Tja, da fällt mir gleich ganz ganz viel ein. So Wiese anzünden z. B. - das war aber unbeabsichtigt. Hinter unserem Wohnblock kam Garten, dann Hof, dann Garagen und dahinter begann das Paradies: ein unbebautes verwildertes Grundstück. Da hatte irgendjemand seinen alten Ofen entsorgt und wir haben den gefunden. Da wir vorher ein "Baumhaus" gebaut hatten, also ein paar alte Bretter so in den Baum gekeilt hatten, dass man drauf sitzen oder liegen konnte (zwecks Übersicht über feindliche Truppen oder so) und es langsam gegen Herbst / Winter ging, kamen wir auf die Idee den Ofen unter den Baum zu stellen, anzufeuern und uns am Rauch aus dem Ofenrohr zu wärmen.
Soweit so gut, ich mußte JEDEN Abend in die Badewanne, weil ich natürlich roch wie frisch aus dem Räucherofen. Mein Kollege Dietmar hat dann eine Überdosis Winnetou abgekriegt und dann mußten wir Lagerfeuer spielen, und das ging dann nicht mehr gut, das ganze trockene Wiesenzeugs fing Feuer und glomm so vor sich hin, aber die angekokelten Kartoffen vom nahen abgeernteten Acker erforderten das Feuer. Und mein Kollege wußte natürlich, daß man Feuer auch ausschlagen kann, also Anorak aus und Feuer ausschlagen und mit den Füßen austreten.
Soweit so gut. Nur hatte der Anorak überall so komische kleine Löcher und die Schuhsohlen sahen auch irgendwie komisch aus. Also habe ich halt erzählt was wir gemacht hatten. Meine Mutter wurde ziemlich blass und hat ein bisschen geschimpft. Dietmar eine Tracht Prügel und Hausarrest, dem er aber durch die Kellertür entging.
Wir waren auch eine ganze Horde Kinder in allen möglichen Altersstufen aber ich war das einzige Mädchen. Dafür machte mir niemand den Platz der Squaw streitig
Irgendwann wurde dann ein Spielplatz gebaut, aber der war öde und langweilig. Auf unserer Wiese gab es auch eine riesige Brombeerhecke, da haben wir uns dann ein "Lägerle" reingeschnitten, perfekt getarnt hockten wir dann da drin und haben Geschichten erzählt, unreife Äpfel gegessen, Pläne geschmiedet gegen Angreifer usw.
Auch wir hatten die Regel: nach Hause, wenn die Straßenlaternen angehen, das haben wir aber oft einfach nicht mitgekriegt, weil es viel wichtiger war noch eine Runde Federball zu spielen oder mit den Rollschuhen über den Parkplatz Hindernisrennen zu veranstalten.
Wobei ich sagen muß, ich hab die Jungs immer nur um eins beneidet. Ich hätte halt auch mal gerne vom Garagendach gepinkelt - natürlich war das wieder Dietmar und der Hausarrest folgte auf dem Fuße. Bei uns wurde immer nur geklingelt, weil ich mit den blonden langen Haaren halt in einer Horde von Jungs so einfach zu identifizieren war. Ich sollte dann sagen, wer die Mittäter waren.
Das hat meine Mutter sehr diplomatisch gelöst, indem sie mich fragte, ob ich denn meine Freunde verpetzen wolle, wollte ich natürlich nicht
Überhaupt muß ich in direkter Linie von Höhlenmenschen abstammen, als Kleinkind war ein großer Karton von einer Waschmaschine meine bevorzugte Behausung, später dann die "Lägerle", später dann die "Lägerle" für den kleinen Bruder und seine Kollegen und dann die für meine Kinder und sei es mit Wolldecken um den Wäschetrockenplatz in ein Haus zu verwandeln.
Insgesamt war ich eh immer viel lieber draußen und kann deswegen bei den meisten Kinderserien nicht mithalten, weil ich es nie geschafft habe zu Hause zu sein, wenn die liefen. Fernsehen hat mich auch danach nie interessiert, höchstens um nebenher was anderes zu machen, so wie halt andere Radio hören.
Und ja natürlich, da hätte immer was richtig schief gehen können, da waren nie irgendwelche Erwachsene dabei, da kam höchstens mal ein großer Bruder / Schwester um mitzumachen oder den Befehl zu geben, man würde zum Abendessen erwartet. Und wir hatten ja auch alle Werkzeug: Taschenmesser, Gartenscheren, Sägen, Streichhölzer, Hammer und Nägel. Einmal ging auch richtig was schief, da war ich aber nicht dabei. Die Jungs spielten Indianer und einer saß in der Hecke und hat mit dem selbstgeschnitzten Pfeil einem anderen Jungen ein Auge kaputtgeschossen.
Und dann gab es da noch diese Mütter die die Namen ihrer jeweils erwarteten Kinder vom Balkon plärrten oder kreischten, das war immer mega-peinlich und wir haben uns schlappgelacht. Meine hat gepfiffen

Das machen wir auch heute noch so, wenn einer verlorengeht z. B. im Supermarkt
Wenn ich nach Hause kam gab es immer so einen Standardspruch von meinem Stiefvater: "was macht des Kind eigentlich da ganze Tog, suacht dia Meis?"
Und nein, früher war nicht alles besser, aber ich denke wir hatten viel mehr Freiräume, wenige Termine und man ist halt einfach raus, wenn man die Hausaufgaben fertig hatte und dann wußte man ja, wo die Truppe und das aktuelle Projekt zu finden waren. Wir mußten auch nicht zu einem extra Sport. Wir hingen an Teppichklopfstangen, machten Purzelbäume einfach im Gras, sind die Bäume hochgeklettert und zum Fuß- / oder Handballspielen genügte ein Garagentor.
Und gestritten und gekämpft wurde natürlich auch, aber irgendwann hat man sich dann halt doch wieder vertragen. Weil halt jemand fürs Tor fehlte oder so.
Irgendwann war dann mein Bruder "verschwunden", d. h. es war schon lange dunkel und alle Kinder waren daheim, nur er halt nicht. Also sind wir raus und haben ihn gesucht, daß er bei einem Nachbarn die Hauslampe abgeschossen hatte war klar, und längst zwischen den Müttern geregelt - wozu gibts Versicherungen, such dir ne schöne neue Lampe aus. Als ich dann nach Hause kam, piepste es im Busch vor unserer Haustür, da hockte das Weichei und hat sich erst rausgetraut,als die Beschützer-Schwester kam. Seitdem gilt der Spruch: egal welche Scheiße du gebaut hast - immer erst mit der Familie reden, da wird zwar auch geschimpft, aber dann überlegt man gemeinsam, wie man das wieder hinbiegen kann.
Das war jetzt mein Wort zum Samstag, weil es gerade anfängt zu Regnen und damit das Projekt AHK verschoben wurde.
Schönes Wochenende