Wärmedämmung im Bestand meist unwirtschaftlich

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Spottdrossel
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Re: Wärmedämmung im Bestand meist unwirtschaftlich

#21

Beitrag von Spottdrossel »

In dem verlinkten Artikel -der, was den historischen und psychologischen Verlauf betrifft, durchaus interessant war- ärgert mich der pauschale (und gerne verwendete) "Altbauten schimmeln immer"-Ansatz. Schimmel hat verschiedene Ursachen, bei von unten aufsteigender Feuchtigkeit spielt Dämmung oder nicht überhaupt keine Rolle.
Und komischerweise wurde ja erst mit der ganzen Isoliererei Wohnraumschimmel ein Thema.
Selbstverständlich bringt die Kombination "warme Luft trifft kalte Wand" Kondenswasser und damit Schimmelrisiko. Ein ungedämmter Altbau hat im Winter eher kalte Wände.
Nur: ein wärmegedämmtes Haus hat die im Sommer. Und die Luft im Sommer hat mehr Feuchtigkeit als Wohnraumluft im Winter.
Von daher mag ich keine Pauschalbeurteilungen.
Jeder Altbau ist anders und deshalb passen Pauschalbeurteilungen nur dem, der was verkaufen will.
(Das böse Ziegelhaus meiner Oma wurde mit EINEM Ölofen geheizt. Ich sehe eher den 60er-Jahre-Baustil mit größeren Zimmern und größeren Fenstern plus Betondecken als problematisch an.)
Benutzer 146 gelöscht

Re: Wärmedämmung im Bestand meist unwirtschaftlich

#22

Beitrag von Benutzer 146 gelöscht »

WernervonCroy hat geschrieben: Eine durchdachte einfache Heizanlage und ein kostengünstig verfügbarer Brennstoff, schon verliert in meinen Augen jede Dämmungsmassnahme.
Das dachten sich in den 60ern die Häuslebauer auch, als das Heizöl nur ein paar Pfennige pro Liter gekostet hat, - was machte es da schon, wenn man 3000 oder 5000 Liter im Jahr verbraten hat. :roll:
Das mit dem "kostengünstig verfügbaren Brennstoff" hat nun mal eine zeitliche Komponente.
Und das mit dem Brennholz machen auch - denn das hängt mit der körperlichen Verfassung zusammen.

vor 14 Jahren habe ich knapp 20000 DM in (Zellulose)Dämmung investiert was DAMALS eigentlich Quatsch war, denn bei den DAMALIGEN Zinsen und Heizölpreisen hätte ich allein vom Zinsertrag meine Heizölrechnung bezahlen können.
Inzwischen hat sich Einiges geändert und wenn ich mir ansehe, wieviel Holz meine Nachbarn hier, die in den alten Fachwerk-Bauernhäusern oder 60er Jahre Massivhäusern wohnen, jedes Jahr verbrennen, bin ich froh über meine damalige Entscheidung.
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Spottdrossel
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Re: Wärmedämmung im Bestand meist unwirtschaftlich

#23

Beitrag von Spottdrossel »

Ich lese ja fleißig Zeitungen rund ums renovieren - komischerweise sind die Beträge, die da nach der Sanierung "nur noch" anfallen, so hoch wie unsere Brennholzkosten mit Einzelöfen :hmm: . Kredite für die Sanierung gar nicht eingerechnet.
Vergessen wird halt bei den ganzen Rechnungen das unterschiedliche Nutzerverhalten - für kurz mal an den Rechner flitzen muß das Zimmer nicht geheizt sein, und im Frühjahr heißt es auch tagelang "sind ja noch 17 Grad", während rundherum fleißig die Heizungen wummern.
Benutzer 146 gelöscht

Re: Wärmedämmung im Bestand meist unwirtschaftlich

#24

Beitrag von Benutzer 146 gelöscht »

Spottdrossel hat geschrieben: Vergessen wird halt bei den ganzen Rechnungen das unterschiedliche Nutzerverhalten - für kurz mal an den Rechner flitzen muß das Zimmer nicht geheizt sein, und im Frühjahr heißt es auch tagelang "sind ja noch 17 Grad", während rundherum fleißig die Heizungen wummern.
So ist es! Das liegt aber auch daran, dass die Hemmschwelle eben viel niedriger ist, ein Heizkörperventil aufzudrehen, als einen Ofen anzuheizen.
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Thomas/V.
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Re: Wärmedämmung im Bestand meist unwirtschaftlich

