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Ammoniak als Dünger

Verfasst: Mi 20. Mai 2026, 20:02
von Zacharias
Ich hab es schon unterm anderen Thema geschrieben, dass ich versuchen werde, mit einer Ammoniakspritzlösung, die Stachelbeerblattwespe zu bekämpfen. Die Estin, die mir den Tip gegeben hat, meinte, das wäre auch ein super Dünger. Unkrautaufesserin meinte aber, es wäre schädlich für Bodenleben und Grundwasser. Die Larven der Wespe schlüpfen ja unter den Sträuchern, insofern passt das. Aber das Grundwasser möchte ich nun wirklich nicht verseuchen. Darauf angesprochen, schrieb sie: "Ammoniak selbst ist alkalisch (pH-Wert 11). Gelangt es jedoch in den Boden, wird es schnell von Bodenbakterien abgebaut. Diese chemische Reaktion erzeugt Salpetersäure, die den pH-Wert drastisch senkt. Der Boden wird sauer. Daher kabbst du gießen, ohne die empfohlene Dosierung zu überschreiten: 1 Esslöffel pro 10 Liter Wasser in feuchter Erde. Du kannst die Säure auch neutralisieren und der Lösung Zitronensäure hinzufügen (1 Esslöffel pro 10 Liter), um freies Ammoniak in die unschädliche Form von Ammoniumcitrat umzuwandeln. Und natürlich sollte man nur in der ersten Sommerhälfte und nicht oft gießen."
Was meint ihr dazu? Sie erzählte mit so einer Begeisterung von kräftigen und gesunden Pflanzen, dass es mich ja schon reizt, nicht nur die Büsche zu besprühen, sondern auch das Gemüse damit zu düngen. Das Grundwasser (auch wenn ich es nicht trinke) ist mir aber heiliger.

Re: Ammoniak als Dünger

Verfasst: Do 21. Mai 2026, 08:02
von unkrautaufesserin
Ammoniak ist Stickstoffdünger und macht schöne grüne Blätter und gutes Wachstum. Er befindet sich in Jauche, und es gibt Programme, um die Ammoniakbildung in Jauche zu verhindern. ( getrennte Lagerung von festen und flüssigrn Exkrementen zum Beispiel, Jauchelagerung in gekühlten lichtdichten Behältern etc.)

Ist er zu viel, schädigt er nicht nur Bodenleben und Gewässer, sondern auch die Feinwurzeln der Pflanzen, die dann verkrüppelte blasse Blätter bekommrn - Stickstoffschaden nennt man das. An den Tomaten führt zu viel Stickstoff zu verminderter Kalziumaufnahme und Blütenendfäule. Ammoniak in der Luft führt zu Schäden an Lunge, Herzkreislaufsystem und zentralem Nervensystem.

In der Erde wird er über Nitrit und Nitrat abgebsut, die auch noch gerne als Stickstoffdünger genommen werden. Aber auch die sind nicht ohne, reichern sich in grünem Blattgemüse an und sind im menschlichen Körper krebserregend.

Wenn Du einen guten Mist bekommst, würde ich den einer Ammoniakdüngung in jedem Fall vorziehen.

Re: Ammoniak als Dünger

Verfasst: Do 21. Mai 2026, 09:10
von Zacharias
Ich stelle mir das nicht als generelle Düngung vor, sondern nur als Anschub im Frühjahr. Ich habe einen guten Boden, da kommt nur Wolle und Kompost rein, das reicht. Aber bei den Tomaten hätte ich gerne, dass sie in den ersten Wochen etwas kräftiger wachsen. Mist werde ich in Zukunft reichlich haben, zur Zeit nur Hühnermist. Bekommen kann ich ihn hier auch, aber da weiß man nie, welche Medis drin sind. Zudem ist es ein Transportproblem, so viel Mist wie ich brauche, wäre das schon einiges an Aufwand, den ich meinem Rücken nicht zumuten möchte.
Mir geht es jetzt erst mal um das, was ich geschrieben habe. Macht die Zitronensäure Sinn? Säure mit Säure zu neutralisieren klappt wohl nicht so ganz ;), aber wenn Zitronensäure das Ganze etwas unschädlicher machen würde, fände ich das schon gut.

Re: Ammoniak als Dünger

Verfasst: Di 26. Mai 2026, 11:46
von Till
Bei der Bekämpfung des amerikanischen Stachelbeermehltaus mit "ökologischer" Schwefelspritzung werden die tierischen Schädlinge meist ganz gut mit erfasst.

