Hallo Sabi(e)ne,
mir fehlt ein Glied in der Kette des Wissens, meine beiderseitigen Grosseltern sind leider verstorben, bevor ich auf die Welt gekommen bin.
Ich beneide Kinder, bzw. Erwachsene, die vom Wissen der Grosseltern davon mit ins Leben nehmen konnten.
Deshalb versuche ich von Älteren mir davon noch ein wenig zu holen. Hab auch wie du sehr viel aus Bücher gelernt, inzwischen schätze ich allerdings das Zusehen und Nachmachen.
Ob der Pflichtunterricht in Kochen wirklich was bringt, hab solchen noch selbst genossen und unseren Kids auch als Wahlfach angedeihen lassen-
es kommt auf die Persönlichkeit und Befindlichkeit der Lehrenden an. Wirkliche Begeisterung sieht in meinen Augen anders aus.
Wirkliche Freude am Kochen hat es weder bei mir noch bei unseren Kids geweckt.
Meine Freude am Kochen war immer das kreative Herumprobieren, im Alltag koche ich ohne Kochbuch oder Rezept, hab einen ganzen Schrank voller Kochbücher.
Allerdings muss ich heute ehrlich zugeben, das Handwerk zu beherrschen, die Grundlagen und Regeln, das hat mir eine nebenberufliche Hauswirtschaftsausbildung nahe gebracht.
Da Mensch bekanntlich nie auslernt, bin ich immer noch am Weiterlernen, Ausprobieren und hoffe noch vieles hinzulernen zu können, das Ende der Weisheit ist noch Lichtjahre entfernt.
Mir ist klar, dass Tomaten auch zu Sosse usw. verarbeitet werden können, es ging mir nur darum, aufzuzeigen, dass auch im Winter, bzw, in der gemüsearmen Zeit relativ preiswert gekocht werden kann. Besonders Januar, Februar ist die eigene Gemüseversorgung bares Geld wert, Keimlinge und am Fenster herangezogenes Grünzeugs peppen das Ganze nochmals auf.
Übers ganze Jahr selbst aus dem Garten Gemüse heranzuziehen, die dafür entsprechenden Mengen herauszufinden, es auch zu bevorraten, der sinnvolle Umgang mit den Vorräten ist in meinen Augen nochmals eine vollkommen andere Schiene, als nur ins Geschäft zu gehen und die frischen Lebensmittel zu kaufen.Dieses Wissen war den Menschen früherer Zeit bekannt und ist mit der Zeit verloren gegangen. Meine Grossmutter hat sicher anders gekocht, als die Grossmutter meiner Schwägerin, sie kommt aus einem anderen Land. Ich kann von der Erfahrung dieser alten Dame noch viel mit auf den Weg nehmen, die italienische Küche in den Kochbüchern sieht anders aus, als das Wissen einer 100jährigen Nonna.
Das Wissen, saisonal, regional, preiswert, gesund und nachhaltig zu essen setzt Wissen voraus, das leider immer weniger wird.
Ganz langsam erscheint es so, als würde meine Umsetzung das "Fast food" aus der Küche unserer erwachsenen Kids langsam verdrängen. Von Zeit zu Zeit bekomme ich Anfrage, du- wie macht man das- ich habs zwar bei dir gesehen, aber kannst du es mir nochmals erklären. Aber scheinbar haben sie auch die Zeit der Fertigesserei für eine Weile gebraucht.
Wenn es gilt, eine Familie zu versorgen, wird das vorhandene Geld anders bewertet und schön langsam dämmert es bei ihnen, dass sie sich a)Geld und b) Zeit sparen können.
Also war die Mühe doch nicht ganz umsonst.