#25

Beitrag von Thomas/V. »

Hinzu kommt noch, das wohl in die Berechnungen mit eingeht, das ein Haus überall 24° hat, damit man auch im Winter in T-Shirt herumlaufen und 2x täglich duschen kann und man niemals nicht lange Unterwäsche und Pullover anziehen muß...
Lassen sie mich durch, mein Bruder ist Arzt!
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Peterle
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Re: Wärmedämmung im Bestand meist unwirtschaftlich

#26

Beitrag von Peterle »

Thomas/V. hat geschrieben:Hinzu kommt noch, das wohl in die Berechnungen mit eingeht, das ein Haus überall 24° hat, damit man auch im Winter in T-Shirt herumlaufen und 2x täglich duschen kann und man niemals nicht lange Unterwäsche und Pullover anziehen muß...
Das nennt sich dann Komfort. Wer ihn sich leisten kann oder will, immer zu.
Auch dieser Verzicht (auf Wärme) ist eben eine Konsumverweigerung. Wir brauchen diesen Komfort auch nicht, zumal er meiner Meinung nach Krankheit fördert. Bis das aber in den Köpfen ankommt und das "Wachstum, Wachstum, Wachstum" unserer Kanzlerin verdrängt, geht noch einiges an Wasser den Bach runter.

Gruß

Peter
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Spottdrossel
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Re: Wärmedämmung im Bestand meist unwirtschaftlich

#27

Beitrag von Spottdrossel »

Ich sehe das nicht mal als Verzicht, ich glaube eher, ein Großteil der Menschen hat sich schlicht von der Natur so weit entfremdet, daß ihnen gar nicht mehr einfällt, das man im Winter auch mal einen Pulli anziehen könnte.
Laßt euch mal von einem Straßenwärter erzählen, wie die Gestalten manchmal angezogen sind, die im Winter in den Graben rutschen :ohoh: .
Benutzer 146 gelöscht

Re: Wärmedämmung im Bestand meist unwirtschaftlich

#28

Beitrag von Benutzer 146 gelöscht »

Spottdrossel hat geschrieben: Laßt euch mal von einem Straßenwärter erzählen, wie die Gestalten manchmal angezogen sind, die im Winter in den Graben rutschen :ohoh: .
Ist doch klar: von der geheizten Wohnung in die (geheizte) Garage wo das Auto mit der zeit/fern-gesteuerten Standheizung wartet, durch das ferngesteuerte Garagentor auf die Straße bis in die warme Tiefgarage unterm Büro, und von dort zum beheizten Arbeitsplatz. Da ist man keine Sekunde lang der realen Außentemperatur ausgesetzt, - wozu also warme Kleidung? :pfeif:
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Spottdrossel
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Re: Wärmedämmung im Bestand meist unwirtschaftlich

#29

Beitrag von Spottdrossel »

Was aber lustig ist: der Damenwelt werden dann Töpfchen und Tiegelchen angepriesen, dessen Inhalt selbstverständlich UV-Schutz bietet. Vermutlich, damit die Garagenbeleuchtung nicht die Solariums- und Urlaubsbräune stört :lol: .
Aber mal ernsthaft: seit wir hier mit "morgens Pulli, abends T-Shirt" leben, beobachte ich, daß ich wesentlich toleranter gegenüber warm-kalt bin als die Zentralheizungsnutzer.
Manfred Alberti

Re: Wärmedämmung im Bestand meist unwirtschaftlich

#30

Beitrag von Manfred Alberti »

moin.
Nach meiner Vorstellung könnte mit einer Vorsatzschale aus geschlossenporigem Glasschaum gedämmt werden. Diese wird mit etwas Abstand auf den Außenwänden befestigt und an den Kanten luftdicht mit den tragenden Wänden verbunden. Der Spalt könnte dann kontrolliert belüftet werden, d.h. gesteuert wird über die relativen Luftfeuchtigkeitsdifferenzen zwischen innen und außen.
Der Tau- bzw. Eispunkt liegt außen auf dem Glasschaum oder in einer darauf liegenden Verschleiß- und Schutzschicht. Da die tragenden Wände so gut trocken gehalten werden können, isolieren sie effektiver. 8 cm Dämmschicht reichen dann vielleicht.
Bisher wird sowas wohl noch nicht gebaut. Vielleicht findet sich im Forum ein Pionier. Ich habe im Augenblick leider keine Möglichkeit, die Idee auszuprobieren.
tschüs. Manfred Alberti, Hamburg
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