Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Benutzer 4754 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#381

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

"Als Ursache ziemlich weit oben“ siedelt auch Schallenberger das „schlechte Image“ der Landwirtschaft an. „Bauern waren daran gewohnt, ein stolzer Berufsstand zu sein – heute werden sie oft nicht nur nicht anerkannt, sondern verachtet“, beobachtet der Vertrauensmann. Einem Teil der Bauern schlage aufs Gemüt, „dass sie die Anforderungen der Öffentlichkeit kaum erfüllen können: ganz viel Tierschutz und trotzdem schön billig – diesen Konflikt kann keiner aushalten“. Auf dem Dorf drohten Landwirte, gesellschaftlich ins Abseits zu geraten – häufig stellten dort Zugezogene die Bevölkerungsmehrheit.
Es haben die wenigstens geschnallt das es ohne Landwirte und ihre Landwirte nicht geht!

Die Milch kommt für 59ct/l aus dem Tetra-Pack und die Brötchen wachsen in der Bäckerstüte, aber der Giftspritzer und Grundwasserverseucher von neben an misshandelt gerade seine kühe... :roll: :bang:
cfun
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#382

Beitrag von cfun »

Ist das nicht eher ein allgemeines Selbständigkeitsproblem? Überstunden und schlechte Bezahlung, Selbstausbeutung. Aber wie will man bei Selbständigen auf Arbeitszeiteinhaltung und Mindestlohn achten (das würde die Lebensmittelpreise automatisch nach oben treiben)?

Man kann die Bauern nicht zwingen, nach 40h Schluss zu machen und auch nicht, ihr Geschäft aufzugeben, wenn sie keinen gerechten Lohn kriegen. Ich weiß nicht, ob man da den Konsumenten die Schuld geben kann, natürlich kaufen die lieber billiger als teurer, und mehr zu bezahlen ist ja keine Garantie für ein sauberes Produkt. Wenn die Konsumenten zu teureren Produkten greifen würden, würde jeder Laden einfach den Preis für die Produkte raufsetzen.

Problem ist der freie Konkurrenzkampf unter den Bauern und die Selbstausbeutung. Gab es da im Mittelalter keine Gesetze gegen? Da durfte es doch nur ein paar Meister geben, die waren in irgendwelchen Gruppen organisiert, die recht streng waren. Geschichtsunterricht vor etlichen Jahren, jetzt würde ich den doch mal brauchen, wer hätte das gedacht.
cfun
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#383

Beitrag von cfun »

Ärzte schützen sich noch. Hier etwas aus Österreich, aber ich glaube in Deutschland ist es auch so (nur dass eh nicht so viel zum Studium zugelassen werden, dass die Konkurrenz groß werden könnte)
Die Zahl der Vertragsärzte und ihre örtliche Verteilung wird unter Berücksichtigung der Zahl der Anspruchsberechtigten im Einvernehmen zwischen der Österreichischen Ärztekammer, der Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte und dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger durch Gesamtverträge festgesetzt. Interessierte Ärzte können sich auf freie Vertragsarztstellen bewerben.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kassenzulassung
Benutzer 4754 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#384

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

Problem ist der freie Konkurrenzkampf unter den Bauern und die Selbstausbeutung. Gab es da im Mittelalter keine Gesetze gegen? Da durfte es doch nur ein paar Meister geben, die waren in irgendwelchen Gruppen organisiert, die recht streng waren. Geschichtsunterricht vor etlichen Jahren, jetzt würde ich den doch mal brauchen, wer hätte das gedacht.
Du meinst die Zünfte und ihre Zunftordnungen.

Es sollte (wenn auch nur oberflächlich gedacht) einfach mindestpreise geben, die die Lebensmittelindustrie den Landwirten zahlen muss (dt Weizen 18-20€, der Liter Milch 40ct, dt Raps 33€ usw)

Gebunden allerdings an Lieferkontingente, alles was dann über dem Kontingent angebaut wird, ist praktisch wertlos da nicht aufkaufbar.
Wer mehr anbauen will muss eben exportieren (zu Weltmarktpreisen) oder Kontingente vom Nachbarn holen.
cfun
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#385

Beitrag von cfun »

Ölkanne hat geschrieben: Es sollte (wenn auch nur oberflächlich gedacht) einfach mindestpreise geben, die die Lebensmittelindustrie den Landwirten zahlen muss (dt Weizen 18-20€, der Liter Milch 40ct, dt Raps 33€ usw)

