Wildmohn hat geschrieben:Man kann die Sache drehen und wenden, aber das Prinzip bleibt bestehen: Nämlich eine industrielle Landwirtschaft, die großen Schaden anrichtet und größtenteils Zerstörung und Krankheiten verursacht. Das sollte man beim "klein-klein analysieren" nicht aus den Augen verlieren.
Wenn du das so ganzheitlich beurteilst. sollstest du aber auch folgendes erwähnen: DIese industrielle Landwirtschaft schafft es immerhin, 230 Einwohner pro Quadratkilometer so zu ernähren, dass die Lebenserwartung der Bevölkerung so hoch ist wie nie zuvor in der Geschichte, und dass die Lebensmittel so billig sind wie nie zuvor, gemessen an der Kaufkraft der Bevölkerung.
Nur eine effiziente Nahrungsmittelproduktion gibt der Mehrzahl der Bevölkerung genug persönliche Freiheit, um sich anderem widmen zu können, als sich den ganzen lieben langen Tag damit beschäftigen zu müssen, überhaupt irgendwas auf den Tisch zu kriegen. Was "das gewöhnliche Volk" mit seiner so gewonnenen Freizeit anfängt, ist dann wieder eine andere Frage.
Dazu hat nicht nur die industrielle Landwirtschaft beigetragen.
Aber dass sie "nur" großen Schaden anrichtet und größtenteils Zerstörung und Krankheiten verursacht, das sollte man so nicht stehen lassen.
Ein grosser Teil der heutigen Zivilisationskrankheiten ist der schlichten Tatsache zu verdanken, dass die meisten Leute früher wegen Kriegen, wegen irgendwelchen Krankheiten, die heute kein Thema mehr sind (Diptherie, Tuberkulose, Kindbettfieber ... ), und eben auch wegen Mangelernährung, gar nicht so alt geworden sind, um daran krank zu werden.
Ich bin nicht blind gegenüber den Kollateralschäden der heutigen Industriegesellschaft. Aber generelle Rundumschläge nach dem Prinzip "ich beiss in die Hand, die mich füttert" helfen nicht weiter und sind genau so einseitig, wie wenn man Landwirtschaft nur nach dem kurzfristigen Rendite-Prinzip betreibt.
Ich bin der Meinung, dass vieles besser gehen könnte und dass Substanzen wie Glyphosat in der Lebensmittelproduktion die absolute Ausnahme bleiben sollten (damit wir wieder beim Thema sind). Als Konsument habe ich zudem das Recht, DInge, Lebensmittel oder Methoden auch dann abzulehnen, wenn "wissenschaftlich" aus Sicht der Produzenten nichts dagegen spricht, sie anzuwenden.
Nur ist das dann im Detail eben kompliziert - um nachhaltige und umweltverträgliche Landwirtschaft in einer Marktwirtschaft mit Gewerbefreiheit und Unternehmertum zu erreichen, müssen die Rahmenbedingungen anders sein als sie es heute sind. Glyphosat ist ein Symptom, nicht das eigentliche Problem.