Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

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Thomas/V.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#931

Beitrag von Thomas/V. »

Das die dortigen Bedingungen sowohl für die Tiere als auch die Tierhalter nicht ideal sind, werden sie sicherlich feststellen können.
Drücke ich mich denn so unverständlich aus?

Mir ist doch völlig klar, das die meisten gar nicht anders können, aus verschiedenen Gründen.
Mich regt nur diese ständige Schönfärberei der derzeitigen Zustände auf.
Alles irgendwie "alternativlos", also machen alle weiter so, obwohl sie sehen, das der Karren immer weiter in den Sumpf fährt, anstatt sich endlich mal zusammen zu reißen und den Rückwärtsgang ein zu legen.

Aber wieso rege ich mich eigentlich noch auf, es fährt ja doch immer weiter, das https://www.youtube.com/watch?v=8Lz_qPvKCsg
Lassen sie mich durch, mein Bruder ist Arzt!
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Thomas/V.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#932

Beitrag von Thomas/V. »

Der Bauer hat ne Menge investiert und "mach halt was anderes" bedeutet neue Kredite, neues Verschulden, neues Risiko.
Die Politik verschenkt doch ständig Milliarden an jeden, der die Hand aufhält. Wieso nicht den Bauern, die willig sind, die Kredite bezahlen und ihnen für einen Neuanfang günstige einräumen? Ausländische Zockerbanken kann man doch auch "retten"...
kaufen die halt ihre Billigmilch in anderen Ländern in denen es den Tieren nicht so gut gehen soll wie in Deutschland.
Sagt jemand, der die Globalisierung toll findet... :aeug:
Lassen sie mich durch, mein Bruder ist Arzt!
centauri

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#933

Beitrag von centauri »

Ja daran liegt es. An der Globalisierung!
Um der deutschen Wirtschaft und den Banken überall Tür und Tor zu öffnen wurden die Bauern eben geopfert.
Ein Bauernopfer so zu sagen. :)
Die seit Jahrzehnten verfehlte Agrarpolitik hat es den Bauern auch nicht leicht gemacht.

Ach war das noch eine schöne Zeit als wir in Milchseen schwimmen, Butterberge und Fleischberge erklimmen konnten. :)
Und dann gab es immer die leckere Weihnachtsbutter! :)
Die Russen (unseren Erzfeind) haben wir damals nicht sanktioniert sondern auch reichlich mit Weihnachtsbutter beschenkt.
Deshalb wurden wir auch nicht angegriffen. :grinblum:
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#934

Beitrag von Rohana »

ina maka hat geschrieben:
Rohana hat geschrieben:Warum sollte sich das irgendwer antun? Dann eher Mutterkühe. Oder gar keine Kühe, weniger Stress, weniger Angebundenheit.
Ich glaube fast, so war die Frage gemeint gewesen: wenn man so wenig verdient und noch dazu die Tiere nicht wirklich artgerecht halten kann: wieso nicht was anderes arbeiten?
Ich mein, was ich bei dir so herauslese, ist Landwirt gar kein schöner Beruf.

Ich will aber nicht jemandem dankbar dafür sein müssen, dass er Tiere ausbeutet und dafür dann Geld verlangt, mich beleidigt ("Konsumentenhatz") und alle paar Minuten damit droht "machs halt selber. ich hör auf." :roll:

Wieso hörst du dann nicht auf???
Ich habe nirgendwo damit gedroht aufzuhören mit meiner Arbeit in der Landwirtschaft. Es wäre sehr schade wenn ich das müsste, und momentan läuft es einigermassen bei uns. Luft nach oben ist natürlich immer :roll:
Was mich allerdings stört sind die ständigen Anfeindungen. Artgerechte Haltung scheint für diese Menschen die oberste Priorität zu sein, sorry, für uns ist es die Nahrungs- und Lebensmittelerzeugung in Qualität und gewisser Quantität - dazwischen versuchen wir so gut es geht einen Weg zu finden. Aber eben nicht um JEDEN Preis.
Deshalb: Bitte selber machen, dann merkt ihr nämlich was ist, was geht und was nicht, und dann bitte evtl noch als Existenzgrundlage umsetzen.