Gebunden allerdings an Lieferkontingente, alles was dann über dem Kontingent angebaut wird, ist praktisch wertlos da nicht aufkaufbar.
Wer mehr anbauen will muss eben exportieren (zu Weltmarktpreisen) oder Kontingente vom Nachbarn holen.
Läuft das nicht auf dasselbe hinaus? Wenn ich Bauer werden will, brauche ich einen Kontingentvertrag. Den kriege ich erst, wenn ein anderer Bauer seinen auflöst.
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marceb
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#386

Beitrag von marceb »

Landwirte belasten Wasser stärker als bekannt

http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig ... ht102.html
Benutzer 4754 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#387

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

http://www.agrarheute.com/news/neues-du ... tierhalter

http://www.agrarheute.com/news/agraraus ... engegesetz

Die haben doch n Spatz! :nudel:

Sie fordern "kleine bäuerliche Betriebe" und wollen dann Gesetze und Verordnungen erlassen die KEIN Kleinbetrieb erfüllen kann, an denen selbst Großbetriebe zu knapsern haben!

Sie wollen das weniger Minaraldünger ausgebracht wird (am besten garkeiner), und senken gleichzeitig die maximale Menge an Mist und Gülle!?
Wo bleibt da die Praxis?
Soll die Pflanze von Luft und Liebe leben??

Der grüne Bio-Bauer kann sich ein Bein ausreisen und seine Ertäge werden trotzdem weiter sinken....
Dank den sinnlosen Vorschlägen/Vorstellungen seiner Partei. :roll:
Benutzer 2354 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#388

Beitrag von Benutzer 2354 gelöscht »

http://www.on-online.de/-news/artikel/1 ... weite-Welt aus ostfriesland in die weite Welt.
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krabbe
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Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#389

Beitrag von krabbe »

Ölkanne hat geschrieben: Sie wollen das weniger Minaraldünger ausgebracht wird (am besten garkeiner), und senken gleichzeitig die maximale Menge an Mist und Gülle!?
Wo bleibt da die Praxis?
Soll die Pflanze von Luft und Liebe leben??
:hmm:
Ich kenne mich ja jetzt nicht mit der Höchstmenge an Mist und Gülle. Aber für alles gibt es eine Menge, die zu viel ist. Bei Mist und Gülle dann, wenn die Pflanzen die Nährstoffe nicht mehr aufnehmen können und mit dem Regenwasser ausgespült werden. Vom reinen "Augenschein" her scheint das recht häufig zu sein. Es kann nicht normal sein, wenn ein Acker in Gülle "schwimmt". Die Nitratgehalte im Grund- und Meerwasser weisen auf eine steigende Überdüngung hin. Nicht nur in Deutschland.
Mir scheint dein Kommentar daher nicht fundiert zu sein. Aber das kannst du mir Sicherlich erklären. Da du von fehlender Praxis schreibst, würde mich vor allem interessieren welche Erfahrungen du in deiner Arbeit als Bauer mit der Höchstmengenverordnung hast.
lg Andrea
Benutzer 4754 gelöscht

Re: Meldungen aus Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

#390

Beitrag von Benutzer 4754 gelöscht »

Achtung! Langer Text Folgt!
ich entschuldige mich schonmal für die Länge :rot:

Auf einen Acker dürfen maximal 170kg Gesammt-Stickstoff pro Hektar und Jahr aus tierischen Düngern aufgebracht werden.
Tierische Dünger sind zum Beispiel Gülle, Mist und Geflügelkot.

Bei Rindermist ist da z.B. bei rund 3kg Mist pro Quadratmeter und Jahr Schluss.
Oder auch 5,3l Milchgülle.
Das reicht idr aber nicht um die Ackerkulturen bedarfsgerecht zu ernähren, deshalb wird (deutlich teurere) Mineraldünger gestreut.

Das (und damit den teuren Mineraldünger) konnte man bisher etwas umgehen, in den man mit Biogasgärresten gedüngt hat, da diese nicht als tierische Dünger gelten (außer anteilig, wenn Gülle mit vergoren wurde).
Das soll nun wegfallen.

