Wildmohn hat geschrieben:
Unter einem "ursprünglichen" Bauern stelle ich mir eine Person vor, die -auch in der heutigen Zeit soll es solche geben- vornehmlich im Einklang mit der Natur, Lebensmittel oder Futter erzeugt, welche nicht gegen die Grundsätze der Natur, sondern im Einklang mit ihr produziert werden.
Im Gegensatz dazu steht der landwirtschaftliche Unternehmer, der seelenlos darauf erpicht ist, mit allen Mitteln und ohne Rücksicht auf Verluste landwirtschaftliche Produkte zu produzieren.
Die Diskussion, was "Einklang mit der Natur" eigentlich ist, wird im theoretischen Naturschutz sehr intensiv betrieben. Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Leute darunter eine traditionelle Kulturlandschaft versteht, wo kleinflächig viele verschiedene Kulturen vorhanden sind.
Diese Naturnähe ist absolut künstlich, denn alle Kulturpflanzen und Nutztiere könnten sich ohne Zutun des Menschen in der freien Natur nicht behaupten.
Was in der modernen Landwirtschaft anders ist und als Verlust empfunden wird: es stinkt häufig nach Dünger oder Chemikalien und die Landschaft wird wegen der grossen einheitlich bestellten Flächen langweilig. Nein, der Verbraucher will das nicht. Es ist ihm entweder egal, oder er nimmt es hin, oder er kann nicht viel dagegen machen.
Leider kann sich ein Landwirt nicht frei entscheiden, was er machen will, denn sein Betrieb hat ja den "Nebenzweck", ihm und seiner Familie ein Auskommen zu gewähren. D.h. er MUSS gewinnorientiert landwirtschaften, und das geht heute nur maschinell. Du willst ja (vermute ich mal) auch nicht zum halben Lohn das Dreifache arbeiten, nur damit andere Freude dran haben.
Das ist der Fluch unserer Effizienzgesellschaft.
Ich sehe, wie bereits gesagt, den Ausweg darin:
- Umweltschutzauflagen für alle (dass eine Giesserei Metallstaub nach Belieben in die Luft blasen darf, ist zu Recht verboten und jeder sieht das ein, warum sollen dann Schweinemästereien stinken und Maisäcker das Grundwasser belasten dürfen?). Wer Landwirtschaft industriell betreibt, der muss sich auch rechtlich als Industriezweig behandeln lassen.
- Keine Importe aus anderen Ländern, wenn die gleichen Produktionsstandards dort nicht eingehalten werden. Preisaufschläge, die der einheimischen Landwirtschaft zugute kommen, für Produkte, wo das nicht möglich ist.
- Abgeltung von Leistungen, die für die Allgemeinheit erbracht werden (Naturschutz im weitesten Sinne, wobei es meist auf eine abwechslungsreiche Landschaft mit hohem Erholungswert hinausläuft; in manchen Gegenden kommt noch Schutz vor Naturgefahren hinzu)
Subventionen nicht für Produkte, sondern für Produktionsverfahren. Würde Bio-Milch (was das nun genau sein soll, ist eine andere Frage) im Laden gleich viel kosten wie gewöhnliche, könnte sich die Bio-Produktionsweise auf dem Feld durchsetzen, und die Kollateralschäden (Superkühe, Kraftfutterimport usw.) würden begrenzt.
- Anerkennung von Landwirtschaft als gleichberechtigte Nutzung des Bodens - die dauernden Flächenverluste von fruchtbarem Boden für Einfamilienhäuser, Strassen, Logistikzentren und was allem sonst noch ist eine langfristige Katastrophe.
Die Bauern müssen vor allem akzeptieren, sich in ihre Produktionsweise dreinreden zu lassen, denn was man auf seinem Acker macht, ist wie jede umweltrelevante Tätigkeit nicht Privatsache. Produktionseffizienz ist nur die eine Seite der Sache. Sie führt wie in jedem anderen Industriezweig auch bei freier Konkurrenz und Deregulierung zum Ruin der kleinen und mittleren Betriebe und vor allem der Umwelt.