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Re: Geniessen erlaubt

Verfasst: Mo 7. Okt 2013, 19:31
von hobbygaertnerin
Ich habe einen Zeitungsartikel in unserer Tageszeitung über die Anuga gelesen, war annhäernd gleich wie der hier verlinkte Text.
Irgendwer macht Trends, beim Essen, bei der Mode, beim Wohnen und die Leute fahren darauf ab.
Ob ich eine Pizza am Stiel haben möchte oder was es sonst noch an neuesten Esstrends gibt??????????????????????
Ein Blick in die alten und neueren Kochbücher zeigt, Essen ist immer auch ein Ausdruck des Lebensgefühles der Zeit.

Auf der anderen Seite, wenn es nicht eine Sehnsucht nach Beständigkeit geben würde, liessen sich die explosionsartig vermehrenden Landsehnsuchtszeitschriften und die nachgeschobenen Rezepthefte nicht so gut verkaufen.


@Lanfrau- ich habe bewusst den Titel - Geniessen erlaubt- reingestellt,
weil ich in unserer Zeit mehr und mehr das Gefühl habe, dass Geniessen eben nicht erlaubt ist.
Butter macht schlechtes Cholesterin, ebenso die Eier, das Fleisch ist sowieso sehr ungesund, Zucker, naja, wissen wir ja, ja und die Joule oder Kalorien.
Fertiggerichte sind ungesund, aber die Angebotspalette davon wird immer mehr.
Für ein Fest durfte ich vor kurzem einen Kuchen backen- ich hätte fast einen Lachkrampf bekommen, auf was ich da zu achten hätte, keine Sahne, ist klar,
welche Eier, welcher Zucker, welches Mehl und sonstige Backzutaten, gut, ich habe einen "gesunden Apfelkuchen" gebacken,
alle anderen haben sich einen Teufel um die ganzen Wünsche geschert und dicke, schöne Sahnetorten geliefert, keine Frage, welcher Kuchen am Wenigsten gefragt war :engel:
Gut andächtiges Schweigen herrscht bei uns nicht, bin schon froh, dass ich Nachrichten und Radio zum Essen auslisten konnte-
ich mag es nicht, wenn beim Essen über Probleme diskutiert wird, aber oft geht's nicht anders.
Was mich am Meisten stört, wenn Besuch kommt und die Liste der Sonderwünsche immer länger wird,
beim Essen dann nur über Lebensmittelskandale gesprochen wird und wie schlimm alles ist.
Solches tu ich mir nicht mehr an-
wenn ich mir die Mühe mache, etwas Gutes zu kochen, dann möchte ich mich mit Freude an den Tisch sitzen, lebhafte Unterhaltung kann deswegen gerne sein.
Sofern nicht Sprache das Problem ist, unterhalte ich mich gerne mit Menschen anderer Nationalitäten über Kochen und Essen und probiere auch gerne deren Rezepte aus.
Denn Essen ist international und es gibt ausgesprochen gute Speisen auch in anderen Ländern. Gastfreundschaft ist auch ein Teil des Geniessens.


Möchte nicht in die Frauen- oder Männerrollendiskussion einsteigen,
ich kann besser kochen, mein Mann kann besser Autoreifen wechseln, Traktor fahren und und. Er würde mit Sicherheit nicht verhungern, aber im Alltag verlässt er sich darauf, dass ich essenstechnisch auf Zack bin.
Wäre sicher nicht schlecht, wenn ich Autoreifen auch so gut wechseln könnte oder manche andere Arbeit, auf der anderen Seite, der Tag hat 24 Stunden, ausserdem macht Übung den Meister und bis ich das Reifenwechseln so gut beherrschen würde oder andere Arbeiten, müsste er wohl beim Kochen üben und es gäbe viele Versuch macht kluch - Gerichte.
Ich gestehe, dass mir Kochen Spass macht, Autoreifen wechseln oder andere Arbeiten, z.B. Maschinen ölen oder schmieren, eher weniger.
Deshalb mache ich lieber die Arbeit mit dem Spassfaktor. :holy:

