ina maka hat geschrieben:Ich hatte oben eine Seite verlinkt, in der stand, dass man eben Halmverkürzer und übermäßige/zum falschen Zeitpunkt ausgebrachte Stickstoffdüngung vermeiden soll, um Fusarienbefall zu minimieren.
Ist diese Empfehlung Quatsch (ich meine "Unsinn") oder ist da was dran?
Hallo ina maka,
das Wichtigste ist wohl auf jeden Fall ein gesunder Boden mit viel Bodenleben. Darin befinden sich dann vor allem sogenannte Nützlinge und zwar deutlich mehr als Schädlinge, wenn Frau Ingham keine Scharlatanin ist. Das sind nicht nur nützliche Käfer, sondern auch nützliche Bakterien, Pilze, Nematoden etc.
Nützlinge befinden sich aber nicht nur im Boden, sondern auch auf den Pflanzen, so wie bei uns Menschen sich Bakterien nicht nur im Körper, sondern auch auf der Haut befinden, wobei ich bei letzteren keine Ahnung habe was die da genau machen, außer faul im Liegestuhl liegen und die frische Luft genießen. Auf der Pflanze sorgen wohl mindestens Bakterien dafür, dass Pilze praktisch keine Chance haben. Aber auch der Aufbau, die Struktur und die chemisch-biologischen Eigenschaften der Pflanze, d.h. der Zellen und Zellwände sind wichtig für die Krankheitsabwehr.
Nur mit einem gesunden Boden kann eine Pflanze alle Mineralien aufnehmen, die sie dafür braucht.
Vor allem die Nützlinge im Boden brauchen eine ausreichende Sauerstoffversorgung, d.h. zum Beispiel keinen verdichteten oder verschlämmten Boden, weil sonst z.B. die anaeroben oder auch fakultativ anaeroben Bakterien mit ihren giftigen Stoffwechselprodukten die Oberhand gewinnen.
Ein gutes Stichwort für eine Suche nach weitern Informationen zu diesen Nützlingen ist zum Beispiel Mucigel. Das ist eine Art Schleim, aus Bakterien, Algen und ich glaube auch Pilzen, der jede Pflanzenwurzel, und sei sie noch so klein, umhüllt und vor schädlichen Pilzen, Nematoden, Bakterien etc. schützt.
Was ein gesunder Boden z.B. gegen Fusarien bewirken kann, erklärt der Bio-Landwirt Friedrich Wenz in seinem Vortrag aus dem Jahr 2007:
moderner biologischer Landbau Teil 3 (11min19)
https://www.youtube.com/watch?v=Bvcln-Le_7o
Ab Min. 07:50: Nach der Trockenzeit kam eine feuchtwarme Witterung. Danach: Das neue, ehemalig konventionelle Feld mit goldgelber Farbe wie man sich ein Weizenfeld im Hochsommer vorstellt. Konventionelles Feld [vom Nachbarn] nebendran, das nach allen Regeln der konventionellen Ackerbaukunst bearbeitet wurde, hatte massive Probleme mit Ährenfusarien, der Bestand ist dort zusammengebrochen, die Ähren sind meistens schwarz, viele Kümmerkörner, Körner nicht richtig ausgebildet.
Es ist insgesamt weniger eine Frage der Quantität des Humus, sondern vor allem die der Qualität des Humus.
Man braucht weder Halmverkürzer, noch Stickstoffdünger noch irgendwelche PSM, wenn man die Biologie ihre Arbeit machen lässt (guter Boden + gute Pflanzen mit guten alten Genen).
Ich finde es übrigens schon sehr traurig, dass es so jemanden wie Dr. Elaine Ingham (Soil Food Web) oder Dr. Kris Nichols (Rodale Institut) nicht im deutschen Sprachraum gibt. An der Boku Wien gibt es zumindestens Dr. Ines Fritz, die sich sehr um die Bodenbiologie und um Humus kümmert, aber man hört trotzdem irgendwie zu wenig davon.