Waldstilllegung führt zu Artenverlust

Rati
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Re: Waldstilllegung führt zu Artenverlust

#101

Beitrag von Rati »

Ich bin nicht emil, aber dazu wollte ich sowieso noch mal was schreiben :)
Andreas75 hat geschrieben:Zu Betriebszeiten Oasen, regelrechte Hot Spots der Artenvielfalt- dann wurden die allermeisten aufgegeben, und mehr und mehr werden das dichte, wegen der Altlasten ungenutzte Mischwälder. Noch sind auch die artenreich, aber schon viel ärmer als zu Nutzungszeiten, und ist der Wald erstmal älter, ist die Artenfülle auch vielleicht noch halb oder drittel so hoch wie in Nutzung.
Artenvielfalt, ist so ein menschlich geformtes Wort. Vielfalt, da denkt mensch wie immer hauptsächlich an Viel und möglichst viel ist am besten.
Das in Kulturlandschaften eine recht hohe Artendichte herrscht, ist logisch, dort wird ja auch durch menschliche optimierung ausreichend Nahrung /bzw Lebensqualität für viele auf wenig Raum erzeugt.
Nun hat das aber gar nichts mit ursprünglicher natürlich gewachsener Landschaft zu tun.
Und wenn in einem natürlich gewachsenem europäischen Urwald die Artendichte nicht so hoch ist wie in einer Kulturlandschaft, ist das kein Mangel, sondern natürlich.
Und genau um diese Art Biotope geht es.
Allerdings benötigen solche unbelassenen Gebiete Zeit um zu ihrer Urform zurück zu kehren und sie benötigen ausreichend Raum um wirklich unberührt gedeihen zu können.
Andreas75 hat geschrieben: lässt man die Finger weg, werden auf den meisten Standorten nur Brennnessel- und Brombeerfluren entstehen, die auch Monokulturen par excellence sind, wenn man so will...
auch die würden - wenn ihnen genügend Zeit gelassen wird weit mehr werden als Brennesselmonokulturen.
Kleine Nischen in unseren Gärten können wir alle schaffen, aber das ist keine unberührte Natur, dafür bedarf es großer zusammenhängender Gebiete.
Klar wird in denen erst mal einiges abgehen (Holzschädlinge, dominierende Spezies die vorher unterdrückt wurden, ect) aber das sind nur normale Auspendelungen die einfach dazu gehören um ein richtiges Gleichgewicht einzustellen.

Grüße Rati
Was ist ist! Was nicht ist ist möglich!"
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emil17
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Re: Waldstilllegung führt zu Artenverlust

#102

Beitrag von emil17 »

Ich vermute -vermute (!), dass die Buchenpflanzungen eine rationelle und mit dem Personalbestand machbare Methode ist, um aus Kiefern- und Fichtenforsten Laubwälder zu machen, die weniger anfällig gegen Krankheiten und Sturm sind. Ob die Buchen auf den ausgelaugten Böden langfristig gedeihen, sei dahingestellt. Ob es eine Naturschutzmassnahme ist, ist insofern unwichtig, weil Naturschutz und Forstwirtschaft keine Gegner sein müssen.
In der Schweiz hab ich Buche als Aufforstung noch nie gesehen, aus drei Gründen:
- Geringe Massenleistung und Nachfrage, ausreichendes Angebot
- Wir haben nicht diese riesigen monotonen Forstflächen
- Das Gebirge, das 2/3 der Landesfläche einnimmt, ist ein Hort des Artenreichtums, weil das Relief eine grossflächig-rationelle Bewirtschaftung, die zur Monotonie führt, verhindert.
Da wo die Buche passt, kann sie durch Naturverjüngung erhalten werden. Manchmal braucht es noch einen Wildschutzzaun.

