Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
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Manfred
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Mehrkosten für Ringelschänze beim Schwein:
Das bayerische landwirtschaftliche Wochenblatt hat in der aktuellen Ausgabe (Heft 42/2016) eine Untersuchung über die Mehrkosten für nicht kupierte Schweineschwänze veröffentlicht.
Über die gesamte Produktionskette von der Muttersau über die Ferkelaufzucht bis zum fertigen Mastschwein hinweg lagen die Mehrkosten pro Mastschwein in den untersuchten Betrieben bei 19,29 bis 51,51 Euro. Der Mittelwert lag bei rund 26 Euro.
Die Mehrkosten ergeben sich Großteils durch einen deutlich erhöhten Arbeitsaufwand für die Tierkontrolle (Gefahr des Schwanzbeißens) und die erschwerte Stallreinigung / Güllelogistik durch das notwendige Beschäftigungs-Raufutter (Stroh/Heu).
Zum Vergleich: Der Gewinn nach Vollkosten (als unter Einberechnung der Arbeitszeit) pro Mastschwein schwankt seit länger Zeit um den Nullpunkt. Siehe z.B. hier auf Seite 18:
http://lelf.brandenburg.de/sixcms/media ... paulke.pdf
Die Schweinemast in D würde also bei Kupierverbot gegenüber den Importschweinen völlig unwirtschaftlich.
Ohne Außenschutz wandert dann die Produktion ab ins Ausland. Die Exportmärkte gegen wegen der Mehrkosten verloren.
Das bayerische landwirtschaftliche Wochenblatt hat in der aktuellen Ausgabe (Heft 42/2016) eine Untersuchung über die Mehrkosten für nicht kupierte Schweineschwänze veröffentlicht.
Über die gesamte Produktionskette von der Muttersau über die Ferkelaufzucht bis zum fertigen Mastschwein hinweg lagen die Mehrkosten pro Mastschwein in den untersuchten Betrieben bei 19,29 bis 51,51 Euro. Der Mittelwert lag bei rund 26 Euro.
Die Mehrkosten ergeben sich Großteils durch einen deutlich erhöhten Arbeitsaufwand für die Tierkontrolle (Gefahr des Schwanzbeißens) und die erschwerte Stallreinigung / Güllelogistik durch das notwendige Beschäftigungs-Raufutter (Stroh/Heu).
Zum Vergleich: Der Gewinn nach Vollkosten (als unter Einberechnung der Arbeitszeit) pro Mastschwein schwankt seit länger Zeit um den Nullpunkt. Siehe z.B. hier auf Seite 18:
http://lelf.brandenburg.de/sixcms/media ... paulke.pdf
Die Schweinemast in D würde also bei Kupierverbot gegenüber den Importschweinen völlig unwirtschaftlich.
Ohne Außenschutz wandert dann die Produktion ab ins Ausland. Die Exportmärkte gegen wegen der Mehrkosten verloren.
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viktualia
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Wird durch das nicht-kupieren, bzw. Beschäftigen durch Raufutter keinerlei Geld gespart? Tierarztkosten z.B.?
Müsste sich doch auf den Stressfaktor auswirken, als Ganzes.
(oder ist das "nicht zählbar" oder sonstwie unter den Tisch gefallen?)
Müsste sich doch auf den Stressfaktor auswirken, als Ganzes.
(oder ist das "nicht zählbar" oder sonstwie unter den Tisch gefallen?)
- Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Offensichtlich wird das nicht durch irgendwas ausgeglichen, sonst wären es ja keine Mehr-kosten :( wenn da erstmal einer am Schwänzchen nagt ist die Kacke am dampfen.Die Mehrkosten ergeben sich Großteils durch einen deutlich erhöhten Arbeitsaufwand für die Tierkontrolle (Gefahr des Schwanzbeißens) und die erschwerte Stallreinigung / Güllelogistik durch das notwendige Beschäftigungs-Raufutter (Stroh/Heu).
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
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viktualia
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Offensichtlich sind erst mal nur die Mehrkosten aufgelistet worden, das hab ich verstanden.
Da wir aber das Jahr 2016 schreiben bedeutet das nicht, das nichts gespart wurde.
Es heist nur, das es nicht rausgerechnet wurde, bzw. möglicherweise die Zahl gar nicht in die Rechnung aufgenommen wurde,
da es z.B. nicht als Vergleich "konzipiert" war. Ich kenn doch diese Pappenheimer.
(Da heist es dann "Vergleichsgrundlage" und man kann es selber rausrechnen, wenn man denn Zugang zu den Zahlen hat.)
Da wir aber das Jahr 2016 schreiben bedeutet das nicht, das nichts gespart wurde.
Es heist nur, das es nicht rausgerechnet wurde, bzw. möglicherweise die Zahl gar nicht in die Rechnung aufgenommen wurde,
da es z.B. nicht als Vergleich "konzipiert" war. Ich kenn doch diese Pappenheimer.
(Da heist es dann "Vergleichsgrundlage" und man kann es selber rausrechnen, wenn man denn Zugang zu den Zahlen hat.)
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Benutzer 72 gelöscht
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Brauchen Schweine ohne Schwänzchen denn keine Beschäftigung??
Mein Gott! Tiere sind fühlende Wesen.....
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Manfred
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
@vikualia: Natürlich wurde gegengerechnet. Wenn es dich näher interessiert, kannst du dir das Heft ja bestellen.
Die ersparten Kosten sind aber Minimal. Tierarzt kommt für sowas keiner auf den Betrieb. Das wäre ja teurer, als das Ferkel wert ist.
@ina: Denk dran, wenn du nächstes Mal Schwein kaufst. Würden die Verbraucher auf sowas achten und dafür bezahlen, hätten entsprechend viele Schweine Ringelschwänze. Tun sie aber nicht. Sie schreien nur nach Gesetzen, die dafür sorgen, dass sie zukünftig ringelschwanzlose Schweine aus dem Ausland kaufen.
In der Ukraine werden täglich neue Lege- und Mastställe für den Export nach Mitteleuropa gebaut, mit Bürgschaften der EU.
Die können ohne Auflagen so billig produzieren, dass die Investoren richtig gut verdienen. Die freuen sich über jede neue Auflage in D einen Ast.
Die ersparten Kosten sind aber Minimal. Tierarzt kommt für sowas keiner auf den Betrieb. Das wäre ja teurer, als das Ferkel wert ist.
@ina: Denk dran, wenn du nächstes Mal Schwein kaufst. Würden die Verbraucher auf sowas achten und dafür bezahlen, hätten entsprechend viele Schweine Ringelschwänze. Tun sie aber nicht. Sie schreien nur nach Gesetzen, die dafür sorgen, dass sie zukünftig ringelschwanzlose Schweine aus dem Ausland kaufen.
In der Ukraine werden täglich neue Lege- und Mastställe für den Export nach Mitteleuropa gebaut, mit Bürgschaften der EU.
Die können ohne Auflagen so billig produzieren, dass die Investoren richtig gut verdienen. Die freuen sich über jede neue Auflage in D einen Ast.
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viktualia
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Sind die Tierarztkosten bei Schweinen mit Ringelschwanz höher, niedriger oder gleich hoch wie bei kupierten Tieren.
Da die Schweine nicht nur ihren Schwanz behalten, sondern auch Beschäftigungsutensilien dabeihaben, stelle ich mir vor, dass sie weniger Stress haben und insgesamt weniger Arztkosten verursachen.
Und fragte an, ob das gegengerechnet wurde.
Ich hab grad nicht das Gefühl, verstanden zu werden.
Da die Schweine nicht nur ihren Schwanz behalten, sondern auch Beschäftigungsutensilien dabeihaben, stelle ich mir vor, dass sie weniger Stress haben und insgesamt weniger Arztkosten verursachen.
Und fragte an, ob das gegengerechnet wurde.
Ich hab grad nicht das Gefühl, verstanden zu werden.
der kommt nie, oder die schnibbeln selber?Tierarzt kommt für sowas keiner auf den Betrieb
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Benutzer 4754 gelöscht
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Die "schnibbeln" nicht, das heißt kupieren!
Eine Fachkraft darf mit Fortbildung, Berechtigungsschein und bürokratischem Rattenschwanz kupieren, dazu braucht es keinen Tierarzt.
Selbst wenn das so wäre,
dann sind es halt keine 26€ Mehrkosten sondern nur noch 25€,
und das ist immer noch soviel das die Mastschweinhaltung in Deutschland auf der Stelle Geschichte wäre.
Eine Fachkraft darf mit Fortbildung, Berechtigungsschein und bürokratischem Rattenschwanz kupieren, dazu braucht es keinen Tierarzt.
Erfasse das mal statistisch belegbar.Da die Schweine nicht nur ihren Schwanz behalten, sondern auch Beschäftigungsutensilien dabeihaben, stelle ich mir vor, dass sie weniger Stress haben und insgesamt weniger Arztkosten verursachen.
Und fragte an, ob das gegengerechnet wurde.
Selbst wenn das so wäre,
dann sind es halt keine 26€ Mehrkosten sondern nur noch 25€,
und das ist immer noch soviel das die Mastschweinhaltung in Deutschland auf der Stelle Geschichte wäre.
- Rohana
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Wenn der Unterschied so gravierend wäre dass er sich so oder so positiv rechnen würde (= mehr Gewinn bei Ringelschwänzchen und mit Beschäftigungsmaterial), dann würde es längst gemacht! Niemand kupiert Schwänzchen weil er das geil findet. Die aktuellen Tierhaltungsumstände sind nicht vom Himmel gefallen, sondern das Ergebnis einer Entwicklung. Die Maxime ist allerdings nicht das Tierwohl, sondern die Nahrungsmittelproduktion, bei der am Ende noch irgendeine Art von Gewinn über bleiben muss. Wer bezahlt schon dafür, arbeiten zu dürfen?viktualia hat geschrieben: Da die Schweine nicht nur ihren Schwanz behalten, sondern auch Beschäftigungsutensilien dabeihaben, stelle ich mir vor, dass sie weniger Stress haben und insgesamt weniger Arztkosten verursachen.
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
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Manfred
Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Die Verursachen deutlich mehr Behandlungs- und Betreuungskosten, wegen der Schwanzbeißerei.
Dazu gab es inzwischen ja diverse Versuche. Geht alles mehr als weniger in die Hose.
Ohne massiven Außenschutz ist der Mehraufwand dafür einfach nicht zu leisten.
Billig fressen und extrem hohe Tierhaltungs-Standards gehen halt nicht zusammen.
Machen kann man viel, aber wenn es wirklich passieren soll, dann muss man halt im gleichen Zug die Grenzen dicht machen und verliert damit auch den Exportanteil.
Immer wieder die gleiche Diskussion. Bei den Eiern haben wir ja auch die Erzeugung für Verarbeitungseier fast komplett ins Ausland verlagert, weil hier keiner Käfige sehen will, aber fast jeder weiter verarbeitete Käfigeier kauft und diese auch problemlos importiert werden können.
So hat man halt ein paar tausend Bauern platt gemacht, damit die Käfige aus den Augen und damit aus dem Sinn sind.
Bei den Schweinen wird es wohl ebenso laufen. Ein Teil des Marktes, der bereit ist höhere Preise zu zahlen, bleibt in D, die restlichen Schweine wandern ins Ausland, wo sie weit unter den bisherigen deutschen Standards billiger gehalten werden können.
Das ist ja nichts anderes als die Elektronik- oder Textilfertigung in Asien, wo man den Dreck halt in den nächsten Fluss schüttet und die Arbeiter halt mit 40 an kaputten Lungen sterben. Sehen wir nicht, passt also.
Dazu gab es inzwischen ja diverse Versuche. Geht alles mehr als weniger in die Hose.
Ohne massiven Außenschutz ist der Mehraufwand dafür einfach nicht zu leisten.
Billig fressen und extrem hohe Tierhaltungs-Standards gehen halt nicht zusammen.
Machen kann man viel, aber wenn es wirklich passieren soll, dann muss man halt im gleichen Zug die Grenzen dicht machen und verliert damit auch den Exportanteil.
Immer wieder die gleiche Diskussion. Bei den Eiern haben wir ja auch die Erzeugung für Verarbeitungseier fast komplett ins Ausland verlagert, weil hier keiner Käfige sehen will, aber fast jeder weiter verarbeitete Käfigeier kauft und diese auch problemlos importiert werden können.
So hat man halt ein paar tausend Bauern platt gemacht, damit die Käfige aus den Augen und damit aus dem Sinn sind.
Bei den Schweinen wird es wohl ebenso laufen. Ein Teil des Marktes, der bereit ist höhere Preise zu zahlen, bleibt in D, die restlichen Schweine wandern ins Ausland, wo sie weit unter den bisherigen deutschen Standards billiger gehalten werden können.
Das ist ja nichts anderes als die Elektronik- oder Textilfertigung in Asien, wo man den Dreck halt in den nächsten Fluss schüttet und die Arbeiter halt mit 40 an kaputten Lungen sterben. Sehen wir nicht, passt also.
