Ausgebrochene Kuh tötet Spaziergängerin

ihno
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Re: Ausgebrochene Kuh tötet Spaziergängerin

#121

Beitrag von ihno » Sa 2. Mär 2019, 20:02

sich einfach freuen das es 98 % aller Leute richtig machen und sich nicht ärgern das es 2 % falsch machen ist ein ganz guter Anfang.
Auch wenn es nicht immer leicht ist.
Eala Frya Fresena !!
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Re: Ausgebrochene Kuh tötet Spaziergängerin

#122

Beitrag von Hildegard » Sa 2. Mär 2019, 20:05

sybille hat geschrieben:Adjua. warum erklärst Du Dich immer wieder? Es ist doch selbstverständlich das ich mich als Urlauber an die Gegebenheiten anpasse.
Nicht jeder, der bei euch Urlaub macht kennt sich mit den Tieren aus aber da wäre es doch angebracht die Touristen gründlich zu informieren.
Ich glaube, dass genügend informiert wird, hilft aber nicht, wenn die Informationen von manchen Urlaubern in den Wind geblasen werden...Sommer wie Winter!
Wäre es nicht auch die Pflicht des im Urlaub "auf die Alm-Wandernden" sich über richtiges Verhalten und Gefahren vorher selber zu informieren? Schilder mit Verhaltensweisen stehen schon genügend dort.Oder muss bei jedem Dorfanfang eine Infohütte mit Schranken stehen, wo der Ankommende erst nach einem aufgedrücktem "Wurde über alle Gefahren Informiert-Stempel" eingelassen wird?
Wenn ich mich auf unbekanntes Terrain begeben will, informiere ich mich doch auch vorher. Möglichkeiten dafür gibts heutzutage genug.
LG Hildegard
Trau nie dem Ort an dem kein Unkraut wächst ;)

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Re: Ausgebrochene Kuh tötet Spaziergängerin

#123

Beitrag von Adjua » Sa 2. Mär 2019, 20:11

ihno hat geschrieben:sich einfach freuen das es 98 % aller Leute richtig machen und sich nicht ärgern das es 2 % falsch machen ist ein ganz guter Anfang.
Auch wenn es nicht immer leicht ist.
Also soll ich mich jetzt freuen, das nach diesem Urteil mir jederzeit einen Strafprozess droht plus eine Schadensersatzklage von 500000 €?

Wir als Hirten sind nämlich für unsere Kühe verantwortlich, nichts die Bauern, die die Kühe bringen.

Touristeninfo:

https://youtu.be/Ht7inDUIdEA

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emil17
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Re: Ausgebrochene Kuh tötet Spaziergängerin

#124

Beitrag von emil17 » Sa 2. Mär 2019, 20:24

Ihno, weisst du vieviel 2% sind, wenn in der Saison die Massen kommen?
Mit Zaun im Frühsommer aufstellen und im Herbst ablegen ist es ja nicht getan. Pfähle setzen auf steinigen Böden am Hang macht richtig Spass! Man muss die Zäune dauernd nachsehen und reparieren, und das nicht nur bei Sonnenschein wenn die Blümchen blühen und die Schmetterlinge fiiegen. Dann gibt es ja noch die tägliche Arbeit.
Dann gibt es noch die Spezialisten, die Weidetore offen lassen oder selbstschliessende blockieren oder wegnehmen, weil dann das Downhill-Biking mehr Spass macht. Nachher darf man sich dann über die unfreundlichen Einheimischen beklagen.

Warum eigentlich soll der Tierhalter in der Pflicht sein, mit den Touristen zu reden, und nicht diese, sich vorher schlau zu machen? Wer betritt da fremdes Eigentum und ist bloss geduldet?

Egal wem die Weide gehört, das Betreten ist in der Schweiz jedermann gestattet:
Das Betreten von Wald und Weide und die Aneignung wildwachsender Beeren, Pilze u. dgl. sind in ortsüblichem Umfange jedermann gestattet, soweit nicht im Interesse der Kulturen seitens der zuständigen Behörde einzelne bestimmt umgrenzte Verbote erlassen werden.(Art 699 ZGB CH
Das heisst, die Bauern dürfen Weiden nicht aus Eigenmacht sperren. Aus ständiger Rechtsprechung ergibt sich daraus aber keine Haftung durch den Bewirtschafter oder Besitzer und auch keine Unterhaltspflicht für Fusswege und dergleichen. Zäune an stark begangenen und beworbenen Wanderwegen werde deshalb oft vom Tourismusverein oder der Gemeinde gestellt. Ebenso haben Wanderer Kulturen zu respektieren. Man kann also aus dem Zugangsrecht nicht den Anspruch ableiten, dies jederzeit und überall und uneingeschränkt tun zu dürfen.