Dass gleichartige Flächen ohne Bewirtschaftung artenarm werden, ist bekannt. Man strebt deshalb ein Mosaik verschiedener Nutzungstypen an, in forstwirtschaftlichen Ertragsflächen in einer Grösse, die noch rationell bewirtschaftbar ist. Biotopobjekte werden generell im Zusammenhang betrachtet, deshalb ist eine Hecke in der Agrarwüste wertvoller als da, wo es noch viele Kleingehölze gibt.
Manfred hat geschrieben:Das Roden von Feldgehölzen und Hecken ist sowieso verboten, bzw. nur mit Genehmigung der Naturschutzbehörden und unter Einhaltung der auferlegten Ausgleichsmaßnahmen (z.B. anlegen einer größeren Hecke an anderer Stelle) möglich.
Man ist dabei aber völlig der Willkür der unteren Naturschutzbehörde ausgeliefert. Stufen die den Gestrüpp als Hecke oder Feldgehölz ein, hast du alle Auflagen. Wird es dagegen als störende Verbuschung eingestuft auf Flächen, die die Behörde gerne frei halten will, dann kannst du für die Rodung sogar Zuschüsse erhalten. Beide Arten von Einstufungen liegen oft nur 1 m auseinander.
Ebenso ist es im Vertragsnaturschutz. Ob auf einer Fläche z.B. die Mahd oder eine Beweidung gefördert wird, hängt völlig davon ab, welcher Mode im Naturschutz der zuständige Beamte gerade anhängt.
Auch ob überhaupt eine Förderung möglich ist, hängt oft mehr von persönlicher Sympathie (bist du Mitglied im selben Naturschutzverband wie der Beamte?) und den persönlichen Gestaltungswünschen des Sachbearbeiters als von sachlichen Gründen ab.
Diese Willkür ist es unter anderem, die die Sache in der Praxis extrem problematisch macht.
Lösen kann man dieses Dilemma eigentlich nur, indem man den Landwirten diese Gestaltung wieder selbst überträgt. Man könnte z.B. sagen: Du hast auf deinen 10 ha Biotopflächen von 2 ha. Dieser Flächenanteil muss erhalten bleiben. Aber wo auf den Flächen der liegt und welche Art von Biotopen, das bleibt dir überlassen. Dann könnte der Landwirt eine Hecke verlegen oder statt einer Hecke einen Froschteich anlegen oder einen Anteil Altgrasstreifen für Vögel und Käfer stehen lassen, oder Streuobstbäume pflanzen und er könnte entscheiden oder er eine Fläche beweidet oder ob der eine Magerwiese durch Mahd entstehen lässt etc.
Niemand kann sachlich belegen, ob und warum eines dieser Biotope höherwertig ist und ob es 20 m weiter rechts oder links auf der Fläche höherwertiger ist oder wäre. Diese Art Willkür muss ein Ende finden.
Da redest du wie der Papst vom Kinderkriegen. Weil dich die Kriterien von denen nicht interessieren oder du sie nicht verstehst, heisst es noch lange nicht, dass es Willkür sei. Das
ob überhaupt eine Förderung möglich ist, hängt oft mehr von persönlicher Sympathie (bist du Mitglied im selben Naturschutzverband wie der Beamte?) und den persönlichen Gestaltungswünschen des Sachbearbeiters als von sachlichen Gründen ab
ist ohne konkrete Beweise ein Pauschalrundschlag, der sich am Kneipenstammtisch gut macht. Mit Beweisen wäre es ein Entlassungsgrund für den Beamten.

Manche Biotope sind standortsgebunden.
Du kannst vielleicht einen Kartoffelacker durch einen Getreideacker ersetzen, eine Hecke durch einen Tümpel zu ersetzen ist dann doch etwas anderes. Du kannst aber auch versuchen, die von Dir angestrebte Anordung von Naturschutzobjekten auf deinem Land - über die du nicht frei bestimmen kannst, weil das Gesetz die Eigentumsfreiheit auf Grundstücken einschränkt - mit der Behörde auszuhandeln.
Ich sehe nicht ein, warum eine betriebswirtschaftlich störende Hecke mit einfach zu pflanzenden Arten nicht auch anderswo sein könnte. Erst fragen, dann machen. Wer nett fragt, kriegt auch nette Antworten.

Meine Erfahrung mit meinen Rodungen: Ich ruf den Förster an, er kennt die Fläche, sagt "kein Problem, aber der Abraum darf nicht auf dem Feld verbrannt werden" und das wars dann. Dass das Ganze in der laublosen Zeit stattfindet, hat nicht nur den Grund, dass man die Vögel sonst beim Brüten stören könnte: Ich hab im Sommer anderes zu tun.

