Glyphosat-Diskussion

Wildmohn

Re: Glyphosat-Diskussion

#311

Beitrag von Wildmohn »

Mein Standpunkt: Wenn zweifelsfrei bewiesen wird dass Glyphosat krebserregend ist, dann muss es gesperrt werden. Anderenfalls sollte die Verwendung für sachkundige(!) Anwender unter bestimmten Bedingungen(!) zugelassen bleiben.
Viele Worte, kurzer Sinn.
Im Zeifel für den Angeklagten. Der Angeklagte ist in diesem Fall der Mensch, der sich einen Eingriff in die persönliche Unversehrtheit verwehrt und die Natur, die ebenfalls von diesem Gift beeinträchtigt wird.
In diesem Sinne ist Glyphosat als "wahrscheinlich" krebserregend und verantwortlich für Missbildungen eingestuft, das sollte reichen, um Mensch und Natur vor diesem Gift zu schützen.
Alles andere ist vorsätzlicher Mord, sollte es sich erweisen dass Glyphosat diese Eingenschaften hat.
Benutzer 3370 gelöscht

Re: Glyphosat-Diskussion

#312

Beitrag von Benutzer 3370 gelöscht »

Rohana hat geschrieben:Wenn der Erzeuger hingeht und sagt "ich will aber nicht für den globalen Markt produzieren"
Dann muss der Erzeuger zum Unternehmer werden ( im Sinne von etwas unternehmen )und das ist leider bei vielen Landwirten ein Problem, denn durch Erbschaft wird man nicht zum Umternehmer, zum Landwirt vielleicht.
Es gibt einige sehr gute Beispiele, die zeigen, dass man auch mit regionalen Märkten überleben ( wenn man Unternehmer ist ) kann und vorallem auch im Bereich des Biolandbaus.

Beispiel:
CSA Hof Pente Osnabrück https://www.youtube.com/watch?v=5VZj8U4vP3s
CSA Gärtnerei Ochsenherz Wien https://www.youtube.com/watch?v=bh469GuIw4E
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Rohana
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Re: Glyphosat-Diskussion

#313

Beitrag von Rohana »

Ich bin selber Mitglied einer CSA. Weder Bio noch CSA ist überall (wirtschaftlich) möglich. Es braucht keine Nischenlösung, sondern eine Lösung für die Mehrheit der kleinen Landwirte - sonst haben wir bald keine mehr.

Durch Erbschaft bekommt man vielleicht Land. Wenn du eine Bäckerei vererbt bekommst, wirst du dann Bäcker? Auch Landwirt ist ein Ausbildungsberuf. Ob man sich die Kenntnisse als Quereinsteiger oder auf dem regulären Weg angeeignet, ohne Kenntnisse kommt man nicht durch (wenn man nicht zu dem Land auch noch ein hübsches Konto dazubekommen hat - dann zumindest bis zum Ende des Kontos).
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
Benutzer 3370 gelöscht

Re: Glyphosat-Diskussion

#314

Beitrag von Benutzer 3370 gelöscht »

Rohana hat geschrieben: Auch Landwirt ist ein Ausbildungsberuf
Tischler ist auch ein Ausbildungsberuf, allerdings wird nicht jeder gelernte Tischler seine eigene Tischlerei auf machen (weil er vielleicht kein Unternehmer ist).
Rohana hat geschrieben:Es braucht keine Nischenlösung, sondern eine Lösung für die Mehrheit der kleinen Landwirte
Gerade da braucht es Nischenlösungen , denn wie soll ein Kleinbetrieb mit Monokulturbetrieben oder Massentierhaltungsbetrieben mithalten ?
Wie solche Nischenlösungen aussehen, sieht man bei uns sehr oft, obwohl wir in einem Strukturschwachen Gebiet leben.
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emil17
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Re: Glyphosat-Diskussion

#315

Beitrag von emil17 »

