z zt im kino:
http://www.allesunterkontrolle.at
Was war die Idee für den Film ALLES UNTER KONTROLLE?
WERNER BOOTE: Nach dem Erfolg meiner beiden Filme PLASTIC PLANET und POPULATION BOOM war ich mit wachsendem Interesse an meiner Person konfrontiert. Man wollte wissen, wer ich war, mit wem ich verheiratet bin, ob ich Kinder habe etc. Wenn man mich „googelt“ werden unglaublich viele Details über mich sofort in der Ergebnisliste sichtbar. Das hat mich weiter zu der Frage geführt, wie viel findet man denn über eine x-beliebige Privatperson im Netz. Wir kaufen online ein, wir verbinden uns in der Cloud, laden Fotos auf Facebook, kommentieren diese vielleicht auch noch und markieren Personen, die wir kennen. All das sind Daten und die bleiben bis in die Ewigkeit.
Während der Recherchen und dann später bei den Dreharbeiten zu diesem Film hat sich mein Umgang mit meinen eigenen Daten sehr verändert. Ich habe keine Kreditkarte mehr, ich kaufe weder bei Amazon noch sonst irgendwo online ein, ich blockiere das Zugriffsrecht auf alle meine Handy-Kontakte für Apps usf. Ich lese alle Nutzungsbestimmung (EULA) & AGBs durch, weil ich jetzt begriffen habe, dass meine Daten weiterverwendet und verkauft werden.
Die Idee meines Films ist, Privatpersonen wie mich, auf eine spannende und unterhaltsame Reise mit zu nehmen, auf der sie mit mir erkennen können, wie transparent wir in der digitalen Welt geworden sind. Und wie wichtig es ist, sorgfältig mit seinen eigenen „Uploads & Comments“ umzugehen.
Die digitale Welt hat unglaublich viele positive Seiten. Wir schreiben Emails, wir kommentieren, laden Foto in die sozialen Netzwerke oder telefonieren mit Video usf. Alles viel schneller, einfacher und besser als früher. Mit Hilfe von Instagram und Snapchat kann ich jederzeit mit meinen Kindern kommunizieren und Bilder austauschen.
Gleichzeitig werden Millionen von Daten im Hintergrund verknüpft, unterschiedliche Betriebssysteme der Programmierer korrespondieren miteinander, Hardware Hersteller stehen unter Verdacht mit der NSA zu kooperieren und wir wissen tatsächlich nicht, was im Hintergrund wirklich läuft. Es gibt bei der unglaublichen Menge an Daten weltweit keine Sicherheiten. Zugriff auf Daten zu haben bedeutet große Macht. Sowohl das politische als auch das wirtschaftliche Interesse an Daten ist groß. Es wird nicht mehr lange dauern und es wird Börsen für Datengeschäfte geben.
Was nimmt das Publikum aus dem Film mit?
Für die Recherche zu ALLES UNTER KONTROLLE hatte ich sehr viel mit Hackern zu tun. Ich habe gelernt, wie ich „durch einen Computer schauen“ kann ohne dass der Benutzer/die Benutzerin das weiß oder bemerkt. Das ist nicht besonders schwer. Mich hat das nicht technisch interessiert, sondern eher sozialpolitisch. Was macht das mit unserem Leben, wenn wir so transparent sind, alle unsere Daten zugänglich sind und wir gar nicht mehr wissen, was wir preisgeben.
Ich möchte, dass sich das Publikum vor Augen führt, dass man ab dem Zeitpunkt seiner Geburt Daten produziert, zur Ware wird und kontrollierbar ist. Jede Aktion hinterlässt einen Datenabdruck. ALLES UNTER KONTROLLE soll ein „call to action“ sein: Gehen Sie aus dem Kino und überprüfen Sie, was Ihre Bank oder Ihre Versicherung mit Ihren Daten machen kann und darf. Lesen Sie die Nutzungsbestimmungen von den Apps, die Sie verwenden. Überlegen Sie sorgfältig, wenn Sie nach Ihren Daten gefragt werden oder sie irgendwo eingeben.
Ich glaube, dass viele Menschen das Internet mit Daten füttern, weil sie das wahre Ausmaß des Deals, der hier stattfindet, nicht erkennen. Man muss verstehen, dass veröffentlichte Daten für immer auffindbar sind. Selbst wenn ich ein Foto lösche, dann bleiben immerhin die Daten übrig, dass ich dieses Foto gelöscht habe.
ALLES UNTER KONTROLLE ist eine spannende und unterhaltsame Reise, die zeigt, wie transparent wir Privatpersonen in der digitalen Welt geworden sind und wie persönliche Daten teil eines kommerziellen und politischen Modells wurden. Wir müssen selbst die Kontrolle behalten und viel sorgfältiger bei der Herausgabe unserer Daten sein.