Für den Anbau von Tomaten wird die organische Grunddüngung von ca 2,5...4kg Mist oder Gartenkompost je Quadratmeter mit langsam fließendem stabilisiertem Volldünger (Novatec, Entec) ergänzt, wenn der Boden erst neu in Kultur ist und bei langjährig genutztem Gemüsegarten stabilisierter Stickstoff als Einzeldünger (zB Entec 26) gegeben, ca 20-25g/qm zur Pflanzung. Schnelle unstabilisierte Dünger sind wenig geeignet.
Je nach Ertragserwartung wird dann ab Juni jeden Monat ca 20g/qm nachgedüngt oder eben nicht. Für 1kg Tomaten müssen ca 3g Stickstoff geliefert werden. Soll im Juni, wenn sich die Erde gut erwärmt hat, mit Stroh gemulcht werden, dann gibt man den stabilisierten Dünger vorher auf einmal.
Man kann natürlich auch mit Kadaverresten düngen, aber diese Dünger ziehen Schnecken in Massen an, weil Aasbeseitigung zu ihren Aufgaben in der Natur gehört und die Lockwirkung groß ist.
Wer ein Schneckenproblem hat, macht sich damit keine Freude.

Re: Ammoniak als Dünger

Verfasst: Di 26. Mai 2026, 11:52
von Zacharias
Ich habe keinen Stachelbeermehltau, sondern Raupenfraß.
Und was die Düngeempfehlung anbelangt, das ist mir zu professionell. Volldünger gibt es bei mir eh nicht, Mist erst in ein paar Jahren in ausreichenden Mengen.

Re: Ammoniak als Dünger

Verfasst: Di 26. Mai 2026, 12:26
von Till
Solange da keine Tomaten dran hängen, gibt man keinen schnell wirkenden Stickstoffdünger, weil das zu Lasten der Wurzelentwicklung geht. Viel Kraut, starkes Längenwachstum, wenig Wurzel. Das ist schlecht.
Sobald da Tomaten dran hängen, wachsen zunächst mehr Pflanzenzellen, die sehr großvolumig werden, was dann mit zusätzlichem Wasser aufgefüllt wird. Der "schnelle" Stickstoffdünger produziert viel schnittfestes Wasser, aber keinerlei Aroma und sehr wenig Trockensubstanz.
Du verwässert den Geschmack.

Es gibt viele sinnvolle Anwendungen von schnell wirksamen Stickstoffdüngern im Garten, aber Tomatenanbau gehört nicht dazu.

Re: Ammoniak als Dünger

Verfasst: Di 26. Mai 2026, 14:12
von Zacharias
Also noch mal von vorne: Ich habe an meinen Beeren die Stachelbeerblattwespe. Mir wurde geraten, die Büsche mit einer Ammoniaklösung einzusprühen. Gleichzeitig wurde mir der Tipp gegeben, Ammoniak auch als Dünger für alles Mögliche zu verwenden. Da schrieb aber Unkrautaufesserin: geht ins Grundwasser. Meine estnische Bekannte meinte dazu, man kann das mit Zitronensäure verhindern. Und genau das habe ich zur Frage gestellt. Wenn ich Ammoniak zum Düngen verwende, dann nicht gererell. Meine Idee ist, die Tomaten in der Anzuchtsphase damit zu pimpern, weil sie mir hier schlecht aus dem Quark kommen. Nichts weiter.

Re: Ammoniak als Dünger

Verfasst: Di 26. Mai 2026, 16:05
von unkrautaufesserin
Wenn Du den Ammoniak mit der Zitronensäure versalzt, ist er nicht mehr pflanzenverfügbar. Das Citrat ist ziemlich stabil. Andererseits ist auch bei der Zitronensäure die Gefahr von Wurzelschäden ziemlich groß, wenn Du die überdosierst.

Wenn Du willst, kannst Du Dir im Fachhandel Ammoniumnitrat holen. Das ist pures Stickstoffutter für Deine Pflanzen, und auch da mußt Du vorsichtig sein wegen Überdüngung und verbrannten Wurzeln, aber wenigstens Deine Pflanzen haben was davon.

Re: Ammoniak als Dünger

Verfasst: Di 26. Mai 2026, 16:14
von Zacharias
Ah ok, also auch keine gute Idee. Ich dachte eher an Resteverwertung, das, was von der Spritzung übrig bleibt. Bis jetzt es leider zu windig für den Versuch, da hab ich das Ammoniak eher im Gesicht als an den Blättern.

Re: Ammoniak als Dünger

Verfasst: Di 26. Mai 2026, 16:20
von Tscharlie
Schon mit einer Spritzung mit einer leichten Seifenlösung probiert? Ich nehme eine biologische Seife.