Außenfassadendämmung - Diskussion

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emil17
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Re: Außenfassadendämmung - Diskussion

#71

Beitrag von emil17 »

Weiter im Text: (S. 9. ff)
Hier versucht sich der Autor mit eine eigenen Definition des Begriffs Wärme. Wer mag, kann es selber nachlesen. Er fängt mit Goethe an. Das muss er aber nicht, denn was Wärme ist, hätte er in der Mittelschule beigebracht bekommen müssen.
Obwohl unsere Normen und vor allem die Warmeschutzverordnung das Ziel haben, die Wärmeleitung in den Außenhüllen unserer Gebäude zu mindern, ist das Fachgebiet der Wärmeleitung in Baustoffen praktisch nicht erforscht. Bekannt sind nur Laborwerte darüber, welche Energiebeträge durch Stoffe hindurchwandern. Hier handelt es sich aber nur um statistische Größen.
(S. 10, unten)
Eine lustige Behauptung, "Wärmeleitung in Baustoffen praktisch nicht erforscht". Kein Kommentar.

Dann definiert er auch den Begrif Entropie neu (seine Fussnote 14, S. 11)

S.14: Hier behauptet der die Untauglichkeit der Wärmeleitwerte:
Wir wissen alle – da muss man kein Bauphysiker sein -, dass Lufttemperaturen, Luftfeuchtigkeiten, Oberflächentemperaturen, Stofffeuchten sich fortwährend verändern. Hinzu kommen gewaltige Veränderungen durch wechselnde Einstrahlungsintensitäten aus dem Sonnenlicht. Ebenso weit weg von den Laborbedingungen ist der unterschiedliche Energieabtrag je nach Windgeschwindigkeit und abhängig vom Strahlungszustand der Umgebung. Diese von den Laborverhältnissen abweichenden Zustände beim Gebäude sind so gravierend, dass man getrost sagen kann, dass die k- Zahlen mit den wirklichen Verhältnissen am Bauwerk nichts zu tun haben. Sie sind objektiv falsch und nicht verwertbar.
Da wird schon mal das Kind mit dem Bade ausgegossen. EIn Wärmeleitwert ist eine Stoffeigenschaft und als solche selbstverständlich messbar. Er beschreibt (im Zusammenhang) die Wärmleitfähigkeit eines verbauten Materials, nicht die Angepasstheit des ganzen Gebäudes ans lokale Klima.

Eine Stoffkonstante kann objektiv falsch sein, wenn der numerische Wert falsch ist (Eisen hat eine Dichte von 2.5 kg/dm3) oder wenn dem Material die Eigenschaft gar nicht zukommt (Wärme ist orange). Den Begriff, den er hier eigentlich meinen sollte, heisst wohl "irrelevant".
Wenns draussen so warm ist, dass ich nicht heizen will, ist die Dämmung meines Hauses irrelevant. Das kommt schon mal vor. Daraus kann ich aber nicht schliessen, dass ein Mass für die Qualität einer Dämmung unnötig oder - wie er schreibt - objektiv falsch sei.
(S.16)
Die Wärmeleitfähigkeit eines Stoffes ist also keine feststehende Größe (spezifische Stoffkonstante) sondern das stets wechselnde Ergebnis höchst komplizierter und gemischter Vorgänge im Bereich der kleinsten Teilchen. Hinzu kommt bei diesen Vorgängen der große Einfluss aus der Wärmespeicherfähigkeit der Baustoffe, aus der Ab- sorptionsfähigkeit und sogar aus der Farbe der Baustoffe.
Ach so, jetzt wirds klar: Da wird Wärmeleitfähigkeit (hoffnungslos eine Stoffkonstante, auch wenn der Autor das anders sieht) mit tatsächlicher Wärmeleitung verwechselt. Na dann ist ja alles klar.
Nur - wenn der Autor nicht mal mit sowas klarkommt, wie soll ich ihm dann seine Schlussfolgerungen glauben können?
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Benutzer 146 gelöscht

Re: Außenfassadendämmung - Diskussion

#72

Beitrag von Benutzer 146 gelöscht »

Danke emil für die eingesparte Zeit (den link zu lesen)! Deine zitierten Beispiele genügen (MIR) völlig.... :daumen:
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emil17
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Re: Außenfassadendämmung - Diskussion

#73

Beitrag von emil17 »

