Glyphosat-Diskussion

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emil17
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Re: Glyphosat-Diskussion

#811

Beitrag von emil17 »

@Fuxi: zeitliche und inhaltliche Überschneidung, aber ich schreib meins nicht nochmal um.
Akopalüze hat geschrieben: Die Rechtsprechung gibt mir da absolut recht. Krebsverursachende Stoffe sind generell aus dem Verkehr zu ziehen, da gibt ein keine Akzeptanz.
Oelkanne hat geschrieben:und erkläre mir bitte dann noch warum in Ottokraftstoff bis zu 1% Benzol enthaltensein darf?
Benzol ist seit vielen Jahren erwiesermasen krebserzeugend.
Hier wirds dann definitiv philosophisch.
- Es gibt die alte Weisheit, wonach bei jedem Stoff die Dosis das Gift macht. Krebserregende Substanzen und Pflanzenschutzmittel machen da keine Ausnahme.
- Wer wirtschaftliches Interesse in einer Sache hat, der kann NICHT vernünftig darüber urteilen.
- Man kann nicht "alle krebserrgenden Substanzen aus dem Verkehr ziehen", weil das einmal technisch unmöglich ist und weil man gar nicht alle Substanzen kennt und weil es oft nicht gewollt ist (Tabakrauch) und weil auch die Natur genung solche Substanzen bietet (Die Alkaloide des Jakobskreuzkrautes verursachen Leberkrebs, hier in der Gegend gibt es anstehenden Fels der asbesthaltig ist, Robinienholz wäre Sondermüll und nur in Unterdruckkammern bearbeitbar)
Man kann aber sehr wohl die Verbreitung, den Handel und die Konzentration solcher Stoffe auf ein vernünftiges Minimum begrenzen. Damit ist die Diskussion verlagert auf die Frage, was denn vernünftig sei. Hier wird wiederum jemand, der damit Geld verdient ganz anderer Ansicht sein, als jemand, der sich davor fürchtet. Jüngstes Beispiel dafür ist der Abgasskandal: Auch Dieselabgase sind bekanntermassen krebserregend.

Dem Schlagwort "die Rechtsprechung gibt mir definitiv recht" kann man das genauso bewährte Sprichwort "Auf hoher See und vor Gericht ist man in Gottes Hand" entgegensetzen, mit mangelnder Lebenserfahrung oder Naivität als mildernden Umstand. Zudem verstehen die Juristen herzlich wenig von krebserregenden Substanzen, also holt man Expertisen ein, und Experten sind Leute, die täglich Umgang mit solchen Substanzen haben, also vermutlich in der einen oder anderen Weise Geld damit verdienen.
In der Praxis verkauft man gesundheitsgefährdende Mittel mit Auflagen und Gebrauchsvorschriften, von denen jeder weiss, dass sie in der Praxis nicht eingehalten werden, aber es geht da nur darum, finanzielle Schadenersatzforderungen abzuwehren.
Falls sich noch jemand an die Seveso-Katastrophe 1976 in Norditalien erinnert: Hier wurde ein Werkmeister als schuldig verdonnert. Die Fabrikleitung, welche die unsinnigen Produktionsvorgaben machte, war unschuldig. Das ist so wie bei einem Berufskraftfahrer, der sich entscheiden kann, ob er die Strassenverkehrsordnung missachten oder unbezahlte Überstunden machen will.

Was ich bedenklich finde, ist das Pseudoheldentum von Leuten, die meinen, gesundheitsgefährliche Stoffe seien harmlos, weil man nicht gleich davon umkippt. Wenn Nahrungsmittelproduktion nur noch unter Verwendung von - ich zitiere - Ganzkörperkondomen - erfolgen kann, dann läuft da grundsätzlich etwas schief. Motorenbenzin kommt schliesslich nicht auf meinen Tisch, also ist der tolerierte Benzolgehalt grundsätzlich kein Argument, wenn es um Nahrungsmittelproduktion geht.
Die Leute, denen Landwirtschaft im Schutzanzug nicht behagt, einfach als spinnert abtun, weil sie offenbar keine Ausbildung dazu haben, mitzureden, ist schäbig.
Der einzige Grund, weshalb so viel Chemie in der Nahrungsmittelproduktion eingesetzt wird, ist ganz einfach: es verbilligt die Produktion. Wenn man das nicht will, muss es einem auch etwas wert sein. Einfach irgendwas fressen, Hauptsache billig, und gegen Agrochemie protestieren ist wie duschen ohne nass zu werden.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Lumberjack
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Re: Glyphosat-Diskussion

