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Re: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod
Verfasst: So 24. Feb 2013, 13:55
von Olaf
Das kenn ich eigentlich mehr von den Rhön-Bewohnern, dieses gerollte amerikanische R.
Als ich bei der Armee mal in ein anderes Objekt versetzt worden war diskutierten am nächsten Morgen der Hauptmann und ein Soldat, beide aus der Rhön über einen
Reifen, der links
rum d
raufwa
r und nach
rechts ged
reht werden sollte.
Erst hab ich gedacht, die immitieren aus mir unerklärliche Gründen den Klassenfeind, oder das ist nen Sketch, dann hab ich gemerkt, die sprechen wirklich so!

Re: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod
Verfasst: So 24. Feb 2013, 16:28
von Wiwi
Ich verstön hej alles

.
Groet, Wilfried.
Re: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod
Verfasst: So 24. Feb 2013, 18:40
von Spottdrossel
Olaf hat geschrieben:Das kenn ich eigentlich mehr von den Rhön-Bewohnern, dieses gerollte amerikanische R.
Als ich bei der Armee mal in ein anderes Objekt versetzt worden war diskutierten am nächsten Morgen der Hauptmann und ein Soldat, beide aus der Rhön über einen
Reifen, der links
rum d
raufwa
r und nach
rechts ged
reht werden sollte.
Erst hab ich gedacht, die immitieren aus mir unerklärliche Gründen den Klassenfeind, oder das ist nen Sketch, dann hab ich gemerkt, die sprechen wirklich so!

So ein r findet man auch im Westerwald.
Wir hatten auf einer Baustelle mal Sachsenaufstand, weil der Polier als Rhönschaf nicht zu verstehen war. Der Beklagte kam dann zu mir geflitzt, nach dem Motto, ich verstehe ihn doch auch? Sorry, ich hatte bloß zu 90 % richtig geraten, was er wollte.
Einmal hatte ich bei einer kompletten Rhönkolonne einen Simultandolmetscher dabei

- mit der Zeit hört man sich zwar rein, aber wenn die untereinander reden, hat man keine Chance mehr.
...und wenn im Vogelsberg die Gerda den Bernd gehoben hat, ist sie seine Patentante (die aber "Goode" heißt)
Ein Phänomen unserer Berliner Kolonne: während beim Frühstück die Jurke gefordert war und für später noch Jeräte benötigt wurden, konnte "Gehweg" korrekt ausgesprochen werden. Vielleicht, weil es in Berlin nur den Trottoir gibt?
Re: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod
Verfasst: So 24. Feb 2013, 18:55
von Olaf
*lach und rotwerd*
Interesantes Phänomen, ist mir natürlich noch nie aufgefallen.
Aber es ist genau so. Jurke und Jerät ist ok, auch wenn wir das hier nicht so zwanghaft sagen wie die Berliner, aber "Jehweg" jeht jarnich!
Re: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod
Verfasst: So 24. Feb 2013, 18:59
von sybille
Jehweg spricht sich nicht gut. Deswegen vielleicht.
Re: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod
Verfasst: So 24. Feb 2013, 19:14
von Zacharias
Jerät aber auch nicht besser

Re: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod
Verfasst: So 24. Feb 2013, 19:15
von Spottdrossel
Ich hatte ja seit der Berufsschule Sprachverwirrung (wir waren aus ganz Deutschland zusammengepfercht und jeder dachte, er spricht Deutsch

) und eins ist witzig: ist man erstmal lange genug im "Ausland", fallen auf einmal auch die eigenen Sprach-Merkwürdigkeiten auf.
Und man schnappt natürlich einige Unwörter auf. Gegen Schwäbisch war ich dank vor Ort vorgefundener Antipathie (ich fand es so lange drollig, bis ich mal echte Schwaben erleben durfte

) GsD immun, aber die Jahre im Osten...
Ein Kollege aus Nordhausen hat mir so hartnäckig ein "digidoool" angehängt, daß ich irgendwann daheim einen Verweis kassiert habe.
Und dank "Opa Unger und dem Gespenst" oder so ähnlich kann ich "Tankwagen" und "Araltankstelle" komplett ohne a und t aussprechen

.
Im FOCUS gab es mal einen Bericht zum Thema Dialekt und den Schwierigkeiten dadurch für Grundschüler. Zitat fassungsloser bayerischer Bub: "Die Antn fangt doch ned mit E a!"
(kleiner Hinweis: es geht um Wassergeflügel und seine Schreibweise)
Re: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod
Verfasst: So 24. Feb 2013, 19:58
von si001
Olaf hat geschrieben:aber "Jehweg" jeht jarnich!
Klar!! Jehwe
ch jeht immer! - Bei uns zu Hause (südlich von MD) zumindest. Dann aber mit
ch am Ende. Und natürlich heißt es Jerät!!
Das "G" hat nämlich 3 verschiedene Aussprachen! Wusstet ihr wohl nicht?

Das beste Beispiel dafür ist Voreljesan = Vogelgesang. G wie R, G wie J und das G am Ende wird weggelassen.
Und natürlich wird Brot richtigerweise mit d am Ende geschrieben, weil es nämlich in der Mehrzahl Brode heißt.

Re: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod
Verfasst: So 24. Feb 2013, 21:07
von Kerstines
Klar wird Brod mit d geschrieben!
In meinem alten Kochbuch (geschätzt mehr als 100 Jahre alt) steht immer Brot mit d, und so ein altes Buch muß das ja wissen!
Mich hatte es als Lehrling ja (aus Deutschlands Ecke mit dem klarsten Deutsch - deswegen gibts ja jetzt auch bei uns die vielen Callcenter)
in tiefste Vogtland nach Klingenthal verschlagen. Dahin, wo die Hasen Hosen und die Hosen Husen heißen.
Ich hab wirklich in den ersten 4 Wochen so gut wie nichts von den Einheimischen verstanden und dachte fast, ich muß die Lehre abbrechen, danach hatte ich mich reingehört und dann konnte ich mich einleben.
Jahre später hat mein Mann im Urlaub dort dasselbe empfunden und kein Wort verstanden.
Schönes Sprachbeispiel noch aus unserer wendischen Gegend zu Dativ und co., so untereinander rumgeflachst:
"Mit das Fahrrad übers Acker" ist so eine Antwort auf die Frage "Wo kommst Du denn her?"

Kerstines
Re: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod
Verfasst: So 24. Feb 2013, 23:06
von Melusine
Oder die echten Fremdwörter mit Espri:
Was ist hier in Thüringen(Lauscha-Steinach) ein Krüpfelgebück.
Warm aber herzlich die Schwiegermutter.
Da ich ja auch 10 Jahre in Rathenow zur Schule ging ist man ja anderes gewöhnt.....
Oder ein Schnepfenhiefle-die Michkanne.
Nackepitsch ist der Nackedei und die richtigen Pfannkuchen sind nur die übers Knie gezogenen.....
Und als Klöße gibs die Tellerutscher....
