Manfreds kleiner Bauernhof

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matt23
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Re: Manfreds kleiner Bauernhof

#461

Beitrag von matt23 »

Manfred hat geschrieben:Gerade wurde noch ein Kalb geboren. Wieder Normalgröße und eine leichte Geburt. Um 18 Uhr war die Blase zu sehen. Bei der nächsten Kontrolle um kurz vor 20 Uhr stand das Kalb schon auf den Beinen und hat das Euter gesucht. :)
Wünsch dir, dass es so weiter geht und dass die kleine Kuh sich wieder gut erholt!

PS: Bilder wären schön ;) :kuuh:
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Re: Manfreds kleiner Bauernhof

#462

Beitrag von 65375 »

Was machst Du dann mit ihr? Sie hat ja dann letztendlich keinen Nutzen mehr, die Arme.
matt23
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Re: Manfreds kleiner Bauernhof

#463

Beitrag von matt23 »

Auch eine Schlachtkuh hat einen Nutzen.
Bleibt nur zu hoffen, dass sie wieder fit wird und noch bisschen Fleisch ansetzt.
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65375
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Re: Manfreds kleiner Bauernhof

#464

Beitrag von 65375 »

Ja, schon klar. Aber der Aufwand, sie aufzupäppeln, ist ja relativ groß. Und sie ist ne kleine, hat also nicht die Riesenfleischausbeute. Wäre es nicht sinnvoller, sie gleich zu schlachten? Oder ist das Fleisch zur Zeit nicht verwertbar?

Ich hab keine Ahnung von Viehhaltung und freu mich, daß Manfred uns so anschaulich und verständlich an seinen Sorgen und Freuden teilhaben läßt.
Jetzt gab's bei ihm in wenigen Tagen den toten Fuchs, das tote Kälbchen, das verletzte Wildschwein, die kranke Kuh; Leben und Tod, Tierarzt und Jäger, Verwertung und Entsorgung.
Manfred

Re: Manfreds kleiner Bauernhof

#465

Beitrag von Manfred »

Schlachten ist nicht praktikabel. Wir hätten sie höchstens schießen oder einschläfern und zur Tierkörperverwertung geben können.
Durch den Einfluss der Hormone rund um die Geburt ist das Fleisch kaum verwertbar und dann auch nur für den Eigenbedarf.
Bei einer offiziellen Notschlachtung (falls überhaupt machbar) wären die Kosten höher als der Erlös, zumal zu der Tageszeit, wo man erst mal einen Schlachthof finden müsste, der einen Mitarbeiter für Notschlachtungen auf Abruf hat. (Das Tier könnte dann nach Lebendbeschau durch einen Veterinär an Ort und Stelle betäubt und ausgeblutet werden, muss dann aber auf schnellstem Weg in einem zugelassenen Schlachthof, der den Rest der Schlachtung und eine Fleischbeschau durchführt.) So etwas macht man eher, wenn sich z.B. ein Tier ein Bein bricht, das Fleisch aber noch hochwertig und voll nutzbar ist.
Selbst habe ich keine Erfahrung mit Fleisch aus Schlachtungen kurz nach der Geburt. Aber mein Vater ist Metzger und meint, man sollte nach der Geburt mind. 14 Tage warten, wenn man das Fleisch verwerten will.

Und es gab während der Geburt durchaus Momente wo ich gedacht habe: Lass sie uns einschläfern. Dann hat sie es wenigstens hinter sich. Aber auf der anderen Seite hofft man halt auch immer, dass das vertraute Tier durchkommt. Und es hätte ja sein können, dass sie nach 2 Stunden wieder steht. Jetzt ist sie halt erst mal Pflegefall, beweist aber deutlichen Lebenswillen.
Die Tierarztkosten, die Arbeitszeit etc. darf man eh nicht rechnen. Da hätte man sie sofort schießen müssen.
Und rein schauen und sehen, welche Schmerzen sie evtl. erleidet, kann man auch nicht.
Und so stehe ich wieder da und kann überlegen, wie lange ich abwarte und ihr Zeit zur Genesung zugestehe. Aber solange es sichtbar aufwärts geht, besteht ja Grund zur Hoffnung. Wenn sie wieder auf die Beine kommt, kriegt sie wenigstens noch einen schönen Sommer auf der Weide.
hobbygaertnerin
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Re: Manfreds kleiner Bauernhof

#466

Beitrag von hobbygaertnerin »

Hallo Manfred,
bei so einem Riesenkalb- hat die Kuh gewaltig was mitgemacht.
Ich kenne das, wenn die Nerven gequetscht sind, dann besteht Hoffnung. Wenn sie so rumrutscht, dreht sie sich - wir haben einmal einer Kuh 6 Wochen lang täglich beim Umdrehen geholfen - und sie aufgestellt.
Schlachten würde ich auch nicht für den Eigenbedarf, das Fleisch ist wässrig und schmeckt auch nicht so gut. Da hat dein Vater vollkommen recht.
Wünsche eurem Pflegefall alles Gute- würde ihr so wünschen, dass sie wieder zum Stehen kommt- sie hat schon genug mitgemacht.
Schwergeburten, tote Kälber, das sind die Momente, wo ich gerne nur einen stinknormalen Beruf mit "nicht lebenden Wesen" hätte.
Aber leider gehört auch der Tod zum Leben.
Manfred

Re: Manfreds kleiner Bauernhof

#467

Beitrag von Manfred »

Das denke ich mir auch manchmal: Lass es einfach bleiben, und reiß deine Stunden im Büro runter...
Aber die Realität da draußen besteht zu einem guten Teil aus Krankheit und Tod. Auch wenn wir diese Prozesse in unserer Gesellschaft weitgehend aus dem Blick geräumt haben, vom Sensations- und Gruselfaktor der Pressebereichte aus fernen Ländern mal abgesehen.
Ich gehe auch von einer Nervenquetschung aus. Das wird sicher noch einige Tage dauern.

