Bei uns hat gestern die "Begehung" unseres Geländes durch die Wolfsberater/Zuständigen in Bayern für den Herdenschutz stattgefunden - das war nach der Veranstaltung zum Thema HSH in der Mutterkuhhaltung eh schon locker ausgemacht und hatte sich nun aktuell ergeben, weil unsere Kühe nur ganz ungern auf die frisch eingekoppelte (Schafsnetz, 1,08 m plus unelektifizierter Überbau mit Band bei 1,35 m) Wiese am Waldrand gehen. Normalerweise "wohnen" die Herrschaften auf ihrer freigegebenen Fläche und kommen nur zum Trinken nach vorne, um dann gleich wieder nach hinten abzudampfen. Hier nun fressen sie und kommen zum Wiederkäuen zum Hof zurück. Erstmal ist das einfach nur ein Verhalten, das aus dem üblichen Raster fällt, war aber ein Mitauslöser dafür, dass die Begehung nun stattfand.
Die Begehung war sehr interessant, lehrreich und wir wurden absolut ernst genommen - man konnte merken, dass der Schutz der Weidetiere hier in Bayern sehr weit oben auf der Prioritätenliste steht. Unser Waldrand bot zahlreiche Übungsobjekte - Haare am Brombeergestrüpp, an noch kleinen Fichten und auf Baumstümpfen, Kothaufen, Wildpfade, um den Blick zu schulen und auch die Buddelversuche am Schafsnetz wurden inspiziert. Die Vermittlerposition zwischen Wolf und Luchs und Weidetierhaltern funktioniert hier bei uns offensichtlich sehr gut und da bin ich froh drüber. Mich hat die Begehung "beruhigt", weil ich nun auch weiss, dass ich jederzeit Ansprechpartner habe, die bei auftretenden Fragen für mich zu erreichen sind. Wie es hier im Fichtelgebirge weitergeht, man weiss es noch nicht, aber ich denke mal, dass wir hier gut gerüstet sind.
Ich bin ganz froh drum, dass wir so präventiv gleich bei den ersten Verdachtsmomenten losgelegt haben - denn in der täglichen Praxis sind diese vielreihigen Zäune im Umgang etwas unhandlicher als normale Zäune. Ich muss oft einige Wege doppelt machen - weil ich kein 7-reihiges Tor, bei dem im Verlauf noch mobile Plastikstecken in Fahrspuren stecken, um den Bodenabstand von 20 cm aufrecht zu erhalten, aufmachen kann, wenn es unter Strom steht und mir dabei ungeduldige Rinder im Nacken sitzen. Man muss sich an vieles erst gewöhnen und stellt fest, dass manche Materialien, die für einen Zaun, der lediglich Tiere in der Koppel halten soll, taugen, sich nicht sehr dafür eigenen, wenn es darum geht, Tiere aus den Koppeln fernzuhalten. Das sind als Beispiel T-Posten-Isolatoren für Drahtzaun, da gibt es unterschiedliche Modelle, eines davon versagt hier schon bei Füchsen kläglich und klickt vom T-Pfosten ab, wenn jemand von aussen mit Schmackes gegen den Draht rennt. Solche "Erfahrungen" mache ich dann lieber, wenn hier mit einzelnen Durchziehern zu rechnen ist, als wenn sich bereits wer in der Gegend fest etabliert hat. Auch ist das Aufrüsten eines Zaunes im laufenden Betrieb deutlich zeitintensiver und umständlicher, als wenn man auf einer leeren Fläche bei Null anfängt. In den vergangenen Monaten ist kaum eine Woche vergangen, an der wir nicht noch weiter am Zaun gearbeitet hätten oder die bis dahin noch nur dreireihig eingezäunten Heuwiesen nachgerüstet haben. Das muss ja alles in die eh schon vorhandene Arbeit integriert werden. Für mich auch wieder ein Grund, lieber präventiv loszulegen, als zu warten, bis es wirklich sichere Hinweise gibt.
Witzig finde ich, dass unsere Technik, abgebrochene mobile Plastikstecken, bei denen die Erdspitze noch dran ist, aufzubewahren, um Durchhänger in der untersten Reihe abzufangen, offensichtlich auch anderswo schon bewährt ist.
Die mit den Schafsnetzen bestellten mobilen Plastik-Pfosten haben sehr praktische Halterungen für das Schafsnetz - erst dachte ich "Höh, was soll man denn da wohl für eine Litze einlegen?" , bis ich es kapiert hatte. Und auch die Trittstücke haben unterhalb kleine "Haken", um die Bodenlitze des Schafsnetzes mit runterdrücken zu können. Mit den Zwischen-Stecken, die den Überbau tragen, kann man das Netz also noch deutlich besser straff spannen. Der Waldrand, um den es vor allem geht, liegt im Rücken des Fotografen.

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Was mir noch fehlt, ist eine Idee, um bereits bestehende T-Pfosten noch nach oben hin zu verlängern. Auf Holzpfosten kann man mit
20-cm-Abstandhaltern arbeiten, das geht bei den Kappenisolatoren der T-Pfosten nicht gut, dazu sind sie zu wackelig. Einen normalen Isolator kann man dort einschrauben, damit gewinnt man aber nur wenige Zentimeter Höhe. Um den Abstand für den Nachbarlandwirt zu wahren, steht eine Reihe des Zaunes nämlich leider unterhalb einer Böschung. Von unten aus wirkt der Zaun beachtlich, von der Böschung aus nun nicht so...
LG, Chris