Ich bin österreichischer Staatsbürger, habe meinen Hauptwohnsitz in Österreich und meine Kinder vom Schulbesuch in Österreich zum Heimunterricht abgemeldet. Ich bin Mitglied bei den Freilernern Österreichs usw. (Wenn Du mir das nicht glaubst, schicke ich Dir gerne per e-mail das letzte Externistenzeugnis einer meiner Kinder zu.) Ich stehe im Kontakt mit vielen Freilernern und Homeschoolern der ganzen Welt, auch in Deutschland und habe sogut wie jedes deutschsprachige Buch zu diesem Thema gelesen. Mir ist dieses Thema sehr wichtig, weil es ein Menschenrecht darstellt selbst entscheiden zu können, Freiheit zu leben. Ich habe sicherlich auch besseres zu tun, als mich hier mit Dir zu streiten, oder mich immer wieder zu wiederholen, darum werde ich diese Diskussion jetzt auch nicht mehr weiter führen und hiermit beenden.
Der Gesetzestext, den ich selbst postete sagt nichts anderes aus, als das, dass das Kind am Ende eines Schuljahres den Schuljahresstoff können muß. Mehr nicht. Ich kenne (hausunterrichtende) Eltern, die z.B. in den höheren Jahrgangsstufen Probleme z.B. in Englisch oder Französisch haben und dies dann z.B. die Oma oder eine Tante oder sonst jemand übernimmt. Es ist nicht entscheidend, welchen Bildungsstandard die Eltern haben, und es stimmt einfach nicht, was Angela behauptet, dass auch nur irgend etwas geprüft wird (es sei denn ein bestimmter Verdacht liegt nahe). Ein Brief an den Bezirkschulinspektor könnte so aussehen:
Sehr geehrter Herr Soundso,
hiermit bitte ich Sie, meine Tochter für das kommende Schuljahr vom Schulbesuch für den Hausunterricht abzumelden. Es ist uns sehr wichtig, dass sie in ihrem eigenen Tempo in ihrer gewohnten Umgebung lernt usw. Wir sind sehr bemüht sie bestmöglich zu fördern.
Natürlich wird sie auch weiterhin im Sportverein/Musikschule tätig sein, ihre sozialen Kontakte sind durch das Umfeld gesichtert.
Mit freundlichen Grüßen,
Es reicht so einen Brief zu schicken und weder die Bildung der Eltern, schon gar nicht die finanziellen Rahmenbedingungen, oder sonstwas wird geprüft. Es gibt in Öserreich keine Vorraussetzungen, bis auf die, das Beste für sein Kind zu wollen und am Ende eine Externistenprüfung zu bestehen. Wie das geschieht prüft niemand, nur das Ergebnis (die Externistenprüfung) wird bewertet.
Nochmal: was Du und Angela behaupten ist falsch.
"Schulpflicht" heißt, dass jedes Kind zur Schule gehen muß, dass es keinen Rahmen, keine Möglichkeit für "Heimschulrecht" gibt (wie in Deutschland oder Schweden). Das Eine ist mit dem Anderen nicht vereinbar. Hier unterliegst Du einem Irrtum, sei er auch nur sprachlich. In Österreich gibt es keine Schulpflicht, sondern "nur" eine "Unterrichtspflicht", wie eben in vielen anderen Ländern der Welt auch.Tanja hat geschrieben: Ich bin nicht dagegen, dass in Deutschland das Heimschulrecht eingeführt wird. Eine sinnvoll formulierte Petition dafür würde ich sofort unterschreiben. Keinesfalls aber eine, in es nicht um Homeschooling im Rahmen der Schulpflicht als gleichwertige Alternative zu anderen Schulformen geht, sonderm um die Abschaffung derselben.
Wer Homeschooling einführen möchte, um im selben Zuge die Schulpflicht abschaffen, und das möchtest Du ja wohl, der allerdings plant zum Nachteil vieler Kinder eine vermeintliche Verbesserung für wenige. Davor, dass dies die Folge wäre, verschließt Du die Augen.
