Glyphosat-Diskussion

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emil17
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Re: Glyphosat-Diskussion

#301

Beitrag von emil17 »

Ölkanne hat geschrieben: -Greenpeace
-Das Umwelt-"Institut" (das kein Institut ist)
Die machen doch überspitzt gesagt das Gleiche wie Monsanto & Co:
Man hat ein Geschäftsmodell, ist rhetorisch gut und versteht was von publikumswirksamem Auftreten.
Da wirft der Wolf dem Tiger vor, er sei ein Raubtier.
"Institute", die reine Interessenvertretung im Mäntelchen der Wissenschaftlichkeit sind, die aber von der Grossindustrie finanziert werden, wurden übrigens von Kernkraft- Erdöl- und Agrokonzernen erfunden.

Wie lauten die drei Regeln der Rhetorik?
1. hast du gute Argumente, bringe sie
2. hast du keine, greife den Gegener an
3. nützt das nix, stelle seine Kompetenz in Frage

Da fast immer 3, selten 2 kommt, lässt das nachdenken.
Ausserdem ist in Beweisnot, wer grosse Mengen von dubiosen Substanzen flächendeckend in der Umwelt ausbringt - nicht derjenige, der nicht einfach so glaubt, dass das Zeug harmlos ist.


Übrigens: ich bin der Meinung, dass Nahrungsmittel zur Zeit zu billig sind.
Aber wenn man einfach den Preis hochfährt, wird nicht einfach umweltschonend und etwas teurer und etwas bodenschonender und etwas weniger effizient produziert, sondern es werden grössere Gewinne eingefahren. Soviel verstehe sogar ich von Marktwirtschaft.
Ein hiesiges Beispiel dazu: Früher gabs im Schweizer Weinbau (der lange Zeit durch Schutzzölle völlig von ausländischer Konkurrenz geschützt war) vom Bund garantierte Preise und Mindestabnahmemengen. Es wurde folglich bescheidene Qualität in grossen Mengen erzeugt, der Bund kaufte es ja ab. Bei der Marktöffnung gab es ein grosses Gequieke, das sei der Tod der Schweizer Winzer.
Seltsamerweise ist aber folgendes passiert: Die Qualität ist viel besser geworden. Die Weinbauern bemühen sich, hochwertigen Wein zu erzeugen, der sich über das Etikett verkauft und nach selbst auferlegten Qualitätskriterien produziert wird, und immer mehr Betriebe zeigen ihre Weinberge. Für gute Ware bekommt man anständige Preise. Wenn man nach Hektoliter pro Hektar erzeugt, kann man mit Algerien und Spanien und Südamerika selbstverständlich nicht mithalten.
Natürlich kann man Weinbau nicht mit Getreide- oder Kartoffelproduktion vergleichen, aber andere Leute vergleichen sogar Glyphosat auf dem Acker mit Benzol im Treibstoff, also geht das ausnahmsweise schon.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
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emil17
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Re: Glyphosat-Diskussion

#302

Beitrag von emil17 »

Ölkanne hat geschrieben: Sachlich betrachtet:
Der Trinkwassergrenzwert liegt bei 0,0001mg/Liter.
selbst beim 35 fachen also 0,0035mg/l ist die Menge so verschwindend gering, das sie erst ins geeicht fallen würde, wenn dich der Alkohol schon längst umgelegt hat.
Dir scheint der Sinn der Grenzwerte in Lebensmitteln nicht wirklich geläufig zu sein.

Ich werde sonst ja nicht gerne persönlich, aber warum nur kommt mir bei gewissen Äusserungen von dir die alte Tatsache in den Sinn, dass leere Fässer mehr Lärm machen als volle, wenn man draufklopft?
Schade eigentlich.
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Benutzer 4754 gelöscht

Re: Glyphosat-Diskussion

#303

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

Man muss natürlich dazu sagen, dass die Zusatzstoffe des Totalherbizids Roundup wesentlich giftiger sind als Glyphosat selber. Zudem gibt es inzwischen auch wieder wesentlich giftigere zugelassene Pestizide in aller Welt als Glyphosat.
Meine Rede.
Siehe IPU oder auch Reglone.
Im übrigen ist es so, dass Pestizide das Leben nicht etwa vereinfachen, sondern erschweren (Stichwort Superunkräuter).
Ich wieder hole mich
(nur ungern)

Die Resistenzen entstehen bei nicht-fachgerechter Anwendung!
Wenn man nur einmal im Jahr oder in zwei Jahren mit dem Glyphosdüsenbomber über den Acker fährt, wirst du noch in 30Jahren alles mit Glyphos flachlegen können, wenn es nicht vom Mensch mittels Gentechnik resistent gemacht wurde.

