Wirtschaftliche Überwinterung von Mutterkühen

Benutzeravatar
Manfred
Beiträge: 15229
Registriert: Di 3. Aug 2010, 11:15
Familienstand: ledig

Re: Wirtschaftliche Überwinterung von Mutterkühen

#41

Beitrag von Manfred » Mo 11. Jan 2016, 19:26

Es handelt sich um kleine, verstreute Flächen und solche, die wegen irgendwelcher Auflagen (z.B. Wasserschutzgebiet, Düngeverzichtsprobramme) gar nicht beweidet werden dürfen.
Wenn man da die Arbeits- und Maschinenzeiten für Tierverladung und - Transport und die nötigen Kontrollen, Wassertransport etc. rechnet, kommt man die auf einen grünen Zweig.

Pachtpreise sind natürlich wichtig, aber halt auch betriebsindividuell. Deshalb kommt kein Betriebsleiter drum herum, mit seinen Gegebenheiten und Zahlen die für ihn passendste Lösung zu finden.

Bei diesen ganzen "Landschaftspflegeflächen" wäre es noch meiner Daumen-Kalkulation am wirtschaftlichsten, ich bräuchte diese nur noch 1 Mal im Jahr zu mähen. Dann bleibt nach Abzug von Pacht, allen anteiligen Gemeinkosten und den direkten Bewirtschaftungskosten noch ein kleiner Gewinn. Wenn ich 2 x mähe, lege ich schon drauf.
Da ist es wirklich wirtschaftlicher, wie Ölkanne schreibt, dass zusätzlich nötige Winterfutter durch intensivere Bewirtschaftung einer kleineren Fläche (Ackerfutter) zu erzeugen, weil einfach viel weniger Arbeitszeit und Maschinenkosten pro erzeugter Menge anfallen.
Am besten so, dass diese Futterbauflächen mit zu beweiden sind. Dann könnte man z.B. nur die 2 ertragsstärksten Schnitte maschinell nutzen und den Rest abweiden. Auch kann man mit einer frühen Beweidung die erst Mahd nach hinten schieben und so evtl. Heu statt Silage ernten, was bei mir in Rundballenform billiger wäre, als die teuren Silo-Wickelballen. Bei Nutzung eines Fahrsilos ist die Rechnung schon wieder eine andere, wobei man da auch die Kosten für das Silo und die Siloentnahme berücksichtigen muss. Ein großer Heurundballen (bei mir 1,8 m) kostet mich auch weniger an Maschinen- und Arbeitszeit beim Transport und bei der Fütterung. Alleine um den Siloballen aufzuschneiden ist schon wieder eine Minute mehr weg, und dann muss noch die Folie entsorgt werden, was wieder Zeit und Geld kostet.
Bei den Gesamtkosten vom Feld bis zur erfolgten Fütterung sind große Heurundballen bei meinen betrieblichen Voraussetzungen die preiswerteste Lösung für konserviertes Winterfutter.

kauboi0
Beiträge: 127
Registriert: So 30. Sep 2012, 14:49

Re: Wirtschaftliche Überwinterung von Mutterkühen

#42

Beitrag von kauboi0 » Mo 11. Jan 2016, 19:41

Hallo zusammen!
Ich klink mich mal kurz dazwischen, wenns erlaubt ist :)

Also der Ansatz klingt prinzipiell ganz gut und auch logisch... Ich sehe nur einen Nachteil bzw. "Risikofaktor": Wenn du das nach diesem Konzept über längere Zeit so praktizierst, also das Futter von den nicht beweidbaren Flächen holst und auf der Weide verfütterst, kommt es mit der Zeit zu einer ungleichen Verteilung der Nährstoffe (vor allem Stickstoff). D.h. du zehrst die Nicht-Weideflächen aus, weil du ja Nährstoffe von der Fläche wegholst (Futter), ohne dass wieder welche zurückkommen (Mist). Im Gegenzug dazu werden die beweideten Flächen langfristig überdüngt, weil das zugeführte Futter ja in Form von Kot und Harn als Dünger auf die Fläche kommt. Das könnte evtl zu einer "Unkraut"-Problematik führen (z.B. Ampfer...), oder im schlimmsten Fall zu einer Belastung des Grundwassers...