Wikipedia:
In Schweden besteht regelmäßig Schulpflicht, Ausnahmen sind laut Gesetz möglich, werden aber nur sehr restriktiv erteilt.
In der Schweiz (bis auf 2 Kantone), Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Australien und den USA besteht anstatt der Schulpflicht eine Bildungspflicht oder Unterrichtspflicht, die statt durch Schulbesuch auch durch Hausunterricht oder Unschooling (selbständiges Lernen) erfüllt werden kann.
In Frankreich wurde am 28. März 1882 mit dem „loi Ferry“ (benannt nach Jules Ferry) eine Unterrichtspflicht ("obligation scolaire") für Kinder zwischen 6 und 13 eingeführt. Am 13. August 1936 wurde in Frankreich per Gesetz diese Pflicht um ein Jahr verlängert. Mittels Ordonnance du 6 janvier 1959 (Erlass vom 6. Januar 1959) wurde sie von Charles de Gaulle um weitere zwei Jahre verlängert. Der Erlass drohte die Kürzung von Familienbeihilfen an, falls diese Pflicht ignoriert werde. Die Verlängerung wurde inspiriert vom Plan Langevin-Wallon (Juni 1947) und vom Kongress der FEN im Jahr 1958.
Nicht ich überlese, sondern Du überliest und verwendest Begriffe falsch, bzw. deutest Gesetze unwissentlich um. In einem Land mit Schulpflicht kann es keinen Heimunterricht geben. Laut Gesetzt ist das so. Darum muß die Schulpflicht in Deutschland fallen.
Natürlich sind Kinder immer der Willkühr ihrer Eltern ausgesetzt. In manchen Fällen ist das tragisch und da sehe ich auch den Staat in seiner Pflicht. Doch ich gehe davon aus, dass die meißten Eltern nur das Beste für ihr Kind wollen, dass sich da kein Staat einmischen muß.Tanja hat geschrieben: Es geht doch darum, was sie gewährleistet, nämlich dass Kinder nicht der Willkür ihrer Eltern ausgesetzt sind, was ihre Bildungschancen angeht.
Ich behaupte nicht, dass nicht Du zum Beispiel oder andere Eltern ihren Kindern nicht das Wissen vermitteln könnten, das in der Schule gelehrt wird. Ich weiß aber, dass die Eltern vieler Kinder dies zwar nicht leisten könnten, dass es unter eben diesen aber etliche gibt, die ihr Kind trotzdem nicht freiwillig zur Schule schicken würden, so dass ohne es gleichwertigen Unterricht zur Schulausbildung auf der Strecke bliebe. Und diese Kinder sind es, für die Schulpflicht gewährleistet, dass sie Zugang zu Bildung erhalten. Wenn die Schulpflicht also angeschafft würde, dann wäre das Bildunbgsaus für diese Kinder die Folge. Zu wessen Vorteil?
Überall auf der Welt (mit Ausnahme weniger Länder, wie Deutschland) gibt es keine Schulpflicht und trotzdem ist in Deutschland vieles schlechter, auf keinen Fall ideal. Ich wiederhole mich jedoch schon wieder. Nach Deiner Aussage würden in Österreich, in England oder Finnland, Frankreich oder der Schweiz viele Kinder keinen Zugang mehr zur Bildung haben, weil es dort eine wachsende Freilerner/Homeschooler Bewegung gibt. Das Thema ist jedoch viel komplexer und hängt sicherlich nicht an der Schulpflicht, und auch nicht an dem Wunsch nach Bildungsfreiheit.
Darum muß ein Elternteil nicht alles wissen, was das Kind lernen möchte. Entweder man lernt dies oder jenes dann eben gemeinsam, oder man sucht jemanden, der dem Kind auf diesem Stand weiterhelfen kann. Wo ist das Problem?
