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Re: Wölfe

Verfasst: Mi 26. Sep 2018, 17:04
von emil17
Zwei Dinge hierzu:
a) Wolf und Mensch können nebeneinander, aber kaum miteinander leben. Ist eine Frage der Bevölkerungsdichte. Würden Wölfe die überhöhten Rotwildbestände dezimieren, statt auf die einfacher zu erwischenden Nutztiere zu gehen, wäre das Problem keins.
In Mitteluropa, um das es hier geht, ist alles Dauergrünland unterhalb der Waldgrenze menschengemacht und durch menschliche Aktivität in diesem Zustand. Die Almflächen sind auch Teil dieser Wirtschaft, denn sie ermöglichen es, tief gelegene Dauergrünflächen für die Winterfuttergewinnung frei zu halten.
Nomaden haben zwar auch Viehherden, aber sie sind nicht für den Zustand der Weidegründe durch eigene Anstrengung verantwortlich. Deshalb kann man die Verhältnisse in Sibirien und Nordamerika zur Zeit der Pioniere schlecht mit denen Mitteleuropas vergleichen.

b) Wenn in einer wolflosen Gegend plötzlich wieder Wölfe vorkommen, müssen die Menschen durch Herdenschutz oder anderswie ihre traditionelle Nutzung gegen die neue Bedrohung ihrer Existenz schützen, weil die Wölfe direkt die Nutztiere bedrohen, auf welche die Landbevölkerung angewiesen ist). Diese erhebliche Zusatzbelastung ihrer Lebensgrundlage wird ihnen durch Beschluss Dritter zugemutet, die von den Nachteilen nicht betroffen sind und auch nicht in den betroffenen Gegenden leben.
Die Leute, die Wildschweine herzig finden, gehören auch zu diesen und haben selbst keine Flächen mit regelmässigem Wildschweinschaden.

Die traditionelle Viehnutzung auf extensiv nutzbarem Grünland - das sind die Gebiete, die am ehesten "wolffähig" sind - ist nicht einfach zufällig, sondern exakt auf Traditionen, Klima und Nutzungsbedingungen der jeweiligen Gegend abgestimmt. Man kann daher nicht einfach beschliessen, bei Konflikten zwischen Wolf und Mensch müsse halt der Mensch seine Nutzung so ändern, dass der Wolf darin Platz habe.

Re: Wölfe

Verfasst: Mi 26. Sep 2018, 19:02
von Benutzer 72 gelöscht
Wer schützt meine Kinder am Spielplatz? :hmm:
nicht vor Wölfen! .....

Wer meinst du denn sollte dafür aufkommen, dass Wölfe gefährliche Wildtiere sind?

Re: Wölfe

Verfasst: Mi 26. Sep 2018, 22:26
von Rohana
ina maka hat geschrieben: Wer meinst du denn sollte dafür aufkommen, dass Wölfe gefährliche Wildtiere sind?
Die gesamte Gesellschaft, die als ganzes ("demokratisch") dafür ist, dass der Wolf wieder angesiedelt wird, hat die Schäden und die Verantwortung zu tragen. Wer denn sonst?

Re: Wölfe

Verfasst: Do 27. Sep 2018, 07:10
von Benutzer 2354 gelöscht
ja der Wolf hat keine Meldeadresse , das macht die Haftbarmachung des Wolfes für Deutsche Behörden zumindestens zu einer Herausforderung. Und da der Wolf auch keinen Ausweis hat ist der Deutsche Beamte mit dem Wolf schlichtweg überfordert.

