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Re: Waldstilllegung führt zu Artenverlust

Verfasst: Di 3. Mär 2015, 21:30
von Manfred
Evtl. findest du was in den staatlichen Statistiken zu den Baumschulen.
Hab noch einen alten Zeitungsartikel im Kopf. Ist aber schon ein paar Jahre her. Da hatten alleine die Fortbaumschulen in Brandenburg über 15 Millionen Buchensetzlinge stehen. War aber zu der Zeit, als der Waldumbau noch stärker gefördert wurde. Aber lass es jetzt noch 1/3 sein, für das eine Bundesland...
Alleine unsere kleine Waldbauernvereinigung hat jedes Jahr etliche Tausend in der Sammelbestellung.

Re: Waldstilllegung führt zu Artenverlust

Verfasst: Di 3. Mär 2015, 21:42
von emil17
Ich finde, dass Buchen gepflanzt werden zur Umwandlung von Fichtenforsten in naturnahere Wälder da, wo Samenbäume fehlen und die natürliche Verjüngung deshalb nicht funktioniert. Das ist aber nicht rentabel, also eine Naturschutzfunktion. Du hast insofern recht, als dass tatsächlich wieder Buchen gepflanzt werden. Aber eben nicht aus wirtschaftlichen Gründen.
So what ...
Beleidigen will ich dich übrigens nicht, bloss weil du einen anderen Zugang zum Thema hast. Immerhin hast du einen.
Manfred hat geschrieben: Das ist leider das Problem mit vielen "Naturschützern". Der völlig fehlende Praxisbezug.
was weisst du denn schon von mir ...

Re: Waldstilllegung führt zu Artenverlust

Verfasst: Di 3. Mär 2015, 23:44
von unkrautaufesserin
Ich glaube schon, daß die Baumschulen Millionen Buchen verkaufen. Kilometerweise Buchenhecken ziehen sich um deutsche Handtuchgärten... :holy:

Liebe Grüße, M

Re: Waldstilllegung führt zu Artenverlust

Verfasst: Mi 4. Mär 2015, 07:31
von Manfred
@Unkrautfresserin: In den Gärtenhecken stehen fast nur Hainbuchen. Die gehören zu den Birkengewächsen. Mit richtigen Buchen haben die außer der Optik wenig zu tun.

@Emil: Musst du halt mehr über dich erzählen. Was ich mitbekommen habe: In Pflanzenbestimmung bist du richtig gut und wenn ich es recht in Erinnerung habe, hast du ein Biologiestudium. Ich gehe deshalb davon aus, dass du im Bereich der Artenerfassung Praxis gesammelt hast. Aber von der praktischen Land- und Forstwirtschaft hast du offensichtlich allenfalls rudimentäres Wissen.
Was die Rodung angeht: Hier darfst du in der Feldflur vom 01.03. bis 30.09. gar keine Bäume fällen. Das Roden von Feldgehölzen und Hecken ist sowieso verboten, bzw. nur mit Genehmigung der Naturschutzbehörden und unter Einhaltung der auferlegten Ausgleichsmaßnahmen (z.B. anlegen einer größeren Hecke an anderer Stelle) möglich.
Man ist dabei aber völlig der Willkür der unteren Naturschutzbehörde ausgeliefert. Stufen die den Gestrüpp als Hecke oder Feldgehölz ein, hast du alle Auflagen. Wird es dagegen als störende Verbuschung eingestuft auf Flächen, die die Behörde gerne frei halten will, dann kannst du für die Rodung sogar Zuschüsse erhalten. Beide Arten von Einstufungen liegen oft nur 1 m auseinander.
Ebenso ist es im Vertragsnaturschutz. Ob auf einer Fläche z.B. die Mahd oder eine Beweidung gefördert wird, hängt völlig davon ab, welcher Mode im Naturschutz der zuständige Beamte gerade anhängt.
Auch ob überhaupt eine Förderung möglich ist, hängt oft mehr von persönlicher Sympathie (bist du Mitglied im selben Naturschutzverband wie der Beamte?) und den persönlichen Gestaltungswünschen des Sachbearbeiters als von sachlichen Gründen ab.
Diese Willkür ist es unter anderem, die die Sache in der Praxis extrem problematisch macht.
Lösen kann man dieses Dilemma eigentlich nur, indem man den Landwirten diese Gestaltung wieder selbst überträgt. Man könnte z.B. sagen: Du hast auf deinen 10 ha Biotopflächen von 2 ha. Dieser Flächenanteil muss erhalten bleiben. Aber wo auf den Flächen der liegt und welche Art von Biotopen, das bleibt dir überlassen. Dann könnte der Landwirt eine Hecke verlegen oder statt einer Hecke einen Froschteich anlegen oder einen Anteil Altgrasstreifen für Vögel und Käfer stehen lassen, oder Streuobstbäume pflanzen und er könnte entscheiden oder er eine Fläche beweidet oder ob der eine Magerwiese durch Mahd entstehen lässt etc.
Niemand kann sachlich belegen, ob und warum eines dieser Biotope höherwertig ist und ob es 20 m weiter rechts oder links auf der Fläche höherwertiger ist oder wäre. Diese Art Willkür muss ein Ende finden.

