Ist Getreideanbau auf kleinen Flächen möglich?
Re: Ist Getreideanbau auf kleinen Flächen möglich?
Wusste gar nicht, dass das geht, handgeernteten Roggen in einen Mähdrescher zu stecken. Mal fragen, viele wirds nicht geben, die hier sowas haben.
Re: Ist Getreideanbau auf kleinen Flächen möglich?
Grüß euch,
zum Thema Getreidebau auf Kleinflächen gab es in der Zwischenkriegszeit einige praktische Ansätze in Europa. U.a. veröffentlichte Hans-Egon Döblin eine Schrift zur Getreideumpflanztechnik (bei permakultur-forschungsinstitut. Als ich hier danach suchte, wurde ich nicht fündig.
http://www.permakultur-forschungsinstit ... zversuchs/
Wenn ich mich recht erinnere konnte sich ein Ehepaar in den mageren 30er-Jahren mittels der Umpflanzmethode auf 300m² selbst mit Brotgetreide versorgen. (bei Hitschfeld - den fand ich hier :-)
Auch Allgäuer Permakulturisten versuchten (gemeinsam mit Erwin Zachl) sich im Getreidepflanzen: [urlhttp://www.permakultur-forschungsinstitut.net/ ... hs-201112/][/url]
Mich persönlich interessiert diese Methode sehr, ich möchte sie heuer im Juni mit Waldstaudekorn angehen (sofern das Ackerbeet bis dahin vorbereitet ist, derzeit noch Wiese/Brache).
LG
althea
zum Thema Getreidebau auf Kleinflächen gab es in der Zwischenkriegszeit einige praktische Ansätze in Europa. U.a. veröffentlichte Hans-Egon Döblin eine Schrift zur Getreideumpflanztechnik (bei permakultur-forschungsinstitut. Als ich hier danach suchte, wurde ich nicht fündig.
http://www.permakultur-forschungsinstit ... zversuchs/
Wenn ich mich recht erinnere konnte sich ein Ehepaar in den mageren 30er-Jahren mittels der Umpflanzmethode auf 300m² selbst mit Brotgetreide versorgen. (bei Hitschfeld - den fand ich hier :-)
Auch Allgäuer Permakulturisten versuchten (gemeinsam mit Erwin Zachl) sich im Getreidepflanzen: [urlhttp://www.permakultur-forschungsinstitut.net/ ... hs-201112/][/url]
Mich persönlich interessiert diese Methode sehr, ich möchte sie heuer im Juni mit Waldstaudekorn angehen (sofern das Ackerbeet bis dahin vorbereitet ist, derzeit noch Wiese/Brache).
LG
althea
-
hunsbuckler
- Beiträge: 469
- Registriert: Di 16. Nov 2010, 21:43
Re: Ist Getreideanbau auf kleinen Flächen möglich?
Worin genau soll die Umpflanzmethode der Direktsaat überlegen sein?
Es paßt ja nur eine optimale Ährendichte auf einen Quadratmeter.
Zu dünn ist nicht gut wegen geringerem Ertrag und mangelnder Unkrautunterdrückung.
Zu dicht ist nicht gut wegen schlechterer Nährstoff-, Wasser- und Lichtversorgung der einzelnen Pflanze, schwachem Hochwuchs, höherer Krankheitsanfälligkeit und daraus resultierender Lagergefahr.
Theoretisch müsste es egal sein, ob die optimale Ährenzahl pro qm durch Direktsaat oder Umpflanzen erzielt wird.
Praktisch bedeutet das Umpflanzen für die Pflanze erstmal einen Schock durch Wurzelbeschädigung und Unterbrechung der innigen Bodenverbindung, den sie gegenüber der direkt gesäten Pflanze erst wieder aufholen muß.
Schädlinge wie Schnecken stürzen sich mit Vorliebe auf bereits geschwächte Pflanzen.
Wenn dann gerade noch Dürre herrscht, kann sie ganz verwelken.
Oft wird angeführt, daß vereinzelt umgepflanzte Pflanzen buschiger wachsen und mehr ährentragende Halme pro Pflanze bilden.
Das machen einzeln direkt gesäte Pflanzen aber auch.
Man hat dann die optimale Ährenzahl/qm auf der Basis einer geringeren Pflanzenzahl.