Re: Wölfe

Verfasst: Do 27. Sep 2018, 14:26
von Rati
@emil: vollkommen richtig deine Punkte.
emil17 hat geschrieben:a) Wolf und Mensch können nebeneinander, aber kaum miteinander leben.
nebeneinander mit räumlichen Berührungspunkten wäre machbar.
emil17 hat geschrieben:b) Wenn in einer wolflosen Gegend plötzlich wieder Wölfe vorkommen, müssen die Menschen durch Herdenschutz oder anderswie ihre traditionelle Nutzung gegen die neue Bedrohung ihrer Existenz schützen, weil die Wölfe direkt die Nutztiere bedrohen, auf welche die Landbevölkerung angewiesen ist).Diese erhebliche Zusatzbelastung ihrer Lebensgrundlage wird ihnen durch Beschluss Dritter zugemutet, die von den Nachteilen nicht betroffen sind und auch nicht in den betroffenen Gegenden leben...
sehr richtig und auf das unterstrichene bezogen das größte Dilema, wobei nicht alle die diese Beschlüsse fassten zur Gruppe "weit weg und nicht praktisch betroffen"gehören.
Und auf das blau geschriebene darf in dieser Kombination einfach nicht sein.
emil17 hat geschrieben:Nomaden haben zwar auch Viehherden, aber sie sind nicht für den Zustand der Weidegründe durch eigene Anstrengung verantwortlich. Deshalb kann man die Verhältnisse in Sibirien und Nordamerika zur Zeit der Pioniere schlecht mit denen Mitteleuropas vergleichen.
ist auf die Weidegründe, Herdenschutz und die Kosten bezogen richtig, kommt ja aber aus dem Artikel mit dem Thema Übergriffe des Wolfes auf Menschen, und da kann mensch schon auch die nomadischen mit in die Betrachtung einbeziehen, die lebten (und leben) quasi am ungeschützesten mit dem Wolf im selben Raum.
emil17 hat geschrieben: Man kann daher nicht einfach beschliessen, bei Konflikten zwischen Wolf und Mensch müsse halt der Mensch seine Nutzung so ändern, dass der Wolf darin Platz habe.
nee sollte mensch nicht, mensch sollte gemeinsam etwas erarbeiten und klare Grenzen zwischen Wolfsrevier und menschlichem Nutzungsgebiet ziehen. Teritoriale Rudel können nur da geduldet werden wo sie Platz haben, durchziehende Tiere kann mensch auch mal in seiner Nähe dulden. Vergrämung und oder Abschussregelungen müssen gemacht werden, regionales Vorgehen muss nach vorgabe von Rahmenbedingungen justierbar sein.

Grüße Rati

Re: Wölfe

Verfasst: Do 27. Sep 2018, 14:28
von Rati
btw
ihno hat geschrieben:ja der Wolf hat keine Meldeadresse , das macht die Haftbarmachung des Wolfes für Deutsche Behörden zumindestens zu einer Herausforderung. Und da der Wolf auch keinen Ausweis hat ist der Deutsche Beamte mit dem Wolf schlichtweg überfordert.
es gab und gibt auch erhebliche Schäden gerade bei Schafhaltung- durch wildernde Hunde. Die haben zwar ne Meldeadresse aber wenn der Besitzer nicht nachgewiesen werden kann bleibt der Schäfer komplett auf seinen Kosten sitzen und bekommt nicht einmal die "Wiedergutmachen" die ihm bei einem Wolfsriss zusteht.

Grüße Rati

Re: Wölfe

Verfasst: Do 27. Sep 2018, 16:10
von Adjua
Rati, bitte wach auf.

Es gab immer Schäden durch wildernde Hunde, aber die Almbauern haben sich dadurch nicht in ihrer Existenz bedroht gefühlt.

Beim Wolf tun sie es sehr wohl. Warum wohl?

Noch einmal: Wenn der Wolf in den Alpen heimisch werden darf, wird es keine Almwirtschaft mehr geben. Aufgrund der Wolfsrisse in Salzburg haben schon einige Almbauern aufgehört. Das heißt, die Alm wird zuwachsen, sie ist für immer verloren.

Das heißt aber auch, dass durch die Verbuschung das Spazierengehen auf saftigen Almwiesen, die es dann nicht mehr gibt, nicht mehr möglich sein wird. Niemand geht nämlich gerne zwischen Wacholder und Almrosen spazieren, besonders dann, wenn die Almrosen nicht blühen (sie blühen dann, wenn keine Touristen da sind.)

Ich weiß, dass viele Wolfsbefürworter glauben, dass der Bauer sowieso nichts wert ist, und seine Tiere möglichst aus seiner Hand befreit werden müssen ( auch wenn der Tod durch einen Wolf sehr qualvoll ist), aber kann man so einfach die Zerstörung einer Kulturlandschaft befürworten, die unsere Vorfahren seit dem Mittelalter geschaffen haben?

Wenn es soweit kommt, dass der Wolf die Bewirtschaftung der Almen großflächig verhindert, gibt es auch keinen Tourismus mehr, schon gar nicht im Sommer.

Das ist eine kalte Enteignung. Man nimmt den Bauern ihre Weideflächen weg, man nimmt den Jägern ihre Jagdreviere weg ( was ja in Wirklichkeit der feuchte Traum aller Wolfsbefürworter ist), und hier in Tirol nimmt man denn Tirol an ihre wirtschaftliche Grundlage weg, nämlich den Tourismus. Das freut vielleicht den Berliner oder Wiener Veganer, der eh nicht wandern oder Skifahren geht und nicht in die Alpen kommen will, bzw. alpinen Tourismus als perverse Kommerzialisierung schöner Naturlandschaft sieht. Der fliegt lieber nicht ganz CO2 neutral weit weg, wo es exotischer ist.