Ach Ina, deine teure Bio-Rohmilch von Weidekühen, dürfen diese Kühe ihre Kälber behalten? ... :kaffee:

@Peter irgendwann weit vorher: Nein, ein Kalb kann eine Hochleistungskuh nicht "leer" saufen - im Sinne von das Kalb kann nicht die Menge saufen, die die Kuh beim Melken gibt. Wenn man das Kalb bei der Kuh lässt und nicht zusätzlich milkt, passt sich die Kuh dem Kalb an und gibt sehr bald nicht mehr Milch als das Kalb säuft. Wenn man versucht zusätzlich zu melken, hat man Hygiene- und Logistikprobleme und die Kuh wird die Milch nur sehr schlecht, eher gar nicht hergeben. Milchleistung ist (unter anderem) eine Sache der Nachfrage - ohne Abruf keine Milch.
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
Benutzer 72 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#935

Beitrag von Benutzer 72 gelöscht »

Rohana hat geschrieben:Ach Ina, deine teure Bio-Rohmilch von Weidekühen, dürfen diese Kühe ihre Kälber behalten? ...
nein - Die Tiere dort schreien allerdings wenig - warum auch immer.
Ich weiß eh, dass nicht alles ideal sein kann.
Leben ist mit Leid verbunden, immer und überall.
Ich kann nur versuchen, möglichst wenig Leid zu verursachen...

finde es nicht gut, das zu leugnen, aus Angst, angegriffen zu werden wegen dem, was man tut.....

Aber eigentlich triggern mich Aussagen wie "es geht den Tieren eh gut. Und kritisiere mich jaaa nicht! Wenn du etwas nicht so toll findest an dem, was ich mache, sag nichts, sondern mach es selber, mach es besser!"

An diesem Thema kann ich nichts mehr lernen, nichts mehr vermitteln - sollte mich besser raushalten :flag:

Wieso denkst du eigentlich, dass ich keine Bauern kenne, keine Bauernhöfe von innen kenne?
Rohana hat geschrieben:Wenn man das Kalb bei der Kuh lässt und [....] versucht zusätzlich zu melken, hat man Hygiene- und Logistikprobleme und die Kuh wird die Milch nur sehr schlecht, eher gar nicht hergeben.
Sie hebt sie für ihre Kind auf.... :pfeif: ?
Wildmohn

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#936

Beitrag von Wildmohn »

@Rohana:
Ich fände es schon interessant, wenn Du kurz mal schildern könntest, wie Dein Arbeitsplatz ausschaut. Also, Betriebsgröße, welche Art(en) der Produktion und wie die Produkte vermarktet werden. Welche Rolle Du in diesem Produktionszyklus spielst und ob Du und Deine Mitstreiter den knochenharten Marktdruck spürt und der Betrieb letzendlich im kapitalistischem Hamsterad gefangen ist....? Wodurch für artgerechte Innovationen kein Freiraum mehr ist... denn Druck macht blind.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#937

Beitrag von Blümle »

Ist jeder hier Veganer oder erzeugt seine Milchprodukte selbst ohne die Jungtiere von den Muttertieren zu trennen? Andernfalls finde ich es ziemlich vermessen, wie auf Rohana rumgehackt wird. Ich möchte niemandem Heuchlerei vorwerfen, aber ein Produkt nachzufragen und den Produzenten dann Tierquälerei vorzuwerfen ist schon sehr paradox. Wenn man nicht möchte, dass eine gewisse Praxis existiert, sollte man sie auch nicht mit seinem Konsumverhalten unterstützen. Wenn man sie doch unterstützt, sollte man sich nicht darüber beschweren. Das ist vollkommen widersinnig.
Wer keine Fehler macht, macht wahrscheinlich auch sonst nichts.
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#938

Beitrag von Rohana »

Wildmohn hat geschrieben:@Rohana:
Ich fände es schon interessant, wenn Du kurz mal schildern könntest, wie Dein Arbeitsplatz ausschaut. Also, Betriebsgröße, welche Art(en) der Produktion und wie die Produkte vermarktet werden. Welche Rolle Du in diesem Produktionszyklus spielst und ob Du und Deine Mitstreiter den knochenharten Marktdruck spürt und der Betrieb letzendlich im kapitalistischem Hamsterad gefangen ist....? Wodurch für artgerechte Innovationen kein Freiraum mehr ist... denn Druck macht blind.
Bayrischer Durchschnittsbetrieb. 33 Milchkühe + Nachzucht, Laufstall, männliche Kälber werden mit etwa 4 Wochen verkauft. Ackerbau & Grünland nur fürs Tierfutter, selten wird mal ein Überschuss Weizen verkauft. Milch geht an die lokale Molkerei. Ich bin im Stall bei allen anfallenden Arbeiten und nach Kräften in der Aussenwirtschaft dabei. Ausserdem mache ich das Herdenmanagement (und hüte die Hobbyhühner :rot: )
Was den Marktdruck angeht, unsere Molkerei hat eine solide Basis und konnte auch in der (oder eher den) Milchkrise(n) über dem Durchschnitt zahlen, aber die Preise sind bei der letzten um knapp 1/3 eingebrochen, das merkt man schon. Stell dir einfach mal vor es wäre alles wie immer, nur würdest du im Monat 1/3 weniger Geld bekommen... und das über einen längeren Zeitraum. Jetzt, wo wir wieder bei knapp "normal" sind, liest man in der Zeitung Schlagzeilen wie "Der Milchpreis hat sich in den letzten x Monaten fast verdoppelt!" (Vergleich von schlechtestem Auszahlungspreis zu schlechtesten Zeiten und bester jetzt, kommt hin) und man kommt sich ein ganz kleines bisschen verarscht vor :aeh: hab leider den genauen Artikel und Erscheinungstag nicht mehr parat.

Kannst du "kapitalistisches Hamsterrad" und "artgerechte Innovation" genauer definieren? Durch die Gegebenheiten vor Ort haben wir (genau wie alle anderen, die an Land gebunden sind) einen relativ begrenzten Gestaltungsspielraum, aber das würde vermutlich eh jeden Rahmen eines Postings sprengen. Geht einfacher wenn du vorbeikommst ;)
Alles immer aufs System abzuwälzen ist übrigens zu einfach, vonwegen Druck macht blind. Es ist einiges theoretisch möglich, aber lange nicht alles bezahlbar(!), praktisch bzw. arbeitstechnisch umsetzbar und/oder wirtschaftlich (und anderweitig) sinnvoll.
ina maka hat geschrieben:
Rohana hat geschrieben:Ach Ina, deine teure Bio-Rohmilch von Weidekühen, dürfen diese Kühe ihre Kälber behalten? ...
nein - Die Tiere dort schreien allerdings wenig - warum auch immer.
Wenig im Vergleich zu wem oder was? Keine Lautäusserung ist der Normalzustand, wenn Laut gegeben wird, dann hat das einen konkreten Anlass. Bio-Kälber werden genauso Hunger haben wie konventionelle, und zur Fütterungszeit dementsprechend sich bemerkbar machen...
Ich weiß eh, dass nicht alles ideal sein kann.
Leben ist mit Leid verbunden, immer und überall.
Ich kann nur versuchen, möglichst wenig Leid zu verursachen...

finde es nicht gut, das zu leugnen, aus Angst, angegriffen zu werden wegen dem, was man tut.....
Was ist schon "ideal"? Ja, ich bin der Meinung unsere Tiere haben keinen Leidensdruck, trotz ihrer Einschränkungen. Zwischen "es ginge noch besser" und "leiden" liegen (für mich) Welten. In ihren Kopf schauen kann ich natürlich nicht, das ist klar. Kann aber auch sonst keiner :roll:
Wieso denkst du eigentlich, dass ich keine Bauern kenne, keine Bauernhöfe von innen kenne?
Könnte an deinen Aussagen liegen... :flag:
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
Benutzer 72 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#939

Beitrag von Benutzer 72 gelöscht »

Rohana hat geschrieben:Wenig im Vergleich zu wem oder was? Keine Lautäusserung ist der Normalzustand, wenn Laut gegeben wird, dann hat das einen konkreten Anlass.
so meinte ich das "wenig"
Rohana hat geschrieben:
Wieso denkst du eigentlich, dass ich keine Bauern kenne, keine Bauernhöfe von innen kenne?
Könnte an deinen Aussagen liegen... :flag:
Vielleicht aber seh ich denselben Bauern wie du? nur seh ich ihn anders??

So wie die Blinden, die einen Elefanten beschreiben sollen und einer erwischt ein Bein, der andere den dünnen Schwanz.....
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Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#940

Beitrag von Rohana »

Nunja, "den" Bauern gibt es nicht. Jeder hat andere Verhältnisse, es gibt mehr oder minder Ähnlichkeit in den Gegebenheiten und/oder Produktionsweisen. Nichtmal das Ziel ist immer 100% übereinstimmend :pfeif:
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
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