@Rohana:
Das Zurück zur Steinzeit-Argument ist ein typisches Killer-Argument, das nichts zur Diskussion beiträgt, weil es rhetorisch den Weg zur intelligenten Anwendung verbaut.
Ein typisches Beispiel dafür ist die AKW-Diskussion, wo genau das gebraucht wurde: Entweder AKWs oder Kerzenlicht. Heute gibt es andere Wege im Energiesektor und keiner will diese Atomkraftwerke mehr - den Preis haben die Umwelt, der Steuerzahler und vor allem die betroffenen Menschen bezahlt.

b) Glyphosat ist ein Produktionsverbilligungsmittel, denn wenn es die Getreideproduktion nicht verbilligen würde, täte es keiner einsetzen.
Rohana hat geschrieben:Glyphosat alleine verbilligt keine Produktion nur weil es existiert
anders rum: es wird verkauft und gekauft weil es genau das tut, hat ja Ölkanne schön erklärt. Die Folgen werden von Kreisen mit finanziellem Interesse schöngeredet oder bezweifelt ,und wenn doch was passiert, sind die Anwender schuld.

Bei Umweltgiften (Glyphosat könnte eines sein) ist es nicht so, dass der Verbraucher entscheidet. Dein Argument mit der Produktwahl durch den Verbraucher greift das Problem nicht an - denn gewisse Produkte - Agrochemikalien zum Beispiel - respektieren keine Grundstücksgrenzen.
"Dann kauf halt glyphosatfreies Bier" :bang:
Rohana hat geschrieben:Es ist nur fürchterlich traurig dass einige Diskussionsteilnehmer hier und anderswo gerne mal pauschal auf "das böse Gift" und "die böse Agrarindustrie" bashen, ohne jegliche Differenzierung und Hintergrundwissen
Hier hast du die Antwort von mir schon erhalten:
emil17 hat geschrieben:Wie lauten die drei Regeln der Rhetorik?
1. hast du gute Argumente, bringe sie
2. hast du keine, greife den Gegener an
3. nützt das nix, stelle seine Kompetenz in Frage

Da fast immer 3, selten 2 kommt, lässt das nachdenken.
Es ist also bashing, wenn jemand eine andere Meinung hat, und das kann nur auf Inkompetenz zurückzuführen sein "ohne jegliche Differenzierung und Hintergrundwissen"? - Dein Diskussionsstil ist wirklich "fürchterlich traurig".
Rohana hat geschrieben:Mein Standpunkt: Wenn zweifelsfrei bewiesen wird dass Glyphosat krebserregend ist, dann muss es gesperrt werden
Ich verlange Beweislastumkehr in Fällen von Agrochemikalien wie von anderen Produkten, die in grossen Mengen regelmässig in die Umwelt gelangen, denn dieser Beweis ist gerichtsfest in der Praxis nicht zu erbringen, und die Geschädigten sind ebenfalls regelmässig schon rein finanziell nicht in der Lage, gegen einen Grosskonzern einen Prozess zu führen.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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Re: Glyphosat-Diskussion

#316

Beitrag von Reisende »

emil17 hat geschrieben:Ich verlange Beweislastumkehr in Fällen von Agrochemikalien wie von anderen Produkten, die in grossen Mengen regelmässig in die Umwelt gelangen, denn dieser Beweis ist gerichtsfest in der Praxis nicht zu erbringen, und die Geschädigten sind ebenfalls regelmässig schon rein finanziell nicht in der Lage, gegen einen Grosskonzern einen Prozess zu führen.
:daumen: :daumen: :daumen:
da ich laktose und gluten hervorragend vertrage, leiste ich mir als ausgleich dafür einige intoleranzen im zwischenmenschlichen bereich.
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Thomas/V.
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Re: Glyphosat-Diskussion

#317

Beitrag von Thomas/V. »

Sagen wir es doch, wie es ist: Die Produktion für irgendeinen ominösen "Markt" oder gar Weltmarkt kann nicht der Weisheit letzter Schluß sein.
Diese Produktion führt zwangsläufig entweder zu Umweltzerstörung/-vergiftung oder zur immer weiter umsichgreifenden Bürokratisierung, die dann in Konkurrenz zu ungehinderten Produktion tritt und zwangsläufig gegen diese "verliert".