Das bringt nur dann einen Vorteil, wenn nicht die Fläche, sondern das verfügbare Saatgut der begrenzende Faktor ist.
Also etwa bei der Vermehrung sehr seltener Sorten.
Der Nachteil ist, daß dann der Ausfall einzelner Pflanzen weniger gut durch verstärkte Bestockung von Nachbarpflanzen ausgeglichen werden kann und der Bestand dann lückig wird mit der Folge einer unteroptimalen Ährenzahl, so daß das Ertragspotential der Fläche nicht ausgeschöpft wird.
Ansonsten ist es in der Regel weniger günstig, die optimale Ährenzahl durch eine maximale Bestockung pro Pflanze zu erzielen, weil die Seitentriebe oft kürzer sind und später reifen als die Haupttriebe.
Solch uneinheitlicher Abreifeprozeß erschwert das Finden des optimalen Erntezeitpunktes und birgt das Risiko vorzeitiger Körnerverluste oder Verderb von nicht ganz ausgereften Körnern.
Bei Fremdbefruchtern wie Roggen werden spätere Seitentriebe zudem oft unzureichend befruchtet, weil die Hauptbefruchtung mit maximal geöffneten Narben bei zugleich maximaler Pollenausschüttung oft nur während weniger Stunden bei optimalen Bedingungen (Sonne, warmer Wind) stattfindet.
Nachzügler-Ähren, die dieses Zeitfenster verpasst haben, bleiben oft länger geöffnet und sind dann ein Einfallstor für Mutterkorn und andere samenbürtige Pilzinfektionen.
Das Umpflanzen bringt nur dann Vorteile, wenn auf derselben Fläche mehrere Ernten unmittelbar hintereinander erzielt werden können, so daß die Jungpflanzen schon auf kleinerer Fläche vorgezogen werden können, während die Vorfrucht noch am Reifen ist.
Das ist z.B. beim Naßreisanbau der Fall, der überdies den Vorteil hat, daß durch die lange Überflutung des Feldes ein Vertrocknen der neu gesetzten Pflanzen i.d.R. ausgeschlossen ist.
Weiter ist ein extrem niedriges Lohnniveau die Voraussetzung, daß das händische Umpflanzen von Getreide überhaupt wirtschaftlich ist.
Beim Anbau für die Selbstversorgung kann das Umpflanzen dann sinnvoll sein, wenn man extreme Unkrautkonkurrenz hat und die vorgezogenen Jungpflanzen auf das frisch gemulchte Feld gesetzt werden, damit sie einen Entwicklungsvorsprung vor der Konkurrenz bekommen.
Angesichts der Arbeit, die das Umpflanzen macht, ist dann aber abzuwägen, ob man die verfügbare Arbeitszeit nicht besser in eine intensivere Unkrautbekämpfung investiert.
Es paßt ja nur eine optimale Ährendichte auf einen Quadratmeter.
Zu dünn ist nicht gut wegen geringerem Ertrag und mangelnder Unkrautunterdrückung.
Zu dicht ist nicht gut wegen schlechterer Nährstoff-, Wasser- und Lichtversorgung der einzelnen Pflanze, schwachem Hochwuchs, höherer Krankheitsanfälligkeit und daraus resultierender Lagergefahr.
Theoretisch müsste es egal sein, ob die optimale Ährenzahl pro qm durch Direktsaat oder Umpflanzen erzielt wird.
Praktisch bedeutet das Umpflanzen für die Pflanze erstmal einen Schock durch Wurzelbeschädigung und Unterbrechung der innigen Bodenverbindung, den sie gegenüber der direkt gesäten Pflanze erst wieder aufholen muß.
Schädlinge wie Schnecken stürzen sich mit Vorliebe auf bereits geschwächte Pflanzen.
Wenn dann gerade noch Dürre herrscht, kann sie ganz verwelken.
Oft wird angeführt, daß vereinzelt umgepflanzte Pflanzen buschiger wachsen und mehr ährentragende Halme pro Pflanze bilden.
Das machen einzeln direkt gesäte Pflanzen aber auch.
Man hat dann die optimale Ährenzahl/qm auf der Basis einer geringeren Pflanzenzahl.
