Oelkanne hat geschrieben:Emil du machst dir das sehr einfach.
du dir aber auch ...
Du bringst da unterschiedliche Sachen durcheinander.
Landwirtschaft bringt grosse Stoffmengen regelmässig auf grossen Fläche aus, deshalb ist es nicht egal was da wie oft ausgebracht wird.
Schlimmer noch, die Firmen, die mit dem Zeug Geld verdienen verbandeln sich zum Teil mit den Behörden und bezahlen sogenannte Fachleute, die dann Expertisen und Untersuchungsberichte erstellen, wo natürlich drinsteht, dass alles kein Problem ist oder raffinierter, dass es zwar gewisse Probleme gebe, dass diese aber lösbar seien.
Dazu kommen regelmässige Lebensmittelskandale. Bei den ersten Einsätzen von chlorierten Insektiziden in der Landwirtschaft wurde genau damit Werbung gemacht, dass es die Produktion verbillige und sicherer mache, dabei war viel Ware qualitativ so schlecht und roch so muffig, dass es sogar die gewöhnlichen Leute merken musten.
Dazu kommen seltsame Bestimmungen zur Lebensmitteldeklaration: Parmaschinken von Schweinen aus Niedersachsen, Landmilch von mit Importsoja gefütterten Stallkühen, natürlich, naturrein, naturidentisch, Hormonfleich, Rückstände hier, Grenzwertüberschritungen da, Salmonellen dort.
Gehst du in einer intensiven Agralandschaft spazieren, stinkt es entweder nach Jauche oder Dünger oder Chemie, Wasser aus einem Brunnen trinken geht schon lange nicht mehr. Hühnerfarmen darf man nicht betreten, In Obstplantagen sieht man die totgespritzten Streifen unter den Bäumen, wo dann die knackig-frischen Standardsäpfel wachsen, aus deutschen Landen frisch auf den Tisch oder so ähnlich.
Diese Allianz von Chemiefirmen, Produzenten und Behörden hat das Vertrauen in die Landwirtschaft eben erfolgreich untergraben. Das haben immer mehr Konsumenten satt - auch die welche Gerste nicht von Roggen unterscheiden können - und die lassen sich nicht mehr alle von bezahlten Experten mundtot machen.
Die Landwirtschaft hat ein Imageproblem. Nicht ganz unverschuldet. Und nun lasst ihr Euch auch noch vor den Karren von Monsanto &Co spannen, weil man "Euch" den Verbrauch des guten Glyphosats einschränken will.
Oelkanne hat geschrieben:Die breite Masse hat keinen blassen Schimmer von der Landwirtschaft, nicht mal von den einfachsten Dingen!
Mag sein, aber es sind eure Kunden. Die behandelt man nicht so von oben herab! Das kannst du bestenfalls als Koch einer Militärkantine auf dem Truppenübungsplatz machen und nicht mal dort sehr lange.
Soll ich jetzt sagen, dass jeder, der nicht alle Gräser seiner Wiese auf die Art genau kennt, nicht das Recht hat, eine Wiese zu besitzen? Muss ich Ingenieur in Verbrennungsmotorenbau studiert haben, um ein Auto fahren zu dürfen?
Oelkanne hat geschrieben:Den Landwirten misstraut man aber seit etlichen Jahren permanent ( nahezu grundlos) Lebensmittel in hoher Qualität und gleichzeitig wirtschaftlich erzeugen zu können.
Tja, schlechte Presse, Anlässe gibts genug und fast immer in der hochindustriellen Landwirtschaft oder der lebensmittelverarbeitenden Industrie.
Übrigens erzwingt Wirtschaftlichkeit IMMER einen Kompromiss an der Qualität - es wird sich dann unter Konkurrenzdruck etwas einstellen, das gerade noch so eben akzeptiert wird. Dem kann sich der Kleinproduzent kaum entziehen, aber wenn billig vor Gut kommt ist das Zeug dann auch danach.
Mach doch mal Werbung im lebensmittelgeschäft: Dank Glyphosat noch billiger! Wäre das ein Kaufanreiz? Wenn nicht, liegt das nur an der Dummheit der Verbraucher?
Ein Spitzenkoch verrät nicht alle seine Tricks, aber sehr gerne was er an Zutaten nimmt und was warum nicht. Macht es doch auch mal so.
Mittel wie Glyphosat mögen zur Krisenbewältigung oder in ausserordentlichen Situationen ihre Berechtigung haben, als standardmässiges Produktionsverbilligungsmittel verderben sie den guten Ruf der Lebensmittel. Das liegt nicht nur an der Ignoranz der Unwissenden. Diesen Kollateralschaden sollte man nicht einfach so in Kauf nehmen, wenn man lange am Markt bleiben will. Wenn nur noch billig zählt, egal wie, dann kann man gegen Importe aus China oder Osteuropa oder Südamerika nicht mithalten, und der Trend geht mit immer mehr Freihandel in diese Richtung.
Da wird sich manch ein Stuerzahler denken, wenn uns die Landwirtschaft schon Milliarden kostet, dann sollen sich die Erzeugnisse wenigstens qualitativ von der Importware unterscheiden - warum sonst soll ich für das Gleiche mehr bezahlen als ich muss?