Wenn es sich um Vertragsnaturschutz handelt, herrscht Vertragsfreiheit. Ich finde es normal, dass der, der für eine bestimmte Nutzung oder Nicht-Nutzung zahlt, mitzureden hat, wofür er bezahlt, und kontrolliert, dass das befolgt wird, was im Vertrag steht. Warum soll der Naturschutz das nicht dürfen?
Wenn ein Biotop unter Vertrag genommen wird, dessen Schutz gesetzlich durchsetzbar wäre, tut das "der Naturschutz" in der Regel aus zwei Gründen: Ein Bewirtschaftungszwang durch einen Menschen, der nicht will, ist nicht zielführend, und ein ertragloser Aufwand ist zu entschädigen. Mir kommt grad kein anderes Beispiel in den Sinn, wo man Geld bekommt für etwas, was man von Gesetzes wegen müsste oder nicht dürfte.

Zur Artenvielfalt: es braucht unberührte Flächen und es braucht Flächen, die wegen der Bewirtschaftung artenreicher sind als sie sonst wären. Für das Zweite braucht es die Mitarbeit der Landwirte, mit Zuckerbrot (Entschädigung oder Zulagen) und Peitsche (Verbote bzw. Auflagen). Die beiden Arten von Naturschutzflächen sind grundverschieden. Wenn du einen Fussballplatz willst, heisst es auch nicht, es hat doch schon eine Skipiste und beides ist Sport.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Manfred

Re: Waldstilllegung führt zu Artenverlust

#103

Beitrag von Manfred »

emil17 hat geschrieben:Da redest du wie der Papst vom Kinderkriegen. Weil dich die Kriterien von denen nicht interessieren oder du sie nicht verstehst, heisst es noch lange nicht, dass es Willkür sei.
Wenn es sachliche Beurteilungskriterien für die Wertigkeit und den Vergleich von Biotopen gäbe, bräuchte man diese Katalog nur zu veröffentlichen, und hätte eine gemeinsame, wissenschaftliche Arbeitsbasis.
Zeig mir diesen Katalog doch bitte, nach dem die unteren Naturschutzbehörden ihre Beurteilungen vornehmen.
es braucht ... es braucht Flächen
Immer die gleichen Behauptungen. Keine Argumente.
Das ist Religion, keine Wissenschaft.
Benutzer 72 gelöscht

Re: Waldstilllegung führt zu Artenverlust

#104

Beitrag von Benutzer 72 gelöscht »

Wieviel und was lernen Landwirte im Rahmen ihrer Ausbildung über Naturschutz? und wenn ja: seit wann ist das so?
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65375
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Re: Waldstilllegung führt zu Artenverlust

#105

Beitrag von 65375 »

Lysistrata hat geschrieben:Klare Sternennacht in der Wüste, ein heißer Pfefferminztee und Joghurt mit Fladenbrot. Die Welt ist so groß und schön, und wenns nach mir ginge, würde ich jedem jungen Menschen einen Batzen Geld in die Hand drücken, damit er reisen kann und sehen kann was er will.
Sternenhimmel im Hunsrück, einfach auf einer Wiese schlafen, ohne Angst vor Skorpionen, am nächsten Tag im Bach plantschen, ohne Angst vor Krokodilen, das gibt mir mehr als jede Reise ins Exotische.

Und was die jungen Leute angeht, mir ist bisher nur eine einzige junge Frau begegnet, die wirklich mit Neugier und Interesse die Welt bereist hat....und sich das selbstverständlich über arbeiten vor Ort selbst finanziert hat.

Sorry, daß ich so verspätet reagiere, daß es inzwischen OT ist!
Manfred

Re: Waldstilllegung führt zu Artenverlust

#106

Beitrag von Manfred »