Re: Geniessen erlaubt

Verfasst: Mo 7. Okt 2013, 19:43
von Thomas/V.
Olaf hat geschrieben:
uneheliche kinder müssen auch nicht mehr am tisch stehen. :grr:
:lol:
Ich weiss ja nicht, was Ihr für ne Generation seit, ich werde nächstes Jahr fünfzig.
Ich kann kochen, jeder von uns beiden kocht, wenn er (mehr) Zeit oder Lust hat oder der andere eben gar keine oder wenn wer was am besten kann. Aber das ergibt sich nahezu von selbst, irgendwann manchmal im Laufe des Tages stimmen wir uns eben ab, auch schon mal für den nächsten Tag: "Wir müssen mal nen Plan schmieden..."
Bei uns am Tisch wird sich unterhalten, ich find das schön. Handy oder Fernsehen verbitten wir uns aber, da geb ich LF recht.
LG
Olaf
Edit: Mit nochwas geb ich LF aber recht:
Wir gehen seit Jahren nur noch erzwungenmaßen Essen in Gaststätten, also wenn wir eingeladen werden. Weil, es schmeckt uns nicht gut genug für das viele Geld, dann lieber teure Lebensmittel kaufen und selber kochen. Aber ist ja auch logisch, die Erkenntnis hatt ich nämlich auch vor einiger Zeit:
Der Koch dort muss den Mainstream bedienen, was soll der arme Mann / die arme Frau machen? Während wir unsere Vorlieben haben und kennen.
Beim Fertigfutter ist das natürlich noch extremer, aber unvermeidlich....
Zum Griechen gehen wir auch schon lange nicht mehr, ich maße mir an zu behaupten, das unsere griechischen Mahlzeiten besser schmecken...
Allerdings gibts bei uns in der Nähe ein wirklich tolles Restaurant, wo der Chef der Koch ist und sogar teilweise selber mit bedient und mit den Leuten schwatzt.
Und vor allem: er kocht tatsächlich mit Leidenschaft und Kreativität und frischen Zutaten. Dort kann man sich auch auch Anregungen holen für die eigenen Experimente.

Re: Geniessen erlaubt

Verfasst: Mo 7. Okt 2013, 19:57
von Reisende
@olaf

lf hat mit vielem recht, was sie geschrieben hat. ich finde handys etc am tisch auch ziemlich unpassend.
aber ich mags grds nicht, wenn jmd seine einstellung als einzig wahre, glückseligmachende variante darstellt und im gleichen atemzug andere menschen herabsetzt. kindergarten und schule sind für mich keine verwahranstalten. frauen die arbeiten, sind für mich keine rabenmütter. und kochen ist etwas sehr wertvolles und wichtiges, aber es soll im alltag durchaus situationen geben, da gibt es wichtigeres zu erledigen.
btw genieße ich zum frühstück nichts mehr als mein brötchen mit krabbensalat am wochenende. kalt, und nur selbst geschmiert... ;)

Re: Geniessen erlaubt

Verfasst: Mo 7. Okt 2013, 20:16
von krabbe
Hallo Reisende,
Vielen Dank! Du bringst sehr schön auf den Punkt, was ich empfinde.

lg Andrea

Re: Geniessen erlaubt

Verfasst: Mo 7. Okt 2013, 20:38
von Olaf
schließ ich mich an...
Olaf,
in der Verwahranstalt sozialisiert, z.T.

Re: Geniessen erlaubt

Verfasst: Mo 7. Okt 2013, 21:23
von Benutzer 72 gelöscht
Reisende hat geschrieben:btw genieße ich zum frühstück nichts mehr als mein brötchen mit krabbensalat am wochenende. kalt, und nur selbst geschmiert...
krabbe hat geschrieben:Hallo Reisende,
Vielen Dank! Du bringst sehr schön auf den Punkt, was ich empfinde.
:hmm: Krabbensalat?? :pft: ;)

abgesehen davon: wow! in Mexico hab ich öfters "Shrimps-Salat" gegessen (alles roh: Shrimps mit Zwiebel und Zitronensaft, diversen Gewürzen, scharf...)
für den lass ich jeden Braten mit Knödel stehen!!

Obwohl meine Oma (sie war die Köchin bei uns, weil komischerweise - sie hat draufbestanden, dass meine Mutter studiert und nur ja nicht zu viel Kochen lernt...)
Meine Oma hat Braten mit Knödel sehr oft gemacht und jeden Sonntag gab es Schnitzel :roll:

war eines der ersten Kochrevolutionen bei mir: Schnitzel darf es geben, aber nie am Sonntag1
Am Sonntag wird gar nicht Mittag gegessen - da genießen wir -

aber anderes :pft:

Getreidebratlinge? mmmmhhh!! lecker!! (mit Emmetaler und Ei zum Binden, geriebenes Gemüse für den Geschmack) - und rohe Karotten mit Haselnüssen gehört zu meinen Lieblings"snacks". alternativ dazu und auch lecker: geriebene Karotten mit süßem Rahm (Sahne)

@Landfrau: ich hab über dein posting öfters schmunzeln müssen - und noch öfters hab ich zustimmend genickt....

nur auch hier: es ist überall anders ;)

Meine Mutter hat sich zwar immer wieder über ihre Mutter beschwert, weil sie nie Kochen gelernt hat, uns hat sie es aber auch nicht gescheit beigebracht.
Ich hab kochen gelernt bei meinem ersten Freund - und das war exotische Küche, hab es sofort geliebt, obwohl als Kind hätt ich mir nicht geträumt, dass Essen so schmecken kann.....

