Tomaten ausgeizen?

Adjua
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Re: Tomaten ausgeizen?

#31

Beitrag von Adjua »

65375 hat geschrieben:Tomatenfrüchte brauchen Wärme, nicht unbedingt Sonne. Früher hat man die nicht ganz ausgereiften im kühlen Keller gelagert und bei Bedarf in Ofennähe nachreifen lassen.
Ein Argument gegen das Ausgeizen, oder?

Für mich bleibt bei allen Argumenten für das Ausgeizen nur die bessere Belüftung übrig, zur Verhinderung von Braunfäule. Dem steht entgegen, daß die Verletzungen der Pflanze, die beim Ausgeizen entstehen, den Braunfäulebefall ebenfalls fördern können (laut Stekovic).

Nicht ausgeizen und Pflanzen am Boden liegenlassen, wie Stekovic das macht, geht hingegen wohl nur in trockenen Gegenden und vielleicht auch am Feld draußen, bei mir fressen sonst die Schnecken die Früchte (gilt auch für Kürbisse). Am Feld deshalb, weil das bisher erstaunlich schneckenfrei ist.

Nicht ausgegeizte oder mehrtriebig gezogene Pflanzen brauchen mehr Platz, bringen aber auch mehr Ertrag (laut Versuchsanbau Arche Noah). Der Biogärtner bei uns vor Ort geizt heuer auch nicht aus, muss ihn mal fragen, wie das im Gewächshaus ging.

Heute war ich am oberen Rand meines Feldes und habe die erste Tomate mit Rotstich gesichtet - die Pflanze ist nicht mal ein Drittel so groß wie eine Pflanze von der gleichen Sorte, die im Garten vor einer Steinmauer steht - die im Garten sind trotzdem später dran (beide nicht ausgegeizt). Es könnte sein, dass die Methode ohne Ausgeizen am besten funktioniert, wenn man die Pflanzen nicht düngt und nicht gießt - so wie Stekovic es empfiehlt - weil sie dann einfach vom Wuchs her nicht so sehr ins Kraut schießen.
Sirius

Re: Tomaten ausgeizen?

#32

Beitrag von Sirius »

Letztes Jahr war mein erstes Gartenjahr "allein", da mein Vater gestorben ist und ich somit keinen Gärtner hatte, den ich fragen konnte.

Also hatte ich drei Tomaten (damals noch die Setzlinge gekauft) und nicht ausgegeizt, wusste nicht mal, dass man das macht.

Obwohl ich die Tomaten viel zu spät (Mitte Juli!!!!! - ich hatte wirklich null plan...) gesetzt hatte mit einer Größe von 50 cm, war mein Ertrag so hoch, dass ich ca. 20 % an meine Hühner verfüttert hab :)

Dieses Jahr hatte ich 6 Setzlinge Mitte Mai gesetzt und 20 eigene Setzlinge, wovon ich allerdings nur die 8 Stärksten behalten habe und den Rest auf den Misthaufen geschmissen hab.

In meinem schlauen Gartenbuch steht auch, dass man Tomaten (teilweise) ausgeizen soll, da ich allerdings letztes Jahr das nicht gemacht habe, habe ich das dieses Jahr auch nicht gemacht und bei mir hängt alles voll.

Egal welche Sorte, ich hab die Mini-Tomaten, dann normale runde, rote, dann gelbe und dann noch die ovalen...

Meine Tomaten wurden kurz nach den Eisheiligen rausgesetzt, ohne Dach. Keine Fäulnis, nichts. Alle Blätter sind grün - ich weiß nicht, warum das bei mir so ist, ich jedenfalls geize nicht aus.

Gedüngt wurden sie am Anfang einmal/Woche mit Brennesseljauche, und jetzt nach häufigem Regen auch nochmal - mehr mache ich nicht. Ich gieße abends und/oder morgens, wobei da 1/3 der Pflanze von unten auch nass wird, da ich mit dem Schlauch gieße.
hobbygaertnerin
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Re: Tomaten ausgeizen?

#33

Beitrag von hobbygaertnerin »

Vor ein paar Jahren habe ich eine gekaufte, veredelte Pflanze nicht ausgegeizt- 31 oder 32 Fruchtstände hat sie entwickelt, alles, was nach dem 30 August kam, habe ich weggeschnitten.
So eine Pflanze braucht dann schon einiges an Fläche und noch mehr an Dünger, zumindest hat sie ganz schön was vertragen können.
Wer kennt das Besprühen mit verdünnter Löschkalkbrühe, soll angeblich gegen Kraut- oder Braunfäule helfen, vermutlich auch gegen diese Blütenfäule?

Einen Fisch ins Pflanzloch, Federn aus alten Federbetten in der Erde vergraben?
Rote Folie unter die Tomaten legen, damit die Pflanzen viele rote Früchte liefern?
http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=r ... 9pETRzB5vA
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65375
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Re: Tomaten ausgeizen?

#34

Beitrag von 65375 »

Daß der Mensch, der sich das mit den bunten Folien ausgedacht haben soll, Kasperbauer heißt und der Artikel im April 1999 veröffentlicht wurde und man außerdem seither keine bunten Folien auf Feldern gesehen hat und vermutlich auch nichts mehr davon gehört hat, möchte ich aber nicht unerwähnt lassen.
Adjua
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Re: Tomaten ausgeizen?

#35

Beitrag von Adjua »

Sirius, wieviel Niederschlag hast Du an deinem Standort?

