Sparen durch Selbstversorgung

Olaf
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Re: Sparen durch Selbstversorgung

#101

Ungelesener Beitrag von Olaf »

Deshalb ist Geld kein geeignetes Mass, um den Sinn eines SV-Gartens darzustellen. Und genau das ist der Titel dieses Fadens.
Ich fange auch an, Emil zu verstehen. Vorhin, plötzlich.
Da wurde mir klar, dass ich ganz vieles mache, weil ich es so will, und der Preis mir wurscht ist.
Weil ich mir, durch Fronarbeit, das leisten kann. Und ich Glück schwerlich in Geld umrechnen kann...versuch ich aber immer, Emil nennt das schönrechnen.....
Eigentlich bin ich ein netter Kerl.
Wenn ich Freunde hätte, könnten die das bestätigen.
sybille
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Re: Sparen durch Selbstversorgung

#102

Ungelesener Beitrag von sybille »

Mir geht es nicht anders. Da ich nur auf der Terrasse in Kübeln Gemüse ziehen kann, kommt mich das sicher auch teurer als gekauftes Gemüse und trotzdem mache ich es weil ich Freude am selbgezogenen Gemüse habe.
Oder meine Schafe und Hühner. Sie sind auf einer großen Pachtweide und wenn ich die Kosten und die Zeit rechne, lohnt ich das nie und nimmer. 2 mal am Tag fahre ich dorthin, verbrauche Benzin, bringe Trinkwasser, investiere Zeit. Sicher, im Winter ist das alles nicht schön und vor allem während der Stallpflicht wenn ich die Hühner nur drinnen sehe, nicht. Aber dafür geniesse ich die Zeit nach Feierabend im Frühjahr, Sommer und Herbst.
Hühner sind Menschen wie Du und ich, nur das sie zur Hausordnung Hackordnung sagen.
Hildegard
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Re: Sparen durch Selbstversorgung

#103

Ungelesener Beitrag von Hildegard »

Wenn es mit den April-Temperaturen so weitergeht, ..-10°, ...meterhoch Neuschnee....können wir uns die Hobby-SV im Gartenbereich sowieso "ersparen".
Eisblumen und Wildkräuter wachsen nämlich eh von allein. :) Anders schaut es bei denen aus, deren Existenz davon abhängt.
LG Hildegard
Trau nie dem Ort an dem kein Unkraut wächst ;)
Zottelgeiss
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Re: Sparen durch Selbstversorgung

#104

Ungelesener Beitrag von Zottelgeiss »

Ja, das habe ich mir auch schon gedacht...Gartensaison geht jetzt von Mai bis September und der Sommer ist a...kalt und verregnet. :roll:
Die eigenen Grenzen sind immer die Grenzen des anderen.
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Herbstelfe
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Re: Sparen durch Selbstversorgung

#105

Ungelesener Beitrag von Herbstelfe »

Nachdem mir im letzten Jahr ein Rudel Schnecken ziemlich viele Keimlinge und Jungpflanzen gehimmelt hat, sehe ich das mit dem "Sparen durch Selbstversorgung" etwas ...naja...entspannter. Wie gerade schon angemerkt ist kein Jahr wie das andere und die Witterung oder Schädlinge können einem jeden noch so schönen Anbauplan zunichte machen. Gerade hängen hier die blühenden Obstbäume, vor allem die Quitte vor unserem Institut, wegen der Kälte dermaßen mit den Ohren, das ist ein Jammer und es wird vermutlich wenig zu ernten geben dieses Jahr :(

In meinem kleinen Garten habe ich nur sehr begrenzt Platz, da ist für mich jede geerntete Beere, jedes Gemüse und jedes Kraut ein Gewinn. Weil es mich glücklich macht und weil es schmeckt. Ein weiterer für mich sehr wichtiger Punkt ist, dass ich meinen (Stadt-)Kindern zeigen kann, was man der Erde abgewinnen kann. Dass die Pflanzen pflege brauchen, damit man ernten kann. Wie im Frühjahr alles aufgeht und sprießt und wie man später die Früchte der Arbeit ernten kann. Dass Beeren pflücken eine stachelige oder sehr mühselige Angelegenheit sein kann, wie eine Tomatenpflanze aussieht und das Waldmeisterlimo nicht quietschgrün ist. Natürlich freue ich mich dabei über jede Supermarkt-Gurke und jeden Supermarkt-Salat, den ich umgehen kann. Aber der Wert, den das für mich hat, kann ich schwer in Geld ausdrücken. Ob es sich finanziell rentiert, notiere ich momentan zwar schon, damit die Ausgaben bei unserem runtergerockten Garten nicht in die Höhe total explodieren, aber der ideelle Wert ist für mich unbezahlbar.
Keine Zeit für dumme Späße, ich hab zu tun mit Älterwerden.
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emil17
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Re: Sparen durch Selbstversorgung

#106

Ungelesener Beitrag von emil17 »