Meine Kinder sind Gott sei Dank viel in der Küche und können auch schon einfache Sachen selber machen.
Aber das wichtigste am Kochen mit Kindern finde ich, dass sie eben die Zutaten in ihrem Urzustand kennenlernen :daumen:

Wo ist überhaupt der Unterschied zwischen "Genießen" und "Leben"??

Re: Geniessen erlaubt

Verfasst: Di 8. Okt 2013, 07:32
von Gelöschter Benutzer 54
Sand hat geschrieben: Ob dieser Genuß aber gut statt grad' noch noch eben durchwinkbar ist?
das ist privatsache und nirgendwo auf der welt gibt es jemanden der darüber zu befinden hat.

wie genussvoll das ist entscheiden einzig und allein die beteiligten menschen. mögen deren empfindungen immer zueinander passen sodass sie einander schenken können was jeweils nährt, ob an leib oder seele.

Re: Geniessen erlaubt

Verfasst: Di 8. Okt 2013, 07:50
von Olaf
Was soll der Mist: Eine Frau verwirklicht sich doch nicht, wenn sie ihr kleines Kind der willkürlichen (mal nicht das Subsidaritätsprinzip der Kirchen vergessen - und auch nicht die unausgesuchte Motivation durch ARgen) Erziehung anderer überläßt, - nur um ihren Job ausüben zu können. Die kann sich dann auch gar nicht richtig konzentrieren, weil ihr Instinkt da einfach nö sagt. Bei Beamtinnen kommt dabei heraus, daß sie sich darauf verstehen, sich die Arbeit (zu wessen Ungunsten?) vom Hals zu schaffen; die anderInnen nehmen zwangsläufig Einbußen in der Karriere hin.
Deine eigenen Erfahrungen, oder die Realität mal passend gebogen?
Es gibt Menschen, auch Frauen, die machen ihre Arbeit gern!
:eek:
Auch Beamte!
:eek:
Und die nicht solche Übermuttis sind, die meinen, nur sie könnten Kinder erziehen.
Und es gibt Kinder, die gehen gern in den Kindergarten und spielen mit ihresgleichen. Wie das schon im Affenrudel war.
Das sind meine Erfahrungen.
Olaf

Re: Geniessen erlaubt

Verfasst: Di 8. Okt 2013, 08:21
von hobbygaertnerin
Jetzt kommen wir aber ziemlich weit vom Thema ab.
Hat die Einstellung zur Familie, zum Haushalt, zum Kochen und Essen etwas mit dem Alter zu tun?
Und sind die in dieser Zeit auf der Erde gemachte Erfahrungen ein Grund, sie eher runter zu machen?
Bei einigen Einträgen zum Thema Landwirtschaft habe ich mir aus Wohlerzogenheit Knoten in die Finger gemacht.
Ich bewundere Menschen, die eine Eigenschaft haben, die mich immer an Ballett erinnert, es ist die Anmut der Bewegungen bei der Arbeit und die Arbeit zu sehen und sie in einer Leichtigkeit machen zu können.
Es ist ein Genuss, diesen Menschen bei der Arbeit zusehen zu dürfen.
Diese Anmut der Bewegung kommt sicher auch von der guten Beherrschung der Handgriffe.
Erstaunlicherweise gilt dies eher weniger für die Tätigkeit im Haushalt, hier geht alles von selbst- oder auch nicht.
Danke Sand- für den Sand im Getriebe, es ist doch jedem in einem freien Land gestattet, seine eigene Meinung haben zu dürfen.

