Glyphosat-Diskussion

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Rohana
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Re: Glyphosat-Diskussion

#441

Beitrag von Rohana »

Wenn sich die Leute durch übermässiges bzw. unzeitgemässes Wachstum in den Ruin reiten ist das eine Sache. Wenn sich aber trotz beständiger Betriebsgrösse, vernünftiger Bewirtschaftung und wenig (also nur den nötigsten) Investitionen die Arbeit *nicht mehr lohnt*, dann ist das eine andere Sache.

Mit Glyphosat hat beides nicht mehr viel zu tun ;)
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
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Reisende
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Re: Glyphosat-Diskussion

#442

Beitrag von Reisende »

Rohana hat geschrieben:
Mit Glyphosat hat beides nicht mehr viel zu tun ;)
na doch. schließlich wird hier die ganze zeit als pro-glyphosat-argument behauptet, ohne wäre keine wirtschaftliche arbeitsweise möglich.
da ich laktose und gluten hervorragend vertrage, leiste ich mir als ausgleich dafür einige intoleranzen im zwischenmenschlichen bereich.
Manfred

Re: Glyphosat-Diskussion

#443

Beitrag von Manfred »

@Anne:
Der Anteil an Eigenland ist für die Rechnung egal.
Du rechnest doch auch nicht mit den Einnahmen aus deiner Mietwohnung (so du eine hast) dein Einkommen aus Erwerbsarbeit schön.
Quasi nach dem Motto, ich kriege ja 500 Euro Miete im Monat, dann auch ich auch für 5,50 Euro statt für 8,50 Euro pro Stunde arbeiten.
Das Bodeneigentum ist eine Kapitalanlage und getrennt zu betrachten. D.h. wenn ich wissen will, was meine Arbeit in der Landwirtschaft einbringt, dann muss ich den Pachtanspruch für das Eigenland rausrechnen.
Leider tun das viele Landwirte nicht und lügen sich so selbst etwas vor.

@Emil: Dein Ansätze in Ehren. Ich finde auch vieles gut, was Norwegen und die Schweiz seit vielen Jahren tun. Für meine einzelbetrieblichen Entscheidungen sind diese Träumereien aber keinen Pfifferling wert. Ich muss als Betriebsleiter jetzt und hier und im gegebenen Marktumfeld zurecht kommen.
Zu spekulieren, ob wir evtl. irgendwann in 30 Jahren erleben, dass Deutschland seine Agrarmärkte schließt, weil der Bauernverband und Co. kapiert haben, dass die, die uns jetzt per Schiff das Kraftfutter liefern, das Fleisch und die Milch auf Dauer selbst viel billiger erzeugen können als wir und der Bevölkerung aus irgendwelchen Gründen eigene Ernährungssicherheit wieder etwas wert ist und... hilft den Bauern jetzt gar nichts.
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Reisende
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Re: Glyphosat-Diskussion

#444

Beitrag von Reisende »

:hmm:
bei gebrauchsgütern würde ich dir zustimmen, bzw bei den dingen die abschreibungsfähig sind. aber bei land? :hmm:
du rechnest also gesparte kosten gegen "entgangene einnahmen?" du kannst doch aber nur auf eine art zur zeit geld mit deinem land verdienen. entweder durch verpachtung, oder durch bearbeitung.

und ja - da ich kein raffzahn bin würde ich mir ernsthaft überlegen 1 oder 2 tage pro woche weniger zu arbeiten, wenn ich das einkommen aus der mietwohnung als substitut hätte und insg. genug zum leben übrig bliebe. :)
da ich laktose und gluten hervorragend vertrage, leiste ich mir als ausgleich dafür einige intoleranzen im zwischenmenschlichen bereich.
Manfred

Re: Glyphosat-Diskussion

#445

Beitrag von Manfred »

Es geht ja nicht darum, weniger zu arbeiten, sondern für die gleiche Arbeit weniger zu erhalten.
Der Milchbauer kann nicht einfach sagen: Ich habe keinen Gewinn mehr, also bleibe ich im Bett liegen.
Im Gegenteil. Wenn die Einnahmen aus der Milch nicht mehr reichen, um die laufenden Kosten zu decken, dann muss er zusätzlich was unternehmen, um Geld zu beschaffen.

Und ich rechne das einfach, wie jede andere Firma auch. Die Investition in Land ist ein eigener Betriebszweig. Das dafür eingesetzte Kapital muss verzinst werden. Man könnte davon ja auch Aktien kaufen und stattdessen Land pachten. Wer das nicht berücksichtig, der verbrennt sein investiertes Eigenkapital.
Deshalb werde ich auch nie diese dümmlichen Veröffentlichungen des Bauernverbandes über die Auswertung der Buchführungsergebnisse verstehen.
Da steht dann drin: Der durchschnittliche Milchviehbetrieb in Deutschland hat 65.000 Euro Gewinn vor Sozialversicherung und Steuern gemacht.
Die meisten die das lesen denken sich: Sauber, die Bauern verdienen ja richtig gut.
Wurde das vernünftig erklärt, wäre das Bild plötzlich ein ganz anderes.

Wenn der durchschnittliche Milchviehbetrieb z.B. 30 ha Eigenland hat und 600.000 Euro Eigenkapital in Gebäuden, Maschinen, Vieh, Futtervorräten und wenn dort im Schnitt 1,7 Familienarbeitskräfte am Schaffen sind:

30 ha a z.B. 300 Euro ortsüblichem Pachtanspruch = 9.000 Euro
600.000 Euro sonstiges Kapital * 2 % Zinsanspruch = 12.000 Euro
Bleiben 44.000 Euro für die Entlohnung der Arbeitszeit und einen echten Unternehmerischen Gewinn.
1,7 Familien AK, die an 360 Tagen im Jahr im Schnitt je 8 Stunden arbeiten (das ist für einen Milchviehbetrieb eher tief angesetzt...) ergeben 4896 Arbeitsstunden.
Will der Bauern wenigstens den Mindestlohn, also 8,50 Euro + 28% Arbeitgeberanteil an den Sozialversicherungskosten, also ca. 10,90 Euro pro Stunde, dann müsste er alleine dafür 4896 x 10,90 = 53.366 Euro kalkulieren.
Bleibt ein echter unternehmerischer Gewinn nach Entlohnung der Faktorkosten von 44.000 - 53.366 = -9.366 Euro
Das Doofe ist, viele Bauern sind eigentlich keine Hilfsarbeiter, sondern sehr gut qualifiziert, also mit Berufsabschluss und oft sogar Meister oder Techniker oder Agraringenieure. Die müssten mit einem ganz anderen Lohnansatz rechnen.

Ein richtig geiles Geschäft. Und das sind Zahlen aus einem guten Jahr.
Einem Firmenchef würde man bei solchen Ergebnissen fristlos kündigen.
henmen

Re: Glyphosat-Diskussion

#446

Beitrag von henmen »

Selbst ein Fliesenleger würde dafür weder aufstehen noch arbeiten ...
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Reisende
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Re: Glyphosat-Diskussion

#447

Beitrag von Reisende »

jetzt kommst du aber wirklich langsam vom thema ab. wir sprechen nicht von milchviehbetrieben, sondern von ackerbau.
der klassische bauernhof besteht seit mehr als einer generation, und das land wird geerbt und , von gewissen erweiterungsmaßnahmen mal abgesehen, nicht (am besten noch kreditfinanziert) frisch im rahmen von investitionen gekauft. nebenbei hast du auch noch eine kontinuierliche wertsteigerung, wenn sie dir nicht gerade ein AKW oder eine autobahn vor die nase bauen. das ist dann gleichzusetzen mit der verzinsung.

ich bleibe dabei, das land ist keine kapitalanlage, sondern ein arbeitsmittel. eins das darüber hinaus nicht verbraucht wird und bei guter bewirtschaftung auch keiner abnutzung unterliegt und nicht nach 20 jahren neu angeschafft werden muss.
und wenn ich pro ha 500,- weniger kosten habe, bleiben mir am ende des jahres pro ha 500,- mehr einnahmen als gewinn vor steuern übrig. punkt.
da ich laktose und gluten hervorragend vertrage, leiste ich mir als ausgleich dafür einige intoleranzen im zwischenmenschlichen bereich.
Manfred

Re: Glyphosat-Diskussion

#448

Beitrag von Manfred »

Dau kannst dir das natürlich schönrechnen, wie du willst.
Mich würde interessieren, was passieren würde, wenn Juristen jedes mal, wenn sie etwas erben, eine Lohnkürzung in Höhe der Zinsgewinne aus dem Erbe bekämen. :haha:

Aber Bauern sind natürlich eine Art Untermenschen, für die andere Regeln gelten sollten.

Der Gewinn bei Boden-Investitionen bestand schon immer aus der Wertänderung und dem Pachtanspruch, so wie der Gewinn einer Aktie sich aus Wertänderung und Dividende zusammensetzt.
Benutzer 72 gelöscht

Re: Glyphosat-Diskussion

#449

Beitrag von Benutzer 72 gelöscht »

Ich finde es sehr schade, dass hier solche Gräben gerissen werden zwischen "Bauern" und Städtern.
Als selbstständiger Unternehmer hat man es in den wenigsten Branchen leicht, da kann ich aus Erfahrung reden.

Ein Landwirt sollte man davon leben - leben können, was er beim Verkauf der erzeugten Produkte verdient - so ist das System, in dem wir leben. :im:
Dass er daneben auch noch die Rechte der Tiere und der Natur wahren muss, ist doch eigentlich selbstverständlich. und ... :lol: gesetzliche Beschränkungen gibt es auch in jeder Branche - teilweise sinnvolle und notwendige, teilweise solche, wo ich mir denke "ist das eine Schikane oder was?"

Aber das ist nichts, was speziell nur "die Bauern" betrifft6 . ???
Manfred

Re: Glyphosat-Diskussion

#450

Beitrag von Manfred »

Ich kenne keine andere Branche, in die so stark von außen eingegriffen wird.
Vergleich einfach mal die Diskussionen zu Wohngiften hier im Forum mit denen zur Landwirtschaft. Erste schlafen nach ein paar Beiträgen ein, obwohl die meisten Menschen davon viel stärker betroffen sind als vom Pflanzenschutzmitteleinsatz.
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