Evtl. liegt es daran, dass du diese Entwicklung auf der jagdlichen Schiene durchgemacht hast, wo die Möglichkeiten begrenzter sind?
Da könnte man sich evtl. auf die Hege konzentrieren und anderen das eigentliche Jagen überlassen. Aber eine konsequente Niederwild- und Artenschutzhege ist ohne Prädatorenjagd auch wieder nicht möglich. Schwierig.
Ich habe vor vielen Jahren mal etwas unbedarft in einem Jägerforum vorgeschlagen, ob man aus der Jagd auf seltene Tiere nicht eine Art Paintballspiel machen könne. Auf Nashörner in Afrika z.B. Das Geld aus den Jagdeinnahmen wird ja zur Finanzierung der Ranger etc. dringend benötigt. Deshalb habe ich auch kein Problem damit, wenn mal ein alter Nashornbulle, der dem Ende zu geht, für viel Geld zum Abschuss freigegeben wird. Mein Vorschlag war jedenfalls, ob man nicht solche Einnahmen erhöhen könnte, indem man Paintball-Jagdlizenzen auf Nashörner verkauft. Der Jäger pirscht sich an, setzt seinen Schuss, sieht, ob der Schuss gut war und hat sein Erfolgserlebnis. Dem Nashorn juckt evtl. ein paar Tage die Schwarte, aber dafür wird es gut gegen Wilderer geschützt. Soweit meine damalige Theorie. Damit habe ich aber teils übelste Ablehnung geerntet.
Inspiriert war das Ganze wohl durch die Einleitungs-Szene aus Stephen Hunters Roman "Point of Impact", wo sein Held Bob Lee Swagger, nach seinen Kriegserfahrungen des Tötens müde, einen alten, berüchtigten Hirschen vor Beginn der Jagdsaison mit einem Betäubungsschuss ausknockt und ihm das Geweih absägt, damit das Tier den Trophäenjägern entgeht.
Denkt man etwas darüber nach, hat er aber auch gejagt. Seinen Jagdtrieb befriedigt. Und seine Überlegenheit gegenüber allen normalen Jägern demonstriert, die es vorher nicht geschafft hatten, diesen berüchtigten Hirschen zu erlegen. Und das Tier hat etwas gelitten, hat dafür aber ein weiteres Jahr Schonung erhalten. Und was anderes ist es, wenn Angler viel Geld dafür bezahlen, sich mal mit den alten, erfahrenen Großkarpfen im Redmire Pool oder einem anderen Großkarpfengewässer messen zu dürfen? Die Karpfen leben recht gut davon. Werden geschützt und gefüttert. Und wenn sich doch mal wieder einer überlisten lässt, dann wird er schonendst behandelt. Auf einer weichen, nassen Luftmatratze abgehackt. Das Hackenloch versorgt, evtl. vorhandene Außenparasiten entfernt und evtl. vorhandene kleine Verletzungen desinfiziert. Und dann geht es nach ein paar Bildern zurück ins Nass. Für die nächsten Monate oder Jahre, bis er sich mal wieder erwischen lässt.
Ist doch ein anderes Leben als das des durchschnittlichen Speisefisches aus dem Meer, der noch in seiner Jugend mit dem Schleppnetz aus der Tiefe gezogen wird, dem dabei die Schimmblase platzt, der dann auf dem Trawler erstickt schon bevor er in der Verarbeitungsmaschine landet, um dann fertig filetiert oder gar paniert aus der TK-Truhe auf den Tisch zu kommen.
Wärst du lieber der Speise-Seelachs oder ein Redmire-Karpfen?
Klar. Würde der Redmire-Pool unter Naturschutz stehen... Aber evtl. wäre er ohne die britischen Angler auch schon vor 50 Jahren zugeschüttet worden, um einem begradigten Weizenfeld Platz zu machen.
Schützen durch Nutzen erscheint mir persönlich ein sehr gutes Konzept. Umso besser, wenn sich genügend private Geldgeber finden und man es nicht staatlich subventionieren muss.
Ich hab das irgendwie alles durch. Und ich habe keine Lust mehr daran, einen ganzes Auto voll Ausrüstung als Wasser zu schleppen. Ich mag es inzwischen lieber ruhig und einfach. Wenn ich dann mitleidige Blicke von einem Kollegen mit 5000 Euro Hightec-Gerödel und Fotoalbum in der Angelkiste ernte, schmunzle ich einfach nach innen.
Wenn ich Lust auf Fisch habe, dann nehme ich auch welchen mit. Und wenn mir einer zu schade zum Essen oder zu wichtig für den Bestand erscheint, dann darf er halt wieder rein.
Und wenn ich wie in letzter Zeit ab und zu mit 2 oder 3 oder 4 Junganglern am Wasser bin, dann lasse ich mein eigenes Zeug ganz daheim, oder lege evtl. eine Rute auf Hecht aus. Köderfische gibt es dann ja meist genug. Die Freude oder den Frust der Jungangler zu beobachten, hat seinen ganz eigenen Reiz, schon vor dem Hintergrund der eigenen Erfahrungen.