Manfreds kleiner Bauernhof

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Manfred

Re: Manfreds kleiner Bauernhof

#441

Beitrag von Manfred »

@Johanna: Da bin ich erst nächstes Jahr schlauer. Die scheinen jedenfalls fast alle im ersten Anlauf trächtig geworden zu sein. Ich gehe zwar davon aus, dass die meisten davon erst der Altbulle gedeckt hat und die Jungen dann erst dran gekommen sind, als er keine Lust mehr hatte, aber bei den jungen sind auch mehrere gute (aus meiner Sicht) dabei. Also alles halb so wild. Und die schlechteren Tiere kriegt eh der Metzger. Ich kann gar nicht so viele zur Nachzucht aufstellen, wie ich möchte. Aus dem Jahrgang 2013 habe ich nur die 2 besten Färsen behalten. Und da fällt schon die Überlegung schwer, welche Kühe ich dafür schlachten lassen soll.
Ich habe 3 Kandidatinnen:
-Meine älteste Kuh. Die hatte letztes Jahr das schlechteste Stierkalb (obwohl sie vorher immer gut aufgezogen hat) und ihr diesjähriges Kuhkalb ist auch nur Mittelklasse. Aber an der Kuh hänge ich sehr. Die kommt immer an und will gestreichelt werden...
-Dann eine Erstlingskuh, die mir optisch gut gefällt, deren Kalb aber das schlechteste dieses Jahr ist. Sie hat aber recht jung gekalbt und ist nach dem Kalben noch deutlich im Rahmen gewachsen, ist jetzt in guter Kondition und hat auch ein ansehnliches Euter. Eigentlich würde ich ihr gerne noch eine zweite Chance geben.
-Und eine jüngere Fleckviehkuh. Die hat zwar eine sehr gute Futterverwertung und Milchleistung, aber leider ein ödemisches Euter. Sie wird wegen der Euterprobleme früher oder später weichen müssen, hat aber ein sehr gutes Kuhkalb bei Fuß, dass sie wenigstens noch einige Montage säugen soll.
Keine leichte Entscheidung dieses Jahr.
Olaf
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Re: Manfreds kleiner Bauernhof

#442

Beitrag von Olaf »

Ich finde das auch interessant, Deine Bilder und die Erklärungen dazu. :daumen:
Bisschen OT: Selber werd ich wohl nie wieder was mit Rindviechern zu tun haben, war eh nur am Rande, aber wir denken grad über unsere Ziegen nach. Ich hätte ja vor ein paar Jahren noch geschworen, dass unsere ersten im Alter Gnadenbrotstatus bekommen.
Jetzt überlegen wir, die Leitziege zu schlachten.
Sie hat ein ekelhaftes Wesen, kurze Striche, miese Milchleistung, die aber mit ihrem Wesen zusammenhängt, sie läßt sich nicht freudig oder zumindest gutwillig melken. Lämmer nimmt sie schlecht oder gar nicht an. Und ihre Schwester ist das Gegenteil in allem und hat dieses Jahr ein hübsches weibliches Lamm. Was auch schon einen Namen hat.
Irgendwie werden wir immer härter hier.
LG
Olaf
Die Leitziege übrigens ist ein Flaschenkind, ihre Schwester nicht. Liegts daran?
Eigentlich bin ich ein netter Kerl.
Wenn ich Freunde hätte, könnten die das bestätigen.
Manfred

Re: Manfreds kleiner Bauernhof

#443

Beitrag von Manfred »

Ja. Wenn man Nutztiere hält, bringt einem zu viel Weichheit nur eine Vervielfältigung der Probleme.
Wenn ein Tier in deinem System nicht funktioniert, dann ist es da falsch. Also verkaufen oder schlachten.

