittel so billig sind wie nie zuvor, gemessen an der Kaufkraft der Bevölkerung.
Nur eine effiziente Nahrungsmittelproduktion gibt der Mehrzahl der Bevölkerung genug persönliche Freiheit, um sich anderem widmen zu können, als sich den ganzen lieben langen Tag damit beschäftigen zu müssen, überhaupt irgendwas auf den Tisch zu kriegen. Was "das gewöhnliche Volk" mit seiner so gewonnenen Freizeit anfängt, ist dann wieder eine andere Frage.

Dazu hat nicht nur die industrielle Landwirtschaft beigetragen.
Aber dass sie "nur" großen Schaden anrichtet und größtenteils Zerstörung und Krankheiten verursacht, das sollte man so nicht stehen lassen.
Ein grosser Teil der heutigen Zivilisationskrankheiten ist der schlichten Tatsache zu verdanken, dass die meisten Leute früher wegen Kriegen, wegen irgendwelchen Krankheiten, die heute kein Thema mehr sind (Diptherie, Tuberkulose, Kindbettfieber ... ), und eben auch wegen Mangelernährung, gar nicht so alt geworden sind, um daran krank zu werden.

Ich bin nicht blind gegenüber den Kollateralschäden der heutigen Industriegesellschaft. Aber generelle Rundumschläge nach dem Prinzip "ich beiss in die Hand, die mich füttert" helfen nicht weiter und sind genau so einseitig, wie wenn man Landwirtschaft nur nach dem kurzfristigen Rendite-Prinzip betreibt.

Ich bin der Meinung, dass vieles besser gehen könnte und dass Substanzen wie Glyphosat in der Lebensmittelproduktion die absolute Ausnahme bleiben sollten (damit wir wieder beim Thema sind). Als Konsument habe ich zudem das Recht, DInge, Lebensmittel oder Methoden auch dann abzulehnen, wenn "wissenschaftlich" aus Sicht der Produzenten nichts dagegen spricht, sie anzuwenden.
Nur ist das dann im Detail eben kompliziert - um nachhaltige und umweltverträgliche Landwirtschaft in einer Marktwirtschaft mit Gewerbefreiheit und Unternehmertum zu erreichen, müssen die Rahmenbedingungen anders sein als sie es heute sind. Glyphosat ist ein Symptom, nicht das eigentliche Problem.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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Herbstelfe
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Re: Glyphosat-Diskussion

#915

Beitrag von Herbstelfe »

Ist es nicht auch ein bisschen eine Frage, welchen Preis (z.B langfristige Folgeschäden an Ökosystemen) man bereit ist zu zahlen? In Zeiten einer Lebensmittelüberproduktion?
Keine Zeit für dumme Späße, ich hab zu tun mit Älterwerden.
Gelöschter Benutzer 54

Re: Glyphosat-Diskussion

#916

Beitrag von Gelöschter Benutzer 54 »

ebenso wie die frage: was kann auch noch von der alleinerziehenden mutter mit drei kindern und hart am finanziellen limit bezahlt werden.
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Rohana
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Re: Glyphosat-Diskussion

#917

Beitrag von Rohana »

Herbstelfe hat geschrieben:Ist es nicht auch ein bisschen eine Frage, welchen Preis (z.B langfristige Folgeschäden an Ökosystemen) man bereit ist zu zahlen? In Zeiten einer Lebensmittelüberproduktion?
Die eigentliche Frage ist, wer ist "man". Denn die meisten Diskussionen hier gehen um das Geld (oder die Zeit, den Aufwand, you name it) anderer Leute. Komischerweise ist nämlich kaum einer, der ein Pestizid (Glyphosat)-Verbot fordert, mit der selben Vehemenz bereit, selbst auf (z.B.) ein Auto zu verzichten. 1 Million Unterschriften gegen Glyphosat? - kein Problem, sone Unterschrift kostet den Unterschreiber ja nix...
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
Benutzer 146 gelöscht

Re: Glyphosat-Diskussion

#918

Beitrag von Benutzer 146 gelöscht »

emil17 hat geschrieben: Glyphosat ist ein Symptom, nicht das eigentliche Problem.
Wäre das nicht ein schöner Schlusssatz für diesen Faden?
Benutzer 72 gelöscht

Re: Glyphosat-Diskussion

#919

Beitrag von Benutzer 72 gelöscht »

frodo hat geschrieben:
emil17 hat geschrieben: Glyphosat ist ein Symptom, nicht das eigentliche Problem.
Wäre das nicht ein schöner Schlusssatz für diesen Faden?
:daumen: :daumen: :daumen: :daumen: :daumen: :daumen:
Wildmohn

Re: Glyphosat-Diskussion

#920

Beitrag von Wildmohn »

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