Re: Waldstilllegung führt zu Artenverlust

Verfasst: Mi 4. Mär 2015, 07:57
von centauri
Also hier in den heiden rings rum werden ausschliesslich buchen nachgepflanzt.
Aber auf eine art die ich aus dem bayrischen wald nicht kenne.
Zuerst kommt der harvester legt einen halben kahlschlag hin.
Also wird erst gut 50% der kiefern und meißt birken entfernt.
Dann kommt der forwarder und räumt das holz aus dem wald.
Nach dem holz wird das ganze restholz und die äste auf einen grossen haufen geschichtet.
Dann kommt ein großschredder und bläst das ganze auf containerfahrzeuge.
Und weg ist dann die hälfte der biomasse die normalerweise zur humusbildung im wald verbleiben sollte.
Dann kommt ein grosser traktor mit forstpflug und pflügt alles zwischen den bäumen um.
Im frühjahr kommt dann ein pflanztrupp und pflanzt in das gepflügte kleine buchen.
Natürlich nur buchen! Warum auch immer?
Zuletzt kommt dann ein bautrupp und bastelt einen forstzaun um die bepflanzte fläche.
Mit artenvielfalt hat das aber dann auch nix mehr zu tun.
Nach dem pflug stehen dort wirklich nur noch kiefern sonst nichts mehr.
5 jahre später stehen dort nur kiefern, buchen und brombeeren.
10 jahre später nur noch kiefern und buchen.
Also artenvielfalt ist irgendwie anders.
Kann man hier alles schön verfolgen wenn man mit offenen augen durch den wald geht.

Re: Waldstilllegung führt zu Artenverlust

Verfasst: Mi 4. Mär 2015, 10:07
von Benutzer 72 gelöscht
@Manfred: gibt es in Deutschland keine Flächenwidmungen?
Also zum Beispiel, eine Fläche ist als Ackerland gewidmet - auch wenn ich da ein paar Jährchen "faul" bin und es deshalb verbuscht, bleibt die Flächenwidmung Ackerland - ist das nicht so? Wird dann Grünland mit Umbruchsverbot daraus??
Also das fände ich sehr kontaproduktiv!

Ja, Willkür ist nie gut, da stimme ich mit dir überein.
Lernen Landwirte (in der Ausbildung?) über Umweltschutz oder können sie das von selber??

Centauri: mein ... öh egal, einer aus der Familie, in der Steiermark, der hat einen Buchenwald und setzt zwar keine nach, weil die eh von selber wachsen, aber er schwört auf Buchenholz als das beste Heizmaterial.
Buchenholz ist doch Hartholz, oder?

Aber du hast recht, so brutal eine Buchen-Monokultur anlegen ist auch nicht das Wahre......

Re: Waldstilllegung führt zu Artenverlust

Verfasst: Mi 4. Mär 2015, 10:26
von centauri
@ina
Klar ist buche super brennholz.
Stimmt so brutal kannte ich das aus dem bayrischen wald auch nicht.
Was mich eben dabei am meissten stört ist das sämtliche biomasse rausgeräumt wird.
Früher wurde das hier zwar auch so gehandhabt.
Nur das geäst wurde auf dämme geschichtet und verblieb im wald.
Und heute gehts ab in ein heizkraftwerk oder noch besser zu german pellets.
Da werden dann aber keine pellets draus wie man denken würde.
Die verwenden diese zur trocknung der späne vor der pressung.
Ein sehr ökologisches konzept :hmm:

