Thomas/V. hat geschrieben:
(Vielleicht sollte man das auch hier abtrennen und ein neues Thema aufmachen? Ist ja weniger ein "Wochenthema" sondern ein grundsätzliches Problem.)
Ja, dazu brauchte beim Fred-Titel nur ..." der Woche" gestrichen werden.
Es gibt bestimmt eine ganze Menge von Gründen, weshalb bei Vielen der Gemüse und Früchteanbau nicht so klappt, wie sie das erhoffen. Ich lese immer mit einem tränenden Auge hier Beiträge aus Spanien oder anderen klimatisch begünstigten Regionen in Österreich, aber auch Deutschlands. Nur mit erheblichem Aufwand wäre in weniger begünstigten Lagen (hier: Höhenlage, schlechtes Kleinklima) auch nur annähernd eine Vegetationsperiode mit entsprechender Vielfalt in 9 von 12 Monaten möglich. Gut, das Klima ändert sich merklich ungünstig, aber obwohl es hinsichtlich der Forschung in den vergangenen Jahrzehnten Fortschritte auch hinsichtlich angepassteren Saatgutes gegeben hat, werden unsere Ansprüche, was "gehen" sollte, auch immer grösser. Blicke ich speziell in unserer Region zurück in die Vergangenheit, zeigt sich mir folgendes Bild:
Die Menschen lebten in Einzelgehöften als weitestgehende Selbstversorger mit jeweils einer Hand voll Kindern. 1 - 5 Kühe, 1-2 Schweine, Kaninchen und Hühner, sehr oft auch Bienen. Brot wurde auf Vorrat gebacken, geheizt wurden 1-2 Räume der grossen Häuser mit eigenem Holz.
Im Garten wuchs Kohl, Kartoffeln, Möhren und Salat. Getreide musste gekauft, oder getauscht werden. Ausser einer einzigen Sorte ganz kleiner saurer Äpfel (was daraus gemacht wurde, weiss ich bis heute nicht) wuchs hier auch kein Obst. Ich habe mich gefragt, weshalb hier alte Kirschbäume stehen, die aber nie Kirschen trugen? Das Wenige, was Klima und Boden hergab, wurde kreativ ergänzt. Aus Blättern(!) von Kirsch- und Nussbäumen wurde z.B. durch Auszüge Likör hergestellt, aus den runzligen Äpfeln Schnaps gebrannt.
Und ich warte seit 15 Jahren auf Nüsse an unseren gepflanzten Bäumen ... Und wenn dann durch günstige Frühjahre mal 5 Nüsse dran waren, haben sie die Eichhörnchen geholt. Das lässt sich fortsetzen mit Anbauversuchen von Bärlauch, Maiglöckchen, Zwetschgen - Arten, die es hier nie gegeben hat. Der Boden hier ist sauer und entsprechend muss der Kulturboden aufbereitet werden, um ganz verschiedenen Ansprüchen der Pflanzen zu genügen.
Ausserdem laden wir die Mundräuber geradezu ein, an unseren Anbau- und Aufzuchtversuchen teilzuhaben. Die Mittelgebirge sind ursprünglich keine Region für Graureiher. Mit der ersten Teichanlage mit Fischbesatz, sind sie ständige Gäste geworden und ausgesprochen erfolgreich. Fuchs, Habicht, Marder & Co hat es hier schon immer gegeben, aber, mit den menschlichen Versuchen, hier etwas für den Verzehr anzubauen oder aufzuziehen, ist ihr (Über)leben wesentlich einfacher geworden.
Und deswegen tun sich dies nur wenige Individualisten an, die immer auf der Suche nach einem Kompromiss sein sollten, in Abhängigkeit von Region und Klima, zwischen den Ansprüchen an die Neuzeit und der Sehnsucht nach dem einfachen Leben einen möglichst wenig frustrierenden Kompromiss zu finden.
Soweit bin ich inzwischen schon, dass ich innerlich lächelnd und ohne neidisch zu werden über Beiträge hinweg lese, wo Neulinge Pflanzen anbauen, deren Namen sich mir erst nach der I-Net Recherche erschliessen würden, anstatt erstmal mit Kartoffeln zu beginnen ...