#812

Beitrag von Lumberjack »

Robinie ist so schaedlich wenn man sie bearbeitet?
Rettet die Wälder, esst mehr Biber!
Benutzer 72 gelöscht

Re: Glyphosat-Diskussion

#813

Beitrag von Benutzer 72 gelöscht »

Rohana hat geschrieben:Merkst du den Unterschied zwischen "XY geht allein auf dem (fremden) bestellten Acker spazieren/spielen/sonstwas" und "Bauer X zeigt Y auf *seinem* bestellten Feld etwas"? :pfeif:
ja :im: den Unterschiede merke ich - den Unterschied kenne ich, kennen meine Kinder.
Aber was für Rolle spielt das hier ??

Es wurde immer nur von Kindern geredet, nicht ob sie alleine oder mit dem Bauern dorthin gehen.
Ich stamme aus Österreich und als Kind verbrachte ich viel Zeit am Land, vielleicht habe ich deshalb ein anderes Bild davon, wie "die Bauern" mit gefährlichen Stoffen umgehen....
Es wird (wurde?? hat sich das inzwischen geändert?) nicht immer alles kindersicher verwahrt, obwohl es drauf steht.
Die Kinder werden, so sie nicht im Gitterbett-Gefängnis sind, nicht 24 Stundn lang bewacht, nee, die stromern wohl auch alleine durch die Gegend, natürlich wird ihnen gesagt, wo sie nicht hindürfen, aber ob das immer zu 100% auch eingehalten wird?? :hmm:
Manfred

Re: Glyphosat-Diskussion

#814

Beitrag von Manfred »

Grain Millers Inc. (eines der großen nordamerikanischen Mühlenunternehmen) will keinen Hafer mehr ankaufen, bei dem vor der Ernte eine Sikkation mit Glyphosat durchgeführt wurde:

http://www.producer.com/2016/01/grain-m ... -oats-ban/
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emil17
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Re: Glyphosat-Diskussion

#815

Beitrag von emil17 »

Lumberjack hat geschrieben:Robinie ist so schaedlich wenn man sie bearbeitet?
Schleifstaub gilt als stark gesundheitsschädlich. Bei modernen Schreinereien mit Absaugung kein Problem, wenn man mit der Handschleifmaschine Robinie schleift vielleicht schon.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Manfred

Re: Glyphosat-Diskussion

#816

Beitrag von Manfred »

Soweit ich es im Blick habe, sind diverse Hartholz-Stäube als potentielles Krebsrisiko eingestuft.
Die kleinen, fasrigen Partikel sind halt nicht gut für die Lunge...
Lumberjack
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Re: Glyphosat-Diskussion

#817

Beitrag von Lumberjack »

Interessant! Na gut, ich habe nicht viel mit Holzbearbeitung zu tun. Mal einen Nagel irgendwo rein dreschen oder ne Schraube. Das geht vor allem Leute an, die tagtäglich damit zu tun haben.
Es gilt aber auch fuer viele Berufe. Arbeit macht die Menschen kaputt. Kann also nicht natürlich sein. Da ist man als Arbeitslooser schon besser dran.
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emil17
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Re: Glyphosat-Diskussion

#818

Beitrag von emil17 »

Lumberjack hat geschrieben:Arbeit macht die Menschen kaputt. Kann also nicht natürlich sein. Da ist man als Arbeitslooser schon besser dran.
Komisch. Ich war mal arbeitslos. War unangenehmer als Arbeit zu haben.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Lumberjack
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Re: Glyphosat-Diskussion

#819

Beitrag von Lumberjack »