Das bringt nur dann einen Vorteil, wenn nicht die Fläche, sondern das verfügbare Saatgut der begrenzende Faktor ist.
Also etwa bei der Vermehrung sehr seltener Sorten.
Der Nachteil ist, daß dann der Ausfall einzelner Pflanzen weniger gut durch verstärkte Bestockung von Nachbarpflanzen ausgeglichen werden kann und der Bestand dann lückig wird mit der Folge einer unteroptimalen Ährenzahl, so daß das Ertragspotential der Fläche nicht ausgeschöpft wird.
Ansonsten ist es in der Regel weniger günstig, die optimale Ährenzahl durch eine maximale Bestockung pro Pflanze zu erzielen, weil die Seitentriebe oft kürzer sind und später reifen als die Haupttriebe.
Solch uneinheitlicher Abreifeprozeß erschwert das Finden des optimalen Erntezeitpunktes und birgt das Risiko vorzeitiger Körnerverluste oder Verderb von nicht ganz ausgereften Körnern.
Bei Fremdbefruchtern wie Roggen werden spätere Seitentriebe zudem oft unzureichend befruchtet, weil die Hauptbefruchtung mit maximal geöffneten Narben bei zugleich maximaler Pollenausschüttung oft nur während weniger Stunden bei optimalen Bedingungen (Sonne, warmer Wind) stattfindet.
Nachzügler-Ähren, die dieses Zeitfenster verpasst haben, bleiben oft länger geöffnet und sind dann ein Einfallstor für Mutterkorn und andere samenbürtige Pilzinfektionen.
Das Umpflanzen bringt nur dann Vorteile, wenn auf derselben Fläche mehrere Ernten unmittelbar hintereinander erzielt werden können, so daß die Jungpflanzen schon auf kleinerer Fläche vorgezogen werden können, während die Vorfrucht noch am Reifen ist.
Das ist z.B. beim Naßreisanbau der Fall, der überdies den Vorteil hat, daß durch die lange Überflutung des Feldes ein Vertrocknen der neu gesetzten Pflanzen i.d.R. ausgeschlossen ist.
Weiter ist ein extrem niedriges Lohnniveau die Voraussetzung, daß das händische Umpflanzen von Getreide überhaupt wirtschaftlich ist.
Beim Anbau für die Selbstversorgung kann das Umpflanzen dann sinnvoll sein, wenn man extreme Unkrautkonkurrenz hat und die vorgezogenen Jungpflanzen auf das frisch gemulchte Feld gesetzt werden, damit sie einen Entwicklungsvorsprung vor der Konkurrenz bekommen.
Angesichts der Arbeit, die das Umpflanzen macht, ist dann aber abzuwägen, ob man die verfügbare Arbeitszeit nicht besser in eine intensivere Unkrautbekämpfung investiert.
Liebe Grüße, Hans www.jugendrettet.org
Re: Ist Getreideanbau auf kleinen Flächen möglich?
Niemals im Leben würd ich versuchen, Waldstaudenroggen umzupflanzen
Das geht doch so einfach, Feld herrichten, so gut es geht (Grassoden raus etc), dicht aussäen, im Herbst abmähen, im nächsten Sommer ernten. So ist das bei mir gegangen, das Zeug wird 2 m hoch. Jede Menge Stroh
Das geht doch so einfach, Feld herrichten, so gut es geht (Grassoden raus etc), dicht aussäen, im Herbst abmähen, im nächsten Sommer ernten. So ist das bei mir gegangen, das Zeug wird 2 m hoch. Jede Menge Stroh
-
Sabi(e)ne
Re: Ist Getreideanbau auf kleinen Flächen möglich?
Hardy und ich haben das mit der Umpflanzmethode vor etlichen Jahren probiert, und kamen auf heutige Erntebeträge bei Roggen, Weizen, und Hafer per qm.
Gegenüber den 1920ern ist das schon sehr ordentlich.
Allerdings muß man damit min. 4 Wochen vor dem normalen Saattermin anfangen - also nix mit im Juni anfangen- und Staudenroggen wird sich dazu nicht eignen.
Das waren alles Sommergetreide - ohne Überwinterung.
Und die Anforderungen sind beim sorgfältigen Lesen nicht ohne - die damalige Dame war Gemüsegärtnerin und bewandert im Pikieren und Verpflanzen und Anhäufeln.