:)

wer sich über das Wetter beschwert, der soll mal über das Klima in der kleinen Eiszeit nachlesen, speziell während dem dreissigjährigen Krieg und dann wieder in den 70er und 80 Jahren des 18. Jahrhunderts. Eisige, ewig lange Winter, verregnete Sommer wo man das Korn nicht ernten konnte, und so weiter. Der Winter 1708/09, der viele Weinstöcke und Obstbäume ganz abgetötet hat. Das Jahr ohne Sommer 1816, das die bereits durch die Franzosenkriege arg gebeutelten Bewohner Mitteleuropas heimgesucht hat. Der Sommer 1912, mit Sommermitteltemperaturen in den Bergen, die 2.5 Grad unter dem Durchschnitt lagen (was einem etwa 500 Höhenmeter höheren Standort entspricht).
Damals MUSSTE man SV machen, leerer Keller --> nix auf den Tisch.
Betroffen waren unsere Vorfahren in unserer Gegend.
Diese Spätfrostereignisse sind in unserem Klima regelmässige Ereignisse. Die einheimische Vegetation ist daran angepasst und hält das aus, wie man an den Buchen sehen kann, die aus gutem Grund erst spät austreiben und die beim Austrieb einige Minusgrade ertragen.

Die meisten unserer frostharten Kulturgehölze stammen aus Vorderasien, wo das Klima eben doch ganz anders ist. DIese Wechselbäder aus warm und kalt sind für unsere Gegenden typisch. Schnee im April, Eisheilige, Schafskälte, Schnee bis 1800m hinab im Juli, Schnee in Davos (1500m) im August nach Wettersturz, Frühfrost im September (im Herbst 1975 konnten die Bewohner des Lötschentals die Kartoffeln nicht ernten, weil der Schnee früh kam und bis in den Frühling hinein liegen blieb) usw. sind Ereignisse, die alle paar Jahre einmal auftreten.
So lange, milde Herbste wie 2015 und 2016 sind ebenfalls Ausnahmen, für uns auf der positiven Seite. Ich merke es an den Winterholzstapeln, die reichen viel weiter als auch schon.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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Peterle
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Re: Sparen durch Selbstversorgung

#107

Ungelesener Beitrag von Peterle »

Ich finde, dieser Thread ist ein schönes Beispiel dafür, wie man sich etwas schön reden/schreiben kann. Und in der Praxis mache ich das ja nicht anders, dass was ich anbaue, also Salate, Gurken, Melonen, Kürbisse, Tomaten, Radieschen, Zwiebeln, Bohnen, Erdbeeren (irgendwas vergessen?), ist nett, aber hilft mir finanziell kaum weiter. Hobby eben.
Und die größter Frage: Lohnt es sich? Zugleich finanziell als auch geschmacklich?
Das stand im ersten Schreiben.
Geschmacklich kann man verbessern, auch inhaltlich, allein durch die Frische des Produktes, aber auch durch Vermeidung von Giften.
Finanziell, im aufgeführten Rahmen (30qm), wird der Erfolg kaum merkbar sein. Wenn man knapp bei Kasse ist, wird man Erdbeeren oder Melonen nur selten konsumieren, da sind Dinge, die satt machen wichtiger.

Na egal, ich gewinne auch gern :)

Gruß

Peter
Benutzer 72 gelöscht

Re: Sparen durch Selbstversorgung

#108

Ungelesener Beitrag von Benutzer 72 gelöscht »

Peterle hat geschrieben:Wenn man knapp bei Kasse ist, wird man Erdbeeren oder Melonen nur selten konsumieren, da sind Dinge, die satt machen wichtiger.
sprichst du aus Erfahrung? :aeh:
Wenn man finanziell knapp bei Kasse ist, sind Dinge, die Freude machen, wichtiger ...
im Ernst.

Und da lohnt es sich finanziell, etwas selber anzubauen bzw. zu "machen" - vor allem auch, weil bei Menschen, die finanziell knapp bei Kasse sind, die Arbeitsstunde monetär nicht sooo viel wert ist - schlecht bezahlter job eben :roll:

30m² sind allerdings extrem wenig, um geldlich und in Sachwerten spürbar etwas zu sparen - oder zu gewinnen, da stimme ich zu.
Freude macht das sicher!!! Das tut schon ein sinnvoll bepflanzter Balkon - ein Überraschungsessen aus Resten gezaubert, ein gemeinsam gebackener Kuchen, Gewand, das durch Näharbeiten "wie neu" aussieht und eben auch etwas Abwechslung bringt, "gestohlene" Früchte von Baum aus der Siedlung, ein Abendessen aus Brennesseln vom Spaziergang - nicht auf der Hundewiese! :pft: , gebasteltes Spielzeug aus Steinen, Hölzern, Schneckenhäusern und gefundenen Knochen (kein Schmäh - ich hab gerade einen lustig geformten Knochen auskochen müssen, weil meine Kinder unbedingt damit spielen wollen).

für mich zählen alle diese Dinge zur Selbstversorgung. :im:

auch, wenn wir Teppiche, Bücher und Spielsachen von "neben der Mülltonne" adoptieren.

p.s.: Im Sommer gibt es bei uns des öfteren Nur Melone als Mittagessen - ist dann in dem Moment wichtiger als "satt machen". Mein Mann arbeitet am Bau :lol:
weißt du, Menschen, die knapp bei Kasse sind, wollen auch manchmal einfach nur Freude empfinden und sich wohl fühlen dürfen...
können sich aber wenig Luxus-Spass (neue CDs, Bücher, Zeitschriften, Restaurantbesuche, Eisessen in der Innenstadt, Sportvereine, Kino, Konzerte etc.) leisten, da zählt alles, was Freude macht, doppelt und dreifach.