Wenn ich den Leuten aus Afrika, Australien und Neuseeland zuhöre oder den Haltern großer Herden in Nord- und Südamerika, die sind einfach knallhart drauf. Anders geht es dort auch nicht. In Australien ist die durchschnittliche Betreuungsdichte eine Arbeitskraft pro 1500 Rinder. In Neuseeland gibt es Betriebe, die halten 5000 Auen im Nebenerwerb.
Ein paar sinngemäße Zitate:
"Zaun am Steilufer? Ein doofes Rind fällt nur einmal das Steilufer runter. Dann ist es tot und das Problem hat sich erledigt."
"Wenn du dir Schafe anschaffst, musst du die knallhart selektieren. Fahr 4 Wochen in den Urlaub, wenn sie lammen. Nach dem dritten Jahr hast du die Tiere, die du brauchst."
"Wenn ein Tier stirbt, lege ich es oben auf den Hügel. Die Herdenschutzhunde fressen den Großteil davon. Der Rest verteilt sich als Dünger den Hügel runter."
"Problemkuh? Peng. Den Rest erledigen die Aasfresser."
"Entwurmen. Ja, manchmal entwurmen wir ein Tier. Einfach erschießen und liegen lassen können wir sie hier nicht. Das würden unsere verstädterten Nachbarn hier nicht verstehen. Aber einige Wochen nach dem Entwurmen wird es verkauft."

Wir mit unseren kleinen Beständen haben halt das Problem der engen emotionalen Bindung und müssen damit irgendwie fertig werden. Aber ich habe es bisher noch jedes einzelne Mal bereut, wenn ich ein Tier behalten habe bei dem mir bewusst war, dass ich es eigentlich hätte ausselektieren sollen.
Das hilft, härter zu werden. Und du schaffst Platz für ein anderes Tier, das auch leben will.
Olaf
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Re: Manfreds kleiner Bauernhof

#444

Beitrag von Olaf »

Und du schaffst Platz für ein anderes Tier, das auch leben will.
Das ist ein weiser und hilfreicher Kommentar, der macht es leichter.
:hmm:
"Anonyme Zitate aus dem Forum - Best of Selbstvers.org ist" ja mehr so für Stilblüten,
haben wir auch was für Sinnvolles?
Egal:
Selbst wenn. Du kannst Dich ja da eh nicht selbst nominieren, und ich machs auch nicht, vielleicht sehen ja nur wir das so.
Aber den merk ich mir.
LG
Olaf
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65375
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Re: Manfreds kleiner Bauernhof

#445

Beitrag von 65375 »

Im Irlandurlaub haben wir am Strand unterhalb von Steilhängen auch mehrmals Schafskelette gefunden. Da gab's nur Zaun zum Land hin. Und, so wurde uns erklärt, einmal im Jahr zusammentreiben, sortieren, zählen, neu markieren.
Mit Menschen isg man dort auch nicht so zimperlich. Eigenverantwortung ist angesagt. "You might get lost up there.", hat uns nach kurzer Musterung knochentrocken ein Einheimischer gesagt, hat sich umgedreht und ist gegangen. Wir hatten uns den one man's path am Sleave Leage vorgenommen. Oben haben wir dann auch gemerkt, daß es nix taugt, den zu gehen. Das Wetter war einfach nicht danach.
Manfred

Re: Manfreds kleiner Bauernhof

#446

Beitrag von Manfred »

Jetzt hatte ich mir vor ein paar Tagen extra eine kleine Kompaktkamera gekauft, damit ich immer eine dabei haben kann, statt dem schweren Spiegelreflex-Teil. Und dann verpasse ich wieder den entscheidenden Moment.
Habe vorhin in meinem Weideunterstand ein junges Wildschwein aufgescheucht. Schätze 20 bis 30 kg schwer. Wir waren wohl beide ziemlich überrascht. Ich habe es erst bemerkt, als ich einen Meter neben ihm stand und es aus dem Heu aufgesprungen ist.
Da es dann sich im Feldgehölz nebenan versteckt hat, bin ich ihm gefahren, um die Kamera zu holen. Musste sie erst mal auspacken und zum Laufen kriegen. Leider hatte sich das Schweinchen in der Zwischenzeit doch verzogen. So muss ich euch das Bild schuldig bleiben.