Re: Waldstilllegung führt zu Artenverlust

Verfasst: Mi 4. Mär 2015, 11:02
von Gelöschter Benutzer 54
ina maka hat geschrieben: Also zum Beispiel, eine Fläche ist als Ackerland gewidmet - auch wenn ich da ein paar Jährchen "faul" bin und es deshalb verbuscht, bleibt die Flächenwidmung Ackerland - ist das nicht so? Wird dann Grünland mit Umbruchsverbot daraus??
nein, und nein, in D herrschen andere gesetze.

da gibt es entweder kein landesgesetz oder es hat versagt, und daher gilt bei dir das bundesgesetz (Verordnung des Bundesministers für Wirtschaft, Familie und Jugend über die Angabe und Definition der Benützungsarten und Nutzungen im Grenzkataster (Benützungsarten-Nutzungen-Verordnung – BANU – V) StF: BGBl. II Nr. 116/2010, §2.3 das besagt, dass nach 9 jahren und 364 tagen oder vorher, sobald die überschirmung bei 50% angelangt ist, das forstgesetz 1975 greift, und die fläche zu wald umzuwidmen ist und als solcher behandelt werden muss. wenn du kein weiderecht drauf eingetragen hast, was bei acker unwahrscheinlich ist, und dir auf antrag keine rodungsgenehmigung ausgestellt wird (werden kann) ist die fläche auf ewig zu wald geworden.

Re: Waldstilllegung führt zu Artenverlust

Verfasst: Mi 4. Mär 2015, 11:41
von Manfred
Ackerland wird nach 5 Jahren ohne Umbruch zu Dauergrünland.
Früher konnte man das durch eine Anmeldung als Stilllegung jeweils im 6. Jahr unterbrechen und der Ackerstatus bleib erhalten.
Leider gab es dazu 2014 ein Gerichtsurteil, dass dieses Vorgehen untersagt hat.
Deshalb müssen dieses Jahr wieder viele tausend ha Grünland umgebrochen werden, die teilweise 15 oder 20 Jahre nicht mehr gepflügt waren aber alle 6 Jahre "stillgelegt" wurden, damit der Ackerstatus nicht verloren geht.
Völlig hirnrissig, aber die EU-Bürokratie will es so. Übrigens auf Betreiben der Naturschutzverbände... Denen haben wir das ganze Theater um den Grünlandstatus zu verdanken.
Nichts hat mehr Dauergrünland vernichtet, als das heranrückende Umbruchverbot. Und jetzt kann man nicht mal mehr mit der Stilllegung tricksen, sondern muss die Wiesen wirklich alle 5 Jahre platt machen. Kostet die Bauern einen Haufen Geld (umpflügen, ein Jahr als Acker nutzen, neu einsäen, die ganzen hochgepflügten Steine wieder los werden...) und kein artenreiches Dauergrünland kann so auf diesen Flächen auch nicht mehr entstehen. Alles nur, damit der Ackerstatus und damit der Wert des Grundstücks erhalten bleibt. Dabei würden sehr viele Bauern ihre Flächen lieber als richtiges Dauergrünland nutzen...

Re: Waldstilllegung führt zu Artenverlust

Verfasst: Mi 4. Mär 2015, 15:29
von Andreas75
Emil: Ist wirklich so, mit den Buchen hier...
Vielleicht sind's keine vielen Millionen, sondern nur wenige, aber etliche hunderttausene werden auf jeden Fall jährlich gepflanzt. Umtriebszeit sind etwa 160 Jahre, und wird aktuell auch in Brandenburg viel gemacht, wo man aus noch relativ artenreichen Kiefernmonokulturen halt Buchenmonokulturen macht...

Artenreiches Dauergrünland: Wo gibt es das denn noch?
Hier in unserer Gegend (an der Sieg, Nordzipfel Rheinland- Pfalz) werden die Wiesen bis zu 6x (!) im Jahr geschnitten, und mindestens dreimal kommt teils so dick Gülle drauf, dass man sich nach dem Güllen fragt, wo denn der Acker auf einmal herkommt- so dick braun sind die vollgeklatscht...

