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Re: Geniessen erlaubt

Verfasst: Mo 7. Okt 2013, 11:08
von Landfrau
Das hier:

Gleichberechtigungsdebatte aus dem Geniessen heraus.
Mangelnde Wertschätzung in Richtung Essen kommt aus meiner Erfahrung aus beiden Seiten.


habe ich grad weiter oben aufgeschnappt.
Es entspricht aber nicht meiner Wahrnehmung. Es scheint eher so, dass Männer sehr gerne gut essen und die Frauen es sind, die sie kalt(herzig) abspeisen, weil sie vermeintlich Besseres zu tun haben, als etwas Vernünftiges auf den tisch zu bringen, dass gemeinsam gegessen wird.

Das Dumme ist nur, dass die Männer mal Söhne waren, die Mütter hatten, die ihnen (wenn sie Glück hatten und nicht zu jung sind und selbstverwirklichungshalber täglich in staatlichen Verwahranstalten abgegeben wurden) Essen gekocht haben. Die Jungs, späteren Männer, haben das Kochen - wenn nicht ein glücklicher Zufall dazwischen kam - schlicht nicht richtig gelernt.

Und sind leicht bereit, sich mit minderwertigen Supermarktfutter (fettig und fleischig) selbst zu versorgen. "Futtern wie bei Muttern" wird aber jeden Kerl hinterm Ofen vorlocken (es sei denn, er hatte schon eine moderne Dosenfuttermutter...). Und gegen diese Prägung, meinethalben auf Braten mit Klößen und Gemüse in weißer Soße, kann dann auch die Ehefrau nicht ankochen und wenn mal wieder Körnerbratlinge mit Sojasprossen und Möhrenrohkost auf den Tisch kommen guckt Männe vllt nicht ganz so genießerisch....

Gut zu kochen und zu essen hat ja auch etwas mit "sorgen um / für" zu tun, mit kümmern, mit zuständig sein (jeden Tag....) und das ist uncool.

Und Liebe geht durch den Magen, heißt es. Liebende stecken sich gern kleine Naschereien zu, man geht essen, wenn man verliebt ist. sinnliche Genüsse stehen ganz im Vordergrund.

- einfach und wohltuend
ob das Essen "bratzelt" im Mund ist nicht die Frage, in dieser Disziplin gewinnt oft das Industriefutter .. ein Croissant mit Erdbeermarmelade, ein dickes Eis, Currywurst mit Ketchup machen im MUnde mehr her als ein warmer Hirsebrei. Die Frage ist "wie fühlt man sich danach?".

- von hier, von Hand, von heute
als Kriterien für hochwertiges Essen

- ruhig und andächtig
während des Essens ist höchstens das gute Essen Thema. Keine Medien, telefonate, Problemgespräche oder Smalltalk, keine Gerenne und Gezeter. Bauern essen schweigend.

- regelmäßig und vertraut
damit der Körper nicht hungern muss. Wenn man morgens mit Appetit aufwacht, hat man am Vortag gut gegessen. Wenn der Körper "weiß", dass er nicht hungern muss, sondern sich auf seine Futterzeiten verlassen kann, kommt man gut durch den Tag. (weshalb Diätfans und modern - mobile Menschen auch oft schlechte Laune haben.....)
Vertraute Lebensmittel und Gerichte tun gut - dem Körper und der Seele. Unregelmäßiges Essen und unvertraute Lebensmittel strengen an. "watt de Buer nich kennt, datt frett hei nich" Und er tut gut dran.

Geniessen "erlaubt?" - komisch, grad erst bin ich über den Titel des Fadens gestolpert...warum eigentlich "erlaubt"? was ist daran so unbotmäßig, dass man sich die erlaubnis holen oder herbeiargumentieren muss? Oder doch nicht erlaubt?

Sich Zeit zunehmen zum Kochen und zum Essen? Gibt es nicht Wichtigeres zu tun?
Eine Auszeit, um den Körper und die Seele zu nähren? ist das Verrat an der Leistungsgesellschaft?
Eine Auswahl zu treffen, eine Beschränkung auf das Wohltuende? Ist das verwerflicher Snobismus?

Hmmm.

Das mit den Genießer"rezepten" funktioniert glaube ich, nicht.
ich koche und backe viel für andere Menschen .... und habe dabei sehr schnell gelernt "watt dem ih'n sin Uhl, is dem annern sihn Nachtigall". Der eine könnte für Brot mit Brotgewürz drin morden, der nächste findet Kümmel auf Zwiebelkuchen abscheulich. Der eine liebt PAstetchen mit Sardellen, der andere rührt "so was" nicht an. An Rosinen im Stuten scheiden sich die Geister, an Orangeat erst recht.