Nur die Sasse in der es lag, habe ich noch fotografiert (oder heißt das "den Kessel"?):

Bild

Und einen Feldhasen, den ich auf der Suche nach dem Schweinchen hinter dem Feldgehölz aufgescheucht habe:

Bild

Ein paar Meter weiter konnte ich wohl den Verbleib "meines" Weide-Fuches aufklären.
Der hatte sich ziemlich an mich gewöhnt, war fast jeden Tag auf der Weide unterwegs und bleib meist in Sichtweite, wenn ich dort gearbeitet habe.
Vor ca. 3 Wochen war er dann auf einmal verschwunden.
Er ist wohl im Bau im Wasserdurchlass ertrunken oder einfach so verendet. Jetzt hat wohl sein Nachfolger den Bau aufgeräumt.
Jedenfalls lag die Leiche davor und der Eingang ist wieder frei und offensichtlich befahren.

Bild

Bild

Evtl. war der Kadaver auch der Grund für die Anwesenheit des Schweinchens.
Oder sein Nachfolger hat ihn selbst angefressen.
Den habe ich vermutlich auch gleich entdeckt. Sonnte sich gut 100 m entfernt unter dem Weidezaun:

Bild

Hier noch zwei Bilder von den zwei grauen Kälbchen aus 2014:

Das blauegraue Kuhkalb hatte sich ja später in Besch gehüllt und diese Farbe auch beibehalten:

Bild

Das dunkelgraue Stierkalb hat seine Farbe nur wenig geändert:

Bild

In ca. 2 Wochen rechne ich mit den ersten Kälber 2015.
Mal sehen, welche Farbenspiele sich dieses Jahr zeigen. :)
hobbygaertnerin
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Re: Manfreds kleiner Bauernhof

#447

Beitrag von hobbygaertnerin »

@Manfred, dein Beitrag über die "Härte"- bzw. Weichheit-
ist gar nicht so einfach- ich heule heute auch nach vielen Jahren Umgang mit Nutztieren immer noch Rotz und Wasser, wenn eine alte Kuh zum Schlachten geht- wenn man 10 oder mehr Jahre jeden Tag zusammen ist, da baut sich einfach eine Bindung auf
und wenn die Kuh vertrauensvoll mir nach auf den Anhänger geht- dann fühle ich mich nicht toll, sondern als Verräterin.
Das richtige Maß zwischen notwendiger "Härte" und dem Gefühl, ist gar nicht so einfach.
Bin kein Feind von Füchsen, aber wir haben in der Nähe mehrere Fuchsbaue- wenn die Junge haben, dann räumen die alles zusammen, was sie nur zwischen die Zähne bekommen, da ist kein Huhn, kein Kaninchen mehr sicher.
Einen schönen Bullen hast du, da müssen ja wahre Prachtkälber dabei herauskommen.
Wünsche dir viel Glück für die Abkalbesaison 2015- man kann noch so dahinter sein mit den Tieren, es braucht immer auch das Quentchen Glück.
Manfred

Re: Manfreds kleiner Bauernhof

#448

Beitrag von Manfred »

Das kann ich gut nachvollziehen. Gerade beim Milchvieh, wo der Kontakt ja noch enger ist.
Und bei den Füchsen bin ich eigentlich für scharfe Bejagung. Ich sehe ja, was bei mir wegen der Füchse und anderem Raubwild alles nicht hoch kommt. Die Dauerpräsenz dieser Kulturfolger führt dazu, dass andere Arten verschwinden.
Nur: Es ist wie bei den Kühen. Wenn man sich kennt und sich jeden Tag sieht und sich an die Eigenarten des anderen gewöhnt, dann wird es schwieriger mit dem Erschießen. Die Jäger hier scheinen sich nur noch um das Schwarzwild zu kümmern. Für die Raubwildjagd und die Niederwildhege bleibt da keine Zeit mehr. Bzw. man lässt den Finger beim Fuchs gerade, weil ja noch ein Schwein kommen könnte.
Aber wenn die Schweine jetzt auch noch bei mir einziehen... Das Viehzeug scheint inzwischen zu denken, dass ich zum Inventar gehöre. :lol:
hobbygaertnerin
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Re: Manfreds kleiner Bauernhof