Das ist die Realität. Es ist nicht der egoistische Mensch, der ein paar arme kleine Wölfe nicht erlauben will, sondern das Diktat einer weit entfernten Minderheit, die anderen ein paar Wolfsrudel aufzwingen will, damit sie sich weit weg von allen Problemen als gute Menschen fühlen können.

Die anderen, die die Konsequenzen tragen sollen, werden ständig als dumm ungebildet und verständnislos hingestellt. nicht bloß aus böse Absicht, Rati ich glaube dir dass du es gut meinst.

Nur ich wiederhole, du hast keine Ahnung: Man kann Almen nicht einzäunen, sogar schon gar nicht wolfssisicher, man kann auch Almtiere mit Herdenschutzhunden nicht schützen. Es gab bereits entsprechende Experimente, es gibt eine Petition des Tiroler Bauernbundes, und es gibt eine ganze Initiative der Almbauern gegen den Wolf, und das ist nicht ohne Grund.

Re: Wölfe

Verfasst: Do 27. Sep 2018, 16:47
von Benutzer 72 gelöscht
Adjua hat geschrieben:Wenn der Wolf in den Alpen heimisch werden darf, wird es keine Almwirtschaft mehr geben. [....] die Zerstörung einer Kulturlandschaft befürworten, die unsere Vorfahren seit dem Mittelalter geschaffen haben[....]
Das ist eine kalte Enteignung. Man nimmt den Bauern ihre Weideflächen weg, man nimmt den Jägern ihre Jagdreviere weg
"Man"??
Und was nimmt man ihnen weg?
Ja, gab es denn im Mittelalter keine Wölfe?
sind das moderne Folterinstumente, die die bösen Wiener oder Berliner erfunden haben, um die Tiere aus Hand der Bauern zu befreien? :dreh:
Seit wann werden denn die Almen beweidet?

p.s.: für mich ist jeder Mensch ein Mensch und jedes Lebewesen hat seine Existenzberechtigung.
Aber so wie wir Schweine schlachten, um sie zu essen, so macht das eben auch der Wolf gerne. :im:

Re: Wölfe

Verfasst: Do 27. Sep 2018, 17:16
von strega
ein mir sympathischer Beitrag aus Salzburg zum Thema Herdenschutzhunde

ist ein Projekt aus gegebenem Anlass...

https://www.sn.at/salzburg/chronik/herd ... g-28304086

Ich denke schon, dass mit Herdenschutzhunden echt was machbar ist in Sachen Wolf
und kenn die Maremmani zunehmend gut in Sachen Herdenschutz
und ich trau denen sehr viel zu

und ich frag mich, wie läuft das denn in Gegenden und Ländern, wo der Wolf traditionell heimisch ist
die haben doch auch Nutzvieh dort

und werfen wegen dem Wolf nicht alles hin diesbezüglich

Maremmani und Wanderer.... könnt ein Thema sein in Tirol, ist es hier auch zuweilen



aber Maremmani sind sehr intelligent und könnten es sicherlich lernen, mit Wanderern anders umzugehen als mit Wölfen....
aber das wär ein Thema für kompetente Hundeausbilder und deren Unterstützer

bin seit paar Monaten Haupt-Bezugsperson für ein tolles Maremmano-Welpen-Mädel
und ich kann sagen, dass sie super lernfähig ist, wer Freund und wer Feind ist
von daher bin ich überzeugt, dass Herdenschutzhunde auch lernen können, dass Radfahrer und Wanderer ok sind und Füchse und Wölfe nicht.....
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...und mir grad noch zugelaufen, dieser Artikel aus Brandenburg,
wo es anscheinend funktioniert mit dem Herdenschutz im Wolfsgebiet

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/ ... 22352.html

:flag: und wenn die Links schon wer anders verlinkt hat auf den 113 Seiten zum Thema, dann scusatemi, aber ich hatt nicht die heftige Lust, alles dazu zu durchforsten

Re: Wölfe

Verfasst: Do 27. Sep 2018, 21:43
von Rohana
strega hat geschrieben: und ich frag mich, wie läuft das denn in Gegenden und Ländern, wo der Wolf traditionell heimisch ist
die haben doch auch Nutzvieh dort
Die vergrämen den Wolf halt nicht mit Kuscheleinheiten. Wo er bejagt wird und lernt, dass der Mensch gefährlich ist, dass es keine gute Idee ist dem Menschen seine Viecher zu fressen - da ist er sicherlich (eher) managebar.