Wir müssen endlich umdenken und weg kommen von der globalisierten Konkurrenz und wieder regionale Produktions- und Konsumptionskreisläufe etablieren.
Sonst fliegt uns die ganze globale "Marktwirtschaft" um die Ohren, weil auch die nur funktioniert, solange genügend Wachstum erzeugt werden kann.
http://www.weltagrarbericht.de/themen-d ... ltext.html
Lassen sie mich durch, mein Bruder ist Arzt!
Manfred

Re: Glyphosat-Diskussion

#318

Beitrag von Manfred »

Ich bin ziemlich zwiegespalten, was die Pflanzenschutzmittel angeht.
Ich sehe sie als eine Art Medikamente. Ursprünglich waren sie dazu gedacht, Eingreifen zu können, wenn die Ernte mal durch einen Notfall bedroht ist. Damals wurde das relativ wenige Getreide auch noch großteils für den menschlichen Verzehr angebaut.
Inzwischen ist der Ackerbau mit einem sich von Junkfood ernährenden und schwer medikamentensüchtigen Menschen vergleichbar, der nur noch auf Touren kommt, wenn er morgens seine Aufputschmittel kriegt und nur noch schlafen kann, wenn er abends seine Schlafmittel einnimmt und der deshalb insgesamt so angeschlagen ist, dass er auch noch ständig Antibiotika und Nahrungsergänzungsmittel und Blutdrucksenker schlucken muss, damit ihn nicht der nächste kleine Infekt oder der nächst Schreckmoment umhaut.

In der landwirtschaftlichen Ausbildung wird das nicht reflektiert. Dafür lernt man bis zur Perfektion, den Patienten optimal einzustellen. Der Pfleger kriegt dann seinen Hungerlohn und die "Pharmaindustrie" und andere Zulieferer verdienen gutes Geld.

Die Frage nach den Alternativen ist berechtigt. Ackerbauern empfehle ich, sich mit der Arbeit von Gabe Brown zu beschäftigen und die Jahresausbildung (Bodenkurs) bei Friedrich Wenz und Dietmar Näser zu besuchen. Kostet einen Batzen Geld, aber das ist gut investiert, wenn man lernen will, wieder anders und wirtschaftlich Ackerbau zu betreiben.

Ich bin nicht grundsätzlich gegen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, aber sie sollten m.E. wieder auf einen Status als Medikamente für den Notfall zurückgeführt werden.
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Re: Glyphosat-Diskussion

#319

Beitrag von Rohana »

