emil17 hat geschrieben:In jeder halbwegs ernstzunehmenden wissenschaftlichen Tagung würdest Du mit dieser Argumentationsweise vom Publikum zerlegt oder schlicht nicht ernst genommen. Zahlen könnten nämlich darlegen, worüber man überhaupt diskutiert.
Ich kann und will keine Behauptungten rechtfertigen, die Du aus meinen Beiträgen heraus lesen zu müssen geglaubt hast. Du hast mir Worte in den Mund gelegt und erwartest jetzt von mir, dass ich diese mit Zahlen belege? Ist das auf dieser Art von Tagungen so üblich? Kann ich mir kaum vorstellen. Anders herum, wenn es nicht nur dort, sondern auch in Debatten in den Parlamenten so üblich wäre, wäre das eine Erklärung dafür, wieso dort so viel Unsinn verzapft wird...
Deine Frage war:
emil17 hat geschrieben:Ich möchte bitte mit Zahlen belegt sehen, wieviele Bauernbetriebe wegen Naturschutzprojekten aufgeben mussten und wieviele im gleichen Zeitraum dies ausserhalb der vorhandenen oder geplanten Naturschutzzonen tun mussten, also dort, wo, um Dich zu zitieren, "freier Entfaltung und eigenverantwortliches Handeln" noch möglich ist. Bezugsgrösse bitte ganz Deutschland oder wenigstens ein ganzes Bundesland, Zeitraum mehrere Jahre.
"Freie Entfaltung und eigenverantwortliches Handeln" Ja, diese Formulierung hatte ich verwendet, aber Du hast sie aus dem Zusammenhang gerissen und in andere Relation gesetzt, wohl um mich in die Ecke zu drängen. Ich hatte sie
natürlich nicht in Kontrast zur *Ironie an* wunderbar freien und selbstbestimmten *Ironie aus* Betriebsführung von Landwirten außerhalb von Naturschutzgebieten gesetzt, wie Du in Deiner Frage unterstellst. Viel mehr sprach ich von den insgesamt herrschenden Zuständen und den fortschreitenden Einschränkungen die Freiheit betreffend. Und zwar von den Einschränkungen, von denen wir Bürger alle immer mehr betroffen sind:
Tanja hat geschrieben:Und es schnürt uns Bürger an einer weiteren Stelle in ein enges Korsett, welches die Möglichkeiten zur freien Entfaltung, zu eigenverantwortlichem Handeln und Möglichkeiten zu einem tatsächlichen naturnahem Leben noch mehr einschränkt als es eh schon der Fall ist."
Soweit zur Klarstellung. Und nun noch einmal zum Thema an sich und zu dem, was mit Zahlen belegt werden
kann:
1949 gab es in der alten Bundesrepublik etwa zwei Millionen landwirtschaftliche Betriebe. Im Jahr 2007 waren davon noch 343.000 übrig, in ganz Deutschland 374.000. Mehr als drei von vier Bauernhöfen haben aufgegeben. Die große Mehrheit der überlebenden Höfe wird nur noch im Nebenerwerb betrieben. Und das Bauernsterben geht unvermindert weiter. Allein im letzten Jahr haben fast 5% der Bauern aufgegeben, in den letzten 20 Jahren hat sich ihre Zahl halbiert.
Quelle:
meine-landwirtschaft.de
Diese Zahlen sind Dir wohl sprechend genug. Sie zeigen sehr deutlich, wie es um die Entwicklung der Landwirtschaft bestellt ist. Und noch einmal, Emil: Kein Mensch, der in diesem Thread mitgeschrieben hat, hat behauptet, dass " NSG an der Strukturkrise der Landwirtschaft ursächlich schuld sei", wie Du mir/uns unterstellst.
Was ich inzwischen jedoch mehrfach gesagt habe ist:
Das System, in welchem die Landwirtschaft eingeschnürt ist, hat zum Bauernhofsterben (Entwicklung und Zahlen siehe oben) und vielen anderen negativen Entwicklungen und Begleiterscheinungen geführt. Und die Einschnürung, welche auf diversen Ebenen stattfindet und die bis dato nicht einmal einen von vier Höfen hat überleben lassen, wird nun noch enger geschnürt.