#449

Beitrag von hobbygaertnerin »

Hallo Manfred,
als die Füchse stärker bejagt wurden, gab es bei uns wenig Probleme mit denen- jetzt haben sie sich stark vermehrt und das gibt Probleme.
Es gibt 2 Arten von Tieren, die ich gnadenlos bejagen würde, Wildschweine und Krähen- aber diese Tiere sind so überaus schlau,
da wird uns noch Hören und Sehen mit denen vergehen.
Hoffentlich gibt's für Obelix noch ganz oft und ganz viele Wildschweinkeulen- diese Tiere werden der Landwirtschaft und den Jägern noch einiges an Kopfzerbrechen bereiten.
Wenn die Schweine bei dir einziehen- hoffentlich finden sie in deiner Weide keine Engerlinge- habe schon arg verwüstete Flächen gesehen.
Bei uns sind die Jäger schon versucht, die Wildschweine zu dezimieren, aber der Aufwand für das Bejagen steht in keinem Verhältnis zur Ausbeute.
Dein Prachtbulle gefällt mir, so ein toller Kerl.
Danke für das schöne Bild vom Osterhasen :engel: , jetzt kann ich meinem Enkel endlich ein Bild von ihm zeigen.
Ich weiß nicht, ob ich mit dem Gewehr auf ein Wildschwein schiessen könnte, ich weiß, dass ich ohne Probleme jede Krähe mit einem Gewehr erschie....... würde- was diese Biester uns schon an Schaden zugefügt haben :nudel:
Ich vergönne denen die Nüsse und was sie sich alles holen, aber wenn sie an die Silofolien gehen- dann ist Schluss mit lustig. :nudel:
Manche Schafhalter lassen ihre Schafe nur noch im Stall ablammen, die Krähen haken den neugeborenen Lämmern ohne Bedauern die Augen aus.
Manfred

Re: Manfreds kleiner Bauernhof

#450

Beitrag von Manfred »

Die gestrige Schweinegeschichte hat heute leider ihr Ende gefunden.
Als ich morgens zum Füttern an den Unterstand gefahren bin, war Schweinchen wieder da.
Natürlich hatte ich, da mit dem Traktor unterwegs, die Kamera wieder nicht dabei.
Also Rückzug. Kamera geholt, und dann vorsichtig angenähert.

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Leider oder auch zum Glück habe ich dann im Zoom gesehen, dass mit Schweinchens Kiefer etwas gar nicht passt.
Evtl. ein Verkehrsunfall oder ein unglücklicher Schuss.

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Ich dachte deshalb, das Schweinchen flüchtet nicht, weil es schwer verletzt im Wundbett liegt und nicht mehr kann.
Also wieder Rückzug und den Jäger angerufen, damit es erlöst. Er ist natürlich sofort gekommen, um das Leid zu beenden.
Bis ich wieder am Unterstand war, war der Jäger auch schon da und hatte dem Schweinchen bereits die Kugel angetragen.
Nach ein paar Minuten warten haben wir es dann aus dem Unterstand geholt und er hat es aufgebrochen.
Dabei hat sich herausgestellt, dass die Verletzung wohl schon älter und inzwischen "abgeheilt" war. Der Unterkiefer hing lose weg und der Knochen war freigelegt, die Wunde aber rundherum abgeheilt und auch keine Entzündung mehr vorhanden.
Aber richtig fressen konnte das Schein so natürlich nicht mehr. Evtl. war es deshalb geschwächt und würde von seiner Rotte abgeschlagen oder konnte ihr nicht mehr folgen.
Möglicherweise hatte es bei meinen Rindern Anschluss gesucht. Es lag jedenfalls, als ich Morgens angekommen bin, wie fotografiert vor dem Fressgitter, obwohl die Rinder im Unterstand waren und gefressen haben.

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Da der Jäger morgen in Urlaub fährt, hat er mir das Schweinchen geschenkt.
Es hängt jetzt zum Auskühlen in der Scheune.
Wenn morgen früh die Trichinen-Untersuchung OK ist, werden wir es zerlegen und verarbeiten.

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