Re: Medien- und Programmhinweise
Verfasst: Sa 8. Aug 2015, 15:25
BR 2
http://www.br.de/radio/bayern2/programm ... 97852.html
Dinge wieder heil machen
Eine Re-Parabel
Von Ulrich Zwack
Reparieren? War einmal. Selbst in der Autoreparaturwerkstatt kann man defekte Teile nur noch austauschen. Dabei verstand sich der Mensch seit rund 100 000 Jahren nicht nur auf die Kunst des Austauschs, sondern auch auf die des wieder Herrichtens. Aber heute? Computer, Toaster oder Wassersprudler defekt? Ab damit zum Wertstoffhof und Neugerät kaufen. Naht aufgegangen, Knopf abgefallen? Ab in die Tonne mit den zerschlissenen Klamotten und neues Kleid oder Hemd kaufen. Stuhl aus dem Leim gegangen? Ab damit zum Sperrmüll. Freilich sorgt auch die Industrie durch Spezialschrauben, Nieten oder unlösbare Kunststoffverklebungen dafür, dass sich Otto Normalverbraucher oft gar nicht mehr ans Innere des jeweiligen Gerätes wagt. Gleichzeitig gibt es kaum noch ortsansässige Reparaturfachleute. Wenn etwas kaputt ist, muss es oft an den Hersteller geschickt werden. Und dort weilt das defekte Teil dann erst einmal ein paar Wochen, ehe man erfährt, dass sich eine Reparatur nicht mehr rentiert, weil ein Neugerät billiger kommt. Darüber hinaus kommt immer wieder der Verdacht auf, dass manche Dinge nicht ganz zufällig just nach Ablauf der Gewährleistungspflicht kaputtgehen.
Angesichts schrumpfender Ressourcen ist dieses System der helle Wahnsinn. Deshalb macht sich Prof. Wolfgang Heckl, der Generaldirektor des Deutschen Museums, in einem höchst lesenswerten Buch für die Rückkehr zur "Kultur der Reparatur" stark. Und in den meisten Großstädten kann man heute in Selbsthilfeeinrichtungen wie den sogenannten Repair-Cafés mit kaputten Gegenständen aller Art aufkreuzen. Denn es kann zwar nicht jeder selber nähen, nieten, sägen oder löten. Aber mit vereinten Kräften schafft man es in der Regel allemal.
Ulrich Zwack hat sich in der aktuellen Reparatur-Szene umgesehen und festgestellt, dass dort nicht nur Gegenstände aller Art wieder heil gemacht werden können, sondern im Idealfall auch die Seele. Denn Reparieren-Können hebt das Selbstvertrauen und macht viel Freude. Mehr Kultur geht kaum …
http://www.br.de/radio/bayern2/programm ... 97852.html
Dinge wieder heil machen
Eine Re-Parabel
Von Ulrich Zwack
Reparieren? War einmal. Selbst in der Autoreparaturwerkstatt kann man defekte Teile nur noch austauschen. Dabei verstand sich der Mensch seit rund 100 000 Jahren nicht nur auf die Kunst des Austauschs, sondern auch auf die des wieder Herrichtens. Aber heute? Computer, Toaster oder Wassersprudler defekt? Ab damit zum Wertstoffhof und Neugerät kaufen. Naht aufgegangen, Knopf abgefallen? Ab in die Tonne mit den zerschlissenen Klamotten und neues Kleid oder Hemd kaufen. Stuhl aus dem Leim gegangen? Ab damit zum Sperrmüll. Freilich sorgt auch die Industrie durch Spezialschrauben, Nieten oder unlösbare Kunststoffverklebungen dafür, dass sich Otto Normalverbraucher oft gar nicht mehr ans Innere des jeweiligen Gerätes wagt. Gleichzeitig gibt es kaum noch ortsansässige Reparaturfachleute. Wenn etwas kaputt ist, muss es oft an den Hersteller geschickt werden. Und dort weilt das defekte Teil dann erst einmal ein paar Wochen, ehe man erfährt, dass sich eine Reparatur nicht mehr rentiert, weil ein Neugerät billiger kommt. Darüber hinaus kommt immer wieder der Verdacht auf, dass manche Dinge nicht ganz zufällig just nach Ablauf der Gewährleistungspflicht kaputtgehen.
Angesichts schrumpfender Ressourcen ist dieses System der helle Wahnsinn. Deshalb macht sich Prof. Wolfgang Heckl, der Generaldirektor des Deutschen Museums, in einem höchst lesenswerten Buch für die Rückkehr zur "Kultur der Reparatur" stark. Und in den meisten Großstädten kann man heute in Selbsthilfeeinrichtungen wie den sogenannten Repair-Cafés mit kaputten Gegenständen aller Art aufkreuzen. Denn es kann zwar nicht jeder selber nähen, nieten, sägen oder löten. Aber mit vereinten Kräften schafft man es in der Regel allemal.
Ulrich Zwack hat sich in der aktuellen Reparatur-Szene umgesehen und festgestellt, dass dort nicht nur Gegenstände aller Art wieder heil gemacht werden können, sondern im Idealfall auch die Seele. Denn Reparieren-Können hebt das Selbstvertrauen und macht viel Freude. Mehr Kultur geht kaum …