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Re: Beweidete Auwiesen als wirksame CO2-Speicher

Verfasst: Mo 5. Jan 2026, 18:37
von Maria
Manfred hat geschrieben: Mo 5. Jan 2026, 18:24 Naja. Freiheit ist immer die Freiheit der anderen, nicht die eigene Freiheit, anderen Vorschriften zu machen.
In dem Fall bin ich "der andere", der frei sein will von Abgasen und Lärm 🤔
Hühner und Schweine dürfen am eigenen Grund nicht herumlaufen? - oder meinst du, wenn eine Tiergrippe herumgeistert (Seuche)?

Re: Beweidete Auwiesen als wirksame CO2-Speicher

Verfasst: Mo 5. Jan 2026, 18:40
von Zacharias
In D ist die Schweinehaltung mit hohen Auflagen verbunden, wie das in Ö ist, weiß ich nicht. Für Hühner gibt es "nur" in Grippezeiten Auflagen.

Re: Beweidete Auwiesen als wirksame CO2-Speicher

Verfasst: Mo 5. Jan 2026, 18:49
von Manfred
Freilandschweinehaltung im kleinen Maßstab ist in D kaum noch darstellbar, wegen der teuren Auflagen.
Eingegrabene Doppelzäune, Hygieneschleusen, Auflagen für betriebsfremde Personen, etc. Wobei da auch jedes Veterinäramt eine etwas andere Auslegung hat. Mancherorts ist noch möglich, wofür man andernorts umgehend ein Verfahren an den Hals bekäme.
Geflügelhaltung im Wohngebiet ist ebenfalls problematisch. Spätestens wenn ein Hahn mitlaufen soll, oder anderes lautes Geflügel wie Perlhühner, ist meist Schluss. Auf alten, als Dorfgebiet ausgewiesenen Flächen geht es eher noch.
Melde- und zeitweilige Aufstallungspflichten und Mindestanforderungen an Stallfläche etc. nach der Nutztierhaltungsverordnung muss man natürlich einhalten. Viele der für private Verbraucher im Handel angebotenen Klein-Hühnerställe erfüllen diese Auflagen übrigens nicht. Verkaufen darf man das Zeug, aber für die Einhaltung der Vorschriften ist der Halter zuständig.

Re: Beweidete Auwiesen als wirksame CO2-Speicher

Verfasst: Mo 5. Jan 2026, 22:51
von Manfred
emil17 hat geschrieben: Mo 5. Jan 2026, 14:59 Ziemlich unausgereift, denn normalerweise läuft das umgekehrt. Den Biotopen ist es wurscht was du denkst, also solltest Du ein Denkmodell entwickeln, das das Verhalten von Biotopen beschreibt, statt diejenigen Biotope als unlogisch zu bezeichnen, welche nicht in das eigene Denkmuster passen.
So ist "ich verstehe es nicht" == unlogisch. Erinnert mich an meine Kinder beim Zusammenbauen von Legoautos, als die noch klein waren: Ich mache alles richtig, aber es geht trotzdem nicht. Wääääh.
Auch ein Standpunkt.
Ich konnte dir meinen Ansatz bisher offensichtlich nicht verständlich machen.
Als treibende Kraft für die Entwicklung der Lebensgemeinschaft sehe ich die optimale Nutzung der verfügbaren Ressourcen.
Solange noch eine besetzbare Nische existiert oder eine Ressource effizienter genutzt werden kann als bisher, besteht das Potential zur Weiterentwicklung.
Da es sich um aus Sicht der Thermodynamik um ein offenes System handelt, ist der Entropiezuwachs der durchströmenden Energie ein mögliches Maß für die Nutzungseffizienz.
Ein weiteres denkbares, aber in der Praxis wohl nicht zu ermittelndes Maß ist die erzeugte Biomasse, gewichtet nach der darin gebundenen chemischen Energie. Da die mikrobielle Umsetzung sehr schnell erfolgen kann, fehlt mir die Vorstellung, wie man die bei jeder Umsetzung erzeugte Biomasse messen könnten.
Als zeitliche Maßeinheit halte ich mind. 1 Jahr für sinnvoll, bei Standorten mit starken Schwankungen der Bedingungen in einzelnen Jahren evtl. noch deutlich längere Zeiträume.
Beschränkt ist die Effizienz unter anderem durch die örtlich verfügbare Artenauswahl und Limitierung (z.B. räumlicher und zeitlicher Art) der Möglichkeiten der verfügbaren Arten.
Interessant ist dann, welches die (historisch oder aktuell) bekannte Lebensgemeinschaft mit der höchsten Ressourcennutzungseffizienz für den jeweiligen Standort und seine aktuellen Bedingungen ist.
Die
Diese Lebensgemeinschaft (oder eine bisher nicht bekannte noch effizientere) ist für mich die logische Lebensgemeinschaft für diesen Standort, so lange, bis eine noch effizientere Lebensgemeinschaft entsteht / gefunden wird.
(Über das Wort logisch lässt sich trefflich streiten, es ist ein erster Arbeitsentwurf.)
Wenn wir an dem Standort eine weniger ressourceneffiziente Lebensgemeinschaft vorfinden, was ich im Entwurf als unlogischen Zustand bezeichne), gilt es die Gründe dafür zu ermitteln.