Da ich deine Flächen ja nicht kenne, also weder Bodenbeschaffenheit noch Klima noch sonstwas...maße ich mir natürlich kein Urteil an... Ich wollt das nur mal zu bedenken geben :)

Alles Gute und schöne Grüße,
kauboi

Benutzeravatar
MeinNameistHASE
Moderator
Beiträge: 1155
Registriert: So 17. Apr 2011, 19:51
Familienstand: Single
Wohnort: Zwischen Monte Kali und Wasserkuppe in der Rhön

Re: Wirtschaftliche Überwinterung von Mutterkühen

#43

Beitrag von MeinNameistHASE » Mo 11. Jan 2016, 20:09

kauboi0 hat geschrieben:Wenn du das nach diesem Konzept über längere Zeit so praktizierst, also das Futter von den nicht beweidbaren Flächen holst und auf der Weide verfütterst, kommt es mit der Zeit zu einer ungleichen Verteilung der Nährstoffe (vor allem Stickstoff). D.h. du zehrst die Nicht-Weideflächen aus, weil du ja Nährstoffe von der Fläche wegholst (Futter), ohne dass wieder welche zurückkommen (Mist).
Hallo,

Ein geringer Anteil N kommt schon wieder auf die Flächen zurück, durch bspw. die N-Bindung. Im Nährstoffvergleich der LWK Nordrhein-Westfalen wird diese mit je 10kg N/ha für ein und zweischnittige Wiesen bewertet. Die Hessen sind da noch etwas großzügiger und rechnen mit (nagelt mich nicht drauf fest) 40 kg/ha.

Und da die Flächen im Wasserschutzgebiet bzw einem Düngeverzichtsprogramm unterliegen ist es doch umso erfreulicher, das mehr N abgefahren wird, als nachkommt. Dann kann auch umso weniger ausgewaschen werden und es kann sich wieder artenreichere Vegetation bilden.

lg Jonas

Benutzeravatar
Manfred
Beiträge: 15229
Registriert: Di 3. Aug 2010, 11:15
Familienstand: ledig

Re: Wirtschaftliche Überwinterung von Mutterkühen

#44

Beitrag von Manfred » Mo 11. Jan 2016, 20:12

Ja, die nur gemähten Flächen werden abgemagert. Das ist von staatlicher Seite so gewollt. Und ohne die Beihilfen sind sie nicht zu bewirtschaften. Macht mich zwar nicht glücklich, aber ist halt erst mal so.
Überdüngung der restlichen Flächen ist kein Problem. Es wird über die verkauften Tiere ja Stickstoff abgeführt und kein Stickstoffdünger zugekauft. Das spielt sich alles weit weg von irgendwelchen kritischen Konzentrationen ab. Die Frage ist vielmehr, wie ich mehr Stickstoff aus der Luft einfangen kann.

Oelkanne
Beiträge: 2175
Registriert: Do 13. Aug 2015, 11:52

Re: Wirtschaftliche Überwinterung von Mutterkühen

#45

Beitrag von Oelkanne » Mo 11. Jan 2016, 21:11

Ja, die nur gemähten Flächen werden abgemagert.
Dann wird das also nix mit der 5-Schnitt-Wiese ;)
kein Stickstoffdünger zugekauft.
hast du nennenswerte Mengen an Festmist mit dem du die Wiesen düngst?
Die Frage ist vielmehr, wie ich mehr Stickstoff aus der Luft einfangen kann.
durch sehr Klee/Luzerne reiche Mischungen, oder 2 Jahre winterharter Klee/Luzerne und dann 2 Jahre winterhartes Weidelgras gemischt mit Klee.

Bei Variante 2 müsste das Weidelgras durch die Luzerne/den Klee wachsen, wenn man vorher scharf mit einer Schleppe durchfährt, und nach der Saat einstriegelt und anwalzt.

Nach 4 (oder 5 Jahren) musst du eh umbrechen das die Fläche Acker bleibt.
Wird dazu gepflügt oder nur gegrubbert/beschreibt?
Was kommt dann ein Jahr lang drauf?
Erbsen oder Ackerbohnen würden zusätzlich Stickstoff in den Boden schaffen, sind aber relativ anspruchsvoll im Anbau (Erbsen anspruchsvoller als AB) aber irgendwann wird dein Boden evtl. Leguminosenmüde.

Weist du ob man bei dir die Leguminosenförderung für Luzerne abgreifen kann?
beim kurzen Googeln kamen da rund 100€ pro ha und a raus.

Antworten

Zurück zu „Rinder“