Wenn dann etwas passiert, findet sich immer ein Anwalt, der die Schuld nicht den Schuldigen, sondern dem Bauern zuschieben will. Es kann nämlich jeder jedem einen Prozess anhängen und irgend ein Richter muss sich damit beschäftigen, wenn einer stur oder unbelehrbar genug ist. (Klassiker: Den Goldschmied auf Rücknahme des Rings verklagen, weil die Braut es sich inzwischen anders überlegt hat.)
Der Punkt liegt eben im "ortsüblich" es ist nicht ortsüblich, neben einer Mutterkuhherde den Hund zu dressieren.
Des weiteren haften Besitzer nicht für Naturgefahren und nicht für offenbares Fehlverhalten. Deshalb ist nicht der Waldbesitzer schuld, wenn der Kletterbaum umfällt und nicht der Lawinenwarndienst und auch nicht die Gemeinde als Eigentümerin des Schnees, wenn ein Unfall passiert.
Das dürfte in unseren Nachbarländern nicht grundsätzlich anders sein.
Das eigentliche Poblem liegt wohl darin, dass sich niemand gegen eigene Dummheit versichern kann und dass Ignoranz eine Form von Dummheit ist - es kann niemand ernsthaft behaupten, er wisse nicht, wie man sich innerhalb von besetzten Viehweiden verhalten muss und wie nicht.
Warum ist da keine Brücke über den Bach? Warum wurde ich nicht davor gewarnt, dass man bei Nebel den Weg verlieren kann? Darf man Kühe ohne Warnaufdruck auf dem Fell streicheln? Haftet der Bauer, wenn die Viecher mein Zelt zertrampeln?
Wer will, findet einen Weg. wer nicht will, findet eine Ausrede.

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Re: Ausgebrochene Kuh tötet Spaziergängerin

#125

Beitrag von Edermühle » Sa 2. Mär 2019, 20:30

viktualia hat geschrieben: Es soll Gegenden geben, in denen der Verkehr mit Schildern geregelt wird, vielleicht wäre auch das ein guter Anfang.

Oder, doch besser: die Touris stecken wir in einen Sack mit den bösen Wölfen und wenn man draufhaut, ist es egal, man trifft sicher immer den richtigen. So reden die Eingeborenen in allen Gegenden der Welt.
Es soll Leute geben, die einfach nicht lesen können, weder Schilder noch Details zu Vorfällen zu denen sie posten - lesen lernen wäre vielleicht ja auch ein guter Anfang...
https://derstandard.at/2000098403687/Ti ... uro-zahlen
---> "Der nun verurteilte Landwirt und Besitzer der Kühe hatte zwar am Eingang zur Weide eigens Hinweistafeln angebracht, auf denen vor der Mutterkuhherde gewarnt wurde..."

OT:
Ach und gegen die völlig harmlosen Wölfe gibts doch die noch viel harmloseren Herdenschutzhunde, die überall infaltionär vorgeschlagen wurden - Problem gelöst !
Ja gut es ist in Österreich schon mal grundsätzlich gegen das Gesetzt sie frei rumlaufen zu lassen, aber es ist ja für die richtige Sache, da muss man es nicht so genau nehmen und was sollte denn da schon passieren?
Ist ja nicht so, dass man bei einem Zwischenfall gleich auf 500.000 € (!) verurteilt wird und von Heut auf Morgen seine komplette Existenz unwiederbringlich los ist, so wie ich Dummerchen es damals beim Thema Wolf/Herdenschutzhunde völlig absurder- und paranoiderweise befürchtet und immer wieder geschrieben hatte...
Oh wait... :kaffee:

Bei solchen Urteilen (so eine Summe hätte nicht mal ich befürchtet) wirds auf Dauer schwierig werden mit der ökologischen und tierfreundlichen Landwirtschaft... :opa:
http://www.edermuehle.com Nur die Angst begrenzt dein Tun

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Re: Ausgebrochene Kuh tötet Spaziergängerin

#126

Beitrag von Adjua » Sa 2. Mär 2019, 22:17

emil17 hat geschrieben:
Das heisst, die Bauern dürfen Weiden nicht aus Eigenmacht sperren. Aus ständiger Rechtsprechung ergibt sich daraus aber keine Haftung durch den Bewirtschafter oder Besitzer und auch keine Unterhaltspflicht für Fusswege und dergleichen. Zäune an stark begangenen und beworbenen Wanderwegen werde deshalb oft vom Tourismusverein oder der Gemeinde gestellt. Ebenso haben Wanderer Kulturen zu respektieren.
Bei uns in Österreich ist die Gesetzeslage anders. Der Wald ist frei zugänglich, die Wiese nicht, somit auch nicht die Almen. Ausnahmen davon sind nur in Tirol bekannt, wo sich Alpenvereine oder Tourismusverbände ein Wegrecht ersessen haben.

Also können sehr viele Bauern ihre ihre Almen einfach sperren.

Jeder, der sich ein bisschen auskennt, weiß, dass Kühe im Stall sich vollkommen anders verhalten als in der freien, tierfreundlichen Umgebung der Almen, wo jedoch eine Verwahrung eben nur sehr eingeschränkt möglich ist. Auf Deutsch, die Tiere verwildern immer etwas auf den Almen, das liegt in der Natur der Sache.