Meine Kinder können eine ganze Menge, was ich nicht kann. Sie sind mir in manchem überlegen. Ich habe Kinder, die haben eine fehlerfreie Rechtschreibung (weil es ihren Anlagen entspricht), obwohl ich die noch nie hatte. Haben sie durchs Lesen, nicht durch mich. Freilernen heißt ein Leben lang lernen. Auch ich lerne von meinen Kindern. Meine Kinder von vielen anderen, nicht nur von mir. Aber wenn ich musikalisch bin und fünf Instrumente spiele, heißt das noch lange nicht, dass meine Kinder das auch alle sind, auch wenn ich die Fähigkeit hätte, es ihnen beizubringen. Jeder Mensch hat seine ganz individuellen Anlagen, die z.B. Glück nicht nur an den Eltern hängen.Tanja hat geschrieben: Alles vielleicht nicht, aber die Grundlegendes auf jeden Fall. Das Problem ist, dass das den Willen der Eltern und auch die Fähigkeit dazu voraussetzt. Beides ist nicht immer vorhanden. Schlecht ist, wenn zwar der Wille da ist, aber nicht die Fähigkeit. Es fängt beispielsweise schon damit an, dass die wenigsten Erwachsenen tatsächlich fehlerfrei schreiben können, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein. Wer als Erwachsener Schreibfehler nicht erkennen kann, kein Sprachtalent hat, aber möglicher Weise vom Gegenteil überzeugt ist, der soll dann in der Lage dazu sein, mit seinem Kind zusammen Rechtschreibung und Grammatik zu lernen, ohne es dabei auszubremsen und ohne dass es dadurch gegenüber Kindern, die bei einem ausgebildeten Deutschlehrer lernen, zu benachteiligen? Nur ein Beispiel von etlichen, die Deine These schon straucheln lässt...
Tanja hat geschrieben: Du gehst wahrscheinlich davon aus, dass solche Eltern ihre Kindes immer von sich aus zur Schule schicken würden? Dass nur besonders interessierte und geeigneten Eltern sich für einen Heimunterricht enscheiden würden, wenn sie die freie Wahl hätten? Dann schau Dich mal in Ländern um, an denen tatsächlich keine Schulpflicht besteht...
Genau das tue ich. In Österreich sehr intensiv, aber auch in vielen anderen europäischen Ländern, in den USA, Kanada, Australen, ... Ja es ist so, nur besonders interessierte Eltern entscheiden sich für Heimunterricht oder Freilernen.
Oder spielst Du jetzt auf Dritte-Welt-Länder an, auf Kinderarbeit und dergleichen? Dort mag die Kultur, die Armut, die Umstände vieles anders entwickeln lassen. Dort ist vieles so anders, als hier in Europa, dass es uns beiden wohl nicht ansteht Vergleiche aufzustellen.
Ich hatte bisher nicht behauptet, dass es mir nicht (für Deutschland) reichen würde. Ich schrieb nur, dass es z.B. in Österreich, Frankreich, England, anders ist, es dort eben keine Voraussetzungen gibt.Tanja hat geschrieben: Wieso würde es Dir denn nicht reichen, wenn Kinder von Eltern unterrichtet werden dürften, die dies nicht nur aus welchem Grund auch immer möchten, sondern die dafür auch die entsprechenden Voraussetzungen belegen können?
Soetwas wie ein "Freilerner"- oder "Homeschooler"- Führerschein für Eltern? Eine interessante Möglichkeit, mir würde sie reichen, besser als gar nichts. Ich kann mir vorstellen, dass viele andere Freilerner das anders sehen. Dass sie den europäischen Standart gewohnt sind (weil sie z.B. ihren Wohnsitz von Deutschland nach Frankreich verlegt haben). Aber es wäre schon ein großer Schritt.
Das stimmt eben nicht. Hier verwässerst Du bestehende Begriffe. Willkühr gibt es in Gesetzen keine. Ich kenne Schweden, aber auch Deutsche, die einen aufreibenden Rechtsstreit bezüglich der bestehenden Schulpflicht führen.Tanja hat geschrieben:Auch in den Ländern, die Du so gerne beispielhaft anführst, besteht eine Schulpflicht. Du unterscheidest nur willkürlich zwischen Schulpflicht und Unterrichtspflicht. Zu "schulen" bedeutet nichts anderes als zu "unterrichten". Das Wort "Homeschooling" ist in diesem Kontext auch selbsterklärend...Schulpflicht heißt auch, dass kein Heimunterricht und schon gar kein Freilernen möglich ist.