Wegen Kinder-
ich dachte gestern, ich trau meinen Augen nicht, ein Interview mit der ehemaligen Familienministerin Schröder, die es bedauert, dass sie viele Entwicklungsmomente ihres Kindes nicht mitbekommen hat und noch so einiges mehr war da zu lesen. Kita ab 1 Jahr - interessant, wo doch jetzt der Rechtsanspruch darauf besteht- wie sie es jetzt nach ihrem Amt sieht.
Hätte eine Eva Herman oder wie diese Dame hiess solche Meinung von sich gegeben, sie wäre in der Luft nicht nur zerissen, sondern zerhäckselt worden.
Habe den Mut von Frau Schröder echt bewundert, obwohl mir diese Dame sonst nicht so zusagte.
Mainstream- hat wohl zu allen Zeiten und in allen Ecken dieser buckligen Welt Menschen dazu gebracht, Dinge zu tun oder nicht zu tun-

Geniessen hat wohl auch etwas mit über den Dingen zu stehen zu tun-
denn nach Mainstream gibt es alles fertig zu kaufen, heute ist oft nicht das Geld der begrenzende Faktor, sondern das kostbarste in unserem Leben, die Zeit.
Zeit zum Kochen, Zeit zum Essen, Zeit zum gemeinsamen Gespräch am Tisch, Zeit, sich je nach Möglichkeit, Gemüse, Obst, Kräuter, Beeren selbst im Garten heran zu ziehen.
Selbst das Abspülen des Geschirres im warmen Wasser ist eine wunderbare Auszeit, man kann Hausarbeit als Fronarbeit sehen oder als eine Form von Freiheit, wo es mal nicht um die absolute Optimierung geht.
Früher war nicht alles besser, aber einzig der Moment des Jetzt ist der kostbare Augenblick. Nur ihn haben wir -

Re: Geniessen erlaubt

Verfasst: Di 8. Okt 2013, 10:56
von Benutzer 72 gelöscht
Jetzt muss ich doch noch etwas loswerden - von wegen "natürlich"

(Achtung: ein bischen ironisch!)

Der Eber säugt die Ferkel, ein schwuler Hirsch kämpft sich hoch zur Leitkuh und kriegt dann Kälbchen, zwei lesbische Hennen brüten imselben Nest und brauchen daher keinen Hahn, um Kücken zu bekommen, die Ameisenkönigin beschließt, dass sie Kariere machen will und verlässt das Nest um Nadeln zu sammeln ....
Die Liste könnte sehr lang werden.... :holy:

Mein Mann war mir übrigens immer ein bisschen neidisch auf die Nähe, die beim Stillen entsteht - und die hält bis jetzt, wo der Kleine 3 ist.
Allein deshalb bin ich als seine biologische Mutter etwas besonderes für ihn. :im:
Und nach den langen Wehen, als ich das Baby im Arm hielt, da hab ich ein Glück empfunden, das unvergleichlich ist (sicherlich auch teilweise hormonell bedingt!!).
Aber auf jeden Fall war es für mich anfangs nahezu unmöglich, mein Baby kurz herzugeben (sicherlich auch hormonell bedingt!!)

bitte jetzt keine mamaphoben Kommentare! :nudelholz: ;) ;)

"Natürlich" ist eine Sache, "menschlich" bzw. individuell eine andere!
Und dass es immer Ausnahmen gibt und die selbstverständlich ihre Berechtigung haben, ist so - ja!! :daumen:
Aber zur Religion machen sollte man das dann auch nicht.

Wenn wir am Land arbeiten, muss ich meinen Mann bitten, Bäume wegzutragen oder große Steine zu schleppen, weil mein Körper das einfach nicht gibt.
Also, wenn wir eine Naturstein-Mauer bauen wollen, ist es nur natürlich, dass er draußen Steine schleppt, während ich drinnen ein leckeres Essen richte.
Ich tät nicht einsehen, wenn da irgendjemand herkommt und meint, ich täte >>nur<< am Herd stehen. :grr: ;)
oder mir sagen, das ganze, was da passiert (diese Arbeitsteilung) wäre unnatürlich - wieso???
Reisende hat geschrieben:ich mag beide extreme nicht: die einen, die hausfrauen als unemanzipiert belächeln / bedauern ebenso wenig, wie die anderen, die die aufgabe von frauen auf haushalt und kindererziehung reduzieren. die realitäten sehen anders aus, auch wenn das ewig gestrige nicht wahrnehmen wollen.
ganz richtig! :daumen:

So, zurück zum Essen!
hobbygaertnerin hat geschrieben:Ich bewundere Menschen, die eine Eigenschaft haben, die mich immer an Ballett erinnert, es ist die Anmut der Bewegungen bei der Arbeit und die Arbeit zu sehen und sie in einer Leichtigkeit machen zu können.[....]

Erstaunlicherweise gilt dies eher weniger für die Tätigkeit im Haushalt, hier geht alles von selbst- oder auch nicht.
schau mal meinem Mann beim Kochen zu! :wink_1: