Seite 8 von 13
Re: Bauer Willis Wutrede:
Verfasst: Mi 25. Feb 2015, 12:18
von Manfred
@Lysi:
Bleibt die selbe Frage: Wieso werden all die Arbeitslosen nicht einfach Bauern?
Und wieso bleiben nicht wenigstens die Bauern Bauern, sondern machen reihenweise mangels Verdienst dicht?
Neuseeländische Verhältnisse wären traumhaft. Als erstes bauen wir mal 99% der gesamten Verkehrsinfrastruktur und all die lästigen kleinen Dörfer ab, damit wir schöne, große, zusammenhängende Agrarflächen wie in Neuseeland bekommen. Irgendwelche fremden Köter, die auf unseren Wegen und Flächen herumlaufen, werden dann natürlich als "pest" abgeknallt.
Dann schaffen 9/10 unserer Bürokratie inkl. all der Umweltschutz- und Tierschutzauflagen und den damit verbundenen Kosten ab.
Und dann brauchen wir nur noch ein neues Klima, damit wir wie in Neuseeland auf dem Großteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche ganzjährige Wachstumsbedingungen statt diesem lästigen Winter haben und die Kosten fürs Winterfutter und für Ställe entfallen.
Ja, dann könnten wir auch wie die Neuseeländer wirtschaften...
Wenn ich mal wieder träumen will, ziehe ich mir die Doku Sheep Station NZ rein von Dylan Winter...
Wer die Doku kennt: Der Hof mit den Blue Ducks, das wäre genau mein Ding.
Re: Bauer Willis Wutrede:
Verfasst: Mi 25. Feb 2015, 12:42
von Benutzer 3991 gelöscht
Manfred hat geschrieben:Bleibt die selbe Frage: Wieso werden all die Arbeitslosen nicht einfach Bauern?
Weil der BW sein Land nicht für Hosenknöpfe hergibt?
Ich fand ja die Berechnung interessant, dass auf jeden Verbraucher so um die 2.000 m2 Land kämen. Davon können viele nur träumen.
Wem gehört das Land jetzt? Einem sehr kleinen Prozentsatz der Bevölkerung, und die meisten haben es wohl geerbt.
Ich sehs so, dass es den Bauern halt auch nicht viel anders geht wie anderen mit der Globalisierung, wen hat es groß interessiert, als die Textilfabrik dicht gemacht hat, oder die Schuhfabrik?
Bei irgendeiner WTO Runde wurde angeblich beschlossen, sämtliche Agrarförderungen zu streichen, die Inder sollen eine Ausnahme bekommen haben. Nix mehr gehört seither.
Re: Bauer Willis Wutrede:
Verfasst: Mi 25. Feb 2015, 12:52
von Manfred
Als ob der Boden den Bauern gehören würde...
Der Pachtmarkt ist für jeden zugänglich und wer in die Landwirtschaft einsteigen will, kann auch beliebig viel Boden kaufen. Da greifen nur die Vorkaufsrechte der Kommunen und des Naturschutzes.
Der Eigentumsanteil dürfte bei den meisten Betrieben weit unter 25% liegen.
Passend zur Diskussion ein Vergleich mit der Schweiz und den dortigen Fleischpreisen:
http://www.selbstvers.org/forum/viewtop ... 4&p=235825
Re: Bauer Willis Wutrede:
Verfasst: Mi 25. Feb 2015, 13:03
von Benutzer 3370 gelöscht
Lysistrata hat geschrieben:Ich sehs so, dass es den Bauern halt auch nicht viel anders geht wie anderen mit der Globalisierung, wen hat es groß interessiert, als die Textilfabrik dicht gemacht hat, oder die Schuhfabrik?

Ob man Landwirtschaft und Textilindustrie vergleichen kann?
Ich denke schon, dass es etwas anderes ist, wenn die Lebensmittelversorgung zur Gänze von einem anderen Land abhängig gemacht wird. Mit Saatgut und Viehzucht ist das ohnehin bereits der Fall, aber zumindest wächst noch was auf den Feldern und die Tiere werden noch von uns gemästet.
In vielen Hochkulturen und Zivilisationen waren der Verlust der Wasserversorgung und der Niedergang der Landwirtschaft mit auschlaggebend für den Niedergang.
Re: Bauer Willis Wutrede:
Verfasst: Mi 25. Feb 2015, 13:09
von Manfred
Tja. Es gibt Länder, die verstehen das. Wie die Schweiz, Norwegen, Japan.
Und es gibt Länder, die sich in Kamikaze-Manier in die totale Abhängigkeit stürzen, so wie Deutschland.
Die deutsche Lebensmittelversorgung ist so zerbrechlich wie noch nie zuvor in unserer Geschichte.
Völliger Irrsinn, sich als Staat in so eine Situation zu begeben.
Re: Bauer Willis Wutrede:
Verfasst: Mi 25. Feb 2015, 13:31
von Benutzer 3991 gelöscht
Manfred hat geschrieben:Tja. Es gibt Länder, die verstehen das. Wie die Schweiz, Norwegen, Japan.
Das sind halt hinterwäldlerische Fortschrittsverweigerer der großen einen Welt für alle...

Re: Bauer Willis Wutrede:
Verfasst: Mi 25. Feb 2015, 13:43
von poison ivy
wieso sollte dem Bauern eine andere Behandlung zustehen wie anderen Industrie- oder Dienstleistungsbetrieben?
ich hab damals keine Subventionen bekommen,
nur mehr und mehr Gesetze, als ich kein Licht mehr gesehen hab und die Vermieterin dann auch noch meinte,
hab ich zugesperrt
offensichtlich ist Onkel Willi noch nicht so weit,
offensichtlich kann er durchaus noch von seinem Hof leben
die, die am lautesten schreien, sind meist die, die am meisten Luft haben
Re: Bauer Willis Wutrede:
Verfasst: Mi 25. Feb 2015, 14:05
von Benutzer 72 gelöscht
Manfred hat geschrieben:Die deutsche Lebensmittelversorgung ist so zerbrechlich wie noch nie zuvor in unserer Geschichte.
ach ja,
das stimmt!
Eine Landwirtschaft, die nicht mehr auskommt ohne Viehfutter und Kunstdünger aus Übersee ist einfach nicht unabhängig überlebensfähig (mal abgesehen von der Traktor-Diesel-Maschinen-Geschichte).
wäre schon, da Lösungen zu finden - ich seh sie nur in einer kompetenten konsequenten weltweiten Biolandwirtschaft
Käme es jetzt wirklich zu dem Szenario, dass alle Bauern ihren job hinschmeißen und auf den "normalen" Arbeitsmarkt drängelten, dann täte sich wahrscheinlich bald wieder ein Gleichgewicht einstellen - nur halt mit vertauschten Rollen, nehme ich an.
Einfach so Arbeit zu finden, ist auch kein Kinderspiel, weiß das "der Bauer"?
Die Ursachen für die Probleme liegen eben woanders - nicht beim Konsumenten
poison ivy hat geschrieben:wieso sollte dem Bauern eine andere Behandlung zustehen wie anderen Industrie- oder Dienstleistungsbetrieben?
weil sie es sind, die uns ernähren.....
Dass "wir" es sind, die ihnen dazu die Maschinen, Arbeitsgeräte, Düngemittel und Saatgut liefern, ist wohl Nebensache

Re: Bauer Willis Wutrede:
Verfasst: Mi 25. Feb 2015, 14:17
von Manfred
ina maka hat geschrieben:
Eine Landwirtschaft, die nicht mehr auskommt ohne Viehfutter und Kunstdünger aus Übersee ist einfach nicht unabhängig überlebensfähig (mal abgesehen von der Traktor-Diesel-Maschinen-Geschichte).
Noch kritischer finde ich die extreme Konzentration in der Verarbeitung und im Handel.
Wenn du in Deutschland jeweils die 10 größten Schlachthöfe, Mühlen und Bäckereien wegbombst, bricht die Lebensmittelversorgung innerhalb von 2 bis 3 Tagen zusammen.
Einfach so Arbeit zu finden, ist auch kein Kinderspiel, weiß das "der Bauer"?
Ich kenne keinen arbeitslosen Ex-Bauern. Bauern sind begehrte Mitarbeiter in vielen Branchen, weil sie Leistungswillen und -Können mitbringen und sich für kaum eine Arbeit zu schade sind.
Deshalb werfen viele Firmen lieber einen anderen Arbeitnehmer raus, wenn sie einen Bauern bekommen können.
Re: Bauer Willis Wutrede:
Verfasst: Mi 25. Feb 2015, 14:35
von Benutzer 3370 gelöscht
ina maka hat geschrieben: ich seh sie nur in einer kompetenten konsequenten weltweiten Biolandwirtschaft
Allerdings kann das weder Bauer Willi noch der Konsument alleine umsetzen, da ghört schon mehr dazu als nur Bio und regional zu kaufen oder anzubauen.
Wenn man jetzt die Politik ins Spiel bringt könnte man ja meinen, dass sie das Ergebnis des Volkswillen ist, also von beiden Bauer Willi und Konsument.

Ist ja alles demokratisch gewählt.
Das allerdings die Politik den Volkswillen, ja was ist der eigentlich ? umsetzt muss man ihn erst erkennen, den Volkswillen.
Zur Zeit stellt sich der halt so dar, dass die eine Seite möglichst billig kaufen will und die andere Seite davon leben will.
Ja es gibt natürlich Leute, die mehr Geld für Essen ausgeben, aber die sind leider in der Minderheit.
In Deutschland liegt der Aufwand bei 15,2% für Lebensmittel, vom Haushaltseinkommens, 1970 lag er noch bei 25 % und 1900 bei 57 %.
http://de.statista.com/statistik/daten/ ... seit-1900/
Noch billiger gehts halt nicht.