Wenn ich aber (wie bei den Amis jahrelang üblich) über meine RR-Kultur vier oder Fünfmal im Jahr mit nur einem Wirkstoff drüberfahre und das jedes Jahr mit dem selben und dann auch noch den Pflug weglasse, muss man sich nicht wundern das das Unkraut resistent wird.
Benutzer 4754 gelöscht

Re: Glyphosat-Diskussion

#304

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »


Dir scheint der Sinn der Grenzwerte in Lebensmitteln nicht wirklich geläufig zu sein.
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Trinkwasserverordnung
Punkt 10 In der Tabelle unter "Aktuelle Grenzwerte"
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emil17
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Re: Glyphosat-Diskussion

#305

Beitrag von emil17 »

Ölkanne hat geschrieben: Punkt 10 In der Tabelle unter "Aktuelle Grenzwerte"
ja, wenns mit dem Abtippen oder Zitieren von Zahlen getan wäre ...
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Benutzer 4754 gelöscht

Re: Glyphosat-Diskussion

#306

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

Da steht 0,0001mg/l pro PSM in Summe 0,0005mg/l

oder habe ich ein Knick in der Optik?
Steinbock
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Re: Glyphosat-Diskussion

#307

Beitrag von Steinbock »

Ölkanne hat geschrieben: Die Resistenzen entstehen bei nicht-fachgerechter Anwendung!
Wenn man nur einmal im Jahr oder in zwei Jahren mit dem Glyphosdüsenbomber über den Acker fährt, wirst du noch in 30Jahren alles mit Glyphos flachlegen können, wenn es nicht vom Mensch mittels Gentechnik resistent gemacht wurde.
Info aus dem Film "Chronisch vergiftet - Monsanto und Glyphosat (ARTE Doku)"
https://www.youtube.com/watch?v=3ivpJx3gkMY

Ab 38:45: Aussage des argentinischen Landwirts Ariel Maquirriain, der Soja anbaut: "In den letzten fünf Jahren haben sich die Kosten für Agrarchemikalien (=Pestizide) um 300% erhöht. Vor fünf Jahren zweimal, dreimal drüber mit Glyphosat hat gereicht. Heute müssen Sie Glyphosat, ein andere Herbizide und noch mehr spritzen und die Zahlen gehen ins Bodenlose."

Wenn sich Resistenzen gegen Glyphosat bilden, weil die amerikanischen bzw. alle Landwirte weltweit zu dumm sind, um Glyphosat, genauer Roundup, richtig anzuwenden, dann sollte Monsanto vielleicht als nächstes mal ein Mittel entwickeln, bei dem man nichts falsch machen kann.
Aber wie gesagt aufgrund der Erfahrungen diverser Länder mit der grünen Gentechnik ist dieser ganze Chemie-Mist sowieso eine Sackgasse. Eine ziemlich teure obendrein.
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emil17
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Re: Glyphosat-Diskussion

#308

Beitrag von emil17 »

Ölkanne hat geschrieben: Die Resistenzen entstehen bei nicht-fachgerechter Anwendung!
Standard-Ausrede der Agrochemikalienhersteller
Ist so wie bei der Arbeitslosenkasse: Ohne Stelle bleiben die, welche keine guten Bewerbungen zu schreiben wissen.
Hundert Leute, 70 Jobs ... die 30, die es nicht schaffen, sind zuwenig motiviert

Könnte die Sache mit den Resistenzen einen anderen Grund haben?
Etwa den, dass, wenn man hunderttausende von ha jedes Jahr mit Glyphosat behandelt (ob einmal oder 7mal jährlich sei dahingestellt, ändert am Prinzip nichts), man damit quasi von den Milliarden Unkrautkeimlingen sehr effizient die selektiert, die resistent sind?
Das ist exakt das, was die traditionelle Pflanzenzüchtung im Labor macht, wenn sie neue Sorten züchtet.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Wildmohn

Re: Glyphosat-Diskussion

#309

Beitrag von Wildmohn »

Ölkanne hat geschrieben: Na da haben die Proleten mal wieder ganze Arbeit geleistet.
Und solange die Angst geschürt und mit völlig nichtssagende Untersuchungen Hysterie verbreitet
So, jetzt muss ich mal persönlich werden. Ich hoffe, Du verträgst Kritik. Ich gebe mir auch ganz viel Mühe, oberhalb der Gürtellinie zu bleiben.
Du verteidigst Deinen Standpunkt bezüglich der Agroindustrie vehement, Menschen, die bzgl. dieser Thematik anderer Meinung sind, sind in Deinen Augen „Proleten“.
Sorry, aber Du hast Dich heute ein bisserl „nackert“ gemacht. Kann passieren in Deinem Alter.
Was mir Sorgen macht ist, dass bei Dir die andere Seite der Medaille, was Auswirkungen des Ausbringens von Giften für Folgen hat, völlig ausgeblendet wird.
Sieh zu, dass Dir auch bewusst wird, welche Folgen das versprühen von Giften jeglicher Art auf Mensch und Natur hat.
Es gibt hier nichts zu verteidigen, ausser das Recht auf eine gesunde Umwelt...
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Rohana
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Re: Glyphosat-Diskussion