Darum wird mMn das fertige und halbfertige käufliche Essen von Ravioli bis Cicken Wings immer fader und fettiger - das ist mainstream. Auf Fett, Salz und Zucker reagiert Mensch biologisch bedingt positiv, auf Gewürze muss man geprägt sein oder zumindest einen freien Geist haben. Wer eine Dosenfuttermutter und Gruppenverpflegung in der Verwahranstalt (Kindergarten) hatte, hat den Zug womöglich verpasst und ist dankbarer Konsument konfektionierter Mahlzeiten, die machen satt und schlapp, so wie der Bürger sein soll.

Ich bin weiß Gott kein expliziter Krisenfan, aber manchmal denke ich, verkehrt wäre es nicht, wenn es nicht hieße "also Stuten mit Rosinen drin, dass essen meine Enkel nicht" sondern wenn ein Kind sagte "Mama, in Tobias Scheibe sind viel mehr Rosinen ...das ist ungerecht". Müssen ja nicht Rosinen sein, die sind ein Beispiel, aber eine Wert - schätzung des Essens, ist das nicht der Anfang von Genuss? Das es keine Selbstverständlichkeit, keine Beliebigkeit ist ("möchtest du lieber einen Dinkelkeks"), sondern einen Wert hat?

Und nu geht es Brühe einkochen - L.

Re: Geniessen erlaubt

Verfasst: Mo 7. Okt 2013, 11:38
von Reisende
Landfrau hat geschrieben: Es entspricht aber nicht meiner Wahrnehmung. Es scheint eher so, dass Männer sehr gerne gut essen und die Frauen es sind, die sie kalt(herzig) abspeisen, weil sie vermeintlich Besseres zu tun haben, als etwas Vernünftiges auf den tisch zu bringen, dass gemeinsam gegessen wird.

Das Dumme ist nur, dass die Männer mal Söhne waren, die Mütter hatten, die ihnen (wenn sie Glück hatten und nicht zu jung sind und selbstverwirklichungshalber täglich in staatlichen Verwahranstalten abgegeben wurden) Essen gekocht haben.
tschuldige, aber ich finde solche aussagen und dieses vorsintflutliche rollenbild von frauen zum Bild
Bild

Re: Geniessen erlaubt

Verfasst: Mo 7. Okt 2013, 12:55
von Olaf
"watt de Buer nich kennt, datt frett hei nich" Und er tut gut dran.
auf Gewürze muss man geprägt sein oder zumindest einen freien Geist haben.
Sprichst Du da dem Bauern den freien Geist ab? Und heisst das auch noch gut?
Ich finde Menschen furchtbar, die stumpfsinnig das in sich reinstopfen, was es schon immer gab.
Beinm Vater meiner Ex-Frau gabs jeden Sonntag Schnitzel, sonst wärs kein Sonntag. Toll.
Bauern essen schweigend.
Und stützen den Arm auf.
Da bin ich ja denn doch froh, dass bei uns andere Sitten herrschen.
:aeh:
Olaf

Re: Geniessen erlaubt

Verfasst: Mo 7. Okt 2013, 13:18
von Picassa
Landfrau hat geschrieben: Und sind leicht bereit, sich mit minderwertigen Supermarktfutter (fettig und fleischig) selbst zu versorgen. "Futtern wie bei Muttern" wird aber jeden Kerl hinterm Ofen vorlocken (es sei denn, er hatte schon eine moderne Dosenfuttermutter...). Und gegen diese Prägung, meinethalben auf Braten mit Klößen und Gemüse in weißer Soße, kann dann auch die Ehefrau nicht ankochen und wenn mal wieder Körnerbratlinge mit Sojasprossen und Möhrenrohkost auf den Tisch kommen guckt Männe vllt nicht ganz so genießerisch....
Braten mit Klößen und Gemüse ist ja nicht automatisch minderwertiges Supermarktfutter.
Mit Körnerbratlingen, Sojasprossen und Möhrenrohkost könntest Du mich genauso jagen wie "Männe".

Sorry, aber für mich heißt genießen nicht, auf Vieles zu verzichten, nur weil da Fett, Salz und wasweißich drin steckt.
Für mich heißt Genießen, Essen zu essen, das MIR schmeckt, nicht welches, das irgend ein Gesundheitsapostel mir meint vorschreiben zu müssen.

Ich esse lieber 70 Jahre lang Braten mit Klößen als 80 Jahre lang Rohkost... und ich bin KEIN Mann.