Unter anderem, in dem auch Naturschutzprojekte
dazu instrumentalisiert werden. Die „zufällig“ regional ansässigen Bäuerlein unterliegen dadurch nämlich nicht mehr nur den System-Diktaten, welche bereits so viele ihrer Kollegen hat aufgeben lassen, sondern sie müssen sich jetzt zusätzlich noch mit den Einschränkungen arrangieren, welche sich durch ihre regionale Ansässigkeit ergeben. Und nicht nur das: „Zufällig“ bzw. ausgerechnet sind das natürlich diejenigen Bauern, die trotz der katastrophalen Umstände bislang eisern durchgehalten haben. Sie dürfen nun ihre Betriebe nicht mal mehr in der Form weiter zu führen, die "schützenswerte" Landschaften überhaupt erst hat entstehen lassen. Das ist doch...

Außerhalb von Naturschutzgebieten wird derweil der Trend zu Masse und Industrialisierung von traditionell bäuerlichen Tätigkeitsbereichen extrem voran getrieben. Und keinen schert es ernsthaft. Wer Sehnsucht nach Natur hat, kann sich ja im Bus in ein „von Menschen unberührtes“ Naturschutzgebiet karren lassen.
Emil, falls Du immer noch nicht verstanden hast, was ausgerechnet an Naturschutzgebieten in diesem Zusammenhang der Knackpunkt ist:
Das, was den Bauern nun durch entsprechende Auflagen dort genommen wird, ist eigentlich genau das, was sie verstärkt zurück gewinnen müssten. Wir müssen wieder hin zu einem Leben in und mit der Natur. Nicht zu vergleichsweise winzigen, menschenleeren Zonen auf der einen und dafür von Industrialisierung dominierten Regionen auf der anderen Seite, in denen wir uns immer mehr der Natur entfremden und im teils umgekehrten Sinne hemmungslos die Sau rauslassen!
Wir brauchen wieder viel mehr kleine Höfe, durch die unsere Kulturlandschaft geprägt und gepflegt wird, wenn wir Massenhaltungen und Monokulturen etwas entgegen setzen wollen. Wür müssen zurück zu Artenvielfalt und pfleglichem Umgang mit der Natur in
unser aller Lebensraum! Flächendeckend und Länderübergreifend und nicht nur bezogen auf kleine Naturschutzgebiete. Diese soll es natürlich auch weiterhin geben, aber ohne überbürokratisierte Verwaltung und unter Einbeziehung des positiven Wirkens derjenigen, die sie über Jahrhunderte haben entstehen lassen, nämlich der Bauern. Und diese sollten endlich zu ihrer eigentlichen Arbeit zurückkehren können anstatt sich einen guten Teil des Tages mit Papierkram und Maßnahmen herumschlagen zu müssen, um irgendwelche „von oben“ verordneten, schwachsinnigen und realitätsfernen Auflagen zu erfüllen.
Dann könnten auch wieder vermehrt unter nachhaltigen Bedingungen gesunde Nahrungsmittel produziert werden, die regional vertrieben werden könnten. Und zwar zu Preisen, die ihrem tatsächlichen Wert entsprechen. Das Verwaltungssystem und die Subventionspolitik, die uns über so viele Jahrzehnte in diese unhaltbare Situation geführt haben und die im europäischen Zentralisierungswahn gipfelten, gehören abgeschafft und müssen ersetzt werden durch schwerpunktmäßig regional ansässige Verwaltungen, in denen Fachkompetenz herrscht. Aber das Thema hatten wir ja schon des Öfteren und auch da sind wir nicht einer Meinung.
emil17 hat geschrieben:Es geht hier ja nicht um Sekten?
Diesen Eindruck könnte man allerdings manchmal gewinnen. Da braucht nur jemand das Etikett „Umweltschutz“ oder „Bio“ auf eine Dose voller Scheiße zu kleben und die Leute fressen den Inhalt als ob Kuchen darin wäre.