#310

Beitrag von Rohana »

emil17 hat geschrieben:Genau diese Einstellung wird unsere Umwelt und unsere Gesellschaft nachhaltig ruinieren. Sie ist schon feste daran.
Soll die Lösung also Urproduktion mit immer schärferen Tierwohl- und Naturschutzstandards für den Weltmarktpreis sein? Sorry, das funktioniert nichtmal MIT Subventionen, geschweige denn ohne!
Wenn wir Glyphosat als Produktionsverbilligungsmittel bezeichnen, dann wird sofort klar, warum das nicht giftig sein darf.
Tut grad niemand ausser dir. Glyphosat alleine verbilligt keine Produktion nur weil es existiert. Es ist EIN Rädchen in einem grossen Getriebe, klein, aber wichtig wenn es mal gebraucht wird.
Das Ganze nennt sich Raubbau - keiner ist schuld daran und keiner will es, denn alle sind Opfer "des Marktes".
Typisch auch die Haltung mancher Diskussionsteilnehmer hier (Kanne ...), dass das als Naturgesetz gilt und nicht mal in Frage gestellt werden darf. Damit hat es aber den Charakter eines Dogmas.
Für mich gehört das Ganze in die Gleiche Kategorie wie Billigtextilien aus Fernost. Hauptsache billig, alles andere muss man sich nicht interessieren für.
Als Verbraucher kannst du dir (im gewissen Rahmen) dein Produkt aussuchen, du verlierst nix dabei, kannst solange deine Händler abklappern bis du das richtige findest. Wenn der Erzeuger hingeht und sagt "ich will aber nicht für den globalen Markt produzieren" dann hat er ein wesentlich grösseres Problem - dafür muss im Regelfall (risikoreich) investiert werden. Reicht ja nicht, nur mal eben Pflanzenschutzmittel wegzulassen, da müssen andere Sorten her, evtl andere Bodenbearbeitung, Fruchtfolge, der ganze Rattenschwanz halt.
Vor Gericht gilt der altbewährte Grundsatz, dass, wer ein finanzielles Interesse an einem Verfahren hat oder persönlich mit einem Beteiligte verbandelt ist, in den Ausstand zu treten hat. Bei Expertisen für Produktionshilfsstoffe (worunter man auch Pflanzenschutzmittel stellen kann) ist das offenbar nicht so.
Jetzt sag mal ganz ehrlich, wieviele Leute denkst du sind fachlich fundierte Experten für Pflanzenschutzmittel und verdienen nicht direkt oder indirekt ihre Brötchen damit? Das ist doch kein Hobby was man mal eben aus Spass macht - zumindest nicht in der Tiefe (wir sprechen von Experten, das ist noch n bisschen mehr als nur mal eben Sachkunde Pflanzenschutz - und die muss jeder Anwender haben).
Eine weitere Bitte hätte ich an alle, die mit "sachlichen" Vergleichen daherkommen:
Es gibt zu jedem Gift ein noch giftigeres Zeug und es gibt selbstverständlich auch Naturstoffe, die hochgiftig sind.
Wer das durcheinanderbringt oder als Argument gegen oder für die bedenkenlose Verwendung von irgendwelchen Substanzen benutzt, der hat etwas grundlegendes nicht richtig verstanden.
Niemand wird hier für die bedenkenlose Verwendung von Pflanzenschutzmitteln jeglicher Art plädieren. Es ist nur fürchterlich traurig dass einige Diskussionsteilnehmer hier und anderswo gerne mal pauschal auf "das böse Gift" und "die böse Agrarindustrie" bashen, ohne jegliche Differenzierung und Hintergrundwissen, ohne einen Hauch von respektvollen Umgang mit Mitmenschen und Mitforisten und vor allem viel zu oft ohne einen Hauch von Argumentation. Es kommt mir so sinnlos vor überhaupt zu versuchen irgendwas zu erklären oder Argumente zu bemühen. Wahrscheinlich wärs auch viel toller wenn sich alle nur gegenseitig auf die Schulter klopfen und in ihrer Meinung bestätigen.

Mein Standpunkt: Wenn zweifelsfrei bewiesen wird dass Glyphosat krebserregend ist, dann muss es gesperrt werden. Anderenfalls sollte die Verwendung für sachkundige(!) Anwender unter bestimmten Bedingungen(!) zugelassen bleiben.
Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise... (Ringelnatz)
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