Die Aktuelle Sperrfrist (Ausbringverbot von Düngemitteln mit "nennenswertem" Gehalt an Phosphor oder Stickstoff, als Gülle, Biogasgülle, Grflügelkot, Mineraldünger, ausgenommen ist aktuell noch Festmist)
gilt vom 1.November bis 1.Februar also der Vegetationsruhe.
Ausbringen darf man max. 80kgGesamtstickstoff, davon maximal 40kg Nitratstickstoff pro Hektar.
Die Sperrfrist soll nun verlängert werden und zwar von der Ernte der Hauptfrucht bis zum 1. Februar.
Das einzige was dann noch Gedüngt werden darf sind Zwischenfrüchte, Winterraps und Wintergerste.
Das aber auch nur noch mit 60kg grsammt N und davon max 30kg Nitrat-N.
Also nur noch 75% der jetzigen Menge und die war schon sehr (eher zu sehr) knapp bemessen.
Evtl. wird sie auch auf Festmist ausgeweitet, was völiger humbug wäre, denn in Mist ist keine nennenswerte Menge an sofort verfügbarem Stickstoff vorhanden.
Der Stickstoff muss aus dem Mist erst durch Mikroben freigesetzt werden, die arbeiten im Herbst und Winter nicht mehr, dadurch kann auch nix ausgeschwrmmt werden.

Die Nährstoffüberhänge sind die Mengen an Nährstoffen die dem Boden zugefügt worden sind, aber durch das Erntegut nicht nachweislich wieder abgefahren wurden.
Ein teil wird (unvermeidbar) ausgewaschen (N und K), ein Teil wird festgelegt (P und K) und ein Teil verflüchtigt sich in die Luft (N)
Der Großteil wird aber von den Bodenmikroben dazu verwendet die Ernterückstände abzubauen und in Humus zuverwandeln.
Wird nun der Überhang gekürzt, wird der Humus abgebaut und der Landwirt betreibt gesetzlich vorgeschrieben Raubbau an seiner wichtigsten Ressource.
Zusammen mit der verlängerten Sperrfrist wird der gekürze Überhang dafür sorgen, das die Strohrotte nach dem Getreidedrusch nur sehr schleppend (wenn überhaupt) in Gang kommt.
Das unverrottete Stroh diente Schadpilzen als "Sprungbrett" auf die Kulturpflanze wodurch eine gute, vollständige Strohrotte den PSM Einsatz senkt, denn der Infektionsdruck sinkt erheblich.

Welcher Kleinbetrieb mit 60-70ha (oder auch nur 30ha) kann es sich leisten, die Daten vom Güllefass oder Düngestreuer digital und automatisiert direkt an das Amt zu übermitteln?
Unter 120ha lohnt sich nicht mal ein GPS-System aufm Schlepper und das ist Günstiger als einGüllefass mit Nährstofferfassung (ohne senden an das Amt!).

Ein Viehhalter soll zukünftig Lagerkapazitäten für 9 Monate Vollbelegung vorhalten.
Für was??
Es wird im Frühjahr Gülle gefahren,es wird Frühsommer Gülle gefahren, es wird im Sommer Gülle gefahren, es wird im Herbst Gülle gefahren.
In den restlichen 3 Monaten würde dann gar nicht gesetzeskonform die Scheise loswerden.
Wer soll die Zusätzliche Güllegrube zahlen?
AgrarHeute.de hat geschrieben:Für Betriebsleiter soll die Wahrnehmung von Beratungsangeboten der zuständigen Behörden verpflichtend sein.
Zur Überwachung der Anwendung des Düngerechts soll die zuständige Behörde nicht nur vor Ort die Vorlage von Unterlagen verlangen können, sondern es soll eine Pflicht zur Übersendung durch den Anwender geben.
Ja nee der Landwirt vergisst nach ein-zwei Jahren alles wieder,
nur um dann Gebühren zahlen zu können.
Das wird m.M.n. der selbe Dreck wie mit dem Sachkundenachweis für PSM, jedes Jahr irgent eine neue Vorgabe, ein neues Formular, ein neues Kärtchen usw :roll:
Und auch ansinsten ist der Landwirt Strohdumm und weis nicht wie er Hektarmengen ausrechnet und Tabellen abliest.

warum muss es das Amt sofort wissen wenn Bauer Heinz im März auf seinen Weizen 200kg/ha KAS auf seine 3ha Weizen streut?
Bauer Heinz muss das eh aufs kg genau dokumentieren und das Amt erfährt es eh jetzt schon jedes Jahr.
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