UND: man muß nach der Ernte auch noch irgendwie dreschen und auch mahlen....
Es ist also nicht so einfach, aber in Krisenzeiten wäre es in jedem Fall einen Versuch wert.
Ein Kilo Weizen macht dann satter als ein Kilo Gemüse.
Gegenüber den 1920ern ist das schon sehr ordentlich.
Allerdings muß man damit min. 4 Wochen vor dem normalen Saattermin anfangen - also nix mit im Juni anfangen- und Staudenroggen wird sich dazu nicht eignen.
Das waren alles Sommergetreide - ohne Überwinterung.
Und die Anforderungen sind beim sorgfältigen Lesen nicht ohne - die damalige Dame war Gemüsegärtnerin und bewandert im Pikieren und Verpflanzen und Anhäufeln.
UND: man muß nach der Ernte auch noch irgendwie dreschen und auch mahlen....
Es ist also nicht so einfach, aber in Krisenzeiten wäre es in jedem Fall einen Versuch wert.
Ein Kilo Weizen macht dann satter als ein Kilo Gemüse.
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poison ivy
Re: Ist Getreideanbau auf kleinen Flächen möglich?
Getreideanbau auf Hausgarten-Niveau scheint wenig ertragreich, dafuer arbeis- und zeitaufwaendig
maschinelle Hilfe scheint fuer solche Dimensionen auch nicht so einfach zu kriegen
das Ergebnis klingt in den meisten Beitraegen eher nach Huehner- als nach Menschenfutter
wenn nicht als Exotenversuch oder um damit etwas zu Beweisen,
wozu baut Ihr Getreide im Kleinformat an?
maschinelle Hilfe scheint fuer solche Dimensionen auch nicht so einfach zu kriegen
das Ergebnis klingt in den meisten Beitraegen eher nach Huehner- als nach Menschenfutter
wozu baut Ihr Getreide im Kleinformat an?
- emil17
- Beiträge: 8319
- Registriert: Di 21. Sep 2010, 08:07
- Wohnort: In der Schweiz da, wo die Berge am höchsten sind
Re: Ist Getreideanbau auf kleinen Flächen möglich?
Für mich ist die schlichte Tatsache, dass bei uns Getreidebau immer in Direktsaat betrieben wurde, obwohl es früher Massen von billigsten Arbeitskräften gab, Hinweis genug dafür, dass das sich nicht lohnt.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Re: Ist Getreideanbau auf kleinen Flächen möglich?
Hallo!
ich hab 2013 mal einen Parzellenversuch mit Sommergerste gemacht.
die Beschreibung ist unter folgenden Link zu finden;
http://www.holzgasjournal.de/images/PDF ... e_tp_1.pdf
In diesem Jahr möchte ich Purpurweizen auf ca. 100m² anbauen. Der zu erwartende Ertrag: 2t je ha. (200g/m²)
@ Mod: wenn der Link gegen die Forumregeln verstößt bitte löschen!
ich hab 2013 mal einen Parzellenversuch mit Sommergerste gemacht.
die Beschreibung ist unter folgenden Link zu finden;
http://www.holzgasjournal.de/images/PDF ... e_tp_1.pdf
In diesem Jahr möchte ich Purpurweizen auf ca. 100m² anbauen. Der zu erwartende Ertrag: 2t je ha. (200g/m²)
@ Mod: wenn der Link gegen die Forumregeln verstößt bitte löschen!
Holzkohle - warum die wertvollste Kohle nicht das Geld ist!
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Benutzer 4754 gelöscht
Re: Ist Getreideanbau auf kleinen Flächen möglich?
Interessant!!holzgaser hat geschrieben:Hallo!
ich hab 2013 mal einen Parzellenversuch mit Sommergerste gemacht.
die Beschreibung ist unter folgenden Link zu finden;
[url]http://www.holzgasjournal.de/images/PDF ... e_tp_1.pdf[/url
Hast du deine Erdmischungen auch schonmal mit (modernen) Hochleistungssorten bestellt?
Ob dort ebenfalls so ein Ertragsanstieg zu verzeichnen ist?
Hast du den Preis für die Holzkohle parat?
(Um aus zurechnen ob die Mehrerträge die höheren Kosten decken)
