Seite 1 von 2
Realistischer Blick - Selbstversorgung der Tiere
Verfasst: Di 4. Jan 2011, 16:15
von Alba
Hallo Zusammen,
dass die Selbstversorgung kein Mittel zur Geldersparnis ist, das leuchtet mir ein und darum geht es mir auch gar nicht.
Ich möchte Euch vielmehr fragen, ob ihr es als realistisch erachtet, das Futter für einen kleinen "Selbstversorgerbetrieb" selbst zu machen?
Es geht mir hierbei um die Zeit und die Kraft.
Sprich ein Tag von 8-16 Uhr Sensen....
Wenn man von 3 Schafen und 2 Mutterkühen ausgeht, dann ist das doch eine Menge Winterfutter.
Natürlich würde ich nicht gleich mit dem vollen Programm einsteigen, aber ich versuche gedanklich abzuwägen.
Eure Erfahrungen oder ANmerkungen würden mich sehr interessieren. Her damit!
LG
Re: Realistischer Blick - Selbstversorgung der Tiere
Verfasst: Di 4. Jan 2011, 17:34
von tanzi
Hallo Alba
Kann Dir aus eigener Erfahrung berichten, was wir da schon erlebt / mitgemacht haben.
Ort und Lage: Kleine Neben/Zuerwerbslandwirtschft mit damals 6 Ha Wiesen + Wald im Voralpengebiet (Bergbauern Zone 2)
Personen: Mein Vater (Pensionist) meine Frau (Haushalt) und ich (Vollzeitbeschäftigt).
Maschinelle Ausstattung: 2 Sensen fürs steile , Motormäher; Heuraupe; Traktor mit Anhänger.
Wir hatten damit eine Zeit lang 2 Kühe und danach etwa 15 Schafe gehalten.
An Heu und Weide gab es normalerweise genug. "Kraftfutter" (Getreide, und Rübenschnitzel)und Stroh wurden zugekauft.
Es waren schon harte (aber auch schöne) Zeiten.
Nachdem mein Vater verstarb, hatten wir es noch mit zwei Galloways (robust gehaltene Kühe) versucht.
Hier wurde das Heu aber zugekauft, da wir nur mehr 2 Ha Wiesen geerbt hatten.
2007 haben wir dann aber auch damit aufgehört. Viel Abeit und die nötigen Auflagen waren nicht zu schaffen.
Momentan haben wir wieder eine kleine Hühnerschar, die uns täglich mit frischen Eiern verwöhnt.
lg
Rudi & Gerti
Re: Realistischer Blick - Selbstversorgung der Tiere
Verfasst: Do 6. Jan 2011, 23:41
von homesteader
Schaf, das macht mir die wenigste Arbeit bei der Futterbeschaffung.
Re: Realistischer Blick - Selbstversorgung der Tiere
Verfasst: Di 18. Jan 2011, 10:31
von Alba
Danke Euch allen!
Danke Chorge, das mit den Futterrüben ist echt eine gute Sache, weil mich die ganze Zeit schon wundert, warum gekauftes Fütter besonders für die Hühner so wichtig und unersetzlich bleibt.

Ja, Hasenpfoten liebt unser Hund in der Tat.....
Re: Realistischer Blick - Selbstversorgung der Tiere
Verfasst: Di 18. Jan 2011, 17:27
von Thomas/V.
Alba hat geschrieben:Danke Euch allen!
Danke Chorge, das mit den Futterrüben ist echt eine gute Sache, weil mich die ganze Zeit schon wundert, warum gekauftes Fütter besonders für die Hühner so wichtig und unersetzlich bleibt.

Ja, Hasenpfoten liebt unser Hund in der Tat.....
mit Rüben kann man keine Hühner ernähren...
wenn Du kein Getreide anbauen kannst und einige andere Sachen, dann bleibt nur gekauftes Futter
die billigsten SV-Tiere sind Kaninchen, wie schon ausgeführt wurde, auch die Arbeit hält sich in Grenzen, weil man sie fast ausschließlich mit Grünzeug ernähren kann, welches wild wächst oder was so nebenbei mit ergärtnert werden kann
danach kommen Ziegen und Schafe, die machen schon etwas mehr Arbeit und Kosten
Kühe sind eher unwirtschaftlich, es sei denn, man kann sie z.B. mit als Arbeitstier nutzen (3-Nutzungs-Rinder), wäre aber wohl nur für "Vollzeit-SV" sinnvoll
Re: Realistischer Blick - Selbstversorgung der Tiere
Verfasst: Do 20. Jan 2011, 11:39
von Alba
Thomas :-) ich habe gehofft dass Du Dich einklinkst.
WEgen dem Hühnerfutter - ich dachte Futterrüben nur als Beigabe also als Zusatz.
Denkst Du, dass Hühnerfutter selbst herstellen zu aufwendig bzw. zu schwierig für den Laien ist?
Danke
LG
Re: Realistischer Blick - Selbstversorgung der Tiere
Verfasst: Do 20. Jan 2011, 14:53
von Thomas/V.
dazu gibt es grade im Hühnerforum regen Austausch (Dioxinskandal), lies einfach mal mit, was da so zur Selbstmischung geschrieben wird