Hier Bilder von den lebenden Kälbern. Und ein Fuchs hat sich auch wieder dazwischen geschlichen. Noch nicht ganz so frech wie der alte Weidefuchs (er hat mich nicht gleich bemerkt, als ich mit den Rindern über den Hügel kam, sonst hätte ich ihn nie so nah erwischt) aber er macht sich.

Das schwarze Kälbchen ist das von vorgestern, das braungescheckte von gestern Abend.

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Re: Manfreds kleiner Bauernhof

#468

Beitrag von Reisende »

wir sollten uns ein bsp. an den tieren nehmen. die sind sowas von tapfer, und sie hadern nicht so rum wie wir.

tolle fotos manfred, und die kleine kuh wird bestimmt wieder. hab ich so im gefühl.

wenn ich so lese, was du schreibst, möchte ich dich manchmal einfach mal kräftig umarmen. :) ich bin so froh, dass du nicht nur rechnen kannst, sondern auch das herz auf dem richtigen fleck hast. ich hoffe dass es ganz viele bauern von deiner sorte gibt. auch wenn solche vorfälle viel mehr weh tut, wenn man so tickt.
da ich laktose und gluten hervorragend vertrage, leiste ich mir als ausgleich dafür einige intoleranzen im zwischenmenschlichen bereich.
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Bodo
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Re: Manfreds kleiner Bauernhof

#469

Beitrag von Bodo »

Das sind Bilder, die den "jöööööööö" Effekt auslösen. Super Fotos. Danke.

Das sind die schönen Seiten von diesem Beruf. Einfacher wäre es sicher ab ins Büro, 8 Stunden arbeiten und am Ende des Monats ein bisschen mehr Geld als mit der Landwitschaft. Weniger Arbeit und geregelte Arbeitszeit. Aber befriedigender? Das ist die andere Frage. Angestellt statt selbständig? U. U. doofe Mitarbeiter/Chef und so bist Du Dein eigener Herr.

Drücke Dir die Daumen, dass es dem Mädel bald wieder besser geht und sonst alles gut klappt.
Liebe Grüsse

Monica

Vom Tiere und von der Pflanze müssen wir lernen, was Blühen ist.

Friedrich Wilhelm Nietzsche
Manfred

Re: Manfreds kleiner Bauernhof

#470

Beitrag von Manfred »

Um 5 war ich auf der Weide, um der noch immer liegenden Kuh ihr Wasser und ihr Abendessen zu bringen.
Da fing gerade die erste Färse an zu kalben. Die Blase war zu sehen.
Bis ich die Kuh versorgt hatte (Sie steht immer noch nicht auf. Die Schwellungen haben aber deutlich nachgelassen und sie drückt ihren Hinter wenigstens ab und zu ein paar cm in die Luft.) war die Blase geplatzt.

Bin nach Hause, hab die schwere Geburtshilfe-Ausrüstung eingepackt (bei Färsen kommt es ja am ehesten zu Schwergeburten), einen dickes Buch für die Wartezeit mitgenommen, meinen Vater alarmiert, dass er nicht schlafen gehen darf, bevor ich wieder da bin, falls ich Hilfe brauche, noch schnell ein paar Bürosachen erledigt und eine Stunde später war ich da.
Da lief das kleine Mädchen schon seiner Mama hinterher. :)
Die zwei wollten nicht mal zu Fotografieren kurz stillhalten.

Hätte nicht gedacht, dass sie schon kalben will. Das Euter ist nur wenig angelaufen. Aber bei manchen läuft es erst nach der Geburt richtig an. Hoffen wir mal, dass sie genug Milch hat. Das werde ich die nächsten Tage genau beobachten müssen.

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@Anne:
Weiß nicht recht, was ich dir darauf antworten soll. Die Rinderbauern die ich kenne, bemühen sich eigentlich alle sehr um ihre Tiere.
Und man muss schon sehen, dass ich halt einen Kleinstbetrieb mit sehr wenigen Tieren habe. Wer davon leben will, braucht eher das 10-fache oder mehr.
Und da ist die Arbeitskapazität pro Tier gerade in der Abkalbesaison extrem knapp bemessen. Sieht man es pragmatisch: Ob die Kuh ein paar Monate früher oder später stirbt... Und welche Schmerzen sie bei der Prozedur evtl. erlitten hat und erleidet, kann man auch nicht wissen.
Es hat schon alles mehrere Seiten. Als Tierhalter muss man in so einer Situation eine Entscheidung treffen, auch auf Basis der verfügbaren Zeit und Mittel. Und hinterher ist man immer schlauer. Gibt sicher auch Leute, die sowohl die Schweinchen- als auch die Kuh-Aktion als Quälerei bezeichnen würden, schon weil sie Jagd und Tierhaltung grundsätzlich ablehnen.
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