Der Notfall ist nicht plötzlich da, er kam wochenlang langsam schleichend auf uns zu.
Das eigentliche Problem sehe ich darin, dass wochenlang die irrationale Hoffnung herrschte, dass 'dieses Problem' sich irgendwie auf China oder zumindest Asien beschränken würde, dass es ein Problem der kühlen Jahreszeit wäre (Thailand WTF?), dass es irgendwie weggehen würde (Trump).
Noch bis letzte Woche wurde gebetsmühlenartig wiederholt, dass es nicht schlimmer als eine Grippe wäre, ich selber habe bis Mitte der Woche von Bekannten Videos zugeschickt bekommen, wo sich auf dämlichste Weise darüber lustig gemacht wurde - und ich habe einen sehr selektierten Bekanntenkreis. Dazu kommt, dass viele Menschen nicht multiplikatorisch denken können, beim Einschätzen exponentieller Entwicklungen steigen die aus.
Der derzeit in Deutschland wohl am häufigsten zitierte Virologe Drosten sagte vor 2 Wochen oder so in einem Interview, dass er den Leuten empfehle, die zur Verfügung stehenden Artikel genau zu lesen und auch gerne zwei Mal zu lesen. Damals fand ich es unverantwortlich wenig, heute denke ich, vielleicht war das aus irgendwelchen Gründen alles was er sagen konnte: Lest zwischen den Zeilen!
Wie geht es euch dabei?
Für mich fällt einerseits eine große Last ab weil es nun endlich keine 'Panikmache' mehr ist sondern allgemeiner Konsens. Obwohl ich mich einen Scheiß darum kümmere, welche Denkrichtung gerade angesagt ist und es gewohnt bin, Einzelgänger zu sein, war der Spagat zwischen der Welt da draußen mit den ganzen Susi Sorglos' einerseits und den beunruhigenden Informationen andererseits groß und auch für mich eine Belastung.
Mehr muss man dazu auch gar nicht sagen, jetzt ist es eh egal und wichtig sind die kommenden Wochen und Monate.
Wir haben - wie die meisten hier - ja auch Vorräte, um eine Weile klarzukommen, weil:
- Einkaufen eh keinen Spaß macht und man lieber einmal viel als mehrmals wenig kauft
- die Ernte eben verarbeitet werden will
- man vielleicht mal eine Weile krank ist, Kunden nicht abrechnen kann und keine Kohle reinkommt
- der logische Menschenverstand es verlangt
Ansonsten haben wir es so gehalten, dass wir uns ab Januar abgestimmt haben, wie wir den Verlauf einschätzen. Ich habe da schon gesagt, dass das Familientreffen im April nicht stattfinden werden kann und Wacken im August abgesagt werden wird, vielleicht sogar das Schuljahr ausgesetzt wird. Bis Ende Februar habe ich jedes Mal, wenn neue Erkenntnisse dazu kamen unsere Vorbereitungen angepasst und wir haben tagesaktuell geguckt, wie lange wir welche Kontakte aufrecht erhalten.
Ich selber kann es mir gesundheitlich nicht erlauben, mich unnötigen Risiken auszusetzen und bin zeitig mit den Kindern auf Tauchstation gegangen.
Erleichtert wurde die Entscheidung dadurch, dass im Kindergarten der Tochter sowie der angrenzenden Schule ein wirklich heftiger Atemwegsinfekt umgeht, der die Leute auch locker 4 Wochen ausser Gefecht setzt. Den hatten/haben wir auch. Insofern waren wir eh aus der Schusslinie.
Dass die Supermarktregale jetzt leer sind ist ja auch ein gutes Zeichen: es sind also noch Menschen aufgewacht und haben die empfohlenen Reserven angelegt und dann: die Sachen sind jetzt da, wo sie hingehören

in den Speisekammern und HWRs der Leute.
Desinfektionsmittel gibt es hier schon länger nicht mehr, Masken auch nicht. Auch das Krankenhaus hat nur wenige Masken. Antibiotika konnte der Apotheker noch bis Ende letzter Woche vorhalten, was danach kommt, weiss er nicht. Er sagt, Antibiotika wären fast alle in Wuhan hergestellt worden und wenn man sich die Livecams von Wuhan anguckt, ist da immer noch alles still.
'Planen fuer den Notfall oder nicht?'
Ja, jeder hatte wohl bislang so seine eigene Idee von Notfall und egal welcher es geworden wäre, ich glaube, man kann eh nur teilweise vorbereitet sein. Es wird noch viele Situationen geben, wo die Gesellschaft und Politik improvisieren muss.
Ich hoffe, dass du Hildegard mit den deinen gut durch diesen Notfall kommst! Mein Eindruck ist aber, dass man fast nicht besser gerüstet sein kann.
Was die Kontakte angeht, die du zu deiner Tochter lässt würde ich mir eben immer überlegen, was machen diese Leute sonst den ganzen Tag, wer sind ihre Kontakte. Dann ist die Entscheidung leicht finde ich.