Schulpflicht heißt, dass jedes Kind ab einem bestimmten Alter eine bestimmte Zeit an Jahren zur Schule gehen muß. Ohne Ausnahme.
Unterrichtspflicht (oder Bildungspflicht) heißt, dass die Kinder unterrichtet (gebildet) werden müssen. Wie und von wem, ob in der Schule oder außerhalb ist nicht entscheidend.
Homeschooling hat sich aus dieser Unterrichtspflicht entwickelt. Dort gehen die Kinder nicht zur Schule, lernen aber den Schulstoff zu Hause in ähnlicher Weise, wie in der Schule.
Unschooling und der deutsche Begriff "Freilerner" entwickelt sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend als Gegenpool zum Homeschooling. Dort wird eben nicht mehr täglich auf dem Esstisch gelernt, sondern Lernen als Prozess des ganzen Lebens angesehen.
Homeschooling und Freilernen wird also auch unterschieden.
Den ersten Satz pflichte ich bei, Deiner Schlussfolgerung nicht. Vielleicht bedarf es dazu einer Bildungspflicht, auf keinen Fall sollten immer alle zu etwas gezwungen werden, nur weil wenige es mißbrauchen könnten.Tanja hat geschrieben: Aber, in welcher Form auch immer Kinder am besten lernen: Keinem Kind darf aufgrund der Willkür, dem Desinteresse oder dem Unvermögen der eigenen Eltern Zugang zu Bildung verwehrt werden. Also bedarf es der Schulpflicht!
Es ist für viele Deutsche sehr schwer sich vorzustellen, dass sich eigentlich gar nicht viel ändern würde, würde statt der Schulpflicht eine Unterrichts- oder Bildugspflicht herrschen. Viele Streiter der Bildungsfreiheit sehen aber hierin auch großen Chancen für die Schulen, wenn diese durch den Bildungsapparat nicht mehr so eingeengt wären. Hier empfehle ich wieder Gerald Hüther, ein deutscher Gehirnforscher, der viele gute Ideen hat.
https://www.youtube.com/watch?v=SEa21m5IAKY
Ein wirklich guter Vortrag, der auch die Aufbruchstimmung in den Freien Schulen zeigt.
In Österreich gibt es keine Schulfplicht. Deine Gedankenkette ist wieder verquer. Natürlich wäre es schon wunderbar für die Deutschen, wenn es in Deutschland nur eine Unterrichtspflicht gäbe. Nichts würde dagegen sprechen, sehr viel dafür. Genau dafür steht die Pedition!Tanja hat geschrieben: Was ich überhaupt nicht verstehe ist, dass, wenn Dir das Thema doch so wichtig ist, Du dann nicht versuchst, ein erreichbares Ziel zu verfolgen. Beispielsweise, indem Du eine Petition auf die Beine stellst, die tatsächlich Aussicht auf Erfolg hat. Eine, deren Ziele sich in Deutschland umsetzen liessen und durch die kein Kind benachteiligt würde. Als Vorlage dafür könnte ja beispielsweise die Regelung in Österreich dienen. Homeschooling als zusätzliche Schulform in Deutschland wäre nämlich dann viel eher denkbar. Dann könnten Eltern mit dem entsprechenden Hintergrundwissen ja selbst lehren und den Unterricht genau so gestalten, wie sie es möchten. Was spricht dgegen? Wieso muß für Dich eine Demontage der Schulpflicht damit einher gehen? Dass die sicherlich nie abgeschafft werden´wird, sollte Dir klar sein. Es ist also ziemlich unklug, das Homeschooling daran fest zu koppeln und obendrein noch mit Scheinargumenten und unhaltbaren Behauptungen um sich zu werfen. Selbst eigentlich dem Homeschooling wohlgesonnene Leute werden nämlich durch so etwas abgeschreckt.