Es ist schon fast lustig das zu lesen.
Hier noch einer (die These hat wohl K Fischer aufgestellt, hält sich hartnäckig bei den Dämmgegnern): (S. 27)
Die außen angebrachten Dämmschichten verschlechtern sogar die Energiebilanz deshalb, weil sie nämlich – und da funktionieren sie leider – den Energieeintrag aus der Umwelt in Form von Einstrahlung und Konvektion nahezu vollständig verhindern.
Warum nur haben mein Katze und mein Karnickel und auch der Fuchs im Wald den Winterpelz erfunden? Warum ziehen die Leute im Winter - auch die ohne Hochschulabschluss - wärmere und dickere Kleider an als im Sommer, wenn sie tagsüber nach draussen gehen?
Es stimmt, dass die Aussendämmung verhindert, dass sich das Gebäude von aussen erwärmt. Allerdings ist das im Winter ein seltener Zustand. Wenn die Sonne an einem vollsonnigen Dezembertag 3 Stunden mit knapp 200W/m2 auf unsere Südfassade scheint (länger tut sie es nicht und mehr Leistung kommt in unseren Breitengraden im Dezember nun mal nicht an), dann hindert diese blöde Aussendämmung 3 Stunden lang das Haus daran, sich durch die Sonne erwärmen zu lassen.
Was passiert an den anderen 21 Stunden des selben Tages?
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emil17
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Re: Außenfassadendämmung - Diskussion

#74

Beitrag von emil17 »

Dass er es nicht so mit der Fachliteratur hat, zeigt auch das hier:
Die beste Wärmespeicherungsfähigkeit (Wärmekapazität) hat unter allen in der Natur bekannten Stoffen Wasser.
(S. 32)
Ich habs nicht geglaubt und wusste es nach 30 Sekunden Internet: Wasserstoff und Helium sind in der Natur bekannt und haben deutlich höhere Werte. Ob höher besser ist, hängt vom Verwendungszweck ab.

(S. 33)
Warum heizen wir?
Die Antwort auf diese Frage wird spontan lauten: „Ich will im Winter nicht frieren.“
Diese Antwort enthält eine negative Aussage und führt daher nicht weiter.
:eek: :eek: :eek:
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emil17
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Re: Außenfassadendämmung - Diskussion

#75

Beitrag von emil17 »

Fazit:
Die vorgestellte Niedertemperatur-Wandheizung klingt tatsächlich vielversprechend und wäre es wert, ausprobiert zu werden. Zuerst muss man sich aber über volle 60 Seiten Geschwurbel durchkämpfen, bis der Schreiber zur Sache kommt.
Der Autor sollte, um glaubhaft zu werden:
physikalisches Grundwissen korrekt oder dann eben gar nicht zitieren
Nicht überall bei Adam und Eva anfangen
Nicht alle drei Seiten spätenstens einen unnötigen und vor allem völlig in der Luft hängenden Seitenhieb auf Behörden, die Klimaerwärmungsverschwörer, und die Baulobby bringen, sondern auch mal beim Thema bleiben
Er nennt sein Prinzip Tempierung, statt Wandheizung wie alle anderen. Alter Wein in neuer Flasche?
Beim Schreiben weniger abschweifen. Da werden seitenlang die Evolution der Dinosaurier abgehandelt, die Entwicklung der Neandertaler, die Evolution des Menschen überhaupt und der Gebäudeheizung im Besonderen, Radon, Lungenkrebs usw. fehlen auch nicht.
Zum Schluss kommt noch eine schöne Verschwörungstheorie - warum die Wasserstofftechnologie noch immer nicht eingeführt wurde.

Hätte der Autor einfach geschrieben, er hätte eine Niedertempertur-Wandheizung so und so gebaut, mit solchen und solchen Wänden (hätte er den k-Wert nicht verteufelt, könnte er den jetzt verwenden) und der Jahresenergieverbrauch sei bei rundunm zufriedenen Bewohnern so und so hoch gewesen - der Artikel hätte drei statt jetzt 97 Seiten und wäre glaubhafter.
Schade.
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Benutzer 3370 gelöscht

Re: Außenfassadendämmung - Diskussion

#76

Beitrag von Benutzer 3370 gelöscht »