emil17 hat geschrieben: b) Glyphosat ist ein Produktionsverbilligungsmittel, denn wenn es die Getreideproduktion nicht verbilligen würde, täte es keiner einsetzen.
Rohana hat geschrieben:Glyphosat alleine verbilligt keine Produktion nur weil es existiert
anders rum: es wird verkauft und gekauft weil es genau das tut, hat ja Ölkanne schön erklärt. Die Folgen werden von Kreisen mit finanziellem Interesse schöngeredet oder bezweifelt ,und wenn doch was passiert, sind die Anwender schuld.
Ich wollte jetzt nicht detailliert auf die Anwendung eingehen, das würde den Rahmen sprengen. Ich sags mal so: Es muss erstmal überhaupt eine Situation entstehen, in der Glyphosat die richtige Lösung ist. Die Alternative, so sie denn existiert, ist entweder weniger effektiv, weniger bodengefügeschonend, extrem zeitaufwändig oder eine Kombination aus alledem. Insofern - klar, es wird niemand ein Produkt benutzen was keinen Nutzen bringt.
denn gewisse Produkte - Agrochemikalien zum Beispiel - respektieren keine Grundstücksgrenzen.
Das ist richtig. Unkrautsamen machen übrigens auch nicht an Grundstücksgrenzen halt ;) Nur, wie kommt man da zu einer praktikablen Lösung? Wenn du pauschal sämtliche Landwirte abstrafen willst, auch solche die Mittel X nicht benutzen, warum sollte dann jemand Mittel X NICHT benutzen wenn eh schon alle auf den Deckel kriegen? Klar, damit der Verbraucher wählen kann, muss er ja auch wissen was er vor sich hat UND es dann noch zu schätzen wissen. Da kommen wieder die tausend Siegel ins Spiel... aber am Bio-Siegel alleine sieht man doch schon, wie wenig das Ganze funktioniert. Wenn die Allgemeinheit wirklich nur Produkte aus Bioproduktion wollte, müsste der Absatz entsprechend anders aussehen.
Ich verlange Beweislastumkehr in Fällen von Agrochemikalien wie von anderen Produkten, die in grossen Mengen regelmässig in die Umwelt gelangen
Nur damit ich dich richtig verstehe, du möchtest für sämtliche "Produkte, die in grossen Mengen regelmässig in die Umwelt gelangen" einen Beweis für deren Unschädlichkeit bevor sie verwendet werden? Da hast du was vor dir... die meisten Substanzen sind in der ein oder anderen Dosis giftig. Wenn ich ganz kurz ein Totschlagargument bringen darf: Sonnenstrahlung kann erwiesenermaßen Hautkrebs auslösen, also Sonne abschaffen!
Will sagen, es ist zwar theoretisch eine gute Idee, aber ich sehe keine Umsetzbarkeit gegeben, wenn du wirklich alle in Frage kommenden Substanzen prüfen willst und nicht nur selektiv alles wovon du denkst dass es böse ist. Und selbst wenn du es geprüft hast, was machst du dann? Nur als Beispiel: Dieselabgase sind erwiesen karzinogen. Wie willst du auf einen Schlag sämtliche Dieselfahrzeuge abschaffen?
Thomas/V. hat geschrieben:Sagen wir es doch, wie es ist: Die Produktion für irgendeinen ominösen "Markt" oder gar Weltmarkt kann nicht der Weisheit letzter Schluß sein.
Solange es die Landwirte allein sind die sämtliches (finanzielles) Risiko für Alternativen tragen müssen, seh ich da schwarz irgendwas zu ändern. CSAs finde ich einen guten Ansatz, aber die funktionieren längst nicht überall und mit allen Produkten.
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Re: Glyphosat-Diskussion

#320

Beitrag von emil17 »

Dieselabgase als gutes Beispiel, um von hinten anzufangen:
Es gab mal eine Zeit, da wurde Bleibenzin in grossen Mengen mit Motoren ohne Kat verfahren. Chronische Bleivergiftungen waren nachweisbar. Nach Einführung des Katalysators ist die Situation deutlich besser geworden, obwohl die Autoindustrie damals sehr dagegen war. Es gibt keinen Grund, das bei Dieselmotoren nicht auch zu machen.
Rohana hat geschrieben:Es muss erstmal überhaupt eine Situation entstehen, in der Glyphosat die richtige Lösung ist.
Die entsteht offenbar sehr häufig, oder warum wird soviel davon verkauft?
Rohana hat geschrieben:Wenn ich ganz kurz ein Totschlagargument bringen darf: Sonnenstrahlung kann erwiesenermaßen Hautkrebs auslösen, also Sonne abschaffen!
Das bringt die Diskussion um Glyphosat natürlich entscheidend weiter, daran hab ich nun wirklich nicht gedacht. :eek:
Rohana hat geschrieben:Wenn du pauschal sämtliche Landwirte abstrafen willst, auch solche die ...
Will ich das?
In jedem Berufsstand gibt es Probleme. Die anzumahnen heisst nicht, den Berufsstand als solchen zu verurteilen. Also unterstell das erst dann jemandem, nachdem du dich durch Rückfragen vergewissert hast, ob das so sei. Im Interesse einer fairen Diskussion.
Die Landwirtschaft hat eine besondere Verantwortung im Umweltbereich.

Ich glaube, dass es Situationen gibt, wo chemische Mittel zur Unkrautvernichtung angezeigt sein mögen. Ich hab Glyphosat auch schon verwendet, um Stockausschläge abzutöten, weil sich der Stock nicht entfernen liess, ohne eine Trockenmauer zu zerstören.
Es geht aber darum, den Breitband- und Standard-Einsatz auf riesigen Flächen zu hinterfragen. Ich sehe das so ähnlich wie Manfred.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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