ina maka hat geschrieben:Wieviel und was lernen Landwirte im Rahmen ihrer Ausbildung über Naturschutz? und wenn ja: seit wann ist das so?
Falls die Frage an mich ging: Ich habe keine Ahnung. Bin kein Landwirt mit formaler Ausbildung. Ich bin Bauer.
Ich lerne seit 39 Jahren. Und ich wüsste nicht, wie ich das Gelernte quantifizieren soll. Je nach Sichtweise sehr wenig oder sehr viel oder irgendwas dazwischen. Ich lerne jedenfalls jeden Tag dazu und die letzten 2 Jahre ist das Wissen wieder um einige sehr wichtige Zusammenhänge gewachsen.
Je mehr ich lerne, desto optimistischer werde ich, da wir inzwischen wirklich die wesentlichen Bausteine für ein über Nachhaltigkeit hinausgehendes Leben auf dieser Erde in Händen halten. Desto größer wird aber gleichzeitig die Enttäuschung über die unfassbare Trägheit und Rückständigkeit unserer Ausbildungssysteme. Diese ist natürlich begreiflich, da menschlich, ebenso wie die Unfähigkeit der Politik zur Gestaltung, aber wenn man die Chancen sieht, tut es schon weh dem sturen Marsch in Richtung Abgrund weiter zusehen zu müssen.
Auf der anderen Seite gibt es sehr viele positive Entwicklungen und Ansätze. Hoffentlich gelingt es, den dicken Dampfer rechtzeitig zu wenden.
;)
Benutzer 72 gelöscht

Re: Waldstilllegung führt zu Artenverlust

#107

Beitrag von Benutzer 72 gelöscht »

Manfred hat geschrieben:Falls die Frage an mich ging: ....
Ja, die Frage ging an dich ;)
danke für die Amtwort!
Ich habe weniger Zweifel, dass du permanent dazulernst und dich auch für den Umweltschutz einsetzen willst (nicht "konfessionell" jetzt natürlich ;) ).

nur....

so generell.....
Manfred hat geschrieben:Leider sind "Naturschützer" da nicht besser als Politiker.
sind Bauern (oder Landwirte, oder Förster oder Jäger) da per se besser?
so ganz pauschal??
Manfred hat geschrieben:Das ist leider das Problem mit vielen "Naturschützern". Der völlig fehlende Praxisbezug.
Praxisbezug - hm...
welcher Praxisbezug?
Das Wissen um die Bedürfnisse bestimmter Wildtier- und -pflanzenarten oder das Wissen um die Not(wendigkeiten) der Landwirtschaft??

Ich (und du sicherlich auch!) - ich weiß schon, dass das zusammenhängt, aber wissen das alle Bauern?

und interessiert es auch alle??

von dem her finde ich es schon wichtig, dass es auch "hauptberufliche Naturschützer" gibt.
Dass die vielleicht auch noch einiges dazulernen müssen und dass Entscheidungen gemeinsam getroffen werden sollten, das ist sowieso mein Ideal...

möge es eines Tages Realität werden! :)
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Re: Waldstilllegung führt zu Artenverlust

#108

Beitrag von unkrautaufesserin »

Manfred hat geschrieben:@Unkrautfresserin: In den Gärtenhecken stehen fast nur Hainbuchen. Die gehören zu den Birkengewächsen. Mit richtigen Buchen haben die außer der Optik wenig zu tun.
Blutbuche ist gerade tres chic...
Hat mit Hainbuche nicht mal die Optik gemein :sauenr_1:
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Nordhang
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Re: Waldstilllegung führt zu Artenverlust

#109

Beitrag von Nordhang »

Im Wald wird überwiegend die Rotbuche (Fagus sylvatica) gepflanzt.
Hainbuche ist zwar ordentliches Brennholz, Bauholz liefern sie aber nicht.
Die (Gemeine) Hainbuche (Carpinus betulus) wird besonders gerne in Süddeutschland als Hecke verwendet. Im Norden wird die Rotbuche bevorzugt.
Rati
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Re: Waldstilllegung führt zu Artenverlust

#110

Beitrag von Rati »

Manfred hat geschrieben:...
Immer die gleichen Behauptungen. Keine Argumente.
Das ist Religion, keine Wissenschaft.
es wird sich kein brauchbares Argument für dich finden lassen Manfred. :aeh:
Solche Gebiete haben keinerlei Nutzen für den Menschen. Weder wirtschaftlich, noch umweltretterisch, noch wissenschaftlich.
Es geht einfach nur um Respekt gegenüber dem Leben und die Erkenntniss, das im Zeitalter des Anthropozäns der Hauptakteur die Möglichkeit hat anderen Lebensformen Platz einzuräumen um weitmöglichst ohne seinen Einfluss ihrer eigenen Evolution folgen zu können.

Ich weis, für solch einen "religiösen" Schmarrn hat so ein bodenständiger Bauer wie du kein Verständniss.
Ist für mich persönlich kein Problem. :)

Grüße Rati
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