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Re: Planen fuer den Notfall oder nicht?

Verfasst: Do 1. Dez 2016, 10:19
von Benutzer 72 gelöscht
Thomas/V. hat geschrieben:
Was soll denn das, dafür ist er doch entstanden!
Der Staat ist nicht entstanden, um ...
Moment mal - ist der Staat wirklich entstanden??
wurde er nicht viel mehr gemacht? :hmm:

Und soviel ich weiß, wurde er gemacht, um Steuern einzukassieren und zu verwenden - ursprünglich wohl für die "reichen Römer" und die Soldaten, oder war das nicht so??
Und das römische Reich ist untergegangen, als kein einziger "reicher" Römer mehr Getreide ernten und Kühe melken (bzw. selber kämpfen) konnte.
Als "die Bauern" ("die Sklaven") das überrissen haben, konnte auch kein Staat mehr ganze Bauernhöfe an sich reißen.
ging schlichtweg nicht mehr, weil die Menschen kapiert haben, wer es ist, der fürs Gemeinwohl sorgt ...

wann sind wir endlich soweit?? :grinblum:

Dass einer dem anderen im Notfall beisteht, war schon in den Stammesgesellschaften selbstverständlich. Die Jagdbeute wurde wohl immer schon geteilt - freiwillig!! - weil anders "der Mensch" schwer überleben kann, wir sind halt "Rudeltiere" keine Einzelgänger.

Aber ob wir deshalb den ganzen bürokratischen Überbau des Heiligen Römischen Reiches wirklich brauchen ...
hm

Re: Planen fuer den Notfall oder nicht?

Verfasst: Do 1. Dez 2016, 10:21
von Buchkammer
Lysistrata hat geschrieben:
Buchkammer hat geschrieben:Krisen-Vorbereitung: Regierung will im Notfall Bauernhöfe beschlagnahmen
Diese Meldung gabs schon zig - mal Ende August :mued:

DWN kramt halt auch oft gern irgendwelche uralt Meldungen hervor.
Oha, hab eigentlich auch erst gezögert, diese News von dieser Quelle zu erwähnen. Na ja, muss man wohl damit rechnen, wenn man zu solchen Wurschtblättern verlinkt. :aeug:

Re: Planen fuer den Notfall oder nicht?

Verfasst: Do 1. Dez 2016, 10:32
von Thomas/V.
Moment mal - ist der Staat wirklich entstanden??
wurde er nicht viel mehr gemacht?
Das habe ich ja gesagt. Bloß will es keiner wahr haben. ;)

Re: Planen fuer den Notfall oder nicht?

Verfasst: Do 1. Dez 2016, 11:56
von Benutzer 146 gelöscht
ina maka hat geschrieben: Dass einer dem anderen im Notfall beisteht, war schon in den Stammesgesellschaften selbstverständlich. Die Jagdbeute wurde wohl immer schon geteilt - freiwillig!! - weil anders "der Mensch" schwer überleben kann, wir sind halt "Rudeltiere" keine Einzelgänger.
Das funktioniert aber auch nur in einem "Rudel" von der überschaubaren Größe, wo noch Jeder Jeden kennt, das mit dem freiwilligen Teilen. Und "Einzelgänger" ist zumindest in unseren "westlichen post-industriellen Gesellschaften" ein weit verbreitetes Lebensmodell, in dem sich sehr gut "überleben" lässt - so lange das System funktioniert.
In der Kombination (Massengesellschaft + Vereinzelung) ist das mit dem Beistehen im Notfall in jedem Einzelfall eine Schlagzeile in den Medien wert - also das Gegenteil von selbstverständlich! :pfeif:

Re: Planen fuer den Notfall oder nicht?

Verfasst: Do 1. Dez 2016, 18:06
von emil17
Der Staat war ursprünglich nicht vom Haushalt des Fürsten getrennt bzw. die Aufspaltung einer eglitären Gesellschaft in Krieger und Priester und Bauern (die ersten verteidigen, die zweiten verstehen sich als das Bodenpoersonal der Götter, und die dritten ... irgendwer muss die Arbeit ja machen) führte, weil die ersten beiden Gruppen auch nur Menschan sind und gerne essen, ohne dafür zu arbeiten, zur Klassengesellschaft, wo sich die Fürsten schliesslich als von Gottes Gnaden berufen sahen. Sie können ja nichts dafür, dass das dumme Volk nur zum Arbeiten da ist.
"Als Adam schuf und Eva spann, wo war denn da der Edelmann?" Antwort: Rübe ab ( --> Bauernkriege des 16. Jahrhunerts)
Im Zuge der Aufklärung verstand sich der Fürst dann mehr und mehr als Erster Diener des Staates, aber das Steuern zahlen und Kanonenfutter spielen überliess man weiterhin den gewöhnlichen Leuten.
Nach der französischen Revolution wurde Egalité, Liberté, Fraternité bald zu einem Freibrief der Kapitalisten. Bloss weil wir alle gleich sind, heisst das ja nicht, dass alle gleich viel haben und die Reichen plötzlich selber arbeiten müssen.
Auch die Gewaltentrennung hlft hier nicht weiter, denn die guten Posten werden überall mit Leuten aus den besseren Schichten besetzt.