Specki hat geschrieben: WIr haben uns bewusst gegen 3-fach verglaste Fenster entschieden, damit die Fenster noch der kälteste Punkt sind und uns die Feuchtigkeit nicht irgendwo unbemerkt an der Außenwand kondensiert und wir evtl. ein Schimmelproblem bekommen.
Gruß
Specki
:hmm: Interessanter Aspekt. Allerdings ist es dem Taupunkt egal, ob er in der Wand ist, oder an der Glasoberfläche. Wenn Wasserdampf an Glasoberflächen kondensiert heißt das noch lange nicht das bei ungünstigem Wandaufbau nicht derselbe auch in der Wand kondensieren kann.
Bei 40 cm Vollziegel ( 1,16 W/m²K ) sind allerdings 2 Scheibenisolierverglaste Fenster ( 0,7 -1,1 W/m²K) noch der wärmste Bauteil.
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Specki
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Re: Außenfassadendämmung - Diskussion

#77

Beitrag von Specki »

RichardBurgenlandler hat geschrieben: Bei 40 cm Vollziegel ( 1,16 W/m²K ) sind allerdings 2 Scheibenisolierverglaste Fenster ( 0,7 -1,1 W/m²K) noch der wärmste Bauteil.
Beim Wandaufbau kommen innen und außen noch jeweils 3 cm Putz dazu.
Die Fenster haben einen Ug Wert von 1,1 und einen Uw Wert von 1,3. Also schon einen ticken schlechter als die Wand.

So war es geplant.

Dass man trotzdem sehr gut Lüften muss ist klar, da die neuen Fenster einfach dicht sind im Gegensatz zu den alten.

Gruß
Specki
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Re: Außenfassadendämmung - Diskussion

#78

Beitrag von Rati »

frodo hat geschrieben:Danke emil für die eingesparte Zeit (den link zu lesen)! Deine zitierten Beispiele genügen (MIR) völlig.... :daumen:
schließe mich an.

vor allem das hier:
emil17 hat geschrieben:(4) Nur stammen diese 1.2% aus fossilen Quellen, werden also dem globalen biologischen Kohlenstoffkreislauf HINZUGEFUEGT. Deshalb steigt der CO2-Gehalt der Atmosphäre seit der Industrialisierung auch jedes Jahr um einige ppm weiter an. Wenn man einem Aquarium, wo das Wasser im Kreis gepumpt wird, jeden Tag einen Liter reinkippt, überläuft es irgendwann mal, auch wenn ein Liter im Verhältnis zur Beckengrösse wenig ist.
scheit ja vielen sehr unverständlich zu sein.

Grüße Rati
Was ist ist! Was nicht ist ist möglich!"
[Einstürzende Neubauten 1996]
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emil17
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Re: Außenfassadendämmung - Diskussion

#79

Beitrag von emil17 »

Zu den Fenstern:
Viele Leute meine, man müsse extra schlechte (d.h. wärmedurchlässige Fenster) einbauen, damit Kondeswasserbildung in oder an den Wänden verhindert werde. Das funktioniert sogar, wenn das Fenster gross genug ist, denn solche Fenster wirken als Luftentfeuchtungsanlage. Die Luft gibt dort, weil sie sich stark abkühlt, Feuchtigkeit ab, wird dann im Raum wieder erwärmt und also trockener.
Allerdings gibts nichts umsonst: Man braucht viel mehr Heizung, denn die Abwärme geht nicht wie beim elektrischen Luftentfeuchter in den Raum, sondern durchs Fenster nach draussen.

Wenn man Kondenswasserprobleme an den Aussenwänden eines beheizten Raumes hat, sollte man die Aussendämmung verbessern oder/und die Feuchtigkeitsquellen eliminieren. Wenn man im Wohnbereich Wäsche trocknet, weils bequem ist, die Badezimmertür nach dem Duschen offen lässt und noch stundenlang Marmelade einkocht, dann wird man irgendwann schimmelige Aussenwände bekommen. Da wäre dann der Einbau eines lausigen Fensters nicht die richtige Abhilfe.
Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet eine Ausrede.
Benutzer 146 gelöscht

Re: Außenfassadendämmung - Diskussion

#80

Beitrag von Benutzer 146 gelöscht »

Ausserdem gibt es inzwischen für kleines Geld gute Thermo/Hygrometer mit Anzeige des Taupunktes und teilweise sogar programmierbarer Warnschwelle. In Kombination mit einem Infrarot-Termometer zur Messung der Oberflächentemperatur an den Wänden, lässt sich das Risiko von Kondensation und Schimmelbildung gut abschätzen.
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