Little Joe hat geschrieben:Wär jetzt mal interessant zu wissen, wann dieser "jeden Tag Fleisch auf den Tisch Irrsinn" eigentlich angefangen hat.
Bei Nebenerwerbslandwirten wie meinen Großeltern war das quasi Standard. Man hatte Fleisch zur Verfügung, warum sollte man es nicht essen?
Ich bin in den 60'ern dort mit aufgewachsen, Mehl wurde zugekauft und außer Brot alle Nudelwaren und Kuchen selber hergestellt (da es keinen Gemeinschaftsbackofen mehr gab, wurde der Teig zum Bäcker gebracht und in dessen Ofen gebacken, der Brotverbrauch war zu groß für den heimischen Backofen). Kartoffeln wurden selber erzeugt, einen Großteil des Gemüses lieferte der Garten. Grundlage der Küche waren Kartoffeln und Mehlspeisen (Nudeln und Pfannkuchen) aber nur selten ohne Fleischbeilage, Schweine, Hühner, Hasen (vor meiner Zeit auch Ziegen) wurden selber gehalten, mal eine halbe Kuh nach dem Schlachten vom Nachbarn zugekauft.
Ich rechne jetzt Wurstwaren und Schinken zum Fleisch, deshalb verging kein Tag ohne Fleisch auf dem Brot (normalerweise Abendessen, Frühstück war eher Honig, Butter und Marmelade angesagt. Müsli, Cornflakes, Nutella? Da hatte man vielleicht mal was darüber gehört...). Mittags wurde wegen des einfacheren Transports Brot mit Wurst/Schinken oder Suppe/Eintopf/Brot (auch mal ohne Fleischeinlage - aber da ja als Grundlage einer guten Brühe ein Stück Rindfleisch diente, meistens mit) zur Arbeit mitgegeben. Am Wochenende gab es dann größere Fleischstücke mit Beilagen, Schnitzel, Kotelett oder Braten.
Das ist also die Grund-Diät mit der ich aufgewachsen bin: Fleisch, Kartoffeln, Nudeln. Frisches Gemüse und Obst kam aus dem Garten, zugekauft wurde nur außerhalb der Saison. Wenn für eine Feier mal größere Mengen benötigt wurden, kaufte man sie in Dosen...
Und man hat trotzdem überlebt? Nein, gerade deswegen
Einer meiner Verwandten hat mal einen Stammbaum bis zum 17. Jahrhundert gebastelt. Demnach waren meine Verwandten meistens Landwirte, Handwerker, auch mal Kneipenwirt. Daraus konnte ich einige interessante Sachen ablesen (ich gebs zu, das ist im Grunde für diesen Thread uninteressant....!):
- Wegen der Gefährlichkeit der Berufe erreichten nur wenige Männer das heutige Rentenalter
- Irgendwie kam meine Familie mit wenigen Geburten über die Runde, wenn es mal fünf Kinder eines Paares gab, war das viel, meistens waren es zwei bis drei.
- Das größte Risiko für Frauen, der Tod im Kindsbett, war damit geringer. Meistens überlebten sie ihre Ehemänner.
- Als im 19. Jahrhundert mit der Chemie durch Haltbarmachung der Lebensmittel und der künstlichen Düngung mehr Lebensmittel zur Verfügung standen und man nicht mehr jeden Winter vor dem Verhungern stand, wuchs die durchschnittliche Lebenserwartung deutlich!
Genug gelabert, der letzte Absatz kann gestrichen werden - worauf ich damit hinaus wollte, war nur, dass der deutliche Anstieg der Lebenserwartung von den Kalorien abhing - und auch von der Chemie, die neue Arzneien zur Verfügung stellen konnte, alles Teufelszeug heutzutage.