Aus dem Selbstverständnis des Staates heraus muss jeder alles geben, wenn der Staat von aussen oder innen in seiner Existenz bedroht ist. ("Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche") In der Praxis heisst das, die Männer werden im Kriegsfall als Soldaten verheizt oder in Rüstungsbetrieben zwangsverpflichtet. Nahrungs- und Produktionsmittel werden zwangsbewirtschaftet oder beschlagnahmt. Reiche Leute werden nicht verheizt, denn die sind kriegswichtig. Arme und Alte lässt man verhungern, woran der böse Feind schuld ist.

Heute lebt man aber insofern besser, weil die Gefahr, in einen neuen Krieg eingezogen zu werden, geringer ist als je, und weil man dich in Ruhe lässt, wenn du deine Steuern zahlst und nicht lästig bist.
Sobald es aber an die wirtschaftlichen Interessen des Grosskapitals geht, wird einem sehr deutlich klargemacht, dass eben doch nicht alle gleich sind.

Dass bei Zwangsbewirtschaftung der Landwirtschaft und Preisdeckelung das Ziel, allen Leuten gleichen Zugang zu Nahrungsmitteln zu verschaffen, nicht erreicht wird, hat sich jedes Mal und in jedem repressiven politischen System gezeigt. Bei nicht kostendeckenden Preisen oder Gefahr der Beschlagnahme hat man keinen Grund, mehr als nötig zu produzieren. Dennoch ging es der Landbevölkerung im Vergleich noch gut. Als Fabrikarbeiter wurde man zwangsverpflichtet bei Lohnbindung, und war der Lebensmittelknappheit hilflos ausgeliefert. Ein unterschlagenes Huhn gebraten auf dem Tisch macht besser satt als eine Lebensmittelkarte, wenn es nix zu kaufen gibt. Das merken irgendwann mal auch die obrigkeitsgläubigen Nationalisten und daran ist - zum Glück - bisher noch jedes Zwangssystem gescheitert.
Ich denke deshalb, dass Bauernschläue auch in Zukunft eine gute Taktik gegen derartige Zumutungen von oben ist. Allerdings muss man ziemlich klug sein, um glaubhaft den Dummen spielen zu können.

Das Problem der Obrigkeit liegt vereinfacht dargestellt darin, dass drei Dinge nötig sind, die sich miteinander nicht vertragen.
Der (im Sinne der Obrigkeit) gute Bürger muss klug, arbeitsam und obrigkeitstreu sein.
Ist man klug und arbeitsam, ist man nicht obrigkeitstreu, (klug sein und in ein Fass ohne Boden arbeiten passt nicht zusammen)
Ist man obrigkeitstreu und arbeitsam, ist man nicht klug, siehe vorher.
Ist man klug und obrigkeitstreu, ist man nicht fleissig, sondern lässt die anderen den Dreck machen.
Die Katatrophe tritt dann ein, wenn die fleissigen Dummen Überhand nehmen, denn die verderben alles. Das tritt irgendwann unweigerlich ein, denn der kluge Krieger weiss, dass er weit vom Geschütz weg alt wird, und macht sich rar wo er kann.
Diese Regel hat sich auch in den Siegerstaaten stets bewährt, denn auch dort haben die Kriegsbeschädigten die Arschlarte gezogen. Weil man Kriege nicht gewinnen, sondern bloss übrigbleiben kann (der Verlierer ist völlig ruiniert, der Sieger fast völlig), kann man auch beim Besiegten nichts holen. Also müssen die Vertreter der bessern Klassen auch in den Siegerstaaten auf Kosten der eigenen Bevölkerung leben.

Eine egalitäre Gesellschaft kann es aber auch nicht geben, denn nicht alle sind gleich brauchbar. In der Gruppe, wo jeder jeden kennt weiss man genau, wer was kann und leistet. Sobald die Gruppe zu gross dazu wird, tritt obige Regel in Kraft.

Als Optimist darf man daher annehmen, dass man heute in einer ziemlich guten Welt lebt. Als Pessimist hat man Grund zur Annahme, dass das zutrifft.