Wenn ich dran denke, jeden Tag um 5, als Lehrling sogar um 4 aufzustehen -ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass das ungesund ist- einen miesen Chef zu haben, dummes Gelaber von Kollegen, zu knechten unter der Knute, jeden Tag dem Feierabend und dann dem WE entgegen zu fiebern... Nee, wenn ich an meine jetzigen Freiheiten denke, ausschlafen, Arbeit und Arbeitstempo selbst bestimmen, keine Kollegen zu haben, das moechte ich nicht mehr missen.
Es gab Zeiten wo ich gern zur Arbeit gegangen bin, aber das waren Ausnahmen. Vor allem als LKW-Fahrer war nicht schlecht.
Sicher gibt es Jobs die Spass machen und nicht gesundheitsschaedlich sind, wie Foerster. Aber man braucht Glueck und Qualifikation. Die meisten haben doch nur einen Tretmühlenjob.
Mein Minijob ist okay. Ich bin draußen, bewege mich viel, arbeite alleine, komme aber ein wenig mit Leuten in Kontakt, teile meine Zeit bis zu einem gewissen Grad selbst ein, hoere oft Wochenlang nix vom Chef und bekomme puenktlich Geld.
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Rati
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Re: Glyphosat-Diskussion

#820

Beitrag von Rati »

Hi Ako,

ich bin dir noch ein paar Antworten schuldig :) Aber erst war ja Wochenende, das halte ich möglichst Forumsfrei und dann hatte ich zu viel zu tun.
Akopalüze hat geschrieben:@Rati: Noch mal ganz allgemein gehalten, nur für Dich. Ich bin der Meinung, dass sich die Landwirtschaft eher den Bedürfnissen der Menschen anpassen sollte und nicht andersrum..
und genau das hat sie getan: Die Menschen wollen viel Auswahl, ohne Makel, zu billigsten Preisen. :aeh:
Akopalüze hat geschrieben:...Gerade wenn es um so fundamentale Dinge geht, wie das gefahrlose Betreten einer Fläche, ganz egal ob da jetzt gespielt oder gearbeitet wird....
fundamental ist, das es gar keine gefahrlosen Bereiche gibt. Erst recht nicht Bereiche in denen gearbeitet wird.
Du schriebst von der Landwirtschaft seit 12000 Jahren, auch da gab es Gefahren- sichtbare und unsichtbare.
Heut gibt es halt andere Gefahren. Damals haben die Eltern ihren Kindern beigebracht auf diese Gefahren zu achten und heute sollten Eltern das auch tuen.
Gerade Kinder in der Stadt (du scheinst ja ein Stadtmensch zu sein) laufen durch Giftwolken sobald sie das Haus verlassen.
Akopalüze hat geschrieben:...Wenn Deine Kinder über die Straße möchten, können auch sie Zebrastreifen oder Ampeln benutzen. Die Autofahrer nehmen dann Rücksicht und halten an.....
:lol: wenn meine Kinder einen Zebrastreifen oder eine Ampel benutzen wöllten, müßten sie einen Umweg von ca 8 km in kauf nehmen um zum Bäcker zu gehen.
Weist du Ako, grade auf dem Dorf (das ist da wo auch die Landwirte hausen) sind Ampeln und Zebrastreifen eher spärlich anzutreffen. ;)

Akopalüze hat geschrieben:...Die Rechtsprechung gibt mir da absolut recht. Krebsverursachende Stoffe sind generell aus dem Verkehr zu ziehen, da gibt ein keine Akzeptanz.
ich bin da ganz bei dir Ako. Also lass uns Tabak, Holzfeuer und natürlich Verbrennungsmotoren aus dem Verkehr ziehen, ach ja und Sonnenstrahlung. :pfeif:

Ich gebe zu dieser Beitrag enthält erhebliche Spuren von Sarkasmus, sorry wenn ich aus deiner Sicht übertrieben habe.

Wenn du mal diesen traed nach Beiträgen von mir durchforstets, wirst du feststellen das auch ich kein freund von flächendeckendem Glyphsateinsatz bin, aber ich bin acu entschiden gegen Hexenjagtgehabe und genau das war hier auf den letzten Seiten mMn im Gange.

viele Grüße
Rati
Was ist ist! Was nicht ist ist möglich!"
[Einstürzende Neubauten 1996]
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