Dabei hilft ein wachsendes Wissen über gängige Lösungsansätze der Natur.
Wird der Stoffwechsel z.B. durch Kälte oder durch Trockenheit limitiert, sind bzw. waren warmblütige Herbivoren, die in ihren Verdauungstrakten die nötige Feuchtigkeit und Wärme für die mikrobielle Umsetzung der Biomasse breitstellen, eine gängige Lösung, die Stoffwechselrate des Systems zu erhöhen.
So landen wir wieder beim schon angesprochenen Boreal, wo Kälte und im Sommer nicht selten auch Trockenheit über einen hohen Anteil des Jahres limitierend wirken. Megaherbivoren wie Mammut und Co. waren in der Lage, unter solchen Bedingungen die Produktivität des Systems deutlich zu erhöhen. Kleinherbivoren wie das Ren können das nur teilweise kompensieren und sind auch weniger in der Lage, durch hohe Schneeauflagen zu fressen oder bereits kräftige Bäume zu fällen, um an deren verdaulichen Teile zu gelangen.
Dann haben wir Effekte wie die Drainage und Belüftung von Wasserkörpern durch Megaherbivoren, wie man sie auf den Luftaufnahmen aus afrikanischen Feuchtgebieten eindrucksvoll sehen kann. Unter solchen Bedingungen können keine Hochmoore entstehen und Sümpfe in den Niederungen werden so stark belüftet, dass es auch hier kaum zu Moorbildung kommt.
Deshalb sind dort, wo die Herbivoren noch relativ lange ihr Werk tun konnten, wie in Afrika und Südamerika, nur vergleichsweise wenige Moorflächen zu finden.
Und wir haben die Verdrängung des Waldes auf Standort mit sehr hohen Niederschlägen. Die Niederschläge müssen so hoch sein, dass der Boden essentielle Nährstoffe für die Herden nicht in der nötigen Menge bereitstellen und buffern kann. Dort entstehen dann Regenwälder, die die Nährstoffe überwiegend in der lebenden und toten Pflanzenmasse speichern, der Böden aber arm sind und daher nach Rodung schnell auslaugen.
Wo die Megaherbivoren früher ausgerottet wurden, blieb mehr Zeit für die Ausbreitung von Mooren und Wäldern.
Noch obigem Modell also eine "unlogische" Verwaldung und Vermoorung Europas seit dem letzten Rückzug der Eisschilde.
Lebensgemeinschaften, die an diesen Standorten nur einen teils sehr geringen Teil der möglichen Ressourceneffizinz erreichen.
Wenn man so will, die Folge menschlichen Zerstörungswerkes, weil unsere Altvorderen Schlüsselarten aus dem Baukasten der Evolution entfernt haben.

Re: Beweidete Auwiesen als wirksame CO2-Speicher

Verfasst: Mo 5. Jan 2026, 23:13
von Manfred
Was das angebliche fehlen fruchtbarer Böden in Norden bei auftauendem Permafrost durch Klimaerwärmung angeht:
Hier eine alte Doku über die Moorkultivierung durch die Emsland GmbH.

Durch Drainage wurden aerobe Verhältnisse geschaffen und anschließend die Torfauflage nach Bedarf abgetragen, bis man die verbliebene Torfschicht durch Tiefpflügen mit dem mineralischen Boden darunter mischen konnte, um so ein fruchtbares, aerobes Substrat mit den nötigen Mineralien + Humus zu erstellen.
So würde man im Bedarfsfall auch im tauenden Norden vorgehen um schnell brauchbares Ackerland zu erlangen.

https://www.youtube.com/watch?v=m7bgZXL6RDA

Aktuell ist die Lage aber so, dass in der ehemaligen Sowjetunion noch immer gigantische, früher bereits als Ackerland bewirtschaftete und trainierte Flächen brach liegen.
Hier ein Landwirt aus Luxemburg, der in Kaliningrad einen zweiten Hof mit 3.000 ha Ackerland bewirtschaftet.
Er erzählt über die Rekultivierung von Flächen dort. Beste Böden, von denen ich hier nur träumen kann, und die selbst unter den bereits recht nordischen Bedingungen bessere Ernteerträge als hier und sogar den Sojaanbau ermöglichen:

https://www.youtube.com/watch?v=HDh-H9XFUqg
(Auch die anderen Videos über den Mann, über seinen Milchviehbetrieb, sind sehenswert. Da kann man einiges darüber lernen, wie so ein Großbetrieb (für unsere Verhältnisse) gemanagt wird.)