Re: Geniessen erlaubt

Verfasst: Mo 7. Okt 2013, 15:27
von si001
Bei der "Anuga" in Köln spiegeln sich die Essgewohnheiten der trendigen !! Deutschen wieder. (Nein, ich bin nicht trendy! Ich will es auch nicht sein.) Die Pizza am Stiel kommt aus dem Toaster, die Meersalz-Pommes minutenschnell aus der Mikrowelle, der Apfelstrudel lässt sich fix aus dem Becher löffeln. Pfannkuchen werden nicht mehr in der Pfanne gebacken, sondern wandern von der Tiefkühltruhe über den Toaster in den Magen.
Mich wundert schon lange nichts mehr....
Die Auswirkungen dieser "Genüsse" bezahlt die Gemeinschft in Form von Krankenkassenbeiträgen. :aeug:

Re: Geniessen erlaubt

Verfasst: Mo 7. Okt 2013, 17:34
von krabbe
Auch Sorry, für mich heisst Geniessen was MIR schmeckt und nicht das was der ein oder andere als Genuss sieht.

Im Sommer 3X warmes Essen auf dem Tisch stehen zu haben wäre für mich Folter. Wenn Landfrau das braucht um zu geniessen ist mir das ziemlich wurscht. Solange ich es nicht essen muss. Aber das heisst nicht, dass ich mein Essen nicht geniesse oder einfach nur kalte Ravioli aus der Dose futtere.

Und mein Mann guckt nicht komisch wenn es Getreidebratlinge und Möhrenrohkost gibt. Weil das GENIEESEN WIR BEIDE Mein Kerl ist so bescheuert, der fragt sogar danach.

Und der ist sogar noch bekloppter. Wenn ich nach 12 Stunden ausser Haus Arbeit nach Hause komme, und er zu Hause war, dann steht da tatsächlich ein leckeres Essen auf dem Tisch. Für mich! Weil er es nicht unter seiner Würde findet auch mal am Herd zu stehen. Heute hat er übrigens auch gekocht. Ich bin nämlich die gesamte Treppe runter gedotzt. Und zum kochen hatte ich heute keinen Nerv.

Re: Geniessen erlaubt

Verfasst: Mo 7. Okt 2013, 17:39
von Reisende
krabbe, ich glaube, wir sind einfach eine andere generation. ;)
heutzutage darf der mann kochen, beim essen sich unterhalten werden und uneheliche kinder müssen auch nicht mehr am tisch stehen. :grr:

Re: Geniessen erlaubt

Verfasst: Mo 7. Okt 2013, 17:41
von krabbe
Zum Thema Tradition :

Wenn jede Generation nur genau das gemacht hätte, was schon ihre Grosseltern gemacht haben, dann sässen wir heute noch bei rohem Fleisch in der Höhle.

Dafür gefällt mir der Spruch an einem Haus in Oppenheim immer noch gut :

Vom Alten, sollst du erhalten
was gut ist und schön.

Re: Geniessen erlaubt

Verfasst: Mo 7. Okt 2013, 17:51
von krabbe
hallo Reisende,
Hast ja schon recht, aber so alt ist die Landfrau aber auch nun nicht. Es gibt vieles was ich an den Komentaren von ihr schätze, aber ihr Frauen und Männerbild gehört nicht dazu und auch nicht ihre Vorstellungen von Tradition.

So, jetzt höre ich besser auf zu schreiben. Wenn man geärgert ist sollte man dass nicht tun.

Re: Geniessen erlaubt

Verfasst: Mo 7. Okt 2013, 19:16
von Olaf
uneheliche kinder müssen auch nicht mehr am tisch stehen. :grr:
:lol:
Ich weiss ja nicht, was Ihr für ne Generation seit, ich werde nächstes Jahr fünfzig.
Ich kann kochen, jeder von uns beiden kocht, wenn er (mehr) Zeit oder Lust hat oder der andere eben gar keine oder wenn wer was am besten kann. Aber das ergibt sich nahezu von selbst, irgendwann manchmal im Laufe des Tages stimmen wir uns eben ab, auch schon mal für den nächsten Tag: "Wir müssen mal nen Plan schmieden..."
Bei uns am Tisch wird sich unterhalten, ich find das schön. Handy oder Fernsehen verbitten wir uns aber, da geb ich LF recht.
LG
Olaf
Edit: Mit nochwas geb ich LF aber recht:
Wir gehen seit Jahren nur noch erzwungenmaßen Essen in Gaststätten, also wenn wir eingeladen werden. Weil, es schmeckt uns nicht gut genug für das viele Geld, dann lieber teure Lebensmittel kaufen und selber kochen. Aber ist ja auch logisch, die Erkenntnis hatt ich nämlich auch vor einiger Zeit:
Der Koch dort muss den Mainstream bedienen, was soll der arme Mann / die arme Frau machen? Während wir unsere Vorlieben haben und kennen.
Beim Fertigfutter ist das natürlich noch extremer, aber unvermeidlich....