Niemals würde ich jemandem, der eh schon knapp bei Kasse ist, raten, einen Garten zu bepflanzen, damit seine Familie satt werden kann, wenn ihm diese Arbeit unangenehm ist!
Da ist es billiger, sich Kartoffel und Huhn im Angebot - sogar im Biosupermarkt - zu kaufen.
ich rede ein bisschen aus Erfahrung ;)
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Peterle
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Re: Sparen durch Selbstversorgung

#109

Ungelesener Beitrag von Peterle »

sprichst du aus Erfahrung? :aeh:
@Ina,

so fragt man Leute aus :) .
Sagen wir einfach ich weiß, wovon ich rede.
Die Erstellerin hatte jedenfalls ziemlich klar umrissen, worum es ihr geht. Das waren nicht die Dinge, die für dich zur SV gehören.

Gruß

Peter
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emil17
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Re: Sparen durch Selbstversorgung

#110

Ungelesener Beitrag von emil17 »

ina maka hat geschrieben:Wenn man finanziell knapp bei Kasse ist, sind Dinge, die Freude machen, wichtig
Diesen Aspekt hat schon John Seymour als sehr wichtig beschrieben: Man gewinnt an Selbstwertgefühl, wenn man etwas für sich selber zustandebringt, und wenn es "nur" ein paar Möhren sind.
Man vergleiche das mit einem Job, der nichts mit den gewöhnlichen Lebensführung zu tun hat.
Das sind die bezahlten oder selbständigen Tätigkeiten, die man normalen Kindern von sagen wir 6 Jahren nicht begreiflich machen kann ("Papa, warum kriegst du Geld dafür, dass du immer in den Computer guckst?"). Dafür kann man alles kaufen, was man will oder wo einem die anderen sagen, dass man es wollen sollte, um dabeizusein. Und man ist völlig hilflos, wenn es einmal etwas nicht gibt.

Ich bin der Überzeugung, dass es ein Grundbedürftnis ist, sich selber manche Dinge des gewöhnlichen Lebens und der täglichen Bedürftnisse herstellen und ohne Hilfe Dritter benutzen zu können. Dazu gehören Dinge wie Essen, Wohnen, Werkzeuge herstellen und reparieren.
Heute kann so ziemlich alles von dafür spezialisierten Firmen "effizienter" bereitgestellt werden. Dies reduziert den Begriff "Effizienz" aber auf etwas, was nichts mehr mit Lebensqulität zu tun hat.
Den Sinn des Lebens kann die Wirtschaft nämlich nicht beantworten, dabei käme bestenfalls etwas wie "möglichst schnell möglichst viel Vermögen haben" heraus.

Der Mensch ist gegenüber allen Tierarten dadurch verschieden, dass er viel Zeit mit Dingen verbringt, die aus Sicht der Überlebenssicherung in einer feindlichen Umwelt sinnlos sind. Musik machen, Tanzen, Singen, spielen, Dinge verzieren, religiös sein, Rituale befolgen, Tote verehren sind alles Tätigkeiten, die zum produktiven Leben (im wirtschaftlichen Sinne, also als Nahrung oder Geld beschaffen) nichts beitragen.

Die Neodarwinisten versuchen all das als indirekt nützlich im Kampf ums Überleben darzustellen, indem es beispielsweise die Gruppenzusammengehörigkeit stärke und man in der Gruppe konkurrenzkräftiger sei. Das ist das Pferd von hinten aufgezäumt, und sie tun es nur, um so ihr Weltmodell aufrecht erhalten zu können.
Viel einfacher ist es, davon auszugehen, dass man sich um lebensnotwendige Dinge nur deswegen und insoweit kümmern muss, wie man mehr Freiheit für das gewinnt, was den Menschen zum Menschen macht.
Aus Sicht eines Neoliberalen wäre vermutlich die Speckmade die effizienteste Lebensform - sich vollfressen als einzige Beschäftigung, kein Zeitverlust durch Nachdenken und unproduktive Interaktionen mit anderen.
Eine Rechnung, die "es hat sich finanziell gelohnt" ergibt, erspart einem natürlich das Nachdenken darüber, warum man überhaupt lebt, denn "es rechnet sich" muss in unserer Gesellschaft als Antwort nicht mehr weiter begründet werden und die unbequeme Frage "wer bin ich, wohin will ich" erübrigt sich dann.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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