Re: Beweidete Auwiesen als wirksame CO2-Speicher

Verfasst: Mo 5. Jan 2026, 23:29
von Zacharias
Zu den nordischen Bedingungen kann ich mal was erklären, Kaliningrad ist ja nicht weit von mir. Die Sommer sind hier recht kurz, aber sehr intensiv. Nicht nur warm, sondern vor allem hell. Durch die langen Nächte wächst hier bei guten Bodenbedingungen alles im Zeitraffer, dadurch sind die Erträge hier echt gut. Wo liegen Flächen brach in ehemaligen Sowjetgebieten? Im Baltikum kann ich mir das schlecht vorstellen.

Re: Beweidete Auwiesen als wirksame CO2-Speicher

Verfasst: Mo 5. Jan 2026, 23:46
von Manfred
Zacharias hat geschrieben: Mo 5. Jan 2026, 23:29 Wo liegen Flächen brach in ehemaligen Sowjetgebieten? Im Baltikum kann ich mir das schlecht vorstellen.
Im Baltikum gab es ja einen starken Landwirtschaftsboom. Im Westen wurde damals nach der Wende und die ersten 10 bis 20 Jahre intensiv um Flächeninvestoren und aktive Landwirte geworben. Da dürften die meisten Flächen schnell wieder in Kultur gewesen sein.
Wenn du auf google maps Kaliningrad anschaust, siehst du noch immer viele Brachflächen.
Auch sobald du von Lettland aus über die Grenze nach Russland kommst.
Inzwischen stehen halt teils 30 Jahre alte Birkenwälder auf diesen Flächen oder sie sind zumindest teilweise verbuscht.
Die alten Waldgebiete bestehend überwiegend aus Nadelholz und sind daher in den Luftbildern optisch halbwegs gut abzugrenzen.

Re: Beweidete Auwiesen als wirksame CO2-Speicher

Verfasst: Di 6. Jan 2026, 00:00
von Zacharias
Dass es in Kaliningrad Brachflächen gibt, kann ich mir gut vorstellen, die Hürden sind da ja ziemlich groß. Auf russischem Staatsgebiet gibt es sicherlich Brachflächen, da Russland genug Ackerflächen hat und die Gegend im Grenzgebiet dünn besiedelt ist. Was da Birkenwald ist, kann ich im Luftbild nicht erkennen, die natürlichen Wälder hier sind aber immer Mischwälder Birke-Erle-Fichte, wobei die Birke meist einen starken Anteil hat. Die Birke hier ist aber nicht wir in D ein schnellwachsender Pionierbaum, sondern sehr langsam wachsendes Hartholz. Wenn da reine Birkenwälder stehen, wurden die vermutlich angepflanzt, weil das Birkenholz sehr begehrt ist.

Re: Beweidete Auwiesen als wirksame CO2-Speicher

Verfasst: Di 6. Jan 2026, 00:21
von Manfred
Das Problem bei der Birke in D ist, dass es keine verarbeitende Industrie dafür gibt.
Hier sind die Sägewerke auf Nadelholz ausgelegt, regional auf Buche und Eiche.
Fabriken wie in Skandinavien und im Baltikum, die Sperrholz, Siebdruckplatten Leimholzplatten etc. herstellen, fehlen hier komplett. Und bei den kleinen Mengen, die Anfallen, kriegt man auch keine Güterzüge oder Schiffsladungen für den Transport zusammen. Deshalb geht die Birke hier leider fast komplett ins Brennholz. Jammerschade.
Interessant finde ich den gezielten Anbau von Maserbirke fürs Kunsthandwerk im Norden. Darüber bin ich erst letztes Jahr gestolpert. Das kannte ich vorher gar nicht. Aber dafür passt hier in Mitteleuropa das Klima nicht.

Re: Beweidete Auwiesen als wirksame CO2-Speicher

Verfasst: Di 6. Jan 2026, 00:30
von Zacharias
Die geht hier leider aber auch nur für Brennholz weg. Ich hätte so gerne Dielen aus Birke gehabt, habe nur Fichte bekommen und die kommt in der Regel aus D. Daher denke ich nicht, dass es hier entsprechende Firmen gibt. Jetzt habe ich einen weichen Fußboden mit vielen Macken. Als Brennholz aber unschlagbar, ersetzt die Buche, die es hier nicht gibt.