Hobbygärtnerin, ich habe letztes Jahr Gesteinsmehl gestreut, als die Braunfäule kam. Das hat geholfen. Dann habe ich aufgehört, sie auszugeizen und es wurde kühler. Allerdings habe ich noch die befallenen Blätter entfernt. Wir hatten einen schönen Herbst, die Tomaten waren bis Oktober ein Bild der Gesundheit.

Heuer hatten die Tomaten als Jungpflanzen aufgrund des extrem feuchten und kälteren Wetters schon Braunfäule, da hab ich gar nichts gemacht. mittlerweile sind sie alle gesund.
Sirius

Re: Tomaten ausgeizen?

#36

Beitrag von Sirius »

Es regnet seit 4 Tagen fast ununterbrochen, aber ab morgen/übermorgen soll es wieder schöner werden... Wir hatten auch Hochwasser, bis 3 m vorm Stall.
Adjua
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Re: Tomaten ausgeizen?

#37

Beitrag von Adjua »

Sirius hat geschrieben:Es regnet seit 4 Tagen fast ununterbrochen, aber ab morgen/übermorgen soll es wieder schöner werden... Wir hatten auch Hochwasser, bis 3 m vorm Stall.
Ich hab gemeint, im Jahr, normalerweise. Wir sind da bei 1500 bis 2000 mm pro Jahr.

Heuer war es sowieso extrem. Wir waren eines der Zentren der Niederschläge mit 400mm in wenigen Tagen, die das Hochwasser erst verursacht haben - die Berge haben gottseidank (für die tieferliegenden) einiges ausgesaugt und In Form von Schnee vor dem sofortigen Abfluss bewahrt.

Ich frage deswegen, weil beim Tomatenspezialisten Stekovic gibt's nicht mal ein Drittel unserer Niederschläge (der ist in der Gegend von Kraut_rübe). Da gibt's dann sowieso weniger Braunfäulebefall.
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Das ist die erwähnte erste Tomate - aus einer Pflanze in Bonsai-Größe oben am Feld
Das ist die erwähnte erste Tomate - aus einer Pflanze in Bonsai-Größe oben am Feld
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Big Joe
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Re: Tomaten ausgeizen?

#38

Beitrag von Big Joe »

Meine Tomaten werden je nach Sorte und Wuchskraft ausgegeizt. Auch kommt es auf das jeweilige Jahr an, ob trocken oder eher nass.
Die meisten Pflanzen ziehe ich 2-3 Triebig.
Habe letztes Jahr einen Versuch bei Wildtomaten gemacht, eine Pflanze ausgegeizt, eine so gelassen wie sie ist. Die ausgegeizte hatte etwas größere Früchte, die andere, die sich auf dem Boden min.1 m2 breit machte, hatte unzählige kleinere aber sehr schmackhafte Früchte dran.

Fazit, die gegeizten Tomaten, hochgebunden im großen Pflanzkübel sind besser zu ernten, da man leichter an sie rankommt. Die anderen sind dafür unkompliziert in der Erhaltung, man braucht sich nicht viel darum zu kümmern, muss sich aber beim ernten mehr bücken. Geschmacklich kaum unterschiede.
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Steppenwolf
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Re: Tomaten ausgeizen?

#39

Beitrag von Steppenwolf »

Ich baue in meinem Folienhaus indeterminierte Tomaten eintriebig und aufgeleitet. Da habe ich den Platz auch in der Höhe gut genützt und viel Ertrag mit schönen Früchten. Im Freiland nehme ich determinierte Sorten und lasse sie mit Stroh am Boden liegen . Diese Sorten setzen bald viele Früchte an, hören aber dann zu wachsen auf, die indeterminierten würden bei mir so zu einem Dschungel werden.
Adjua
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Re: Tomaten ausgeizen?

#40

Beitrag von Adjua »

Steppenwolf hat geschrieben:Ich baue in meinem Folienhaus indeterminierte Tomaten eintriebig und aufgeleitet. Da habe ich den Platz auch in der Höhe gut genützt und viel Ertrag mit schönen Früchten. Im Freiland nehme ich determinierte Sorten und lasse sie mit Stroh am Boden liegen . Diese Sorten setzen bald viele Früchte an, hören aber dann zu wachsen auf, die indeterminierten würden bei mir so zu einem Dschungel werden.
Kommt aber auch darauf an, wieviel man düngt. Ich habe in zwei aufeinanderfolgenden Jahren an denselben Stellen Tomaten angebaut, einmal mit Urin, Holzasche und viel Kompost plus Giessen mehrtriebig gezogen, im zweiten Jahr ohne Dünger und ohne Ausgeizen und sehr trocken. Variante Nummer eins führte zu regelrechten Bäumen, sowohl bei den determinierten als auch bei den nicht determinierten, Variante zwei brachte dünne, am Boden kriechende Pflanzen.

Wollte nur noch berichten, die Versuche mit Tomaten im Freiland draussen am freien Feld waren letztes Jahr letztlich nicht so gut. Die Sorte, die ich diesmal vorwiegend hatte, blieb am freien Feld zwar klein, erwischte trotz windoffener Lage trotzdem die Braunfäule. Das ist im ersten Jahr mit anderen Sorten nicht passiert. Heuer gibt es noch einmal ein Experiment mit Sorten, die sich bei mir im Freiland schon bewährt haben.

Was hingegen gut funktioniert hat, waren die Tomaten im Kübel vor dem Haus, wo sie von Dauerregen nicht erwischt werden. Die wuchsen ohne Ausgeizen zu regelrechten Gestrüppkonstruktionen heran, trugen reich und hatten so gut wie keine Braunfäule. Gedüngt wurden sie nur mit Schafwolle, gegossen erst, wenn die Blätter hingen. Aufgesteckt habe ich sie nur soweit, dass sie nicht brechen.
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