Freizeithund auf die Alm mitnehmen ist für mich im übrigen "Kultur stören".

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Re: Ausgebrochene Kuh tötet Spaziergängerin

#127

Beitrag von hobbygaertnerin » So 3. Mär 2019, 03:59

Mir fällt als Bergwanderin auf, dass die Anzahl der mitgenommenen Hunde sehr stark angestiegen ist und das so mancher Hund als Bedrohung von den Rindern gesehen wird, man braucht ja nur die Körperhaltung, das Ohrenspiel der Rinder betrachten.
Sagt man als Bäuerin zu den Hundehaltern was, wird man in der Regel nicht angepampt, aber ernst genommen aber auch nicht.
Mir fällt da so eine Art - uns gehört die Welt- und da lassen wir uns auch von niemanden dreinreden - auf.
Als Flachlandbewohnerin bin ich immer voller Wertschätzung für diese in den Bergen praktizierte Form der Weidewirtschaft, auch dass ohne die Rinder alles ziemlich schnell verbuschen würde.
Aber es wird immer belebter auf den Wanderwegen, die Mountainbiker, die E-Biker, selbst auf Wegen, wo man nach menschlichem Ermessen nicht mehr mit dem Rad runterbrettern kann, wird auf Holla die Waldfee runtergedüst, es ist allen vergönnt, Natur und Freizeit in den Bergen zu geniessen.
Nur fehlt mir oft die Einsicht, dass diese Natur kein Freizeitpark ist, der selbstverständlich sich nach den Vorlieben und Einstellungen der "Nutzer" zu verhalten hat.
Was so ein wenig fehlt, das Bewusstsein, dass diese "Idylle" nicht nur für die Touris angeboten wird, sondern eine Form der Landbewirtschaftung ist, man sieht es ja auch bei den Tourengehern im Bereich von sehr viel Schnee und Lawinen-
es wird dann aber selbstverständlich erwartet, dass die Bergwacht bzw. die Rettung ihr Leben riskiert, um Unverbesserliche zu retten.
Und vor lauter Blick auf die Tourismuszahlen sich nicht getraut wird, da auch mal sehr ernste Worte öffentlich puplik zu machen.
Was ich mich schon öfters gefragt habe- wieviel Massentoruismus vertragen die Berge zukünftig, wenn als Konsequenz solche Urteile erlassen werden?

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Re: Ausgebrochene Kuh tötet Spaziergängerin

#128

Beitrag von emil17 » Di 5. Mär 2019, 16:32

Vielleicht wäre ein Kompromiss, entlang stark begangener Wege einen Elektrozaun mit Plastikstickeln aufzustellen, der ist rasch gestellt und zähmt auch tolle Hunde, wenn sie ihn berühren.
Ansonst: Die Alpgenossenschaft soll dem Tourismusverein ein Ultimatum stellen, entweder ihr übernehmt die ordnungsgemässe Sicherung der Wanderwege oder wir sperren zu.
Wer will, findet einen Weg. wer nicht will, findet eine Ausrede.

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Re: Ausgebrochene Kuh tötet Spaziergängerin

#129

Beitrag von Adjua » Mi 6. Mär 2019, 19:15

emil17 hat geschrieben:Vielleicht wäre ein Kompromiss, entlang stark begangener Wege einen Elektrozaun mit Plastikstickeln aufzustellen, der ist rasch gestellt und zähmt auch tolle Hunde, wenn sie ihn berühren.
Ansonst: Die Alpgenossenschaft soll dem Tourismusverein ein Ultimatum stellen, entweder ihr übernehmt die ordnungsgemässe Sicherung der Wanderwege oder wir sperren zu.
Bei uns gibt es keine Alpgenossenschaft, bloß die Bauernvertetung. In Österreich wird das Gesetz geändert werden, sodass die Eigenverantwortung der Wanderer gestärkt wird und die Bauern aus der Haftung sind. Es wird außerdem eine zusätzliche Versicherungslösung geben. Dem aktuell betroffenen Landwirt wurde seitens der Politik zugesichert, dass man ihn schadlos halten werde, falls das Urteil die nächsten Instanzen überlebt.

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Re: Ausgebrochene Kuh tötet Spaziergängerin

#130

Beitrag von ina maka » Mi 6. Mär 2019, 20:52

Adjua hat geschrieben:Bei uns gibt es keine Alpgenossenschaft,


Den Alpenverein?
Adjua hat geschrieben:In Österreich wird das Gesetz geändert werden, sodass die Eigenverantwortung der Wanderer gestärkt wird und die Bauern aus der Haftung sind. [....] Dem aktuell betroffenen Landwirt wurde seitens der Politik zugesichert, dass man ihn schadlos halten werde, falls das Urteil die nächsten Instanzen überlebt.
Wenn ich das richtig verstanden habe, wird dem Landwirt versprochen, dass er das nicht (nicht alleine?) zahlen müssen wird und das Gesetz wird geändert?
Klingt ja vernünftig! :daumen: :)
Joe Kreissl I hob Freiheit

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