natürlich ist es nicht "zu schwierig", aber ein bischen Wissen braucht man schon, einfach ein paar Körner hinwerfen ist nicht hühnergerecht
Re: Realistischer Blick - Selbstversorgung der Tiere
Verfasst: Do 20. Jan 2011, 15:31
von Landfrau
Dass man Hühner mit Körnern füttert, lernt schon jedes Kind im Meinschönerbauernhofbilderbuch.
dass das grober Unfug ist, ignoriert leider auch der erwachsene Hühnerhalter gern.
1. Hühner stammen ursprünglich aus Südostasien, aus eher feucht - warmem Klima.
Dort gibt es das ganze Jahr über Würmer, Käfer, Raupen etc.
Das ist ihre Hauptnahrung.
Die sie hier höchstens einige Monate im JAhr zusätzlich finden -wenn sie denn nicht einen völlig totgescharrten Auslauf mit einigen Deko-Brennesseln haben...
2. Hühner legen in der Stammform keine 2 Dutzend Eier im Jahr.
Der Selbstversorger erwartet aber hier Eier rund ums Jahr, am besten noch genug zum Verkaufen.
So 20 Dutzend Eier möchte er schon haben.
Die "Black Box" Huhn macht aber keine Eier, weil es von Beruf Huhn ist.
Es macht die aus Futter.
Ein modernes Legehuhn muss reichlich 20 mal so viele Eier machen, wie seine Stammform.
Mit einem etwas gleich großen Verdauungstrakt.
Mit schlechterem, nämlich weniger eiweißreichem Futter (als Insekten. (Körnern....!).
Sicherlich ist "Nutz"tierhaltung kein Zuckerschlecken.
Aber eine überzogene Sparsamkeit, man könnte versucht sein, von Geiz zu sprechen, unserem Mitgeschöpfen nicht angemessen. Das mögen andere tun und das ist schlimm genug.
Wer sich Tiere zur Erzeugung von Nahrungsmitteln hält, sollte sich darüber im klaren sein, dass das in so kleinem MAßstab ein teures Hobby ist.
Und prüfen, ob er in der Lage und willens ist, das Geld aufzubringen und für Fleisch, Milch, Eier ein Vielfaches von dem zu bezahlen, was es im Laden, auch im Bioladen, kostet. (Dass man sich das milchmädchenmäßig alles schönrechnen kann, hatte wir im alten Forum schon....)
Alles andere ist Selbstbetrug oder schlimmer: Tierquälerei.
Mangelernährung ist Tierquälerei.
Das ist nicht (nur) eine Frage der Quantität, sondern auch der Qualität, also der Futterzusammensetzung.
Die muss art- und leistungsgerecht sein.
Ich bin weiß Gott kein Freund ökomoralischer Bevormundung, grünen Oberlehrertums und staatlicher Einmischung (was ein dreifacher Pleonasmus ist), aber manchnal wünsch ich mir, dass gerade die Kleintierhalter ab und an Besuch von jemandem bekämen, der im Sinne der Tiere nach den Haltungsbedingungen sieht.
Landfrau
Re: Realistischer Blick - Selbstversorgung der Tiere
Verfasst: Do 20. Jan 2011, 15:54
von Alba
Landfrau, ich verstehe Dich absolut und gebe Dir recht.
Aber oder gerade deswegen lese ich nach und stelle Fragen.
Hier im Dorf wird vielen Hühnern einfach nur trockenes Brot oder gestampfte Kartoffeln hingestellt.
DAS passiert aus Sparsamkeit.
Mein Interesse liegt weder auf dem Argument des Sparens noch darin möglichst viele Eier zu bekommen.
Die Hühner sollen artgerecht gehalten und ernährt werden.
Mich interessieren viele viele Meinungen um mir eine eigene bilden zu können. Und das ganze BEVOR Hühner hier einziehen.
Ach so: Laut einem Buch ist ein "völlig totgescharrten Auslauf mit einigen Deko-Brennesseln" ein Zeichen schlechter Weidehaltung.
Nachtrag: Seh gerade dass Du selbst Hühner hältst.
LG
Alba
Re: Realistischer Blick - Selbstversorgung der Tiere
Verfasst: Do 20. Jan 2011, 17:10
von Thomas/V.
Mein Interesse liegt weder auf dem Argument des Sparens noch darin möglichst viele Eier zu bekommen.
Die Hühner sollen artgerecht gehalten und ernährt werden.
Ich habe mal spaßeshalber eine Überschlagsrechnung gemacht, was man ungefähr braucht, um 1Hahn+5 Hennen 1 Jahr lang zu bedarfsgerecht zu ernähren. Was dabei herausgekomen ist: Man bräuchte etwa 500m2 Getreideanbaufläche, um die benötigten ca. 30 kg Getreide pro Huhn zu erzeugen. Dazu noch etwa 10kg Hülsenfrüchte (trocken!) und Gemüse 10kg.
Außerdem braucht man noch Ölfrüchte (Sonnenblumenkerne, Raps), wenn auch nur in kleineren Mengen. Sodann natürlich auch noch irgendwelche tierischen Eiweißquellen, zumindest im Winterhalbjahr.
Meine Berechnung ist natürlich nur sehr grob, aber zeigt, das man viel Arbeit und Flächen braucht, um verhältnismäßig wenig
an menschlicher Nahrung zu erzeugen.
Will man auch noch selbst Hühner vermehren, kommt nochmal eine Menge Futter dazu.
Eigentlich lohnt sich SV-Hühnerhaltung unter wirtschaftlichen Aspekten nur, wenn man einen "richtigen" Hof hat, wo besagte Futtermittel sowieso angebaut werden und man das Hühnerfutter quasi abzweigen kann.
Man muß ja bedenken, das auf der benötigten Fläche ungleich mehr "Menschenfutter" angebaut werden könnte, als das, was bei den Hühnern hinten raus kommt. Hühner sind eigentlich Nahrungskonkurenten, da sie so ziemlich das Gleiche fressen wie Menschen (hochwertige Kohlenhydrate und Eiweiße). Insofern sind Weidetiere bessere SV-Tiere, weil sie das fressen, was wir nicht verdauen können.