Was mich angeht: Ich will es zwar für die Hühner nutzen und ab und zu auch mal etwas Kaminholz entnehmen, aber von unseren 1200 m² Außenbereich will ich jetzt bis zu 50 % aus der Nutzung nehmen. Auch den Nutzgarten gebe ich auf, weil der dicke Pseudogley da so nass ist und die Wiese da hinten so kalt ist, dass bis knapp zur Erntereife alle Langzeitkulturen zwar wunderbar stehen, aber dann gammelt einem alles am Strauch und an der Staude weg... Nach vier Jahrem wiederholten Schlags ins Wasser habe ich jetzt die Nase voll und lasse da Wald wachsen- pflanze einen lockeren Laubmischwald, standortangepasst, mit reichlich Strauch- und Bodenvegetation, und habe den jährlichen Frust nicht mehr, wenn man wieder monatelang gemacht und getan hat, und kurz bevor man den Lohn einfährt- bämm, wieder Gammel und Fäule vor Nasskälte...
Da nutze ich es lieber, dass da hinten, fernab jeden Gewässers, zb Schwarzerlensämlinge in zwei Vegetationsperioden von 40 auf 300 cm empor schießen- Holz ist ja auch was schönes... Da muss ich auch keine Mordpläne mehr gegen Nachbarins Zitterpappel hegen, sondern lasse deren Wurzelbrut wachsen und habe in ein paar Jahren auch davon Holz...

Ganz und gar aus der Nutzung nehmen finde ich auch doof. Kann man machen, aber wie ich schon sagte, lässt man die Finger weg, werden auf den meisten Standorten nur Brennnessel- und Brombeerfluren entstehen, die auch Monokulturen par excellence sind, wenn man so will...
Darum meinte ich: Lieber weiter Hand dran haben, mit Anpflanzung standortgerechter Gehölze diese Sukzessionsstufe überspringen und der Artenvielfalt so schnellere Entfaltungsmöglichkeit bieten.
Ganz und gar aus der Nutzung würde ich nur nehmen, wenn entsprechende Flächen von alleine noch sehr naturnah sind, wie sie zumindest in den 1990ern im guten alten Osten nicht so selten waren, und entsprechende Flora von selber wieder einwandern kann. Ansonsten sind wir weiterhin verantwortlich, das von uns sehr einseitig gelenkte Geschehen wieder hinzubiegen. Man kann keine völlig über Jahrhunderte von Menschen versaubeutelte Fläche nehmen, wie etwa gülle- überdüngte Fettwiesen auf Pseudogley, und sagen "So, Natur, mach' mal"... Die hat da auf Jahrzehnte keine Chance, weil erstmal die üblichen Verdächtigen aufkommen, die das Überangebot an Stickstoff vertragen.
Nein, da muss dann unsereins weiterhin so konsequent sein, stellenweise Umbrechen, auf jeden Fall aber flächendeckend die Sukzession durch Pflanzungen forcieren, egal ob auf Wiesen- oder Waldland, ansonsten bringt das nicht viel...
In Gewässernähe werden invasive Neophyten wie Springkraut, Staudenknöterich und Co alles überwuchern und eine Sukzession unmöglich machen, abseits wie gesagt Brennnesseln und Brombeeren, die zwar heimisch, aber nicht minder "verheerend" sind. Uns einfach so "aus der Verantwortung stehlen" geht leider wirklich nicht.
Wir müssen weiter lenken, bis die Flächen alleine klar kommen, erst dann können wir uns zurück lehnen. Und nichts spräche dagegen, einen wieder entstandenen artenreichen Laubmischwald als Plänterwald weiterhin milde zu nutzen. Das hat sich jahrhundertelang bewährt und war erst Voraussetzung für den Artenreichtum, ebenfalls die Mittelwaldwirtschaft. Seit es die nicht mehr gibt, sich alles zur intensiven Kultur wandte, ging es mit dem Artenreichtum ebenso abwärts wie außerhalb in der Landwirtschaft...

Kuckt Euch die alten Truppenübungsplätze im Osten an- das allerbeste Beispiel...
Zu Betriebszeiten Oasen, regelrechte Hot Spots der Artenvielfalt- dann wurden die allermeisten aufgegeben, und mehr und mehr werden das dichte, wegen der Altlasten ungenutzte Mischwälder. Noch sind auch die artenreich, aber schon viel ärmer als zu Nutzungszeiten, und ist der Wald erstmal älter, ist die Artenfülle auch vielleicht noch halb oder drittel so hoch wie in Nutzung.
Man kann und sollte nutzen, aber maßvoll- das ist der Trick!