Für die Notfallvorsorge haben wir relativ gute Karten, weil wir viel selber können und beizeiten gelernt haben, uns durchzuwurschteln, und weil wir ja eben nicht Güter für den Verkauf produzieren, die zwangsbewirtschaftet werden könnten. Mein steiler Wald, der in normalen Zeiten nie geldwerten Ertrag abwarf, bleibt selbstverständlich auf dem Papier ertraglos, und die Bürokraten gehen nicht selber in den Wald. Aber ich hab Holz.

Re: Planen fuer den Notfall oder nicht?

Verfasst: Do 1. Dez 2016, 18:19
von Thomas/V.
:lol: :daumen:

Re: Planen fuer den Notfall oder nicht?

Verfasst: Do 1. Dez 2016, 21:28
von fuxi
emil17 hat geschrieben:Das Problem der Obrigkeit liegt vereinfacht dargestellt darin, dass drei Dinge nötig sind, die sich miteinander nicht vertragen.
Der (im Sinne der Obrigkeit) gute Bürger muss klug, arbeitsam und obrigkeitstreu sein.
Ist man klug und arbeitsam, ist man nicht obrigkeitstreu, (klug sein und in ein Fass ohne Boden arbeiten passt nicht zusammen)
Ist man obrigkeitstreu und arbeitsam, ist man nicht klug, siehe vorher.
Ist man klug und obrigkeitstreu, ist man nicht fleissig, sondern lässt die anderen den Dreck machen.
Sehr schöne Zusammenfassung :mrgreen:

Re: Planen fuer den Notfall oder nicht?

Verfasst: Fr 2. Dez 2016, 10:39
von Rati
emil17 hat geschrieben:Das Problem der Obrigkeit liegt vereinfacht dargestellt darin, dass drei Dinge nötig sind, die sich miteinander nicht vertragen.
Der (im Sinne der Obrigkeit) gute Bürger muss klug, arbeitsam und obrigkeitstreu sein.
Ist man klug und arbeitsam, ist man nicht obrigkeitstreu, (klug sein und in ein Fass ohne Boden arbeiten passt nicht zusammen)
Ist man obrigkeitstreu und arbeitsam, ist man nicht klug, siehe vorher.
Ist man klug und obrigkeitstreu, ist man nicht fleissig, sondern lässt die anderen den Dreck machen.
bleibt für mich nur zwei Fragen
1. Zu welcher Gruppe gehören den die, welche die Obrigkeit sind?
2. gilt dieser Gruppenstempel lebenslang (das Volk)?

:kaffee:

Grüße Rati

Re: Planen fuer den Notfall oder nicht?

Verfasst: Fr 2. Dez 2016, 12:35
von emil17
Rati hat geschrieben:bleiben für mich nur zwei Fragen
1. Zu welcher Gruppe gehören den die, welche die Obrigkeit sind?
zur zweiten, die Kader oft zur Dritten
Rati hat geschrieben:2. gilt dieser Gruppenstempel lebenslang (das Volk)?
statistisch gesehen überwiegend ja. Die meisten, die als Hilfsarbeiter anfangen, bleiben das auch, aber nicht alle von diesen sind faul oder dumm.
Andersrum, wer sich reiche und einflussreiche Eltern ausgesucht hat, braucht sein Leben lang nichts zu arbeiten, wenn er nicht will, und hat viel mehr Einfluss, als ihm aufgrund seiner Person zukommt.
Das ist ein grundsätzlicher Einwand gegen unsere Gesellschaft, denn es ist eine Rückkehr zum Feudalismus.
Man muss allerdings auch sagen, dass unser System für schlaue und fleissige Leute viele Möglichkeiten bietet, sich recht weit hochzukommen.
Das erfordert allerdings, alles andere hintenanzustellen und sich mit der Obrigkeit nicht anzulegen oder erst, nachdem man sich schon weit hochgearbeitet hat.
Unser Nationalheld Wilhelm Tell würde heute schlicht als Terrorist ins Gefängnis gesteckt.

Re: Planen fuer den Notfall oder nicht?

Verfasst: Fr 2. Dez 2016, 13:17
von Benutzer 72 gelöscht
frodo hat geschrieben:
ina maka hat geschrieben: Dass einer dem anderen im Notfall beisteht, war schon in den Stammesgesellschaften selbstverständlich.....
Das funktioniert aber auch nur in einem "Rudel" von der überschaubaren Größe, wo noch Jeder Jeden kennt, das mit dem freiwilligen Teilen.
:daumen: :daumen:

Da hast du ja genau die Methode entdeckt, um sich auf einen eventuellen Notfall vorzubereiten!!
Und "schade drum" ist es auch nicht, falls der Notfall dann doch nicht eintrifft....